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Jüdische Wochenschau · 1961-11-03 · 1921 (3.11.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1921 (3.11.1961)
Date
1961-11-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1» izq. /& Jewiana Jsh&eHJba T. E. 832613 Aän XXII. BUENOS AIRES, VIFRNES 3 DE NOVIEMBRE DE 1961 No. 1921 Neue Regierung Ben Gurion Jerusalem. — Die Verhandlungen zur Bildung einer neuen Koalition stiessen erneut auf Hindernisse, nachdem anscheinend ein Fortschritt erzielt worden war. Sie standen wieder auf einem toten Punkt, nachdem die Mapam Forderungen stellte, die die Mapai ablehnte. Achdut Awoda erklärte sich erneut bereit, ohne Mapam einer Koalition beizutreten, fügte aber eine für die Mapai unannehmbare Bedingung hinzu, nämlich dass die Liberalen nicht in die Regierung aufgenommen werden sollten. Hierauf brachen die Liberalen, die sich praktisch auf den Eintritt in das neue Kabinett vorbereitet batten, ihre Beziehungen zur Mapai ab. Tel Aviv. — Die Mapai und Achdut Awoda kamen zu einer Einigung über die Bildung einer Koalition, die es Ministerpräsident Ben Gurion gestatten würde, vor der Knesset mit einer „kleinen Koalition” zu erscheinen, der Mapai als stärkste Partei, Achdut Awoda, die Religiös - Nationalen und Poale Agudat Israel angehören würden. Die vier Par teien würden über eine schwache Majorität in der Knesset verfügen Die Liberalen erklärten, sie würden sich einer „fertigen” Regie- Tel Aviv. — Nunmehr wurde die Bildung des neuen Kabinetts angekündigt, nachdem Finanzminister Levi Eshkol zehn Monate mit den Parteien verhandelt hat. Jetzt wird das Kabinett der Knesset vorgestellt, damit diese ihm ihr Vertrauensvotum erteilt. Mapai stellt 11 Minister, nämlich David Ben Gurion als Ministerpräsidenten, Golda Meir Aussenminister, Mosche Dajan Ackerbauminister, Levi Eshkol Finanzminister. Abba Eban Erziehungsminister, Pinchas Rosen Handels- und Industrieminister, Jesef Almogi Dov Josef, Bechor Shitrit Polizeiminister und einen anderen sefardischen Vertreter. Die Minister der Religiös-Nationalen werden Zoraeh Warhaftig, Josef Burg und Mosche Shapira sein. Achdut Awoda wird von Jizchak Aharon und Israel Bar Jchuda oder Jigal Alon repräsentiert werden. Die Poale Agudas Isarel wird einen beigeordneten Minister im Erziehursgsministevium, Kalman Kahana, haben. Für die Mapam wurde die Tür offen gehalten, falls sie sich später der Regierung anzuschiiessen wünscht. Achdut Awoda konnte die Aufnahme einer Klausel erwirken, dass Mapam ihre alten Portefeuilles wieder bekommt, falls sie der Koalition beitritt. „Unter den Umständen”, äusserte Levi Eshkol, ,dst dies das beste Kabinett, das wir bilden konnten. Ieh bin glücklich, dass ich Ben Gurion die riesige Arbeit und Mühe dieser leidigen Verhandlungen ersparen konnte.” (ITA) rung nicht anschhessen und i sich nicht mit den Ministerien begnügen, die man ihen anbieten würde. Auch j die Mapamführer ausser- \ ten, dass sie sich dieser! Koalition nicht anzuschliessen beabsichtigen. Die Uebereinkunft zwischen Mapai und Achdut Awoda wurde nach fast zweimonatigen Verhandlungen zwischen Finanzminister Levi Eshkol und Vertretern der Opposition erzielt. Anscheinend bleibt der Mapai keine andere Wahl, als eine kleine Koalition zu bilden in der WIE ICH ES SEHE 103 Mitglieder bilden die UN >n JEHVDA GOTTHEMEB In den letzten Generalversammlungen der Vereinten Nationen wurde stets heftig über die Frage debattiert ob Rot-China als Mitglied in die UN aufgenommen werden solle oder nicht. Die Russen haben alles versucht, um dieses Ziel durchzusetzen, ohne bisher den erhofften Erfolg zu haben. Auch Krutschew, der im vergangenen Jahr mehrere Male ln der Generalversammlung das Wort ergriffen hatte, konnte niehts an dem ablehnenden Ergebnis ändern. Diesmal hat er es vorgezogen, im eignen Hause eine Konkurrenzversammlung aufzuziehen, die merkwürdige Resultate gezeitigt hat. wenn man sich