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Jüdische Wochenschau · 1961-11-08 · 1922 (8.11.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1922 (8.11.1961)
Date
1961-11-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON!1M> — 1» Iwi. fcJkntAndj&uGÆliiCL T. E. 83*613 Aöo XXII. BUENOS AIRES, MIERCOLES 8 DE NOVIEMBRE DE 1961 No. 1922 Fanatiker gegen Frieden von B. B. SAMUEL Vertrauensvotum fuer Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion stellte sein neues Kabinett der Knesset vor. Die Koalition der vier Parteien hat 16 Minister. d. h. 11 von der Mapai, 3 Religiös-Nationale, 2 von den Achdut Awoda und einen' Vizeminister der Poale Agudat Israel. Die neue Koalition verfügt über 68 Mandate* von den 120 Knessetsit&em David Ben Gurion bleibt Ministerpräsident und Verteidigungsminister. Eshkol behält sein Amt als Finanzmini'-ter und Golda Meir ist weiter Aussenminister, Abba Eban Kultur- und Erziehungsminister, Mosehe Dajan Ackerbauminister und Pinchas Sapir ist auch in der neuen Regierung Handels- und Industrieminister, sowie Bechor Shitrit Polizeiminister. Dem früheren Arbeitsminister Giora Josephsthal wurde das Entwicklungs-Ministerium übertragen. Josef Almogi ist Minister ohne Portefeuile und Eliahu Sasson Postminister. Die religiös - nationalen Minister sind Mosche Schapiro Innen- und Gesundheitsminister, Josef Burg Volkswohlfahrtsminister, Zorach Warhaftig Religions - Minister. Die Achdut Awoda besetzt die Ministerien für Transport mit Jizchak Ben Aharon und Arbeit mit Igal Alon. Das Gesundheitsministerium untersteht provisorisch Mosche Schapiro und wird für die Mapam reserviert, falls diese Partei ihre Haltung ändern sollte. Dieses Portefeuille lag in Händen des verstorbenen Rabbiners Jaakow Toledano, der keiner Fraktion angehörte, und wurde nach dessen Tode vorübergehend von Premierminister Ben Gurion verwaltet. Die drei Vizeminister sind: Schimon Peres (Mapai) im Verteidigungs - Ministerium, Jizchak Rafael (Religiös- Nationale Partei) im Gesundheits-Ministerium, und Kalman Kahana im Erziehungs-Ministerium. Die Ernennung Sassons zum Postminister ist eine Konzession, um den Forderungen der Sefardim gerecht zu werden, die eine grössere Repräsentanz beanspruchten. Sasson, der Botschafter in der Schweiz war, besitzt das höchste Dienstalter unter den Diplomaten Israels. Er war vordem Israel-Botschafter in der Türkei und danach in Italien. Das neue Ministerium wurde ihm am frühen Morgen des gleichen WIE ICH ES SEHE ..ÛMêll e,n JEHUDA COTTHEIMER De. „Tiger” Clemenceau sagU. schon vor vielen Jahren: „Eit Tropfen Petroleum st einen Tropfen Blut wert' . An dieses Wort des grossen französischen Staatsmannes wurde man erinnert, ais jüngst eine eigenartige , wenig beachtete Nachricht durch die Presse giug. die unabhängige nordamerikanische Petroleum- Vereit.igung warnte die west ithen Nationen davor, arch nut eine Gallone Petroleum von Russland zu kaufen. Diese Meldung schilderte kurz einen gewaltigen Kamot, der heute — den Bl cken ner Oeffentlichkeit ein wenig verborgen — mit Vehemenz ausgetr&gen wird. Wir 1 >ren nur immer von den, teissen Auseinandersetzungen des kalten Krieges, vom Streit um Berlin, um Kuba, um den Mittelosten, um Vsier und Afrika. Mind'stens. ebenso wichtig aber ist das wirtschaftliche Ringen, der beiden Giganten um A, siuznr-.