Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1932 (15.12.1961)
- Date
- 1961-12-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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rrwEscrrar LA SEMANA ISRAELITA AN« XXIlí. — Ne. IKK — 5 Die allen Vorurteile h, der Hamburger* „Welt“ schreibt der noch nicht cwanzig Jahre alte Wilfried von Bredow über das Thema: „Gibt es Antisemitismus unter den deutschen Jugendlichen?”: Eine beunruhigende Frage aber eine, die bis heute kaum gestellt wurde. Weil sic beunruhigend ist? Das V'hre ein gefährliches Reichen für den Masstab unserer Glaubwürdigkeit. Der Antisemitismus gerät sofort unter ein gesellschaft- Lches Tabu, wenn die Fragestellung sich auf die Gegenwart beziehen soll. Man beschäftigt sich zwar immer v ieder historisch mit ihm, etwa aus Anlass des Eiehmann-Prozesses, der Blickwinkel jedoch gefällt mir nicht: die Vergangenheit soll abgeschlossen werden. Alles steht unter der beun ruhigenden Markierung: gestern und nie wieder. Aber verschiedene kleine und scheinbar vereinzelte antisemitische Bekundungen der letzten Zeit drücken doch t'as Gegenteil aus. Praktisch denken, von Cariton schenken! 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Das schlechte Gewissen und in wenigen Fällen die Scham der Deutschen gegenüber den Juden drückt sich auch bei hervorragenden Männern durch eine Haltung aus, die, obzwar das genaue Gegenteil des herkömmlichen Antisemitismus, zumindest ebensolche Wirkungen bei der Jugend hinterlässt: die vorbehaltlose und uneingeschränkte Preisung alles Jüdischen, die kein Kriterium ausser eben dieser unkorrekten Bezeichung „jüdisch“ zuiässt. Wie nobel das auch gemeint sein mag, die Folgen sind durchaus nicht im Sinne der Humanität: die Juden darf man nicht angreifen, wird uns suggeriert.. Und der von der Vergangenheit unbelastete Jugendliche fragt sich sofort: warum darf man die Juden nicht angreifen? Dieses Misstrauen ist berechtigt, nicht den Juden, als vielmehr dieser Meinung gegenüber. Denn das schlechte Gewissen lässt die Gesinnung vieler Deutscher von einem Extrem ir. das andere pendeln; gestern recht zu uns: Carlton-Kleidung ist Klei: ’ düng guten Stils, sie ist mei-1 sterhaft gearbeitet und nicht I teurer als gewöhnliche . Kleidung. I Ständige Passformkontrolle. | Herrenbekleidung Ma pü 484 L TE. 31-7845 Herrenausstattung Maipü 982 TE. 31-0357; Auf Einladung der Bne Brit New York. — Dis erste deutsche Besuchergruppe, die auf Einladung einer amerikanischen jüdischen Organisation die Vereinigten Staaten besuchte, schloss vor kurzem ihren dreiwöchigen Besuch in New York ab. Auf Initiative der Bne Brit hatte eine Gruppe amerikanischer jüdische,- Jugendleiter im vergangenen Jahr die Bundesrepublik besucht. Der deutschen Delegation gehörten Geistliche der bei. den christlichen Konfessionen. Lehrer und Sozialarbeiter an. Die Gruppe besuchte Washington, New York, das Hauptquartier der Vereinten Nationen und verschiedene nordamerikanische Städte, um Sozialeinrichtungen zu studieren. (AWZ) Journalisten Zentrum Jerusalem. — In Jerusalem wurde kürzlich der Grundstein zu einem Zentrum^ für israelische und ausländische Journalisten gelegt, das nach dem Gründer der „Jerusalem Post” und ehemaligen Bürgermeister von Jerusalem. Gershon Agron, benannt wird. Das „Bet Agron” soll innerhalb von zwei Jahren fettig gestellt werden. Die Baukosten belaufen sich auf 500.000 1L. Die Stadt Jerusalem stellte das Grundstück zur Verfügung. ’AWZ) Studienaufenthalt Tel Aviv, — 29 Dozenten und Studenten der Pädagogischen Hochschule Göttingen hielten sich vor kurzem zwei Wochen lang zu Studienzwecken in Israel auf , 'AWZ) kümmerte er sich nicht um die kollektive Vergasun: der Juden, heute preist er sie ebenso kollektiv. Der goldene Käfig, in dem sich die Juden eingesperrt sehen, erweist sich aber nur als oberflächlich vergoldet. Als vor kurzem eine Anthologie jüdischen Witzes erschien, in der auch der