Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1961-11-08 · 1922 (8.11.1961) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1922 (8.11.1961)
Date
1961-11-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616703-9612115-9612855--1737-9612859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

./ 1 it* If; Wi n '1M Pfaden in Salzburg vcn M. tCILAl Eigentlich ist: Salzburg immer festlich. Oie Stadt strahlt einen Charme aus, dem mas sich kaum entziehen kann, auch wenn man sich ihres jüdischen Charakters bewusst ist. Doch die meisten jüdischen Besucher linden oder suchen keine Gelegenheit, um sich mit dieser interessanten Seite Sa’zburgs bekannt zu machen. Dokumente erzählen uns, dass die ersten jüdischen Bewohner in Salzburg im Jahre 1349 Fuss geiasst haben und dass sie im Jahre 1404 aus Salzburg vertrieben worden sind. Tm Gegensatz zu anderen Orlen, hat es in Salzburg über 450 Jahre gedauert, bis sich die ersten Juden wjeden ansienehen. Es heisst zwar, dass im Jahre 1867 die jüdische Gemeinde in Salzburg wieder gegründet wurde. Die offiziellen Dokumente jedoch besagen, dass die k.u.R. Landesregierung erst am 22 Februar 1911 die in Salzburg lebenden Juden als jüdische Gemeinschaft anerkannte. Das Gründungsjabr 1867 stimmt insofern, als die Juden in diesem Jahr in Salzburg sic-h als Gemeinde organisierten und die Landesregierung bestürmten, die jüdische Gemeinde anzuerkennen. Es dauerte 44 Jahre. bis den Juden von der Salzburger Landesregierung diese Gnade zuteil wurde, wonach ihr nur eine Existenz von 27 Jahren offizieller Dauer beschitden war. denn 1938 wurde die jüdische Gemeinde in Salzburg beim Einmarsch Hitlers geschlossen tind aufgelöst. Das letzte jüdische Begräbnis fand am 8. Juli 1938 statt, und zwar war die Beerdigte Frau Martha Stein. die Tochter oes rvurpegrunders der Salzburger jüdischen Gemeinde, Rudolf Fuerst. der am 4. Dezember 1892 verstarb: der erste Todesfall in der neugegründe- 1en jüdischen Gemeinde Salzburgs, seine Tochter der letzte. Nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches begann in Salzburg wieder eine jüdische Gemeinde ihre Tätigkeit, aber wer in den Dokumenten der Salzburger jüdischen Gemeinde blättert, kann, ohne mit der Geschichte der Salzburger jüdischen Nachkriegsgemeinde vertraut zu sein, leicht dara >s ersehen, dass es sich hier nicht um zurückgekehrte Salzburger Juden handelt. Die ersten Toten auf dem jüdischen Friedhof in Salzburg, die im September 1945 in Salzburg verschie- Das folgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT IM DEUTSCHEN REICH Jahrgang . 1898 Jahrgang . 1899 Jahrgang . 1900 Jahrgang . 1912 Jahrgang . 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen aer genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu machen (Buenos Aires, Pueyrredön 2190, Tel.: 83*2613) PUBLIKATIONEN DES CEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTHUTES 1. C. B. MOHR (PAUL SIEBECK) TU EBINGEN SOEBEN ERSCHIENEN: Ycar llool: V I960 — VOM LB.-lKSimiT HEB AUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) WERDE AUCH DU des Leo Baeck-Institu ts Anmeldungen in Büro der JUEI/iSCHEN WOCHENSCHAU Pueyrredön 219f, 1* **<!