ärkte. Denn Absatzmärkte bedeuten Einflusssphären. nie Petroleumgesellschaft, sisnerlicc einer der grössten: Trusts, die es überhaupt gibt* lässt alle Töne aufklinge », Es wird gestöhnt, gedroht, geprahlt und gewarnt. Nur wird verschwiegen, dass a,ie grossen westlichen Märkte mit den Russen und ihie Satelliten einen intensiven Hanael treiben Schliesslich ist trotz al'er Teilungen uno Differenzen, trotz der Sc leidung in Ost und West doch unsere Erde eine Einhi.t, wenr auch zu ihren eigenen Zw ecken die Mächtigen dies häufig vergessen und durchaus nicht daran interessiert sind, dass sich a .deie völker dieser Einheit det Erde, der Menschheit nucí ihres Schicksals allzu häufig erinnern. Also Petroleum soll man nicht von den Russen kaufen, aber anderen V'eren sind in dieses Kaufverbot offensichtlich noch nieiit eingeschlossen. An allen grossen Ausstellung n una Messen beteiligen sich die Sowjets mit ihren Sa'elliterländern, ohne dass hieran irgendein Anstoss genommer wird. Man macht auch kerne Schwierigkeiten, wenn westliche Staaten oder deren Bi rger sich an Messen m Ländern hinter dem Eisernen Vorhang beteiligen. Man findet keinen WideiSpruch darin, amerikanisene Anleihen anzunehmen und Waren aus kommunistischen Ländern auf Kredit zu kaufen. Petroleum ist eine ganz andere Sache, denn — wie Urteil im Eichmann-Prozess Jerusalem. — Das aus drei Richtern bestehende Gericht, vor dem sich der ehemalige Obersturmbannführer Adolf Eichmann zu verantworten hatte, wird voraussichtlich gegen den 15. Dezember sein Urteil sprechen. Die Richter sind noch mit der Prüfung des umfangreichen Materials beschäftigt. Wie man glaubt, wird der Urteilsspruch in einem 50ii Seiten umfassenden Dokument enthalten sein. Die Korrespondenten der Zeitungen, Agenturen und Fernsehstationen werden wieder in Jerusalem erwartet, um dem Abschluss des Prozesses beizuwohnen. Das Urteil wird auf Hebräisch verlesen und gleichzeitig ins Französche und Deutsche übersetzt werden. Man glaubt, dass diese Lesung sechs Tage in Anspruch nehmen dürfte. Die Stenotypisten und Uebersetzer, die für das Gericht arbeiten, werden isoliert gehalten, und es wurden schon alle Vorkehrungen getroffen, um eine Enthüllung des Urteils vor seiner Verkündung durch den Gerichtshof zu verhindern — (ITA) gesagt — ist jeder Tropfen Petroleum einen Tropfen Blut wert. Eigentlich müsste man das köstliche, flüssige Gel doch hamstern und speichern, damit der Westen im gegebenen Fall die erforderlichen Reserven habe. Dass die amerikanische Petroleun.gesellschaft diesen Weg nicht besehreiten will, sondern sogar vor Käufen in Ländern hinter dem berüchtigten Voihang warnt, deutet wohl darauf hin, dass genügende Vorräte vorhanden sind, sodass man auf den Absatz der sich ständig steigernden Oelproduktion angewiesen ist. Es mag sein, dass es heute noch verfrüht ist, von einer Ueberproduktion zu spreche . Die Ausführungen der Petroleumgecellschaft aber kann doch garnicht anders aufgefasst werden, als dass die Amerikaner oder ihre Gesellschaften um den Absatz ihrer Erzeugnisse besorgt seien. Auf der anderen Seite haben die Berichte über Kuweit, die kürzlich wegen* der Gefahr der Annexion dieses kleinen arabischen Landes die Weltpresse mit tausenden Einzelheiten überschwemmten, den ungeheuren Reichtum dieses Zwergstaates geschildert und wahre Märchen erzählt, die den irakischen Appetit, sich diesen kleinen Wüstenstrich einzuverleihen, nur allzu verständlich gemacht haben. Auch die Verdienste anderer Potentaten, die über Petroleumfelder verfügen, übersteigen die menschliche Phantasie. Alle diese Herren und ihre amerikanischen Beschützer und Mitverdiener zittern plötzlich um ihre durch nichts gerechtfertigten immensen Verdienste und malen den roten Teufel mit schwarzen Farben an die Wand: die Sowjets werden mit Hilfe ihrer Petroleumsverkäufe den Kommunismus über die ganze Welt verbreiten. Alles dürfen die Russen ganz offensichtlich verkaufen. Noch niemals wurde ein Boykott über russische Waren verhängt. Man lut Tages, an dem sich das neue Kabinett der Knesset präsentierte, telefonisch angeboten. Die jetzige Koalition ist die zehnte seit Staatsgründung und die neunte unter Ben Gurion. Sie unterscheidet sich von der vorhergehenden durch das Fehlen der Mapam und den Einschluss der Poale Agudat Israel. Die erste Debatte in der Knesset war durch die Angriffe der Opposition charakterisiert, welche den Einwand erhob, dass die neue Regierung „weder den Tatsachen