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Jüdische Wochenschau · 1961-10-21 · 1920 (21.10.1961) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1920 (21.10.1961)
Date
1961-10-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Martes. 31 de Orto brr de WW LA SEMANA ISRAELITA Afto XXII. — Ne. 1*M — S „Entschuldigen Sie, können Sie mir sagen, wie ich am besten zum Gefängnis komme?", fragte ich einen Vorübergehenden auf der Hauptstrasse in Ludwigsburg. dem Städtchen bei Stuttgart, mit seinem Barockschloss und herrlichem Park, das einmal die Residenz der württembergischen Herzoge war. Der Mann sah mich misstrauisch an, aber er erklärte mir genau den Weg. Jeder kennt in Ludwigs'ourg das Landesgefängnis. Gewöhnlich kommt man in Gefängnisse leichter hinein als heraus. Offenbar trifft das nicht auf I udwigsburg zu. Ich musste beweisen, dass ich wirklich eine Verabredung mit Oberstaatsanwalt Schüie natte, und nachdem ich durch ein kompliziertes System von Toren und Kontrollen durchgeschleust wurde, kam mir einer seiner Assistenten entgegen, um mich zum Verwaltungsflügel zu begleiten, in dem die Zentrale für Aufklärung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen untergebracht ist. Auf der Treppe bereits begrüsste mich Oberstaatsanwalt Schüie, gross, hager, mit grauem Haar und dem Aussehen eines Offiziers. Sein Name ist unter den Nazis in Deutschland ge- Die Nazijaeger von Ludwigsburg hasst und gefürchtet — jenen, die Untergrund gegangen sind und falsche Namen angenommen htben, und den vielen anderen, die hoffen, dass ihre Verbrechen anonym bleioen werden. Die „Zentrale’ ist einmalig in Deutschlands Rechtspraxis und Rechtsgeschichte. Als es sich vor vier Jahren, bei dem grossen Naziprozess in Ulm, herausstellte, dass viele der Verbrecher, die ihre Schandtaten ausserhalb Deutschlands begangen hatten, sich der Strafe entziehen konnten, beschloss die Konferenz der Justizminister der deutschen Länder im Jahre 1958, eine Stelle zu schaffen, die *eststellen sollte, was im Ausland geschehen ist, und die Ermittlungen nach den am Geschehenen Beteiligten einleiten sollte. Die „Zentrale“ ist keine , Staatsanwaltschaft im eigentlichen Sinne — vielj mehr hat sie die Aufgabe, von HERBERT FREEDEN plex der Kreis der verfolgbaren Täter und die zuständige Staatsanwaltschaft festgestellt, so leitet die ..Zentrale“ das Material der Staatsanwaltschaft zu. Das schliesst jedoch nicht aus, dass die Staatsanwaltschaft, nachdem das Verfahren bei ihr anhängig wurde, die „Zentrale“ bittet, fiir sie weitere Ermittlungshüf? zu leisten. Als der Oberstaatsanwalt mich durch die Büros führte. und mich seinen Mitarbeitern vorstellte — jungen Staatsanwälten, jeder von ihnen für ein bestimmtes Gebiet verantwortlich — hatte ich den Eindruck, mich in einem Hauptouartier zu befinden. Und tatsächlich wird hier ein unerbittlicher Krieg gegen die bereits identifizieiten und noch anonymen Naziverbrecher geführt. Jedes der Zimmer wird von einer grossen Wandkarte beherrscht, das erreichbare Material zu J die das Gebiet, in dem die sammeln, zu sichten. auszu werten und nach Ort, Zeit und Täterkreis abgegrenzte Tatkomplexe herauszuarbei ten. Sind für einen Tatkcm- HOTEL LAGO -•¿'2 LEO KAHN Saisoneroeffnung 1. Dezember ANMELDUNG ERBETEN RIO CEBALLOS Casilla Correo 34 *-H******************************#******A * - * * * * V MUNRO| V ^****#****#-#**#*******************4Hf#*«---t Í MALER AVR BEITEN | Günter Stern, H. Rosenhain £ LEANDRO N. ALEM 2530 * T. E.: 795 8710 U. 740-1925 Teppichbaus - ft Höchberg] UNERREICHTE AUSWAHL AN HANDGEKNÜPFTEN { TEPPICHEN IN ERSTKLASSIGEN QUALITÄTEN ♦ EUER JEDES GEMUETLICHE HEIM. I Eigen« Fabrikation — Unverbindlich« Verführung T Auf Wunsch Zahlungserieichterungen I MASCHINENTEPPICHE IN ALLEN FARBEN UND ♦ GROESSEN. 