* 2fil3> Leo Baeck Institut such den, tragen Namen wie Minna Nartschanski. Szyfra Turner oder ähnliche. Nicht die Liebe und Sehnsucht nach der schönen Stadt hat sie zuriiekgeführt. im Verlangen, hier ihre Augen für immer zu schliessen. Es waren Gebrochene und Gestrandete, die zwar die grausige Zeit der nazistischen Nacht überlebten, aber an ihren Folgen zugrunde gingen. In Salzburg sind jedoch auch viele jüdiche Tote bestattet. die ihrem alten Oesterreich die Liebe und Treue bewahrten und auf seine Erde zurückkehrten, um in ihrem Schosse die letzte Ruhe zu finden. 1936 zählte die jüdische Gemeinde Salzburgs 240 Seelen, wovon 109 Steuerzahler waren ■ mit einem Budget von 25.000.— Schilling. Heute umfasst die jüdische Gemeinde in Salzburg 178 Seelen, davon 70 Steuerzah ler, die selbst ca. 100.000 Schilling jüdische Gemeindesteuer zahlen, das nur ein Dritteldes Budgets der Salzburg?r Gemeinde ist, die anderen zwei Drittel werden durch die Claims- Gelder gedeckt, oder besser gesagt durch den Joint. Das österreichische Judentum zählt derzeit ca. 10.000 Seelen, von denen über 90 Prozent in Wien selbst leben, die anderen Gemeinden sind Linz, Graz, Innsbruck, wobei Innsbruck die kleinste Gemeinde ist. mit einem zum Judentum über getretenen polnischen Adeligen Fürst Lubomirski als Präsidenten der jüdischen Gemeinde. Der Beisaal dieser Gemeinde ist demgemäss auch luxuriös fürstlich eingerichtet. Nach Wien ist Salzburg die „grösste” jüdische Gemeinde, aber nicht nur nach der See'enzahl, sondern auch nach dem sehr aktiven jüdischen Leben. w;obei es bedauerlich ist. dass dieses Leben sich nur im Religiösen ausdrückt. Diese kleine Gemeinde hat nicht nur ständige Gottesdienste am Freitagabend und am Sonnabend, sondern im Bedarfsfälle werden auch täglich Gottesdienste abgehalten. Sie haben eine Talmud-Thora, über deren pädagogischen Wert man verschiedener Meinung ist. Dieses Problem ist fast allen kleinen jüdischen Gemeinschaften gemeinsam. In einem sehr schön eingerichteten Lesesaal der jüdischen Gemeinde findet man alle jüdischen Zeitungen Europas manche aus Uebersee und Israel, w-as eigentlich als Novum in so kleinen jüdischen Gemeinden bezeichnet werden kann. So hat Salzburg als einzige Stadt in Oeste. i eich ausser Wien auch eine sehr hygienisch eingerichtete Mikwa. Diese Tatsache hat schon manchem ausländischen Kurgast in Badgastein aus der Verlegenheit geholfen. Dass die Gemeinde so aussieht, wie sie aussieht, ist auf das Konto von Hefman Einziger zu buchen, der seit dem Tage, an dem er aus dem KZ Buchenwald nach Salzburg kam, sich um jii dische Belange kümmert. Da er vor dem 2, Weltkrieg Wiener war und daher die österreichische Mentalität gut kennt, war es ihm ein Leichtes, gute Beziehungen zu allen Behörden zu schaffen. Diese Beziehungen stellte er in den Dienst aller Auswanderungs - Organisationen, die nach 1945 in Salzburg ihre Zentrale hatten. Die Hilfsleistungen von Einziger für jüdische Organisationen und jüdische Einzelmenschen sind ein sehr schönes Kapitel im- Leben eines Menschen und bei Einziger könnten sie ein Buch füllen. Einziger ist in den ganzen Jahren Präsident der jüdischen Gemeinde Salzburg und als solcher weit LITERATUR » SIND Sil VON um Das Standardwerk „Juden im deutschen Kulturreich” von Siegmund Kaznelson bietet auf vielen Seiten den Anreiz, sich so manches Menschen zu