auch jetzt noch kein sicheres Bild über den Ausgang dieser Verhandlungen bilden kann. Immerhin sind die seit langem bestehenden Differenzen zwischen der Sowjet-Union und dem roten China wieder deutlich zutage getreten. Ob diese Auseinandersetzungen nur über taktische Probleme geführt werden, wie dies von Moskau behauptet wird, oder ob tiefe ideologische Differenzen die entscheidende Rolle bei dieser russisch-chinesischen Rivalität spielen, ist schwer zu entscheiden. Auch Meinungsverschiedenheiten über theoretische Fragen können zu heftiger Gegnerschaft führen. Tatsache bleiht, dass die russisch - chinesische Einheitsfront starke Risse aufweist, auch wenn sie noch nicht zu einer Spaltung führen mögen. Die Polemik gegen Albanien zeigt,, dass innerhalb des roten Machtbereiches Strömungen vorhanden sind, die auf eine lockere Bindung mit dem Kreml hinzielen. Ob Albanien stark genug ist, sich auf einen separatistischen Weg zu begeben und eine Position einzunehmen, wie sie Jugoslawien mit Erfolg gegenüber Stalin und Krutschew behauptet hat, bleibt abzuwarten. Die geographische Nähe die- Gegen Rassen - Diskriminierung Jerusalem. — Das israelische Kabinett diskutierte in seiner regelmässigen Sonntagssitzung über die Stellungnahme der israelischen Delegation in der Generalversammlung der UN, wo Israel für die Resolution der Verwahrung gegen eine Rede des südafrikanischen Aussenministers mit „Ja” stimmte. Golda Meir, die nach ihrer Rückkehr aus New York zum ersten Mal wieder dieser Sitzung beiwohnte, setzte auseinander, dass ihre Delegation nicht anders handeln konnte, weil Israel sich im Prinzip jeder rassischen Diskriminierung widersetzen müsse und auch diesmal hierzu gezwungen war, da die UN- Debatte sieh zu einer Demonstration gegen die Diskriminierung gestaltet hatte. (ITA) »er beiden Staaten kann zu einer Annäherung zwischen j ihnen führen und damit das kleine Albanien aus dem un-! mittelbaren sowjetischen! Machtbereich ausschalten, i Dies würde an sich keine | gros.se Bedeutung haben und I zu keiner Machtverschie-! bung im Kampf zwischen Ost und West führen, könnte dagegen eine psychologische Wirkung auf andere, sicherlich nicht zufriedene Sateliten haben. Die Debatten auf der kommunistischen Parteitagung in Moskau werden durch überaus heftige Angriffe gegen einige, früher führende Parteigenossen gekennzeichnet, was auf neue Sänberungsaktionen alten stalinistischen Stils hindeutet. Dabei tauchen wieder die Namen der einzigen drei bekannten Kommunisten aus der Stalin-Aera auf, die längst von der Bildfläche verschwunden sind, trotzdem aber ganz offensichtlich noch einen Einfluss auszuüben vermögen. Der Bekannteste unter ihnen ist der ehemalige Aussenminister Stalins, Molotow, der 1 seinerzeit den Juden Litwinow ablöste, um auf diese Weise den Weg zum Hitler- Stalin - Pakt freizumachen, der von Molotow und von Ribbentrop unterzeichnet wurde. Welche Rolle in diesen angeblich gegen die Partei gerichteten Machenschaften der Marschall Worosehilow spielte, ist nicht klar. Immerhin dürfte man wohl nicht fehlgehen, wenn man harte Spannungen innerhalb der kommunistischen Hierarchie vermutet. Sonst wäre os wohl kaum zu solchen Diskussionen gekommen, die Hoffnung, dass ihr Mapam oder die Liberalen später beitreten werden. Die Vertreter der vier Fraktionen, die sich zur Bildung einer kleinen Koalition bereit erklärt haben, sind bemüht, die im letzten Augenblick aufgetauchten Schwierigkeiten zu überwinden. Es bestand die Aussicht, dass Levi Eshkol dem Ministerpräsidenten die Regierung vorstellen könnte, damit dieser sie seinerseits der Knesset vorscelle. Die letzten Schwierigkeiten stehen im Zusammenhang mit der „Disziplin der Koalition” zum Schabbat-Gesetz. In dieser Frage üben die Religiösen einen Druck aus, dem die Mapai nicht nachgeben will, und schliesslich mit der Verteilung der Ministersessel. Anscheinend wird es 16 Minister geben, d. h. 11 von der