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Jüdische Wochenschau · 1962-01-05 · 1936 (5.1.1962) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
23 (1962)
Issue
1936 (5.1.1962)
Date
1962-01-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. JûïJfenuÀJt&JshjCieliicL T E. 832613 Aäa XXIII. BUENOS AIRES, VIERNES 5 DE ENERO DE 1962 No. 193« UNRUHEN IN ALGERIEN Paris. — Nach zwei Tagen blutiger Zusammenstösse, bei denen 18 Personen, darunter fünf Juden, den Tod fanden, herrschte am dritten Tag wieder Ruhe in den Strassen von Constantine, Oran und anderer Städte, die der Schauplatz dieser Unruhen waren. Das jüdische Viertel von Oran litt besonders unter den Folgen der wilden Handgemenge, zu denen es zwischen Manifestanten und Einheiten der Sicherheitskräfte kam. Offiziellen französischen Quellen zufolge nahmen die Strassenkämpfe ihren Anfang, als eine Gruppe junger Juden durch die Strassen zog und im Sprechchor ein „französisches Algerien” forderte.' Wie es heisst, gab ein Aufruf durch den Rundfunk den t Anlass zu dieser Demonstration, zu der die 30.000 in Oran lebenden Juden aufgefordert wurden. Die Juden, die sich an diesem Umzug beteiligten, wurden von den Truppen angegriffen. Zwei Tote und mehrere Verwundete blieben am Ort dieses Zusammenstosses zurück. Am Abend waren die Synagogen mit Betenden überfüllt. Am darauffolgenden Tage schlossen die jüdischen Kaufleute ihre Geschäfte und erklärten einen Proteststreik. Es bildeten sich neue Züge von Manifestanten, denen sich dieses Mal nichtjüdische Europäer anschlossen. Es kam zu Scharmützeln mit arabischen Gegendemonstranten, welche sich 1 bei dieser Gelegenheit auf die Seite der Sicherheitstruppen stellten. Als die Nacht hereinbrach, waren j drei weitere jüdische Opfer zu beklagen. Infolge der erwähnten Ereignisse sind die jüdischen Kreise von Algerien sehr beunruhigt. Ein Gemeindevertreter erklärte einem französischen Journalisten, die Demonstrationen seien „auf den festen Entschluss zurückzuführen, die jüdischen Heime zu verteidigen”. Oran. — Als Opfer der Strassenkämpfe in die.-er Stadt fielen neun Personen, darunter ein Europäer. Die Zahl der Verwundeten belief sich auf 22. : Constantine. — Bei einem! Angriff von Angehörigen WIE ICH ES SEHE1 Nasser auf Castros Spuren mn JEHUDA G0TTHEIMER 11 Wohl selten haben die Vertreter der arabischen Länder die Tribüne der UN in diesem Umfang missbraucht, um Schimpfkanonaden gegen Israel zu lanzieren wie in diesem Jahr. Hemmungslos wurde teilweise eine rein nazistische Lügenpropaganda entfaltet, die einem Schundorgan wie dem Streichersehen „Stürmer” entnommen sein konnte. Leider haben die Verantwortlichen der UN nicht verstanden, für die Beachtung des einer UN- Versammlung angemessenen Niveaus Sorge zu tra gen. sodass als Hauptgeschädigten die UN selbst aus diesen Debatten hervorgingen, die sich in dieser besonders tragischen Stunde der Entwicklung der internationalen Beziehungen in einer schweren Krise befinden. Entgegen ihrem wirklichen Potential können die Araber immer noch eine Rolle spielen, die ihnen in Wahrheit gar nicht zukommt, indem sie geschickt nichts anderes zu tun brauchen. als die Gegensätze zwischen dem Ost- und dem Westblock auszunutzen. Hierin hat der ägyptische Diktator Abdel Nasser eine besondere Meisterschaft entwickelt. Die Araber treten nach aussen hin gern als eine Einheit auf, die auch möglicherweise vorhanden ist, wenn es sich um die unglückselige Gegnerschaft gegen Israel handelt. Man braucht kein Kenner der Verhältnisse des Mittleren Ostens und kein Spezialist für arabische Fragen zu j sein, um zu erkennen, dass die arabische Einheit eine der grossen Fiktionen unserer Zeit ist, an die zu glauben jedem überlassen bleibt der mit diesem Faktor einer imaginären Macht rechnen oder operieren will. Die Arabische Liga, einst von den Engländern geschaffen um die arabische Welt durch gegenseitiges Ausspielen der verschiedenen! Rivaleu besser zu beherr-1 