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Jüdische Wochenschau · 1961-10-06 · 1913 (6.10.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1913 (6.10.1961)
Date
1961-10-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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9s°a w i* < ü FRANQUEO PAGADO Concesión 908 n TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXII. BUENOS AIRES. VIERNES 6 DE OCTUBRE DE 1961 No. 1913 EL EJEMPLAR en toda la República PUEVEREDON 2190 19 i*«,. T. E. 83 2613 Buenos Aires Um die Nachfolge Hammarskjolds! einseitge Berichterstattung HASS SIEGT UEBER DIPLOMATIE Vereinte Nationen. — Mongi Slim, der neue Präsident der UN - Generalversammlung und ehrgeiziger Kandidat für die zeitweilige N chfoige des verstorbenen Generalsekretärs Da;. , Hammarskjcld, hat seiner eigenen Sache schweren Schaden zugefügt, indem er Israels Aussenminister, Golda Meir. vorsätzlich brüskierte. wie verschiedene wichtige Delegierte urteilten. Der Chef einer der mächtigsten UN-Delegationen gab seiner Meinung in wenig diplomatischer Weise Ausdruck. als er verärgert äusserte: „Slim ist ein Dummkopf. Es war eine vorsätzliche und unentschuldbare Beleidigung, die ihn aus der Wahl für das Amt des höchsten Exekutivbeamten der Vereinten Nationen ausschaltet.” Der Zwischenfall ereignete sich auf einem inoffiziellen Empfang, den Präsident Kennedy nach seiner Ansprache an die Versammlung veranstaltete. Anwesend waren der gegenwärtige Präsident der Generalversammlung Siim, Staatssekretär Dean Rusk und; der Präsident der nordame- I rikanischen UN-Delegation Adlai Stevenson. Als sich in der Reihe der Delega- | tionschefs vor den UN Frau I Meir als Leiterin der israe- I ¿¿sehen Delegation in Bej gleitung des ständigen israelischen Repräsentanten Michael Comay näherte, streckte sie auch dem Präsidenten Slim ihre Hand entgegen. Dieser machte eine halbe Wendung und begann, sich mit dem scheidenden Versammlungs-Präsidenten Frederick Bo^and aus Irland zu unterhalten. Frau Meir, von Comay gefolgt, begrüsste daraufhin den Präsidenten Kennedy und die übrigen Herren seiner Begleitung, worauf sie weiterschritt. Verschiedene Delegierte, die die Szene beobachtet hatten, zeigten sich er¬ Eindeutige Position Israels New Yotk. — Israel opponiert gegen jeden Kandidaten für das Amt des UN-Generalsekretärs als Nachfolger Hammarskjolds, wenn dieser Kandidat der Repräsentant eines Staates ist. der der Arabischen Liga angeschlossen ist. so erklärte Golda Meir in einem Interview, welches durch das Fernsehnetz ganz Amerikas übertragen wurde. Auf die Frage ..Wäre für Israel ein Araber als Generalsekretär annehmbar?” entgegnete Frau Meir: „Es geht nicht darum, ob es ein Araber oder irgendein anderer ist; wir sind im Prinzip dagegen, dass der Generalsekretär aus einem Lande kommt, das einem anderen Lande in offener Feindschaft gegenübersteht.” Die Frage bezog sich auf die Kandidatur des Tunesiers Mongi Slim, des jetzigen Präsidenten der Generalversammlung. Frau Meir betonte, dass kein Mitgiiedstaat der Arabischen Liga einen Kandidaten für das höchste Amt der UN präsentieren könne, wenn man bedenke, dass die UN im Mittelosten eine aktive Kontrolle ausüben, wobei sie auf UN-Beobachter, UN-Truppen. usw. verwies, deren direkter Vorgesetzter der Generalsekretär ist. Im Laufe ihrer Ausführungen unterstrich Frau Meir ferner, dass der Frieden mit den feindlichen Araberstaaten früher oder später geschlossen werden müsse. „Ich bin überzeugt hiervon”, setzte sie hinzu. Sie streift« auch die Ereignisse in Syrien, die Israel aufmerksam beobachte, obzwar es sich seinen Grundsätzen getreu der Nichteinmischung in die Angelegenheiten fremder Staaten befleissige. Aber Israel sei natürlich über jeden Zwischenfall an der Grenze mit Transjordanien besorgt, weil seine Hauptstadt Jerusalem direkt an dieser Grenze