Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1932 (15.12.1961)
- Date
- 1961-12-15
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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2 — Viorne«. 15 d* HMK-mbrt «Í» >*«l JÜDISCHE WOCHENSCHAU XXII. H*. 1Mt VR Wird viel zu wenig beaditet (Schluss von Seite 1) ff ntiielikeit zu gewinnen. Pamphlete, Plakate und hetzerische Slogans sollen «furch den Radikalismus und die Hemmungslosigkeit einer Lügenpropaganda antist mitische Gefühle erzeugen. die durch alte Vorurteile und geschürten Neid bei vielen im Unterbewusstsein schlummern. Wiederum wendet man sieh zunächst I an die Unzufriedenen, die für jeden extremen Gedanken zugänglicher als die breite Masse der in gesun- I den Verhältnissen lebenden Bürger sind. Wenn es möglich ist. dass sc lange .Jahre nach dem na-1 zistisehen Zusammenbruch wiederum die alten Mittel und Parolen auftauchen, so dürfte dieses Phänomen al- I lein genügen, um uns zum l Nachdenken zu zwingen. Da alle diese, auf dem weiten Gebiet des politischen i Antisemitismus unerfahre. I nen Völker ihre Lehren aus! «em fernen Europa beziehen, gewinnen die dortigen , P.egebenheiten und Anzei- | ehen einer neuen antisemitischen Haltung und Bewegung auch für alle Juden erhöhte; Bedeutung. Deswegen ist es . nicht unwichtig, sich mit' den Vorgängen in Oesterjeich zu beschäftigen, die] einen absolut unerfreulichen und bedenklichen Charakter; tragen, w-ährend in der Bundesrepublik alles — oder | fast alles — getan w'ird. um eine noch nicht bewätigite Vergangenheit zu überwinden. I Mit Bedauern mussten wir feststellen, dass die österrei- | ge als Zeugen; beide eri | chische Regierung in Verklärten, sie hätten Rojko bei FREY ABOGADO t kennung der wirklichen Zusammenhänge und der Trag! weite des Geschehens nicht , entschlossen durchgreift. Wenn es sieh um vereinzel- , te Fälle handeln würde. \vä_ ] re es überflüssig, sich hier-| mit zu beschäftigen. Es besteht aber der dringende j Verdacht, dass wir es nit-hi mehr mit einem sporadi ' sehen, isolierten Vorgehen ] zu tun hallen, sondern einer -. Aktion oder gar einer Bevvei gung gegenüberstehen die! bis in die Justiz und in die . Polizei reicht. Aus diesem Grunde dürfen wir nicht I schweigen und können wir > uns nicht mit Protesten zufrieden geben, die zwar : freundlich aufgenommen ] werden, aber keine Folge,! rungen nach sich ziehen. Beispiele fiir diese Situation in Oesterreich sind bereits gebracht worden. W;ir I werden sie ergänzen: I Vor einem Monat berich- ' teten die Zeitungen, die Regierung in Prag habe die j Auslieferung des ehemali- | gen Kommandanten von Theresienstadt, Stephan Rojko, wegen mehi fachen Mordes 1 verlangt. Rojko, der in Graz lebt, berichtete Reportern auf ihre Fragen, er sei nur Korporal in der Festung Theresienstadt gewesen: mit dem Lager oder seinen Insassen habe er nie etw'as zu tun gehabt. Am 18. August wurde Rojko verhaftet. Ein Leser des ,,Neuen Oesterreich'’ brachte seinen von Rojko unter .schriebenen Entlassungsschein von Theresienstadt in die Redaktion — also ganz einflusslos ist Rojko in Theresienstadt nicht gewesen. Vor der Entlassung wurde der Häftling von Rojko mit einem Stock fast erschlagen. Dann meldeten sich der ehemalige sozialistische Abgeordnete Widmaver und der Pfarrer Frig zahllosen Brutalitäten beobachtet. Wiederholt habe; Rojko Häftlinge eigenhän-! dig in einem Bottich er- I tränkt. Rojko stellte bei seij ner Verhaftung die ängstlii che Frage: „Werde ich aus-i geliefert?” Die Verhaftung , selbst hatte er erwartet, i Rojko war schon einmal; in Untersuchungshaft, doch : wurde das Verfahren aus; Mangel an Beweisen einge-; stellt — ebenso wie bei . Schöpflug und Razesberger. I Es geht nicht darum, ob ein elender W'icht. der in Missbrauch der Macht, die , ihm ein verantwortungslo-! ses System übergab, nun sei- , ner Strafe zugeführt w ird i oder nicht. Wenn aber Mörj der stratlos bleiben, so befes Spiel mit den Juden ge- , Linz und ausserdem eine . habt., die man durch Plakate i Pension vom Österreich!