sehen, bemühte sich viele j Jahre hindurch vergeblich,! der Weltöffentlichkeit die I Idee einer einheitlichen ara-1 bischen Front zu geben, um | dadurch den inneren Wert i der arabischen Länder auf dem Markt der internationalen politischen Interessen künstlich hochzutreiben. Auch das ist lange genug möglich gewesen, weil die Konkurrenz der Weltmächte unter sich zu einem gegenseitigen Ueberbieten geführt hat. Hierbei haben USA-Interessen in Mittelost Td Aviv. — Henry Kissinger. Professor, der Universttat Harvard und Ratgeber des Präsidenten Kennedy in Fragen der Atomstrategie, erklärte hier, dass Israel und die USA „gemeinsame Interessen im Mittelosten” haben. Beide Völker, ao führte er aus sind an der Stabilität der Lage und der Verhütung von offenen Feindseligkeiten interessiert. Kissinger stellte klar, dass er diese Erklärung als Privatmann abgebe. Sein Besuch in Israel währte eine Woche. Obwohl er das Land nicht in offizieller Mission besuchte, so war er doch Gast des Aussennumsteriums. Er besichtigte Israels Verteidigungsanlagen und wurde vom Vizeminister für Verteidigung, Schimon Peres, empfangen. Auf Fragen von Journalisten erklärte Kissinger, die Lieferung von Waffen an den Mittelosten sei „eine Gefährdung der Stabilität und eine Gefahr für den Frieden. Er fügte hinzu, er sei ein Gegner der Lieferung von nuklearen Waffen an die Länder die-! Ser Zone. Dies stelle auch keine Lösung der Proble-! me dar, denen sich Israel gegenüber sieht. „Natürlich . so fügte er hinzu, „wenn die Araber im Besitz! dieser Waffen wären, «o würde ich meine Meinung! andern.” (ITA) sich zunächst die West machte ausgezeichnet, die; sich bemühten, jeweils den eigenen Verbündeten, der in der Mittelost-Politik zum Gegenspieler geworden war, auszuschalten. So eliminierten die Engländer die Franzosen und schliesslich die Amerikaner die Engländer, bis dann noch die Russen auf den Plan traten und nun mit den Amerikanern um den Einfluss ringen. Vielleicht haben auch schon die Roten Chinesen einen ér.ten, noch flüchtigen Blick auf Kairo geworfen, das ihnen eines Tages wie Albanien in den Schoss fallen könnte. Die Kette der Inter essenten reisst nicht ab. Hierfür sorgt bereits das flüssige Gold, der natürliche Reichtum der arabischen Staaten an Oel, aber auch die ungeschickte westliche Politik, die keine klare Linie erkennen lässt und damit jedem Hasardeur die Möglichkeiten eines neuen Abenteuers bietet. In beinahe regelmässigen Abständen tritt die Frage der arabischen Einheit demaskiert vor die interna! tionale Oeffentlichkeit. In I diesen Wochen war dies! besonders krass der Fall. | Da haben wir zunächst den j nicht oder schlecht beigelegten Streit um Kuweit, jenes Petroleum - Paradies, dessen Bevölkerung über Nacht reich und dessen Emir zu einem der grossten Magnaten der Erde geworden ist. Das kleine Ku- | weit hat Einnahmen, die in das Reich der Phantasie gehören und eine Entwicklung ermöglichen, die das „amerikanische Tempo” überstieg. Es ist kein Wunder, das einer der Nachbarn, der Irak, mit eifersüchtigen Gefühlen dem kleinen Emirat gegenüberstand, dessen Reichtum für den Irak die Lösung mancher Probleme bedeuten könnte. Dabei muss man allerdings wissen, dass auch der Irak ein Petroleum - Produzent grössten Stils ist. Aber ein arabisches Land hat starke Bedürfnisse. Die Millionen werden für mancherlei Zwecke, nur nicht für die Entwicklung der Staaten gebraucht. Kassem, der Organisation FLN auf das Polizeiquartier von Constantine wurde ein Polizist getötet und zwei Polizeibeamte schwer verwundet. Algier. — In der Silvesternacht rotteten sieh Mitglieder der OAS zusammen, die mit Kochtöpfen bewaffnet einen ohrenbetäubenden Lärm verursachten, um auf diese Weise das Jahr 1962 einzuleiten. Gleichzeitig veranstalteten Autobebesitzep ein Hupkonzert. Die Polizei wurde eingesetzt, um diesem Skandal ein Ende zu bereiten. Empfang bei Ben Zwi Jerusalem. — Der Präsident Israels. Jizchak Ben Zwi, und seine Gattin veranstalteten