liegt. staunt. Slim, der frühere ständige Vertreter von Tunis, ist heute die führende Persönlichkeit unter allen arabischen und moslemischen Staaten in den UN. Als moslemischer Staat Israel hegt. Es wurde darauf verwiesen, dass Slim als Generalsekretär Gefahr für Israel bedeuten würde, denn Dr. Hamraarskold trug weitgehende persönliche Verantwortunt in von Golda Meir .linrcissen liess, die von v’elen Dele gierten beobach*et wurde später geäussert habe, er hätte sich keine Rechenschaft davon abge.egt. dass Frau Meir sich ‘t.m in der Reihe der Gäste nahet te. Er soll den Amerikanern versichert haben, dass es noch andere diplomatische und gesellschaftliche Gei°gen heiten geben würde, be; denen er Frau Meir die Hand reiche werde. Dotz dieser lahmen Entschuldigung herrscht unter vielen Delegationen der Eindruck, dass Slim, der heute nur ein vorübergehendes Routine-Amt bekleidet, als stelivertrrtender Generalsekretär das unbedingte Vertrauen gemessen müsse, dass *-r sich einer absoluten Neutralität befleissigen könne. Einige Delegierte äusserten sie hätten jetzt >hre Ansicht gelindert und seien nicht mehr davon überzeugt, nass Slim die geeignete Persönlichkeit für einen so verantwortlichen Exekutivposten sei Inzwischen konferierte Golda Meir mit Lord Hume, dem britischen Au:- senminister, und dem!ÜrkiS''hen Aussenminister Srlim Sarper. Auch eine Unierreaung mit Argentiniens Aussenminister Dr. Miguel Angel Cärine j gano, und dem Chef der norüiuj Mitglied der Arabischen j vielen Gebieten, die von Liga weigert sich Tunis, Israel anzuerkennen. Bisher hatte Slim die meisten Aussichten, zum Stellvertretenden Generalsekretär der UN gewählt zu werden. Man weiss. dass er das grösste Interesse hat, diesen Posten zu erhalten, und sogar bereit wäre, auf die Präsidentschaft der Generalversammlung zu verzichten, um zum Generalsekretär gewählt werden zu können. Ein weiterer Kandidat für dieses gleiche Amt ist U Thant, der Chef der birmanischen Delegation, der persönlich Freundschaft für Die Parteien verhandeln weiter Tel Aviv. — Finanzminister Levi Eshkol nahm im Auftrag des Zentralcomités der Mapai die Verhandlungen zur Bildung eines neuen Kabinetts unter der Ministerpräsidentschaft von Ben Gurion wieder auf. Nach Ablauf einer Woche sollte er über das von ihm erzielte Resultat Bericht erstatten. Wenn diese Bemühungen ergebnislos verlaufen, so ist die Mapai entschlossen, das Mandat an den Staatspräsidenten Ben Zwi zurückzugeben, der in diesem Fall den Chef der zweitstärksten Partei in Israel, der Cherut, berufen dürfte, um ihm die Kabinettsbildung zu übertragen. Eshkol teilte dem Comité mit, dass die Verhandlungen mit dem „Klub der Vier”, der von Mapam, Achdut Awoda, den Liberalen und Reiigiösnationalen gebildet wird, nicht das Schlüsseiproblem der Majorität der Mapai in einem neuen Kabinett, auf dem diese Fraktion besteht, beinhaltet hat und dass eine Einigung über diese Frage nicht wahrscheinlich erscheint. Wie Eshkol äusserte, schreiten die Besprechungen nur langsam voran. Meir Argow, der Chef der Knesset-Kommission für auswärtige Angelegenheiten, schlug vor, der Klub der Vier solle aufgefordert werden, den Versuch zu unternehmen ohne die Mapai eine Regierung zu bilden. Er fügte hinzu: „Dann werden wir sehen, was sie machen können.” Mosche Dajan, Ackerbauminister der Interimsregierung, verlangte einen schnellen Entschluss. Das Zentralcomite kam erneut überein, die Forderung nach der Majorität der Mapai in jeder neuen Regierung nicht fallen zu lassen. (ITA) dem arabisch-israelischen Konflikt berührt werden. — SLIMS EIGNUNG WIRD BEZWEIFELT Vereinte Nationen. — Die Frage, ob der Tunesische Delegierte Mongi Slim, wel eher gegenwärtig als Präsident der UN-Generalversammlung fungiert, geeignet ist, zum Nach-olger des verstorbenen Generalsekretärs Dag Hammar-kjold gewählt zu werden, war Gegenstand eingehender