noch den Wahlresultaten entspräche”, da die Mapai bei den Wahlen vom 15. August 5 Sitze verloren habe. Das Vertrauensvotum wurde mit 03 Stimmen für die neue Regierung und 46 Gegenstimmen erteilt. Jerusalem. — Das neue israelische Kabinett hielt seine erste Sitzung ab, und die 16 Minister, die nach dem Vertrauensvotum in der Knesset ihren Eid geleistet hatten, wurden anlässlich einer Zeremonie, der die Minister des scheidenden Kabinetts beiwohnten, offiziell dem Staatspräsidenten Ben Zwi vorgestellt. Die erste wichtige Massnahme der neuen Regierung war die Schaffung eines Ministeriums für Wohnungsbau. Entwicklungsminister Giora Josephsthal wurde zum Minister für Wohnungsbau ernannt und wird beide Portefeuilles innehaben. — (ITA) Die Einrichtung des Nobelpreises für den Frieden sollte in einer Zeit höchster Spannungen und Gefahren von allen Regierung-Mi respektiert werden, jedenfalls von solchen Regioi ungen, die sich immer wieder auf ihre christliche Erziehung und Bildung berufen und glauben, allen anderen überlegen zu sein, die nicht ihrer Ansichten, ihrer Hautfarbe oder ihrer Rasse sind. Die rassistische Regierung Südafrikas hat ein weiteres Exempel ihrer hasserfüllten, törichten und den Frieden gefährdenden i-olitik gegeben, indem sic dem Zulu-Friedenspreistri ger Albert Luthuli zwar die Ausreise aus Südafriki „grosszügig” gestattete, die Kommission für den Friedenspreis aber im selben Augenblick angriff. Die Regierung meinte, die Erteilung des Nobelpreises für Jen Frieden ar den Chef der Zulus sei nichts weiter als eine Propaganda, sie sei keineswegs so zu verstehen dass Albert Luthuli diesen Preis tatsächlich verdient hätte. Nun kann zwar jeder, auch ein südafrikanischer Innenminister diejenigen Erklärungen abgeben, die er will. Dieses Recht wird der Herr Jan de Kierk sicherlich für sich in Anspruch nehmen,* allerdings betont er im gleichen Augenblick, andere hätten dieses Recht nicht, so z. B. die Kommission für die Ertei lung des Nobelpreises für den Frieden, der er ausserdem unsachliche, d. h. propagandistische Mot ve unterstellt. Dieses Verhalten ist .eigentlich” eines Innenministers nicht würdig, zumal er doch nach seiner Auffassung eine überlegine Rasse gegenüber der. Schwarzen und besonders gegenüber den Zulus vertritt. Ganz ohne Zweifel surient aus der Zuteilung des Nobelpreises an den Zuiuchif eine Gesinnung, die in einem diametralen Gegensatz zum Verhalten der südafrikanischen Regierung steht. Aber die freie Welt erblickt in dieser mutigen Haltung des Nobelcomites eine Ehrenrettung der weis-ien Wasse, weil man sich in den skandinavischen Ländern, und nicht nur dort, keinesfalls mit der südafrikanischen Rassenlehre identifizieren will. Jedes andere Volk ist stolz darauf, wenn einer aus seiner Mitte für den Nooeipreis für den Frieden auserkoren wird. Wenn sich di'- südafrikanische Regierung hierdurch anstatt geeint gar bt’eidigt fühlt, so ist dies der sicherste Beweis dafür, dass ihre Politik, ihre Haltung, ihre Praxis der Erdrückung der Schwarzen falsch ist. Wenn es dieses Beweises noch einmal mehr bedurft hätte, so wäre er hiermit überzeugend geführt. I auch den Handel mit russischen Produkten bisher nicht eingeschränkt. Ganz im Gegenteil versuchen einige Staaten, ihren Handelsaustausch mit der Sowjetunion zu steigern und zu entwickeln. Jetzt heisst es allerdings plötzlich, dass man Petroleum nicht von den Russen kaufen dürfe. Was bedeuten diese widerspruchsvollen Vorgänge, Meinungen, Parolen und Praktiken? — Handelt es sichum Selbst'vehr gegen die Ausbreitung der russischen Handelsbeziehungen und damit um eine Verstärkung russischer Einflüsse auf dem Gebiet der Politik, der Abwehr gegen die Weltplanung, der Zukunft? — Bemüht sich die amerikanische Petroleumgesellschaft durch ihre Ausführungen und Fingerzeige dem Frieden zu dienen, der durch das russische Petroleum gefährdet wird? — Betrachten