- | von der Aussiedlung in ..Ar- sehen Staat als Kriegerwit- | beitslager und in Gebiete,! vve. was als Einzelfall wenig j wo sie zur landwirtschafrlij interessant ist, als Symptom j ehen Arbeit herangezogen | jedoc-h nicht unbeachtlich I werden”, verständigte, wie j sein dürfte. Man w’ird an I der Text dieser Plakate mii j ähnliche Fälle in der Bun- ] der Unterschrift Sammernj desrepublik erinnert, in de 1 Frankeneggs lautete. Als die! ren ehemalige Nazis, die in j Kampfmittel, die Sammernführenden Positionen gewe- Frankenegg gegen die Ghet- (okämpfer einsetzte, sieh als i untauglich herausstellten.! weil er die Widerstandskraft der Juden Warschaus unter- : schätzt hatte, wurde er von; Himmler nach einigen Ta- 1 gen abgesetzt. Erst seinem Nachfolger, detn SS-Obergruppenlührer Stroop, ist es gelungen, nach einigen Wochen den heroischen Aufsland niederzuschlagen. Stroop wurde bekanntlich nach dem Krieg verhaftet, an Polen ausgeliefert, dort in einem Prozess zum Tode verurteilt und hingerichtet, Samm-ern-Frankenegg w urdeutet das lür primitive ] c*€ s^*ner. Abberufung Menschen den Triumph ih """ n . res ruchlosen Treibens und j eine nachträgliche Reehtferi tigung, die wiederum auf j ihre ebenso primitiven Nach. 1 foiger ermunternd wirken. , Die irdische Gerechtigkeit! kann das Unrecht nicht ] wiedergutmaehen. das von aus Warschau in Jugoslawien gegen Partisanen eingesetzt. Der am 17. März 1897 geborene »ammern-Frankenegg war Oesterreicher, im Zivilberuf Rechtsanwalt in Feuerbach (Oberösterreich) und schon sehr früh zu den den Nazis begangen worden i Knappen Hitlers gestossen. ist. Aber der irdische, der staatliche Rechtsschutz kann eine Schranke gegen neues Unrecht errichten. Geschieht das nicht, ward das Bewusstsein der Bevölkerung für Recht und für Unrecht wieder korrumpiert. Ein anderer Fall, der Aufsehen erregte, ist der des SS-Brigadeführers Dr. Ferdinand von Sammern- Frankenegg, dessen Witwe mehrere Pensionen oezieht. Der derzeit in Salzburg in Haft befindliche Stabschef der „Aktion Reinhard”, Hermann Höfle, der bekanntlich die als ,,Aussiedlung” getarnte Mordaktion gegen die Juden im Warschauer Ghetto geleitet hat, unterstand Zusammen mit Kaltenbrunner gehörte er der 37. SS- Standarte Linz an, deren Standartenführer er eine Woche nach dem deutschen Einmarsch in Oesterreich, nämlich am 17. März 1938. wurde. Dieser SS-Standarte gehörte anfangs auch AdoH Eichmann an. Die 37. SS- Standarte war es auch, die in der Kristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Linz.er Tempel niedergebrannt und die Verhaftungen unter den Linzer Juden durchgeführt hat. Später kletterte Sammern-Frankenegg, der seinen Reohtsanwaltsberuf aufgegeben hatte. die SS-Leiter empor, bis er es zum SS-Brigadef»ihrer sen sind, enorme Ruhegehältei empfangen... Wäre Dr. Sammern-Frankenegg am Leben geblieben, wäre er als Kriegsverbre- (her verhaftet worden, sein Reehtsanwaltsdiplom wäre ihm wegen der Teilnahme j an so vielen Verbrechen ab-; erkannt worden. Dass er als Soldat anerkannt wurde, wirkt befremdend. Er führte ■ in Warschau Krieg gegen j wehrlose Männer und Frau-! en. gegen Kinder und Greise. die er im Einklang mit der Nazi-Ideologie der Vernichtung zugeführt hat. Sammern-Frankenegg hatte die SS-Nummer 292-792 und die , Parteinummer 1.456.955; somit, war er Illegaler und : hätte nach dem Krieg in; Oesterreich wegen Hoch-; verrats unter Anklage gej stellt werden müssen, i „Hätte...