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Ravensbrüek, Sachsenhausen; den Tätigkeitsbereich der „Einsatzkommandos” in Litauen, Estland, Minsk und Lettland; die Verbrechen der Einsatzgruppe B 'des Höheren SS- und Polizeiführers Russland-Mitte); der Einsatzgruppe C (Kiew) und der Kommandanten de.- Sicherheitspolizei im Kaukasus und in Transnistrien, sowie das Gebiet des „Generalgouvernement” Polen mit Krakau, Lemberg, Lublin, Radom, Warschau und den Vernichtungs - Lagern Im übrigen Ausland schweben Ermittlungen von Straftaten in Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Griechenland und Italien, Jugoslawien, Holland, Norwegen, Rumänien und Ungarn. Insgesamt schweben 291 Ermittlungsverfahren gegen Tausende von Verdächtigen. Allein der Auschwitz- Prozess hat eine Liste von 950 Angeklagten, von denen sich erst 28 in H?ft befinden. Wie die Nazijäger von Ludwigsburg ihr Material erhalten, ist ein« faszinie-1 rende Geschichte, die noch geschrieben werden muss. Ein wichtiger Quellennachweis sind die Befehlsblätter des Reichsführers SS und der deutschen Polizei. Aber von nicht geringerer Bedeutung sind die vielen zufälligen Fetzen von Informationen, die sich aus Gesprächen ergeben, öfter aus Zänkereien und Streit, manchmal. aber auch aus gewöhnlichen Prozessen. So führt z. B. der Scneidungsprozess eines ehemaligen Mitgliedes der Einsatzgruppe 8 zur Verhaftung seines Kommandeurs Dr. Otto Bradfisch. der der Beihilfe zum Mord in 15.000 Fällen schuldig befunden und zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. In zwei Jahren, so hofft Oberstaatsanwalt Schüie, dürfte die .¿Zentrale” ihre Aufgabe beendet haben. In vielen Fällen lösen Verhaftungen Kettenreaktionen aus — jeder Beschuldigte zieht andere mit sich und öffnet neue Perspektiven für die Anklage. Handelt e* sich um „grosse Kanonen”, so leitet Oberstaatsanwalt Schüie in eigener Person die Verhaftungen — manche der Beschuldigten leben unter falschem Namen als angesehene Bürger, nicht selten in prominenten Stellungen —; seine Erfahrungen können zwar noch nicht veröffentlicht werden, aber eines Tages dürften sie zu den spannendsten „Krimis” zählen. Es ist unvermeidlich, dass unser Gespräch sich der immer wiederkehrenden Frage zuwendet, wieviele Deutsche mehr oder weniger aktiv am Massenmord beteiligt waren, und die Zahl von 80.00« dürfte die akkurateste Schätzung sein. Als ich das Thema von den Millionen deutscher Soldaten in Polen und Russland anschneide, klingelt der Oberstaatsanwalt nach seiner Sekretärin und bittet sie um ein bestimmtes Aktenstück. Statt einer Antwort, nimmt er die Abschriften zweier Briefe heraus. Der erste ist ein Schreiben des Oberbefehlshabers im Grenzabschnitt Süd. Generals der Infanterie Ulex, vom 2. Februar 1940. an den Oberbefehlshaber Ost General Blaskowitz, in dem es u. a. heisst: „Die sich gerade in letzter Zeit anhäufenden Gewalttaten der polizeilichen Kräfte zeigen einen ganz unbegreiflichen Mangel menschlichen und sittlichen Empfindens, sodass man gerade von Vertierung sprechen kann... Den einzigen Ausweg aus diesem unwürdigen, die Ehre des ganzen deutschen Volkes bet'lekkenden Zustand sehe ich darin, dass die gesamten Polizeiverbände einschliesslich ihrer sämtlichen höheren