Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1912 (29.9.1961)
- Date
- 1961-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDON 219« — 1? izq. JûxJè*PtxauiJsAjaeliia T. E. 832613 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES, 29 DE SEPTIEMBRE DE 1961 No. 1912 Warnung vor neuen Gefahren - -— von SAUL CARSOM £ür ständi£ oder auch nt,r Ein Dokument von höchster Wichtigkeit wurde Ende August von dem auf so tragische Weise umgekommenen UN-Generalsekretär □ag Hammarskjöld veröffentlicht. Es handelt sich um die Einführung zum Jahresbericht an die Generalversammlung. die alljährlich vor Beginn der Tagung nerausgegeben wird, um allen Mitgliedern und Delegationen die Möglichkeit zu bieten, sie sorgfältig zu studieren. Das 20 Seiten umfassende Dokument unterrichtet die Mitgliedstaaten von den Richtlinien, nach denen nach Auffassung des Generalsekretärs die UN im kommenden Jahre arbeiten müssen. Es ist besonders aufschlussreich für die kleinen Völker in der Welt, und eines dieser Völker, das ihm grösste Bedeutung zumessen dürfte, ist Israel. Kurz, Dr. Hammarskjöld stellte in dieser Einführung zwei UN-Prinzipien einander gegenüber. Ohne Krutschew oder Russland zu nennen, erläutert er die Krutschew- Doktrin, die fordert, dass das Sekretariat dem „Troika“-System ähnlich, in Händen von drei gleichberechtigten Generalsekretären liegen solle, von denen einer den Westen repräsentiert, einer dem „Sozialisten“- Block und der dritte der sogenannten neutralen Welt angehören müsse. Gegen diese Auffassung führt Hammarskjöld eine andere, tiefere Ueberlegung ins Feld. Die Krutschew-Doktrin wäre, nach Hammarskjolds Ansicht, der Versuch zu einer „Konferenz“, wie er es nennt. Würde man sie sich zu eigen machen, so wären die UN nur noch ein Forum zur Abhaltung von Konferenzen unter den Völkern. Hier gegen verteidigt Hammarskjöld seine eigene Ansicht, nach der die UN eine „exekutive” Körperschaft bleiben müssen. Er tritt dafür ein, dass nach der Abstimmung über Beschlüsse oder Empfehlungen im Sicherheitsrat oder in der Generalversammlung eine UN- Exekutive vorhanden sein muss, um die Resolutionen durchzuführen. Diese Exekutive ist seiner Ansicht nach das Sekretariat mit einem einzigen neutralen Generalsekretär an der Spitze. Die Bedeutung dieser beiden Standpunkte ist für Israel auf den ersten Blick ersichtlich. Nikita Krutschew wünscht die Leitung des Sekretariats durch Mächteblocks, den Westen, den Osten und die „neutralistischen“ Länder, und zwar WIE ICH ES SEHE Die jaehrlichen Debatten von JEHUDA GOTTHEIMER Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat mit schweren Sorgen und unter einem sehr ungünstigen Stern begonnen. Zwar sind es die Regierungen und ihre ständigen Repräsentanten gewöhnt, dass die sich für eine friedliche Regelung der Weltprobleme ergebenden Perspektiven gering sind, diesmal jedoch war das Panorama besonders trübe. Die russische Politik hatte dafür gesorgt, dass die Wogen der Leidenschaften hochschlugen, indem sie den Fall Berlin systematisch als Zündstoff für eine zu befürchtende Katastrophe vorbereitete, wenn der Kreml auch immerhin sämtliche ihm zur Verfügung stehenden Bremsen bereit hatte, um das Aeusserste zu vermeiden. Da man aber niemals wissen kann, ob ein Wagemenker die Gewalt über sein Fuhrwerk behält, wenn es den Berg hinabrollt, mussten sich die Gegner wie die Bundesgenossen auf einen Ernstfall seelisch vorbereiten. Dies schuf eine aufgelockerte Stimmung tiefer Erregung, durch welche die bereits seit Jahren bestehende Unsicherheit nur noch weiter gesteigert worden ist, was wiederum genau den Intentionen Krutschcws entsprach. Es war nicht nur Berlin, ARABISCHE PROPAGANDA IN USA New York. — Schon seit längerer Zeit bemühen sich die