Typ des unsympathischen, nur in Zahlen denkenden Juden beschrieben wird, versuchten viele Philosemiten entsetzt dieses Buch vor den Augen der Jugend zu verbergen. Denn die könnte ja von diesem unsympathischen Juden insgesamt schiiessen. l_nd hier genau liegt der Denkfehler. Die Jugend hat sich heute, soweit sie kritisch veranlagt ist. und auf sie kommt es an, das Denken in Kollektiven weitgehend abgewöhnt. Das „perfide Albion“ zum Beispiel existiert für sie nicht mehr: kaum kennen sie noch die Bedeutung dieser Bezeichnung. Aber warum wird ihren dann dauernd von „den“ Juden erzählt? „Die“ Juden sollte es doch ebensowenig geben wie „die“ Engländer Oder „die“ Deutschen. In Deutschland kommt man heute den Juden verkrampft entgegen. Verkrampft ist aber nur ein anderes Wort für unaufrichtig. Unter der scheinbar ruhigen Decke der Wiedergutmachung — ein Widerspruch in sich selbst, denn was kann rach der Ermordung ihrer Angehörigen an solchen jüdischen Familien wiedergutgemacht werden? — und der Distanzierung von der A ergangenheit wächst ein neuer Antisemitismus. Ohne Zweitel steht die Jugend einer Gefahr gegenüber, von der sie kaum etwas weiss; das eigentlich Drohende liegt nämlich im Charakter dieses neuen Antisemitismus: er entsteht, unbewusst und tritt dann scheinbar gerechtfertigt an eien Tag, wenn irgendein Ereignis den Juden nicht als eine Art seltenes „Zootier“ mit finanziellen Privilegien, sondern als Menschen zeigt. Erst wenn wir die Juden als Menschen wie wir he trachten, ohne sie auf die andere Seite einer imaginä- Eine historische Parallele von MATEO URWAND Bei dem kürzlich in Israel. durchgefühlten Prozess gegen Adolf Eichmann wies dieser alle ihm zur Last gelegten Anklagen über an Juden begangenen Unmensehlichkeiten mit der stereotypen Antwort zurück, dass er nur im Aufträge seines oder seiner Vorgesetzten gehandelt; habe. So eigenartig es klingen mag. hat sieh in den südamerikanischen Freiheitskriegen ein ähnlicher Vorfall ereignet. Er wird in dem Standardwerk über die südamerikanische Emanzipation, nämlich in der Geschichte San Martins von Bartolomé Mitre erzählt. Trotzdem dieses bei jeder Gelegenheit — mit Recht — zitiert wird, wurde u. a. der nachstehend wiedergegebene Fall nirgends erwähnt, wenn auch die historische Parallele ebenso interessant wie unverkennbar ist. Anschliessend bringen wir die . Ueberseizung der im VII. Abschnitt des 5. Kapitels wiedergegebenen Schilderung. Während des Aufenthalts Belgranos im Alto Perú wurde in Santa Cruz de ia Sierra der spanische Obers; Antonio Landivar gefangen genommen. Dieser war einer der unbarmherzigsten ren Mauer zu stellen, werden wir ihnen entkrampft begegnen können. Das bedeutet nicht, dass wir verl; gässen. was vorgefallen ist.; Millionen Tote, ja, ein Toter | lassen sich nicht vergessen. Aber das schlechte Gewisj sen soll uns nicht in ein an- : rieres Extrem treiben. Der ' Antisemitismus muss eines 'Tages als ein überholles! Phänomen erscheinen, das i greuliche Unheil anrichtete. 1 Unsere Jugend hat die Chance dazu. Deshalb sollte! es allen eine Pflicht sein, sie zu unterstütz an und sie nicht ' durch ein Gerede von den „Juden“ zu verworren. i Agenten der Racheakte | Grycneehes und aus diesem Grunde iiess der General (San Martin) ihm den Prozess machen, „nicht weil er mit dem Feinde gegen un- : ser System gekämpft hat. sondern wegen der Toten, i Raubzüge, Brandstiftungen. Plünderungen, Gewalttätigkeiten. Erpressungen und sonstigen Exzesse, die er i gegen das Kriegsrecht be- | gangen hat." Nachdem die Stelle festgestellt worden war. an denen diese Exzesse begangen und die Blutgerüste auf Anordnung von Landivar errichtet worden waren, wurde die Hinrichtung von 54 Kriegsgefangenen bewiesen, deren Köpfe und Arme abgeschnitten . nnd an den Meilensteinen an den Strassen aufgespiessf worden waren. Der Angeklagte erklärte, er ha- , be nur 33 Individuen gegen 1 jedes Recht hingerichtet und führte zu seiner