Mapai, 2 von den Religiös-Nationalen, 2 von der Achdut Awoda und einen Minister der Poale Agudat Israel. Die Mapai stellte einen Beschluss in dieser Frage in Aussicht. NEUE SCHWIERIGKEITEN Tel Aviv. — Beu Gurion empfing eine Abordnung der Sefardim, die verlangten, dass ausser dem Polizeiminister Becher Shitritt noch ein weiterer sefardiseher Minister bestimmt werden solle. Der Ministerpräsident versprach, diese Frage an das Comité der Mapai, das die Ernennungen ausspricht, zu überweisen. Des weiteren erklärte Mosche Dajan, er könne der neuen Regierung nicht beitreten, wenn er nicht Akkerbauminister bleiben könne, nachdem er zum Gesundheitsminister vorgeschlagen worden war. was er ablehnte. Delegierte der Moschawim-Bewegung sueh- New York. — Botschafter U Thant, dessen Namen als wahrscheinlicher Nachfolger des verunglückten Gene.a,- »ekretärs Dag Hammarskjold genannt wird, ist als Freund Israels bekannt, und er scheut sich nicht, dies öffentlich zu bekennen. Er hat „die grösste Bewunderung für Israel” geäussert und betont, dass das Volk von Israel seiner Meinung nach der Sache des Friedens und des Fortschritts ergeben ist. Diese Versicherungen sind keine leeren Worte, denn U Thant hat als Begleiter des Premierministers von Birmanien, U Nu, Israel im Jahre 1955 einen Besuch abgestattet. „Ich hatte Gelegenheit verschiedene Teile Israels zu sehen und konnte mir ein recht gutes Bild vom Leben des Landes und seinen Bestrebungen machen ’, erzählt er. U Thant besuchte die landwirtschaftlichen Kolonien im Emek und auf den Hügeln Galiläas; er war sowohl von den Kibbuzim wie von den Moschawlm tief beeindruckt; er war Zeuge der Durchführung der kühnen Pläne zur Eroberung der Negew-Wüste. Er besuchte Industrie-Unternehmen und beobachtete den Beitrag, den „die Geschicklichkeit, der Erfindungsgeist und die Ausdauer” der Bevölkerung des Landes für die israelische Wirtschaft leisten. Er war beeindruckt von der Eingliederung der Neueinwanderer und der Förderung des sozialen und kulturellen Fortschritts in Israel. Und er lernte auch die israelischen Errungenschaften auf dem Gebiet der Wissenschaft kennen. „Ich konnte”, berichtet er. „mit vielen führenden Persönlichkeiten sprechen, mit Politikern, Soldaten, Künstlern, Wissenschaftlern, Industriellen, Arbeiterführern, Beamten und Erziehern, und sie alle zeichneten sich durch die Hingabe an ihre Arbeit aus U Thant ist überzeugt, dass Birmanien und Israel viele gemeinsame Faktoren besitzen, trotz der Verschiedenheit ihrer Geschichte, Geographie und ihres Klimas. Beide Länder, so führt er aus, sind um die Wiedererweckung ihrer alten Kulturen auf der Basis der modernen Zivilisation bemüht. Beide stehen vor der gewaltigen Aufgabe, ihren Staat und ihre Wirtschaft wiederaufzubauen Beide hegen demokratische Ideale und glauben an die Würde des Menschen und die Systeme der parlamentarischen Demokratie. Der birmanische Botschafter setzt sich für die Stärkung der ökonomischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern in gegenseitigem Interesse ein. Er erkennt die technische Hilfe an, die Israel Birmanien und ande.en Ländern Asiens geleistet hat, und steht auf dem Standpunkt, dass niemand auf lange Zeit hinaus die Anerkennung Israels als gleich berechtigtes Mitglied der asiatischen Völkerfamiiie verhindern kann. „Wenn sich die Geister beruhigen, so wird man einsehen, dass der jüdische Staat für den Frieden und Aufbau eintritt”, stellt er fes~. Als Botschafter Birmaniens und ständiger Repräsentant seines Landes vor den UN hat U Thant bei verschiedenen jüdischen Veranstaltungen in den USA das Wort ergriffen, und dies tat er auch bei der Nationalkonvention des Amerikanischen Jüdischen Kongresses. Die jüdischen Führer in USA schätzen ihn hoch und betrachten ihn als einen der fähigsten ausländischen Diplomaten. BORIS SMOLAR ten Gen Burion auf, der ihnen zusagte, Dajan solle | sein Amt als Ackerbaumij nister behalten, was wiederum Schwierigkeiten mit der I Achdut Awoda verursachte, j denen dieses Portefeuille i auf ihr Verlangen zugesagt; worden war und die sich mit dem Gesundheits- oder : Entwicklungs - Ministerium j nicht zufrieden geben wollten.! Die Repräsentanten der, vier Parteien kamen erneut zusammen, um eine Eini-1 gung herbeizuführen, die jedoch nicht erreicht w.vden konnte, weil sich cle Achdut Awoda der Forc.’