Diskussionen zwischen Delegationen verschiedener Länder, nachdem Israeis Au ssenminister Golds Meir gegen eine solch« Wahl protestiert hatte. Frau Meir, die von Israels ständigem Repräsentanten vor den UN, Michael Comay, begleitet wurde, unterhielt sieh über dieses Thema mit Adlai Stevenson, dem Chef der USA-Delegation, dem sie zu bedenken gab, dsas Tunis Mitglied der Arabischen Liga ist und Slim und seine Regierung eine antiisraelische Linie befolgen. Daher sei es für Slim absolut unmöglich, die arabisch-israelische Frage in einem Geist der Neutralität zu behande'n. Frau Meir und Comay betonten, dass die feindlich« Einstellung Mongi Slims und seines Landes gegen Israel schon seit Jahren bestehe und nicht erst von dem Au genblick an datiert, in dem Slim Frau Meir die kalte Schulter zeigte. , Man erzählt sich, dass Slim zu den höchsten amerikanischen Persönlichkei ten, deren Gast er war als er sich zu der Brüskierung wegischen Delegaron, S'vert Nielsen, war vorgesehen. — (ITA) New York. — Ein wichtiger Bericht über die Frage der arabischen Flüchtlinge, der dem Generalsekretariat der UN eingereicht wurde, wird schon jetzt mit Argwohn beurteilt, bevor noch sein Inhalt bekannt gegeben worden ist. Das Misstrauen entspringt dem Umstand, dass der Verfasser des Memorandums, der Direktor des UN Büros für die arabischen Flüchtlinge, Dr. John H. Davis, es für angebracht hielt den Arabern, aber nicht Israel, einen Auszug aus dem Dokument zu überreichen. Ist Dr. Davis vielleicht gegen Israel voreingenommen? War es korrekt von Dr. Davis, mit den Führern der arabischen Liga in Kairo seinen Bericht zu besprechen, anstatt ihn zuerst dem verstorbenen UN-Generalsekretär Dr. Hammarskjold vorzulegen? Diese Fragen stellt man sich gegenwärtig in den Wandelgängen der Vereinten Nationen. Es ist bekannt, dass Dr Davis, seit er Direktor der UNWRA ist, niemals den direkten Kontakt mit Israel aufgenommen hat. Angesichts des Verhaltens des Direktors dieses UN-Büros fragen sich verschiedene Mitgliedstaaten, warum Dr. Davis bis nach Kairo flog, um dort mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga zu verhandeln. Man hat darauf verwiesen, dass Davis in seinem vorjährigen Bericht an die UN dazu neigte, die arabischen Position ohne jedwede Kritik zu akzeptieren. Später hat er auf drr Konferenz des Weltfliichtlingsjahres in Genf eine Rede gehalten, die Auffassungen enthielt, welche als Identifizierung mit dem arabischen Standpunkt in der Frage der palästinensischen Flüchtlinge ausgelegt werden konnten. Da diese Frage auf der jetzigen Tagung der UN-Generalversammlung von den arabischen Delegierten für ihre, antiisraelische Haltung weidlich ausgenutzt werden wird, so kommt dem Davis-Bericht in diesem Jahr eine viel grössere Bedeutung als im Vorjahr zu. Der Bericht des Dr. Dav-is ist besonders wichtig, weil die USA einen Plan über die Lösung der arabischen Fliichtiingsfrage vorbereiten, den sie der UN-Versammlung vorzulegen beabsichtigen. Natürlich dürfte der Davis-Plan nicht das gleiche Gewicht haben wie der Bericht des Sondergesandten der Schlichtungskommission fur Palästina, Dr. Joseph Johnson, der vor dem 15. Oktober unterbreitet werden soll. Dr. Johnson hat es im Gegensatz zu Davis für angezeigt gehalten, nicht nur die Araber sondern auch Israel zu befragen, und daher wird dem Davis- Bericht ein Makel anhaften, den die UN nicht übersehen dürften BORIS SMOLAR Ein Gast aus Abessinien Vor kurzem hatte Israel den Besuch des äthiopischen Vizeministers für Landwirtschaft. Er war gekommen, um sich einer gründlichen ärztlichen Untersuchung zu unterziehen, benutzte jedoch die Gelegenheit, auch zu offiziellen Kontakten. Er wurde vom Landwirtschaftsminister empfangen. Die Presse berichtete darüber in offiziellen Communiqués, erwähnte jedoch nicht, dass Tedassa Jacob Jude ist. 1947 lernte ich ihn in Addis Abeba kennen. Ich