arabischen Propagandisten hier in Amerika, unter dm Negern und in der Negerpresse Freunde zu werben. Zur gleichen Zeit sind die arabischen Studenten an den amerikanischen Universitäten darum bemüht, Freundschaft mit den afrikanischen Studenten zu schlossen und ihnen Misstrauen gegen Israel einzuträufeln. Es ist nicht länger ein Geheimnis, dass die arabischen Studenten im Dienst der antisraelischen Propaganda stehen und ihre politischen Ziele verfolgen, wobei ihnen das Studium als ein Vorwand dient. Wie allgemein bekannt, wird diese Propaganda von der Arabischen Liga finanziert, die in New York und anderen amerikanischen Städten „Informationszentren” unterhält. Aber nicht alles Propagandamaterial, das diese „Zentren” fabrizieren, wird von Arabern verbreitet, sondern ein Teil hiervon wird von USA-Bürgern an di-e Öffentlichkeit getragen. Die neueste Filiale der Arabischen Liga ist ein Büro, das vor kurzem in der Stadt Dallas in Texas eröffnet wurde. Es verfügt über ein Budget von 65.000 Dollar und beliefert den Süden. Andere, grössere Büros arbeiten in Washington und in Chikago. Ihre Aufgabe besteht darin, arabische Propaganda an die Presse zu liefern, Vorlesungen in Klubs und Universitäten zu veranstalten und auf dem Forum der Kirchen und bürgerlichen Vereine Sprecher auftreten zu lassen, die Nassers Verdienste um unterentwickelte Länder rühmen, wobei sie dann natürlich auch Israel angreifen. Ebenso werden Radiostationen mit „Informationen” ähnlichen Inhalts von diesen Büros beliefert. Mit dem Beginn der diesjährigen Tagung der UN-Ge-1 über Rhodesien' ab* das die Welt in Atem hielt; an verschiedensten Ecken unserer geplagten Erde brennt es immer gleichzeitig. Wie ein unterirdisches Beben setzt sich die Fieberwelle einer kranken Menschheit fort und erfasst schliesslich alle Länder, alle Völker, alle Menschen. Ostasien, der Mittelosten, Tunis, Algier, Marokko, Kuba, Südafrika und Kongo, das sind nur einige der permanenten Gefahrenherde. Ueberall wird gekämpft, verhandelt, geschossen, gesprochen. der Gegner grausam beseitigt, debattiert und versucht, den schwelenden Brand zu löschen. Hierum bemühen sich ständig die UN, die einen grossen Stab von Beamten einsetzen, um diesem hohen Friedensziel zu dienen. Wo es bisher nicht gelungen ist, den Frieden herzustellen, — eigentlich nirgends —, haoen die Anstrengungen der Vereinten Nationen wenigstens solche Zwischenlösungen treffen können, durch die ein Weltenbrand verhindert werden konnte. Sicherlich waren die Erfolge im einzelnen gering, wenn man ein Fazit zu ziehen bereit ist. Dennoch wird man zu dem Resultat gelangen, dass der Erfolg als Ganzes ein grosser gewesen ist: es wurde bis heute verhütet, dass es zum Zusammenstoss zwischen Ost und West auf der gesamten Weltfront kommt. Inmitten dieser aufgeregten Tage, kurz vor dem Zusammentreten der Generalversammlung der UN und in Erfüllung einer seiner vielen Friedensmissionen fand Dag Hammarskjold, seit vielen Jahren der Generalsekretär der Vereinten Nationen, den Tod. Er stürzte mit seinem Flugzeug Sofort neralversammlung wird auch die Tätigkeit der arabischen Propagandisten hinter den Kulissen der Sitzungen wieder verstärkt. Sie wenden sich an die Delegierten und Korrespondenten der afro-asiatischen Länder, um sie in ihrem Sinne zu beeinflussen. Hierzu dient ihnen oft „importiertes” Material, das in Kairo gedruckt wurde. Doch sie verteilen natürlich auch die Broschüren und Schriften, die ’ russischen Block heftig von den amerikanischen „Informationszentren” produkämpft und oftmals angezk*rt werden, die ebenso wie die aus Kairo „importierten” I griffen worden ist Der Tod Druckerzeugnis« voller Gift gegen Israel und die „ameri kanischen” Zionisten ist. SORIS SMOLAR wurden Stimmen