erinnern, über den man lange Zeit sprach, der aber heute fast vergessen ist. Ich stiess beim Studium des Buches auf den Namen Otto Braun, und sogleich verknüpfte sich mit ihm in meiner Erinnerung das Buch, das vor genau 40 Jahren zum Bestseller wurde: „Otto Braun, Aus nachgelassenen Schriften eines Frühvollendeten”. Es war von Julie Vogelstein bearbeitet worden und im Insel- Verlag erschienen. Der Zufall wollte es, dass ich das Buch, schon halb vergilbt, unter den Ueberresten der aus Nazideutschland geretteten Bibliothek eines Freundes entdeckte. Ich las es wieder und fand es, wie damals, unbegreiflich. dass ein Kind von seinem siebenten Lebensjahre an mit genialischer Kraft Zeugnis ablegen konnte von seinem innern Werden und Wachsen. Ja noch mehr: Otto Braun — em Knabe noch — mit unerhörtem Fleiss sich die Welt des Wissens in allerweitestem Umfang zu eigen machen und geistig verarbeiten konnte. Professor Petzoldt, sein Lehrer, hat es in einem Zeugnis so gesagt: „Ich überzeugte mich .. dass seine Begabung in keiner Hinsicht überschätzt wurde, ja, dass sie ganz erstaunlich und wunderbar ist .. Schon die blosse Aufnahmefähigkeit ist ganz merkwürdig. Im Alter von neun Jahren beginnt er mit einem systematischen Studium der deutschen Literatur, und heute, iiV>er Oesterreichs Grenzen hinaus bekannt. Besucht man die jüdische Gemeinde Salzburg, ,kann man sehr interessante Do kumenfe sehen, wie über Kerzls Aufenthalt in Salzburg. als er 1884 Referendar beim Salzburger Gericht war. Hermann Einziger ruht, nicht, er ist ständig auf der Suche nach weiteren Dokumen en uno jetzt ist er dabei, ausfindig zu machen, in welchem Haus Herzl eigentlich gewohnt hat. Jn sämtlichen Schriften Herzls gibt es keinen Hinweis dafür, und die Meldezettel aus dieser Zeit sind in keinem Ar chiv zu finden. Doch Einziger glaubt wer sucht, der findet. Warum er so begierig ist. das frühere Wohnhaus Herzis feslzustellen, sagt er zwar nicht. Wird er mit seiner Suche Erfolg haben, dürfte ihm dies Anlass sein, bei den Salzburger Behör den die Anbringung einer Gedenktafel an diesem Haus zu erbitten. Ebenso hat er es immer noch nicht aufgegeben, die Beziehungen Max Reinhardts zum Judentum zu klären. Max Reinhardt ist eigentlich derjenige, der den Salzburger Festspielen Glanz, Namen und Weltbedeutung verlieh. Der Platz vor dem Salzburger Festspielhaus heisst auch Max- Reinhardt-Platz. Natürlich durfte man während der Hitlevzeit den Namen Max Reinhardt, nicht erwähnen und die Strasse hiess nur Hofstallgasse. Obwohl der Jude Max Reinhardt zum Katholizismus übertrat — er wurde im Jahre 1873 in Kattowitz unter dem jüdischen Namen Goldmann geboren und ist 1943 in den USA vei'sehieden — glaubt man, dass er vor seinem Tode zum Judentum zurückyon Dr. S, BR^ als Zwölfjähriger, besitzt er darin eine auf Lektüre der Originalschriften gegründete Kenntnis, die wahrscheinlich einem Kandidaten pro fac. doe. alle Ehren machen würde... Jene Studien wer., den assimiliert, verdaut, umgeschmolzen, selbständig verknüpft.” Als 21jähriger Kriegsfreiwilliger fiel der Leutnant Otto Braun in Nordfrankreich, und der Mitwelt ging ein Mensch verloren, der vermutlich zu den Grossen der Erde gezählt worden wäre, hätte das Schicksal nicht so bald seinen Lebensfaden abgeschnitten. Wer