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Jüdische Wochenschau · 1961-12-29 · 1935 (29.12.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1935 (29.12.1961)
Date
1961-12-29
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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8 — Vientes, 29 d« IL Ge- O CÛ o a ~ s FRANQUEO PAGADO Concesión 908 ë ¿ 5 t? g <o TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA ISRAELITA Año XXII. BUENOS AIRES. VIERNES 29 DE DICIEMBRE DE 1981 No. 1935 EL EJEMPLAR È m toé» I« República ■ ■ PUEYRREDON 2190 1? te«. T. E. 83 2013 Buenos Aires Seiltanz in Bagdad HEUTE IN BERGEN - BUSIN ff H-IMM.aiM.-'-iïi-.Ti-l -- - ---- Die Panzerwagen der Armee sind schon lange wie der aus den Strassen Bagdads verschwunden, die Barrikaden der Taxichauffeure wurden abgebaut; die Manifestanten, die Autobusse angesteckt und Personenwagen auf ihrem Wege demoliert hatten, gehen wieder ihrer Arbeit nicht; der über einzelne Stadtteile verhängte Ausnahmezustand ist wieder aufgehoben worden. Die Erhöhung der Abgaben für Benzin, Zigaretten und Alkohol — die Ursache der plötzlichen Ausschreitungen — wird murrend hingenommen. Uebrig bleibt der unangenehme Eindruck, dass die politischen Fraktionen weder der einen noch der änderen Seite ihr Ziel — die Gewinnung der politischen Macht — aufgegeben habendie Rufe „Es lebe die grosse vereinigte arabische Nation'’ der einen und „Es lebe die Volksrepublik” der anderen sind unüberhörbar und vermitteln ein klares Bild über die Strömungen, zwischen denen General Kassem einen politischen Balarce-Akt zwischen Westen und Osten, zwischen Panarabismus und irakischem Nationalismus vollführt. An die Adresse der Kommunisten richtet sich offensichtlich seine kiirzliche Ansprache vor den irakischen Aerzten in Basra, in der er scharf die Agenten fremder Mächte verurteilte, die stets dann versuchten, das Land in die Anarchie und das Chaos zu stürzen,, wenn die Regierung eine Atmosphäre der Ruhe brauche. Den panarabischen Extremisten galt dagegen eine Rede vor den Offizieren der Armee, in der formell die Idee eines grossen vereinigten arabischen Blocks verurteilt wurde. Der General erinnert an die Verschwörung von Mosul im Jahre 1959, die er als ein Beispiel für den; Verrat an der arabischen Sache bezeichnete, und fuhr fort: „Eine arabische Einheit ist nur möglich auf der Grundlage der freien Zusammenarbeit. Die Geschichte ist da, um zu beweisen, dass alle Reiche mit einem Misserfolg geendet haben. Die Zeit der arabischen Reiche ist zu Ende.” NATIONALISTEN UND KOMMUNISTEN Danach überrascht es nicht mehr, wenn in Damaskus gesagt wird: „Kassem ist Kommunist, er liefert Irak den Roten aus ” Aber in Bagdad lässt sich schnell feststellen, dass dem nicht so ist, sondern dass sich überall nur die Auswirkungen eines sehr labilen politischen Zustandes bemerkbar machen. Die politische Zerrissenheit des Landes zeigt sich schon in der Hauptstadt mit aller Deutlichkeit. Sie macht den ständigen Balance-Akt des Generals vollauf verständlich. Er kann gar nicht anders, will er das Land nicht einer zweiten blutigen Revolution ausliefern. Im Norden der Haupt stadt liegt das grösste geschlossene Stadtviertel,Adhamija, das schon seit Jahrzehnten als eine Hochburg der Nationalisten bekannt ist. Hier wird sich kein Kommunist ansiedein. Auf der anderen Seite des Tigris, Adhamija gegenüber, liegt Khadhimija, das als gut kommunistisch gilt. Ob aus Ueberzeugung, lässt sich nicht einwandfrei sagen. Es mag nämlich sein, dass die schiitischen Bewohner dieses Viertels