Führer, welche diesen Gewalttaten seit Monaten zusehen, mit einem Srhlag abgelöst und aufgelöst werden und dass intakte, ehrliebende Verbände an ihre Stelle treten.” Vier Tage darauf sandte General Blaskowitz eine Denkschrift an fliiier über den Mord an 10.000 Juden: „...Der schlimmste Schaden jedoch, der dem deutschen Volkskörper aus den augenblicklichen Zuständen erwachsen wird, ist die masslose Verrohung und sittliche Verkommenheit, die sich in kürzester Zeit wie eine Seuche ausbreiten wird. Wenn hohe Amtspersonen der SS und Polizei Gewalttaten und Brutalität verlangen und si? in der Oeffentlichkeit belobigen, dann regiert in kürzester Zeit nur noch der Gewalttätige. überraschend schnell finden sich Gleichgesinnte und charakterlich Angekränkelte zusammen, um, wie es in Polen der Fall ist, ihre tierischen und pathologischen Instinkte auszutoben... Die einzige Möelichkeit, sich dieser Seuche zu erwehren, besteht darin, die Schuldigen und ihren Anhang schleunigst der militärischen Führung und Gerichtsbarkeit zu unterstellen.” Die Einstellung der Armee zur SS und Polizei, so fügt er hinzu, „schwankt zwischen Abscheu und Hass”. Eine Sekretärin bringt die Morgenzeitungen. Der Oberstaatsanwalt zeigt auf die Schlagzeilen vom „Einsatztruppen-Prozess”, der gerade in Dortmund stattfindet. Auch dieses Verfahren, gegen den ehemaligen Leiter der Staatspolizeist°11e Tilsit, Dr. Hermann Jahr und seine beiden Assistenten, ist das Resultat von Ermittlungen der „Zentrale”. Zu Beginn nächsten Jahres werden ein« grosse Anzahl weiterer Fälle vor Gericht kommen. Nicht wenige dieser Prozesse werden in Hessen stattfinden, dessen Generalstaatsanwalt Dr. Bauer, der Hand in Hand mit Her .Zentrale” arbeitet, der grosse Experte der Anklagevertretung gegen Nazi Verbrecher ist. Ich suchte ihn in seinen Amtsräumen in Frankfurt am Main auf. „Natürlich haben wir die Protokolle des Eichmann-Prozesses sorgfätig studiert”, sagte Dr. Bauer, „aber sie haben uns nichts gesagt, was wir nicht schon vorher wussten. Alle Namen, die erwähnt wurden, waren in unseren Akten, und soweit wir die Beschuldigten fassen konnten, sind die Verfahren gegen sie in Vorbereitung. Vom Standpunkt der Geschichte aus hat der Prozess gewiss ein grosses Werk getan, sei-* ne juristischen Enthü.'Iungen waren nicht so eindrucksvoll.” Dr. Bauer, der mit semer grauen Mähne wie ein Künstler aussieht, hat eine Belohnung von 20 000 DM für die Ergreifung des Auschwitz-Arztes Dr. Josef Mengele ausgesetzt. Aber er ist hinsichtlich der Erfolgs - Chancen skeptisch. „Mengele ist ein Mann der über ungeheure Geldmittel verfügt”, erklärt der Generalstaatsanwalt, „seine Familie sind reiche Industrielle, deren Einfluss und Beziehungen über die ganzen Welt reichen. Deshalb wird er leicht überall Unterschlupf finden.” DER Jugendliche Touristen London. — Führer der hiesigen jüdischen Gemeinde haben sich mit dem argentinisch-israelischen Kulturinstitut in Verbindung gesetzt, um Informationen über die Reisea Jugendlicher nach Israel zu erhalten, die dieses Institut seit dem Jahre 1959 in den Dezembermonaten organisiert. In London besteht der Plan, ebenfalls solche Bar Mlzwa-Reisen zu veranstalten. (ITA) 365 TAGE * ANZUG Der Carlton-Anzng für alle 365 Tage <) Immer ist man angeia* ffen O Keiner sieht sich leid dairan! <> Auf der Strasse, Un Beruf o In Gesellschaft und am Abend O Der Anzug häk Strapazen aus o Er Ist sehr preiswert Und wenn Sie Masskleidlung wünschen, erst recht zu uns! 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