wir einmal das Petroleum - Manifest der amerikanischen Gesellschaft etwas näher. Jeder Tropfen Petroleum, den ein-Land von der Sowjetunion kauft, stärkt deren politisch« und ökonomische Kraft. Unterstellen wir, dass diese These richtig ist. Dann würde sie trotzdem gegen jedes demokratische Prinzip des freien Handels verstossen. Mit gleicher Berechtigung könnte man auch sagen, dass jeder gekaufte Tropfen Petroleums — ebenso wie jede von den Russen gekaufte Kanone deren Potential schwächen würde: Entweder besteht eine freie Wirtschaft, oder man muss auch auf dem Weltmarkt zur Planwirtschaft übergehen, die natür-! lieh einen Bruch der bishe- 1 rigen Wirtschaftsauffassunj gen bedeutet oder eine neue I Doktrin darstellt, die den augenblicklichen politischen Bedingungen und ökonomischen Erfordernissen besser angepasst sein mag als die .alten’ liberalistischen Vor..Teilungen, die sich in unserer Zeit noch gut anhören, offensichtlich aber nicht mehr gültig oder realisierbar sind. Gehen wir bei unserer Analyse noch einen Schritt weiter, dann werden wir sehen, dass es durchaus zu bestreiten ist, ob wirklich die Abnahme des russischen Petroleums die sowjetischen Möglichkeiten auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet steigert. Es gibt durchaus Perspektiven, dass sich aus einer erhöhten Lieferung des russischen Oels gewisse politische Konstellationen ergeben, die letztlich den westlichen Ländern — wenn auch nicht den westlichen Petroleum- Magnaten — zum Vorteil gereichen könnten. Hierzu ist es aber erforderlich, die Begründung t’ r Oelthese der Petroleumgesellschaft näher kennen zu lernen. Zunächst wird darauf hingewiesen, dass die Russen ihre Petroleumverkäufe dazu benutzen, um einen Druck auf den freien Markt auszuüben und , poetische Verbindungen, vor allem mit armen Völker anzuknüpfen. Beide Argumente sind sicherlich zutreffend. Warum aber werden vo:. den Russen nur die Petroleumverkäufe zum Anlass genommen, Druck auf andere Völker und Einfluss auf sie zu nehmen? — Gewiss gibt es auch tause . andere Kanäle, deren sich die Sowjets bedienen, um ärmere Völker ihren Theorien zug nglich zu machen. Die vielen Ausweisungen russischer Diplomaten zeigen ganz deutlich, dass die Repräsentationen der Sowjetunion im westlichen Ausland spezifische Aufgaben zu erfüllen haben. Man kann es recht häufig ganz offen in der Zeitung lesen. Ohne der amerikanischen Petroleumgeeellschaft Unrecht zu tun, wird man inrer arstellung in diesem Punkt kaum zu folgen vermögen. Gilt das Gleiche doch für alle anderen russischen Lieferungen im selben Umfang. Gibt es einen Unterschied, wenn die Russen politischen und wirtschaftlichen Einfluss nehmen - ollen, ob sie nun Petroleum oder Produkte der Schwerindustrie verkaufen? — hat es nicht auch dieselbe Wirkung, wenn die Sowjetunion anderen, zur freien (Schluss auf Seite 2> Einstellung der Atom-Versuche Jerusalem. Vorschläge zur sofortigen Einstellung der Atomversuche wurden in der Knesset gemacht Ui?^.iZU-i.1^rej We^€i"Ieitun§ an die Kommission für Sicherheit und auswärtige Angelegenheiten weiter gelei- Aussenminister Golda Meir gab im Namen der' Regierung ihrem Bedauern Ausdruck, dass das Ersui eben der UN-Generalversammlung. das am 27 Okto-' ber an Sowjetrussland gerichtet wurde, damit dieses Land seine 50 Megaton-Bombe nicht zur Explosion bringe, nicht in Erwägung gezogen worden sei Sie verwies m diesem Zusammenhang auf die israelischen Vorschläge für eine völlige Abrüstung. Frau Meir betonte, es könne über die israelische Position kein Zweifel herrschen. Es frage Mch so führte sie aus, welche Methode die Knesset an fnd5' solle, und schlug vor, diesen Fragenkomplex der Kommission für Sicherheit und auswärtig- An gelegenheiten zu uberweisen. Ihr Vorschlag wurde mi. grosser Majorität angenommen und nm von den Kommunisten beanstandet. (ITA-)

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