kommunistisch sind, well die Sunniten der anderen Tigrisseite, mit denen sie seit jeher in Feindschaft leben, dem panarabischen Nationalismus anhängen. So wechseln die Viertel zwischen.nationalistisch, kassemistisch und kommunistisch. Sicher aber ist, dass die zwei extremen Flügel das Uebergewicht haben. Alle drei fürchten „sich vor einer anderen Gruppe, den „Serlfas” jenen . ¡j,'btlfhüttenbewohnern, die sr„9t;im Laufe der Jahre an dem Um-, schliessungswall Bagdads angesiedelt haben. Die einen schätzen ihre Zahl auf um die Hunderttausend, andere geben sie mit fast einer halben Million, also mit fast der Hälfte der Einwohnerzahl der Hauptstadt an. Sie vegetierten früher in de» Sümpfen des Südens dahin, Bauern und Fischer. Sie wanderten langsam nach Norde« und setzten sich in unmittelbarer Nachbar- SOWJETWAFFEN FÜR AEGYPTEN Tel Aviv. — Die Nachricht über die Möglichkeit, dass die Sowjetunion mit Aegypten über die Errichtung von Marinestützpunkten oder die Benutzung bestehender Basen verhandelt, hat hier Besorgnis hervorgerufen. Wie es heisst, konferierte der Oberkommandierende der russischen Flotte, Admiral Sergei Gorshkow, mit den hohen Militärbehörden in Kairo. Die kairoer Zeitung „Al Massaa” schreibt, dass die neueo Schiffe, die kürzlich in Alexandrien angekommen sind, die ägyptische Flotte zu der mächtigsten im Mittelosten machen. Ferner heisst es, dass Aegypten über den Ankauf von drei Mig-Flugzeuggeschwadern und verschiedener Unterseeboote verhandelt. Wte ,!A1 Massaa” weiter mitteilt, sind die neuen Schiffe mit den modernsten Waffen bestückt. Die ägyptischen Beamten leimten es ab, diese Nachrichten zu kommentieren. Das State Department in Washington wollte ebenfalls keinen Kommentar abfeben Anderen Quellen zufolge sind die Stützpunfte, die die USSR in Aeg|/pten sich zu sichern bestrebt ist. dazu bestimmt, die von den Russen in Albern nadh dem Abbruch der Beziehungen zwischen l «Jen Landern verlorenen Basen zu ersetzen. Di^j. albanische Flottenbase war die einzige, die Russland einen Zugang zum Mittelmeer bot. (ITA) schaff der Hauptstadt fest, wo sie jetzt in entsetzlichen Slums ihr Dasein fristen. UNRUHESTIFER IN DEN SLUMS Diese Schilfhiittenbewohner sind zwar politisch kaum interessiert, aber in Bagdad fürchtet man sie. Die Folgen eines Einsturzes der Ordnung wären nicht abzusehen. Bagdad würde dem Sturm des Pöbels preisgegeben sein. Desha’b sieht die Regierung darauf, bei jeder Manifestation, bei jedem Zeichen einer Unruhe, an jedem politischen Feiertag die gewöhnlich schon starke Garnison Bagdads zu verstärken und in Alarmbereitschaft zu halten und an allen Grenzen der Viertel Maschinengewehrposten aufzustellen, die ohne Verzug bei Gefahr die Stadtteile voneinander abriegeln können. Dann fahren auf dem Umschliessungswall, der die eigentliche Stadt von den Slums trennt, die Panzerwagen auf, um jeden Versuch eines Massensturms auf die Stadt im Keim zu ersticken. Im Lande ist es nicht viel anders: da gibt es nationalistische Mittelpunkte wie den Wallfahrtsort Kerbela, Diwanije und Musajab. An einem Dorfeingang z'yisphen Bagdad und SamarrAiit an eine Hauswand geschrieben: „Hier gibt es keine Kommunisten”. Dem stehen Dörfer und kleine Städte gegenüber, in die sich ein Nationalist kaum hineinwagt, wie der zweite Wallfahrtsort Najef oder nach Nifsirija am unteren Euphrat. Zwischen diesen widerstrebenden Kräften vollführt Kassiem seinen Balance-Akt mit einer Handvoll Männern, die eine ureigene irakische Politik zu führen versuchen. Deo politische Seiltanz ist zu einer Notwendigkeit geworden, seit