war mit vielen Mustern eingetroffen, um durch eine Ausstellung das Interesse für die Erzeugnisse der jüdischen Industrie des damaligen Mandatslandes Palästina zu wecken. Die Zollbeamten waren misstrauisch und verlangten genaue Beschreibungen der über 500 Muster in amharischer Sprache. Diese Listen sollten in mehreren Exemplaren eingereicht werden. Da es keine Schreibmaschinen mit den über 200 amharischen Schriftzeichen gab, hätte alles mit der Hand geschrieben werden müssen, und wer konnte kontrollieren, ob die Beschreibung in Ordnung war? Im Hotel gab man mir den Rat, mich an den Generalzolldirektor zu wenden. Ich fuhr zu seinem Büro und freute mich, sofort von ihm empfangen zu werden. Er war ein typischer Aethiopier, dunkler jedoch nicht schwarzer Hautfarbe. Ich stellte mich vor, gab ihm meine Visitenkarte und war höchst überrascht zu hören, Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 Impreso e» la Imprenta POLIGLOTA — Rlvadavia 831 als er mir sagte (auf französisch: „Ich freue mich, jemand aus Tel Aviv hier zu begriissen. Wir sind Glaubensgenossen.” Noch erstaunter war ich, als er hinzufügte: „Ich spreche auch hebräisch, doch habe ich leider wenig Uebung in dieser Sprache. Ich hatte die Ehre, eine Schüler von Professor Ben Seew zu sein. Meine Frau ist religiös. Vielleicht haben Sie einen ,Luaeh’ bei sich, damit wir feststellen können, wann wirklich das Pessachfest beginnt.” Es dauerte nur wenige Minuten, und ich bekam eine Anweisung an den Zollbeamten, mir die Muster gegen eine Garantie auf Grund der von mir vorgelegten Rechnungen freizugeben. Tedassa Jacob ist ein Falascha, oder wie sie sich selbst nennen, ein Angehöriger der Gruppe „Bet Israel”, der einheimischen Juden Abessiniens. Er ist der einzige, der einen hohen Regierungsposten bekleidet. Bevor er Minister wurde war er Leiter des Bergwerksamtes und vorübergehend Direktor im Finanzministerium. Im Jahre 1948, als der Staat Israel ausgerufen wurde, veranstaltete ich eine Sammlung für die Opfer des Befreiungskrieges. Zum ersten Mal geschah es, dass sich Juden an die Falaschas wandten, um eine Spende zu erhalten. Bisher war es immer umgekehrt gewesen. Der verstorbene Dr. Faitlowitsch hatte jahrzehntelang durch die Pro-Falascha Comités Geld für diesen fast vergessenen Stamm aufgebracht. Gewiss handelte es sieh nicht um bedeutende Summen. Es gibt keinä reichen Faiaschas. Worauf es ankam, war die Bekundung der Solidarität mit dem jüdischen Volk. Der Anlass war bestimmt richtig gewählt. Auf eines nämlich sind die Falaschas stolz: sie sind der einzige jüdische Stamm, der nach der Vertreibung aus Palästina mit der Waffe in der Hand um seine Freiheit gekämpft hat. Alle Falaschas, die damals in Addis Abeba waren, beteiligten sich an der Sammlung. Zu einer nennenswerten Alija ist es nicht gekommen, und es ist auch sehr fraglich, ob Menschen, die aus einer so fremden Kulturwelt kommen, sich hätten einordnen können, besonders auch, weil sie beruflich nicht darauf vorbereitet sind. Sie haben jedoch die Beziehungen zu Israel vertieft. Der Sohn von Tedassa Jacob studiert seit einigen Jahren an der Bar Idan-Universität. Noch etwa fünfzehn andere junge Falaschas werden in Israel ausgebildet, jedoch nicht ia akademischen Berufen. Die Zahl der Israelis, die heute in Abessinien an der industriellen und landwirtschaftlichen Erschliessung des Landes aktiven Anteil nehmen, ist nicht klein. Einige Juden europäischer Abstammung sind als Berater ‘besonders auf juristischem Gebiet tätig. Der ständig steigende Austausch von Waren über den Hafen Elat, der mit Massaua und Dschibuti durch regelmässigen Schiffsverkehr verbunden ist, hat dazu beigefragen, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu intensivieren, die beiderseitig durch Konsuln in den Hauptstädte» vertrete« smmI.

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