anlässlich des Beginns des neuen Kalenderjahres einen Empfang für die hohen Würdenträger der christlichen Kirchen im Hei.i gen Lande. Bei dieser Gelegenheit hielt Ben Zwi eine kurze; Ansprache, in der er an seine Besucher die .Aufforderung richtete, „ln der Stadt Jerusalem, dem Symbol für Brüderlichkeit und Frieden” für die .Entspannung der internationalen Lage und für den Frieden unter! den Völkern zu beten — ' (ITA) der Gegenspieler Nasfers unterhält eine starke Armee, kauft Waffen und wieder Waffen, denn er kann niemals wissen, gegen wen er diesen militärischen und Rüstungsaufwand einsetzen muss. Alle die grossen arabischen Diktatoren sitzen auf den Spitzen der Bajonette ihrer Legionäre, auch Nasser... Als der Hunger des Irak auf Kuweit und sein Petroleum zu stark wurde, erschienen die Briten, die sich auf einen alten Vertrag stützten, der sie zum .Schutz von Kuweit verpflichtete. Dagegen war an sich nimis einzuwenden. Der arabische Nationalismus, eine der immer zündenden Parolen un- | serer an Redensarten und Schlagworten überreichen Zeit, trat auf den Plan, protestierte und verlangte, dass die Briten mit ihren imperialistischen Zielen Kuweit verlassen. Ganz so einfach lagen diesmal die Dinge nicht, denn der Emir von Kuweit wusste sehr Wohl, die britische Waffenhilfe zu schätzen und bevorzugte den englischen Imperialismus gegenüber dem irakischen Expansionsdrang. Ep hielt schon gamchts von den Angeboten, nie Nasser ihm machte, der die Chance erblickte. sowohl den Engländern wie den Irakern einen St-eich zu spielen und einen Strich durch die Rechnung zu ma- ’ chen. Die in politischen Fragen meist schlauen Engländer lanziertea eine Lösung, gegen die kein arabischer Staat einen Einwand erheben konnte. Kuweit wurde zu einem souveränen Fürstentum erklärt, ' man schloss Staatsverträge und ehe sich die anderen recht überlegen konnten, zu welchen Konsequenzen dieses Manöver führen würde, Fragen an dasi In den höchsten Kreij^^^^^ verschlossenen Türen v^ Lage und die Diskrminierunii i.i»—wwwiwi———- gen die nordamenkanischen .. men diskutiert. Obwohl Präsident,Ql|J^{jJUPJ^ linkrise und zahlreichen anderen dring - - .nen der Aussenpolitik stark in Anspruch *n)l£lfTr ,s“ unterlässt er es doch nicht, die Spann«-,, „wischen Israelis und Arabern aufmerksam zu verfolgen. Er erinnert sich gut an die Verbrechen, die er wärmend der Wahlkampagne abgab. dass er das Seinige dazu beitragen werde, um eine Lösung für das Problem der palästinensischen Flüchtlinge zu finden und eine arabisch-israelische Annäherung herbeizuführen. Im State Department wurde die Aufmerksamkeit der hohen Beamten erneut auf die Frage der Diskriminierung gelenkt, deren Gegenstand jüdische USA-Bürger und Firmen sind. Dieser Fall verursacht dem State Department wahre« Kopfzerbrechen, obwohl einige der araberfreundlichen Beametn den Standpunkt vertreten, das» die Araber auch in dieser Frage im Interesse der Vereinigten Staaten beschwichtigt werden müssten. Aber auch diese Beamten können keine Gründe mehr dafür angeben, dass Juden in der USA-Armee zum Dienst im amerikanischen Luftstützpunkt in Saudi Arabien n.cht zugelassen werden. Saudi Arabien hat seine Abmachung mit den Vereinigten Staaten über diesen Stützpunkt gekündigt. Somit ist kein Anlass mehr für das State Department vorhanden, die antijüdischen Gefühle der Sauditer gegen jüdische USA-Bürger in Betracht zu ziehen. Die gleiche Situation trifft in noch grösserem Ausmass für Transjordanien zu. Die USA haben keine strategischen Interessen in Transjordanien und sind bemüht, aLes zu tun, um das heutige Regime in diesem Land zu stützen. Eu ist daher kein stichhaltiger Grund vorhanden, aus dem jüdische USA-Bürger, die die Kiagemauer und andere heilige Stätten in Transjordanien besuchen wollen, nicht die Erlaubnis hierzu erhalten sollten. Das State Department kann schwerlich eine Erklärung dafür finden, warum es nicht den Versuch unternimmt, auf Transjordanien Einfluss zu