laut, die von Sabotage sprachen und ein Attentat gegen das Leben des Generalsekretärs behaupteten, der als westfreundlich galt und des höchsten UN-Repräsentanten musste eine schwere l Reaktion auslösen, zumal ständig oder auch nur von Fall zu Fall. Man braucht nur daran zu erinnern, dass Israel in den UN ein „Einzelgänger“ ist, weil es keinem Block angehört, um zu verstehen, wie gefährlich die Krutschew-Doktrin für den jüdischen Staat ist. Es ist wohlbekannt, dass bei einem Wettstreit zwischen Blöcken der stärkere oder auch der an Argumenten reichere gewinnt, und dass es sich bei Annahme einer „neutralen Politik“ zumeist um einen Kompromiss handelt, der meist die Wahl des „kleineren Uebels“ darstellt. Allzu oft ist es vorgekommen, dass irgendeine Forderung der arabischen Staaten gegen Israel zur Beschwichtigung der Araber als „kleineres Uebel“ geführt hat. Bei zahlreichen Gelegenheiten in der Vergangenheit waren Israel und seine Freunde mit der Erfüllung von UN-Beschlüssen oder -Empfehlungen durch den j Generalsekretär nicht zufrieden. Aber die Lage würde unendlich schwieriger I sein, wenn das Sekretariat i von drei Leuten geführt würde. Selbst wenn der westliche UN-Chef für eine faire Behandlung Israels stimmen sollte, so würde sich der Vertreter des j Ostens jedesmal an die Sei-! te der „Neutralen“ gegen Israel stellen. Diese „Neutralen“ würden sich mit Bestimmtheit aus Elementen zusammensetzen, die unter dem Einfluss der Arabischen Liga stehen, wenn sie diese nicht gar vertreten. Unter diesen Umständen kann es keinen Zweifel geben, wo Israels Interessen liegen. Und nicht nur Israel würde in eine schwierige Situation geraten, wenn die Argumente Krutschews siegen sollten, sondern auch alle anderen kleinen Völker sollten die der Krutschew- Doktrin innewohnenden Gefahren rechtzeitig erkennen und sich ihrer Annahme durch die U\T »-ide-setzen. man , nennen musste, dass die Auseinandersetzungen um seine Nachfolge mit grosser Entschiedenheit ausgetragen werden würden. Die beiden bisherigen Generalsekretäre, Trygve Lie und Dag Hammarskjold. waren Skandinavier. Ob man sieh wieder über einen Europäer wird einigen können, steht in diesem Augenblick nicht; fest, erscheint aber sehr zweifelhaft. Man wird den Weg einer indirekten Verständigung wählen und sieh auf einen Afro- Asiaten einigen, der als westlich orientiert gilt, ohne allerdings zu starke Bindungen mit einer der beiden Fronten zu haben. Der Streit um den Posten des Generalsekretärs bietet den Russen die unerwartete Chance, einen erhöhten Druck in der China-Frage auszuüben. Denn wiederum wird darüber debattiert werden, dass Rot-China in die UN auf genommen werde. Schon an diesem Beispiel allein kann man die unglückliche Weltkonsteilation analysieren, die zahllosen Widersprüche, die törichten Konsequenzen, die aus der Ost-West-Antithese gezogen werden, die Zerrissenheit der Völker, die Verworrenheit der Gedanken und die Hilflosigkeit der Staatsmänner, eine Lösung Ben Gurions 75. Geburtstag ü ' i Jerusalem. — „Die grossen Verdienste ¿>i_n uurions um die Erfüllung des zionistischen Traumes“ wurden in einer Botschaft von Dr. Nachum Goldmann im Namen der zionistischen Exekutive anlässlich des 75. Geburtstages des Ministerpräsidenten gewürdigt. Auch „Ben Gurions Beitrag zur Schaffung der Israel-Armee” wurde in diesem Kabel erwähnt, sowie „seine Initiative bei der Proklamierung des jüdischen Staates”. — „Trotz der grundlegenden Meinungsverschiedenheiten über die Aufgaben der zionistischen Bewegung, die zwischen uns und Ihnen bestehen”, so heisst es, „sehen wir in Ihnen aus der historischen Perspektive heute einen der bedeutendsten Politiker unserer Zeit.” Schon vor seinem Geburtstag empfing der Ministerpräsident sein erstes