- rung der Religiösen naen Einhaltung der Schabbatruhe widersetzte, weiche sien auf die Transporte, sporiTchen Veranstaltungen die Vergnügungsindustrie und den Restaurantbetrieb auswirken müsste. Trotz all m hofft man, dass diese Hindernisse aus dem Weg geräumt werden können — (ITA) ein eigenartiges Licht auf die jetzige Kreml-Situation werfen. Einer der Krutschew-Anhänger jedenfalls sagte deutlich, dass die Beseitigung Krutschews das einzige Ziel der Gruppe Malenkow, Motolow und Kaganovich gewesen sei. Es wäre jedoch verfehlt, alle diese Spannungen zum Anlass zu nehmen, um nunmehr über den internen kommunistischen Differenzen die grosse Gefahr zu verkennen, die von dieser Macht der Welt droht. Vorläufig ist kein Anhaltspunkt klar ersichtlich, der uns vermuten lassen dürfte, dass diese inneren Schwierigkeiten zu einer ernsten Erschütterung dieses Gewaltregimes führen könnten. Die Explosion von Superbomben hat die freie Welt gegen die Sowjets aufgebracht. Proteste wurden von allen Seiten erhoben, zumal die Gefahr einer Durchsetzung der Luft mit Atomstaub und anderen, die ganze Menschheit gefährdenden Stoffen als absolut gegeben anzusehen ist. Während Krutschew also seine Versuche entgegen allen Mahnungen und Protesten fortsetzt, wird in Moskau lebhaft und mit einem erstaunlichen Ernst über den Frieden diskutiert, ohne dass die Beteiligten ein Gefühl für die Paradoxität ihrer Reden und Taten besitzen. Noch immer beherrscht die Phrase das politische Denken Man ver-1 schanzt sich hinter den verj meintlichen Lehren von Marx und Lenin, um in ei-! ner ganz anderen Zeit und unter völlig veränderten Umständen einen Machtkampf auszutragen der nur die endgültige Vernichtnng allen menschlichen Lebens zur Folge haben kann. Zur gleichen Zeit gehen die Debatten und Auseinandersetzungen in den UN weiter, als ob nichts geschehen ist. Zwei weitere Länder wurden in die grosse Völkergemeinschaft aufgenommen, deren Mitgliederzahl bereits die erhebliche Ziffer von 103 Mitglied- Staaten umschliesst. Jedes Land hat das Recht, in die grosse Völkerfamilie aufgenommen zu werden, wenn c;s nur die Prinzipien der UN anzuerkennen und zu beac .- ten bereit ist. Dass es e r, - ge Länder gibt, die eine so.- che Haltung versprochen, aber in der Praxis des politischen tebens nicht gewahrt haben ist bekannt. Hierüber hat die UN mit ihren Organen zu wachen, vo - allem durch das Instrument des Sicherheitsrates, was :?- doeh meist an der allgeirieinen politischen Konstellation scheitert. Unsere Gegenwart wird noch immer vom Ost-West-Konflikt oe- (Schluss auf Seite 2) Gaesfe aus USA in Israel Jerusalem. — Philip Talbot, Beigeordneter Staatssekretär für Nahost- und Südasien-Fragen weilte zu einem viertägigen Besuch in Israel. Er erklärte den Journalisten, seine Mittelostreise sei „in erster uinie” eine Studienmission, um sich mit den Verhältnissen der Zone vertraut zu machen. Er traf mit Frau Golda Mem und Ministerpräsident Ben Gurion zusammen und machte eine Rundfahrt durch Galiläa Talbot besichtigte ebenfalls die von Israel im Rahmen seines Projekts zur Umleitung der Jordanwasser durchgefuhrten Arbeiten. Mit Talbot trafen mehrere USA-Senatoren :n Israel ein, unter ihnen Senator Hubert Humphr v von Minnesota und Start Symington von Missouri. Senator Humphrey erklärte den Journalisten, er betrachte heule die Aussichten auf den Frieden in Mittelost mit grosserein Optimismus als bei seinem letzten Besuch vor vier Jahren. (ITA)

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