nehmen, in diesem Punkt keinen Unterschied zwischen jüdischen und nichtjüdischen USA-Bürgern zu machen. Wie zu erwarten steht, dürfte das State Department bei den im Januar beginnenden Sitzungen des Kongresses energisch interpelliert werden. BORIS SMOL4R war Kuweit auch scher: al“ gleichberechtigtes Mitglied in die grosse Völkerfamilie der UN aufgenommen. Nun mussten alle anderen, natürlich auch der Irak, die Grenzen des neuen arabischen Bruderstaates respektieren, der auch Mitglied der nicht existenten Arabischen Liga geworden war. Durch diese doppelte Sicherung sollte Kuweit vor den Gelüsten des übermächtigen Nachbarn und Bruders Irak geschützt werden. Die:» Wendung genügte, um einige Zeit Ruhe zu stiften. Nun aber ist Kassem wieder lebendig geworden.Der erste Schreck über die Gleichstellung des Emirats mit den anderen arabischen Ländern legte sich. Inzwischen sind auch andere Kräfte in der weiten arabischen Welc gelöst worden, die zu beinahe chaotischen Zuständen führten, sodass Kafjsem seine Stunde für gekommen hielt, die alten Forderungen auf Kuweit zu erneuern. Möglicherweise spornte ihn das indische Beispiel an und verleitete ihn anzunehmen, dass nun auch er ungestraft Kuweit okkupieren uftd seinem irakischen Grosstaat einverleiben könne, wie Nehru es mit Goa getan hat. Sicherlich :.-t Kassem zum Säbelrasseln weit geeigneter als Nehru, der immerhin auch gezeigt hat, dass er ein Wolf im Schafspelz ist oder sein kann, wenn er will. Da es um Petroleum und also auch um viel Geld geht, traten die Engländer sofort wieder auf den Plan. Natürlich haben sie sich zurückgezogen, als Kuweit selbständig und in die UN aufgenommen wurde. Aber sehr weit können sie nicht weggegangen sein, denn plötzlich waren sie wieder da, mit ihren Kriegsschiffen, Flugzeugen und Soldaten, bereit, sofort einzugreifen, wenn Kuweit darum bitten sollte .. Kassem erklärte, der Irak würde die usurpierten Gebiete seines Territoriums befreien, der irakische Aussenminister sagte ohne Umschweife, dass Kuweit irakisches Hoheitsgebiet fiei, und irakische Streitkräfte marschieren auf die Wüstengrenze zu, um das Signal zur Besetzung Kuweits abzuwarten. Die englischen Minister unterbrachen ihre Weihnachtsfeiern und trafen die erforderlichen Gegenmassnahmen. Man steht Gewehr bei Fuss. Zur gleichen Stunde trat Nasser auf den Plan. Diesmal leitete er keine seiner bekannten Redeschlachten gegen Israel und den .westlichen Imperialismus ein, sondern holte zu einem Schlag gegen seine arabischen Brudervölker aus, der alle aufhorchen lässt. Er, der grosse Gamal Abdel Nasser, der einst ausgezogen war, um nicht nur die arabische Welt, nein, alle Moslems unter seinem Szepter zu vereinigen, beschloss jetzt, alle Bündnisse mit den arabischen Völkern zu brechen, um allein den Kampf aufzunehmen, zu dem er sieh berufen fühlt. Er wolle, so führte er aus, allein jene Erscheinung bekämpfen, die er als „Allianz des Imperialismus und der reaktionären Kräfte in der arabischen Welt“ bezeichnete. Das sind bereits rein hitleristhche Methoden. Auch der „Führer“ beschimpfte seine bisherigen Partner immer dann, (Schluss auf Seite 2) Korrespondenz beschlagnahmt Tel Aviv. — Nunmehr wurde das geheimnisvolle Verschwinden einiger Postsäeke aufgeklärt, die von Israel aus auf dem Luftwege befördert wurden und schliesslich in den Händen der Aegypter landeten Es handelt sich, wie mitgeteilt wurde, um Briefe die für verschiedene afrikanische Länder wie K-nia! Uganda, Tanganjika usw. bestimmt waren und von Angestellten der Fluggesellschaft versehentlich in einem Apparat verfrachtet wurden, der in Kairo eine Zwischenlandung vornehmen sollte. Die ägyptischen Zollbehörden bemerkten bei der üblichen Revision der f rauch.i„die aus Israel stammenden Säcke, die sie einfach öffneten, um ihren Inhalt zu konfiszieren. Man rechnet damit, dass die Post nicht den Empfängern Eichmanns vorzulegen beabsichtige. (ITA) J

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