Kassem einen mittleren Weg zwischen Kom- ' munismus und panarabischem Nationalismus gehen will, seit er ein eigenes politisches Programm zu verwirjriichen sucht, in dem sogar nwrnche gemässigten und hational denkenden Iraker ein Zeichen von mangelndem Arabismus oder eines egoistischen Machthungers sehen wollen, die das Land an den Rand des Ruins führen könnten. Kassem befindet sich in einer Zwangslage, denn er stösst ebenso auf das Misstrauen der Kommunisten wie das der panarabisch gesinnten Kräfte. Der Versuch einer Annäherung zwischen Bagdad und Kairo, der während der Konferenz der Arabischen Liga vor einigen Monaten unternommen wurde, ist längst wieder abgeblasen worden, seit sich herausstelite, welche gefährlichen Folgen er für die irakische tflfhnenpolitik haben könnte. ^«^Pas politische Regime im -JSrak bleibt weiterhin zerbrechlich, und das Ende des Seiltanzes zwischen den sich bekämpfenden politischen Strömungen apf der schmalen.-Schnur dÄ* Armee hängt von.'jso Viel«! unsicheren und’'k»ifi^ ' vöraussehbaren Faktoren ab» dass auch die | besten Kenner des Landes keine Prognose zu stellen wagen. mmmm In Bergen-Belsen fand vor öem Monument für die jüdischen Opfer der Nariverfoigungen eine Gedenkfeier statt. Heute tragen die deutschen Soldaten andere Uniformen; hoffen wir, dass sich ihre Mentalität ebenfalls geändert hat. Eine Wiedergutmachung Regensburg. — Zwei Frauen aus Israel verbrachten auf Einladung der Stadt R'egensburg einen 14tägigen kostenlosen Urlaub. Der Stadtrat hatte beschlossen* ehemalige jüdische Mitbür. ger, die über 60 Jahre alt sind und heute in Israel leben, nach Regensburg einzuladtn. Die Stadt wolle damit zur Wiedergutmachung beitragen. Die beider. Fragen kamen aus Tel Aviv. — (AWZ) AN UNSERE LESER Mit Rücksicht auf die allgemeinen Feiertage der kommenden Woche; kann die nächste Ausgabe der Jüdischen Wochenschau erst am Freitag, den 5. Januar, erscheinen. Wir bitten unsere Leser, hiervon frdl. Vormerkung nehmen zu wolle«-. Abkommen mit dom Libanon Jerusalem. — Israel und Libanon sind über gemeinsame Sicherheitsmassnahmen bei den Urbarmachungsarbeiten des KKL nördlich, von Metalle an der libanesischen Grenze einig geworden. Da zur Urbarmachung: der dortigen Felshänge häufige Sprengungen notwendig, sind, hat sieh der KKL verpflichtet, für alle etetwaigen Schäden aufzukommen, die dadurch den auf libanesischer Seite stehenden Häusern oder Passanten auf der an der Grenze entlang führenden Strasse zugefügt werden sollten. Die israelisch-libanesische Waffenstillstands - Kommission hat Vorkehrungen getroffen* Personen vor Steinschlag zu schützen. Sobald der KKL das Signal zu einer neuen Sprengung gibt, untercrechen libanesische- Polizisten den Verkehr auf der Grenzstrasse. (AW2) Gnpannt* Lago in Algier Oran. — Eine mit Spannung geladene Ruhe herrschte in dieser Stadt, nachdem auf die Möglichkeit verwiesen worden war, dass es zu neuen Züsammenstössen zwischen Arabern und Juden kommen könne. Man erzählte sichvdass ein nichtjüdischer Kaufmann, der im jüdischen Viertel wohnte, wahrscheinlich von einem Mohammedaner erdolcht wurde und Gruppen junger Juden Repressalien vorbereiten. Das von Heereseinheiten abgeriegelte Viertel, in dem die Polizeistunde verhängt wurde, ist praktisch vom Rest der Stadt abgeschnitten. Allerdings glauben die Behörden, dass es im Augenblick nicht zu neuen Feindseligkeiten kommen dürfte. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 658.885 impreso en 1« Imprenta POLIGLOTA - Rivadavu 8»

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