“, kann man nur! sagen, wenn man bedenkt. ■ wie viele lebende Kriegsverbrecher in Oesterreich nicht! bestraft worden sind. Sicher-! lieh hat diese Nachlässigkeit : de? verantwortlichen Behörden diejenigen Elemente er- > muntert, die noch immer dem tausendjährigen Reich »achtrauern. Viel zu wenig werden diese Vorgänge be- ' achtet, deren Riickwirkunj gen auf den südamerikani-1 sehen Kontinent deutlich sichtbar sind U SEMANA ISRAELITA äisemanano — aparece ios Martes y Viernes. Editado por Estrellas Editorial Lid«. Verantwortlich: bi H. Swarseoaky Pneyrredón 2190. H iaq. T. E. 88-2613 90.6980 A bon o-Pr ei«: Argentinien: * $ 7K— pro Quartal j! Ausland $ 450 — jähi;l. ¡ Stellen aber, die sieh die Aufgabe stellen, gegen diese Dekadenzerscheinungen des internationalen politischen Lebens einzuschreiten, sollen wissen, dass man den Kampf mit zu führen hat und den Versuch machen muss, dieses Uebel an seinen Wurzeln zu | packen. Die Lauheit der De-! mokratien hat schon einmal l die Welt an den Rand des , Chaos und in die Gefahren- I zone des Unterganges gebracht. Noch heute leiden wir an den Folgen dieser trüben Epoche. Nachsicht wird von den Faschisten als Schwäche ausgewertet. Nur vor der Macht und der Kraft haben sie Respekt. Die Demokratien haben zu; beweisen, dass sie entschlossen sind, ihre Positionen energisch zu verteidigen. Im Zeichen der Weltgefahr des aggressiven Kommunismus mögen die Demokratien endlich verstehen lernen, dass der Faschismus nichts anderes als der Schrittmacher des Kommunismus ist. Bisher haben die Verantwortlichen diese einlache Grundthese der politischen Weisheit unseres Jahrhunderts nicht verstanden. Der Papst dagegen hat zum inneren Frieden zwischen den Völkern und Religionen aufgerufen, zur Bil- Diejenigen ] (h,n8 einer einheitlichen Piont gegen alle extremen Bewegungen, die sich in ihrer Radikalität berühren und die auch in Zukunft die natürlichen Bundesgenossen im Kampf gegen Recht und Entschiedenheit! Freiheit, gegen die göttliche und die menschliche, die demokratische Ordnung unserer Lebens bleiben. diesem SS - Brigadeführer.; brachte und als Generalmaj PUEYRREDON 2190 1» ÏML nachm. 16—19 Uhr ♦♦♦-♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ ♦ +-*-*-*■ w w W W 'J REAL PENÍ Füllhalter * REPARATUREN ♦ Spezialgeschäft ♦ CORRIENTES 569 Î T. E, 49-5850 X a. ♦♦♦♦♦♦♦« «♦*♦♦♦♦♦♦> Neues mübl. Departament PLAYA POCITOS Montevideo living-comedor, 2 Schlafzimmer, 2 Bäder u. Mädchenzimmer. Aller Komfort. Für Temporada od. monatl. zu vermieten. Auskunft: Juan Paullier 1767, Montevideo. JUDITH SCHENKOLEWSKI ► ♦-♦ ♦ ♦ ♦ ♦ •Jaime Liebling:;] ’ dem er täglich Berichts | über seine Erfolge bei der; „Umsiedlung” vorzulegen ’; hatte.! j Schon vorher war der Naj | men Sammern - Frankenegg '! bekannt, da die in Warschau j; durch Plakatanschlag angei i ordneten Repressalien gegen j I die polnische und jüdische ]; Bevölkerung seine Unterschrift getragen haben. Sam- ] mern-Frankenegg war es. der Himmler in das War- ] schauer Ghetto begleitet und mit ihm die Massnahmen zur Ausrottung der Juden besprochen hat, zu deren Durchführung man Höfle als Fachmann beorderte. Als im April 1943 Sammern-Frankenegg den noch verbliebenen kleinen Rest jor der Polizei am 20. September 3944 von Partisanen in Kroatien erschossen wur- : de. (Von Sammern-Fran- . kenegg wird auch von Ge j rald Reitlinger in seinem, ' fundamentalen Wrerk „Die Endlösung” mehrfach er I wähnt). Wie gesagt, bezieht seine; Witwe eine Pension von der ] Rechtsanwaltskammer in i : Ab Mittwoch, 20. Dezember, *; WIEDER VON DER REISE ZURUECK ♦ Or. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO - ♦♦♦♦♦♦♦ Dr. Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Eleetroeardiogramnie ♦ I , B. Schwartz CUBA 2141 T. E. 73-8782 U. 73-6817 KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Ta)lis-Ji beutel - Käppchen - Mnz- / ' der Juden Warschaus lii s. 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