war Julie Vogelstein, die Bearbeiterin der „Nachgelassenen Schriften eines Frühvollendeten”? — wer es nicht w-eiss, der erfährt es aus dem überaus feinsinnigen und tiefen Vorwort, das ihnen vorgesetzt ist und in dem wir lesen: „Als die Mutter starb und im letzten Willen ihtn ihre Freundin zur Pflegemutter bestimmte, da gab er sien mir mit reinem Vertrauen.” Und in Kaznelsons Werk lesen wir auf Seite 43: „Julie Bruan- Vogelstein gab ihn (den Nachlassband Otto Brauns — der Verf 1 kurz nach Ende des ersten Weltkriegs heraus”. Dazu die Anmerkung auf Seite 117: „Julie Braun-Vogelstein, geh. 1883, Tochter des Rabbiners Vogelstein (Stettin) Schrieb „Von französischer Buchmalerei”, „Ueber das Relief bei den Griechen”. Lebt seit 1936 in Amerika”. — Diesen Angaben kann hinzugefiigt werden, dass — wie es ja leicht aus dem Doppelfamiliennamen geschlossen kehrte. Nach seinem ersten Herzanfall erschien er Jom Kippur beim Gottesdienst in einer Synagoge Hollywoods. Da nach jüdischem Gesetz Taufen ungültig sind, so hat man mit Recht, diesen Schritt Reinhardts als eine Heimkehr zum Judentum aufgefasst. Als er im Herbst 1943 starb, wurde er auf dem jüdischen Friedhof in New York beigesetzt, die Urne mit seiner Asche solt angeblich in einem Banksafe zur Verfügung seiner Frau, Helene Thimig. aufbewahrt worden sein und niemand weiss, ob man ihm an seinem Jahrestag „keinen Kaddiseh und keine Messe” gesungen hat. Der Sohn Max Reinhardts nimmt aktiven Anteil an den Vorbereitungen zu den Festspielen in Salzburg, wo er das Erbe des Vaters antritt und den „Jedermann” seines Vaters inszeniert. Reinhardt hat der Stadt Salzburg bekanntlich das Schloss Leopoldskron geschenkt. Als man sieh im Sekretariat erkundigte, wo Reinhardt, der junge Regisseurssohn zu finden wäre, der sieh leider nicht sprechen lässt, bekam man zur Antwort, man kenne diesen Herrn nicht! Befragt, ob ihvielleicht der Name Max Reinhardt etwas sage, antwortete die Auskunft erteilende Dame: „Natürlich, da gibt es doch einen solchen Platz vor dem Festspielhaus!”, mehr wusste sie nicht über den Mann, der Salzburg so gross gemacht hat und vielleicht wollte sie auch nicht mehr wissen, denn das ist das Schicksal der Juden, die in bester Absicht l'ür Nichtjuden Grosses leisten. Man ist sehr fair, wenn man annimmt, nur aus Ignoranz wisse der und jener nichts mehr vom Juden Reinhardt. zählte er ju rabbinern”, den geplant« gress auftrat Hermann _gi" ren des late Heraier Rabbi Gegner der wegung und „Vereinigung Bewegung f“ Judentum" o is. zu Begi regimes nach ten Staaten wo einer Ludwig Vo Metallbandel nem bedeute: men entwicl er in der Firi und Sohn in tig gewesen (er und Brui land auf rel anstrebten, auch er in Staaten. Ei Dr. Heinem. war wohl a nalökonom I geistein, de gestorben ist stein, die G; , mann Vogel ren Tochter zu den besi tig wirkende: Frauenbewe; lands. Doch kehr« zu Julie Vog Sie muss eir geistvolle, ir Persöniichke Der junge 0t teih unbegi en entgegen eine Tage vom 9.8.19] herrlicher Tr ihrem letzie ment beilie sagt Mama - 'h-'er einzi Freundin so! ganz vertrat Lily Braui stano dank »hea und sehen Bega! halben Jahr erster Stell dicht Frauen, ih Frauenfrage Freundeskre I Ni . In 9r NümM V0LL5 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.