Entlastung an, er sei so auf j die eindeutigen Befehle Goyeneches vorgegangen, von denen er die Originale vorwies. lrn Hinblick auf diese , Entlastungen wurde die , Verteidigung mit aller Frei- I heit und Energie von einem Offizier der Grenadiere zu Pferd vorgenommen, der mit kräftigen Beweisen die Schlussfolgerungen I des Sfaatsanw'altes des Prozesses zuriiekw-ies, indem er das Prinzip der . Treue, das er seiner Fahne und den unverletzlichen Gehorsam, den er seinen Chefs schuldete, anführte . und versuchte, ihn unter den Schutz der Kriegsgefangenen zu stellen. Dies war die Anklage, die i mit dem Todesurteil Ge- I ne,al San Martin am 15. Januar 1813 vorgelegt wurd? und das er mit dem I gleichen Datum auszufiih- : ren befahl, indem er mit : eigener Hand das ..cúmplase“ (werde ausgeführt) dar- : unterschrieb, ohne vorher die Regierung zu befragen, v if dies die Regel war. Um die Notwendigkeit und die Dringlichkeit dieses Vorgehens zu rechtfertigen. schrieb San Martin an riii Regierung: „Ich ve - sichere Eff. E., dass trotz des Abscheus, den ich habe das Blut meiner Mitmenschen zu vergiess:n. ich hüchM davon überzeugt bin. dass es eine absolute Notwendigkeit, ist, ein Beispiel dieser Art zu statui?- ten. Die Feinde glauben sich ermächtigt, sogar die Rasse der Revolutionär auszutiigen, ohne dass «ie eir, anderes Verbrechen begangen hätten, als die Reehle zu verlangen, die sie usurpiert haben. Sie luhren gegen uns den Krieg ohne bei uns das geheiligte Menschenrechts zu respektieren. und es hindert sie nicht, Ströme von Blut der unglücklichen Amerikaner zu vergiessen. Wenn sie sehen. dass wir einen so kriminellen Menschen wie Landivar mit Nachsicht behandeln. der nach begangenen Morden noch Straflosigkeit unter dem Schild des Vaterlandes geniesst und endlich, nachdem er Widerstand geleistet hatte, wieder an einen anderen Punkt verbannt würde, in dem er. wie es seine Landsleute machen. den Geist der Opposition gegen das System unserer Freiheit fördern könnte, w'ürden sie ¿rauben» wie sie es tun, dass dies mehr als Massigkeit. nämlich Schwäche wäre. und dass w'ir sogar die Züchtigung unserer alten Herren fürchten.“ Dies der Wortlaut des Berichtes, der von Mine wiedergegeben wurde. Wenn man bedenkt. dass San Martin weder ein blutrünstiger noch gewalttätiger oder rachsüchtiger Mensch war. kann man die« Verhalten richtig ermessen das heuteknapp eineinhalb Jahrhunderte darnach. nichts an Aktualität eingebiisst hat. Senator Lipschil/ Alle, die diesen sympathi-! sehen Menschen kannten, j werden von der Nachricht : seines frühen Todes ersehnt-; tert sein. Nur 43 Jahre ist! Senator Joachim Lipshitz alt! geworden. Sohn eines Beij iiner Arztes wurde er. ob-i wohl schon in zweiter oder dritter Generation kein Jude, von der nazistischer. Rassentheorie als solcher abgestenipeit. Als einfacher Soldat musste er Kriegsdienst« leisten. An der Front verlor er seinen rechten Arm und zog sich ein Leiden zu, dem er nunmehr erlag. Durch seine besonderen Fähigkeiten W’urde er vom Land Berlin mit dem verantwortungsvollen Posten eines Innensenators Getraut. Als solcher unterstand ihm das Berliner EntschädL gungsamt, das grösste der deutschen Enischädigungsaeinter. Dass dieses Amt im wohltuenden Gegensatz zu anderen Wiedergutmachungsbehörden stets ein Verständnis für die Verfolgten des Nazi-Regimes gezeigt hat, ist vor allem sein Verdienst. Darüber hinaus war Senator Lipsehttz bemüht, auch anderwärts Härten zu beseitigen und für ein Verstehen der Probleme der ' erfolgten einzutreten. Die Lauterkeit seines Charakters hat ihn überai; Freunde finden lassen, die im stets in ehrender Eiinne- 1 urig behalten werden. NO SOLO DESDE IA’ Los lugares que desde' la pantalla fe emocionan, le maravillan, le "transportan", VEA¬ LOS, CONOZCALOS, - VIVALOS... USTED MISMO/' * EXCURSIONES "EXODO" DE VIAJES , CORRIENTES 2043 -PLANTA BAJA, OF. 9,10,14 y16 |J, F. 49-349) /45-4957 / 49-0433/45-7407 /49-1229