Geschenk, das Grosskreuz von Dahomey, eines der neuen afrikanischen Staaten. Diese Auszeichnung wurde ihm in seinem Landsitz in Sde Boker durch den Präsidenten von Dahomey, Hubert Maga, überreicht, der mit seinen Begleitern im Speisesaal des Kibbuz zu Gast weilte. Die beiden Staatsmänner führten eine längere private Unterhaltung in französischer Sprache. Wie später verlautete, tauschten sie Meinungen aus über Probleme des Weltfriedens und die Rolle Afrikas in der internationalen Völkerfamilie, sowie über die Beziehungen zwischen Dahomey und Israel. (ITA) aus diesem wachsenden i Chaos zu finden. Das grösste Reich der Erde, das Land mit der bei weitem grössten Bevölkerung, wird seit! Jahren am Eintritt in die UN aus Gründen gehindert, die keiner ernsthaften Prüfung standhalten, es sei denn, dass man gewillt ist, machtpolitische Gesichtspunkte — die berechtigt sein mögen — anzuführen. Aber das tut man nicht. Man beruft sich auf das Argument, dass Rotchina von einer „illegalen” Regierung geführt werde. Aber Aegypten darf eine grosse Rolle spielen, obwohl auch Nasser durch einen revolutionären Akt ans Ruder kam wie so viele andere. die heute selbstverständlich ihren Platz in den UN einnehmen. Das amerikanische „Gedankengebäude” der Gedankenlosigkeit, das zur Verhinderung eines Eintritts Rotchinas in die UN dienen sollte, ist ein durchsichtiges Gewebe unernster Argumente, die nur den einzigen Zweck haben, die wahren Gründe nicht klarzulegen, die dennoch jeder kennt, und die von vielen sicherlich auch verstanden und respektiert werden würden, wenn man sie ausspräche. Die Amerikaner sind sich nicht weniger ihrer Stärke bewusst wie die Russen. Auch sie haben durchaus den — nicht sehr erfreulichen — Mut, anstelle von verständlichen und verstandesmässigen Argumenten die Macht zu demonstrieren. Das haben sie im Fall China reichlich getan. Sie haben damit sich selbst und dem Westen weit mehr geschadet als dem Ostblock. Denn erstens blieb den Russen ein Argument gegen die Amerikaner, dessen Richtigkeit selbst von den grössten Russengegnern als berechtigt anerkannt worden ist; denn man kann nicht den kleinsten afrikanischen Staat als selbständiges Mitglied in die UN aufnehmen, China aber vor der Tür stehen lassen, obwohl alle wissen, dass diese Chinesen eine Weltmacht sind. Nicht genug damit, haben di» Amerikaner durch ihre unglückliche Politik gegenüber China selbst zum Beweis dafür beigetragen, dass eia Land sich glänzend entwikkeln kann, auch ohne der Segnungen der UN teilhafiig zu werden. Denn Rotenina ist nicht weniger mächtig, wenn es ausserhalb der UN bleibt. Wahrscheinlich ist es sogar draussen gefährlicher als drinnen, wie dies mitunter bei manchen politischen Kräften der Fall 'st, die innerhalb der Verantwortung gebunden werden können. Mit dieser Chinapoiitik wurden die Amerikaner wieder einmal mehr zu den gewollten oder ungewollten Förderern faschistischer Strömungen und Mächte. In Washington ist man otfensichtlich noch immer der Ansicht, dass man sich einfach alles erlauben kann. Mit dieser etwas polte; n.len Politik eines Dulles wurde der grösste Machtfaktor zerschlagen, mit dem die Amerikaner rechnen durften: mit dem Vertrauen der anderen Völker. Die verschiedenen hohen Gäste aus den USA, die ihre eigenen Erfahrungen in lateinamerikanischen Ländern machen mussten, werden sicherlich ausführlich berichtet und auch darüber naehgedacht haben, warum man ihnen einen solchen Empfang bereitet hat. Sie werden vielleicht begriffen ha- (Schluss au; Seite 2i Besuch der Synagoge Casablanca. — Prinz Moulay Abdulla, der Bruder des Königs Hassan II., von Marokko, besuchte am Jom Kippur den Gottesdienst in der Synagoge von Casablanca und begriisste die Vorstände der jüdischen Gemeinde. (ITA)