Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1910 (19.9.1961)
- Date
- 1961-09-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Bartes. 19 de .Septiembre d< 1961 LA SEM ln einer autobiographischen Novelle schildert der grösste hebräische Dichter unserer Zeit, Samuel Joseph Ag»on. ein Jom-Kippur-Ei- Icbnis. Wider seine sonstige Gewohnheit, den Versöhmmgstag bei den Frommen in der Altstadt von Jerusalem k.u verbringen, bleibt er an diesem Jom Kippur in seiner Gartenvorstadt, er vveiss ja, die ganze Erde ist Fülle von Gottes Herrlichkeit und überall kann man Gott dienen. Weshalb nicht in der Synagoge seiner Vorstadt? Er betritt an Kol Nidre das Gotteshaus. Eine grosse Gemeinde ist versammelt, aber der Dichter spürt einen inneren Widerstand gegen den Dienst der dort vor sich geht. Ein Zweifel steigt in ihm auf ob das Gottesdienst . ist oder Menschendienst. Er fühlt: einen Unwillen gegen das Kleinbürgerliche dieser Umgebung gegen den sich spreizenden Vorbeter, gegen die Selbstsicherheit der Gabbaim, die die Petichot verteilen, und gegen die Be- . ftr, die nicht beten, sondern neugierig darüber wachen, - wem die Ehrenämter Zufällen. Die Nacht des Versijh- »ungsfages tröstet ihn über den Gottesdienst, an dem er nicht betend teilgenommen ' hat. Er verbringt die Nacht auf dem Dach seines Hauses, im Mondschein grösst -ihn die ewige Stadt Jerusalem und die Wüste und das -Tote Meer in der greifbar -nahen Ferne, und er weiss: ein Jude, der am Versöhnungstag sich einsam in der Wüste befindet, kann an diesem Tag mit seinem Schöp fer allein sein und sein Herz Jhm zuwenden. Der Tag bricht an, und wieder geht er ins Gotteshaus. Aber der Trost der -Nacht hält nicht stand. Kaum eineinhalb Minjanim «und morgens in der Synagoge versammelt. Langeweile steigt dem Dichter von den! ZUM* JOM E L B 1’ A Ari0 XXtl. Xe- 1910 — 7 ron Oberrnhbmer Prof, ftr. KVHT WI LH ELM-, Slockhz* ni leeren Platzen entgegen, als er die Synagoge betritt. Er versucht, sich in die Wenigen einzureihen, aber der Versuch misslingt noch mchr als am Abend im gefüllten Gotteshaus. Widerwillen packt ihn, er schliesst das Gebetbuch, legt den Tallit ab, er flieht die Syn agoge, flieht den Jom Kippur, ruhelos irrt er während des ganzen Tages in der Vorstadt umher, auch in der Einsamkeit unter den Bäumen im Wald von Talpiot kann er die Ruhe des Versöhnungstages nicht linden. Immer wieder bemüht, er sieh, zur Synagoge zu gelangen. Einmal kommt er wieder an, aber Gottesdienst besucher stehen in der Eingangstür und.ihr massiges Ailtagsgeschwätz stüssf ihn wieder fort, ein anderes Mal gelangt er dorthin zur Stunde der Feier für die Verstorbenen, aber ihm ist, als hätten eil— Toten selbst sich in der Synagoge ein gefunden, und auch seinen riatz hat ein Toter eingenommen. So versäumt er Gellet um Gebet. Schächaril, Mussav, Mincha sind vorbei, und noch hat er kein Gebet .über die Lippen gebracht. Vielleicht. soll er doch noch in die Altstadt gehen und dort ein echtes N’eila mitbeten? ■Während er sich, besinnt, geht die Sonne zur Neige, der Jom Kippur ist aus, der Jom Kippur, den er versäumt hat. In völliger Erschöpfung langt er daheim an und erinnert sich, es gibj oder es gab besonders GottesLirchtige, die zwei Tage Versöhnungstag halten. Beim Schein aer niedrig brennenden Jom - Kippur- Kerze liest er im Schulchan Aruch die Vorschriften NEUE BUECHER E. Cansinos Asscns: Las Luminarias de Januca, mit einem Vorwort von Cesar Tiempo, erschienen im Verlag ,,Editorial Candelabro”, 3961, Buenos Aires. Mit Cer Veröffentlichung dieses Buches hat der Verlag Candelabro eine Pionierarbeitet geleistet. Er stellt dem argentinischen Publikum, und vor allem seinen treuen jüdischen Lesern' wenn auch kein neues Thema, so doch einen neuen Autor vor, eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, die kennen zu lernen, von grösstem Nutzen und Interesse ist. In seinem brillant geschriebenen Vorwort schildert Cesar Tiempo den Autor Cansinos - Assens, von dem man lange Zeit glaubte, er sei eine Schöpfung oder Idee von Jorge Luis Borges, eine Traumerscheinung, die schon legendäre Eedeutung erlangt hatte, WTas dieser universell gebildete und von vielen Kulturen schöpferisch beeinflusste Cansinos-Assens zu diesem Thema seines Buches zu sagen hat, ist interessant und äusserst lesenswert. Hier wird ein Euch empfohlen, das nach zwei Aspekten bemerkenswert ist: der Stoff (das Thema) und der Autor. Noch ein kurzes Wort über Candelabro, diesen mutigen Verlag, den Dr. Abraham Mabastahan s. A. mit echtem Enthusiasmus gegründet und Jahre hindurch mithilfe seines umfassenden, gründlichen Wissens, das ebenfalls mehrere grosse Kulturen umschloss, souverän leitete. Mit dankbarer Anerkennung müsste die jüdische Oeffentiichkeit zur Kenntnis nehmen, dass der Sohn des Gründers dieses Verlages, Dr. Asher Mibashan, mit dem gleichen Ernst und der gleichen Hingabe nicht nur das Werk seines Vaters fortsetzt — was eine Familiensache sein mag —. aber auch dieses grosse Werk in den Dienst der jüdischen Sache stellt. Und das sollten wenigstens diejenigen verstehen, die führend die Geschicke des argentinischen Judentums leiten. Der Verlag sollte die notwendigen Mittel erhalten. um — ohne von irgendwelchen Institutionen oder Parteien abhängig zu werden — seine erfolgreiche Arbeit in einem vergrösserten Umfang fortzusetzen. Zwei Tage nach ihrem 90. Geburtstag, am 15. September entschlief friedlich unsere geliebte Mutter, Grossmutter, Urgrossmutter und Tante, Frau ROSA NEBEL geb. HECHT (früher Hindenburg/Oberschl.) Im Namen der Hinterbliebenen: ELFRIEDE BOEHM ' Die Beerdigung bat bereits stattgefunden. Wir danken allen recht herzlich für die unserer teuren Verstorbenen erwiesenen Liebesbezeugungen. für einen solchen zweiten Tag Jom Kippur nach und wird es gewahr: Die Gebete eines solchen Tages sind Werktagsgebete und er weiss es: ein verfehlter Jom Kippur ist nicht nachzuholen und so beschliesst er dieses erschütternde Do kument der Flucht des um Gott wissenden Menschen vor Gott und Seinem Tage mit den Worten: Zu Ende — aber nicht zu Ende sind des Himmels Barmherzigkeiten. Diese Geschichte .,Pi Schnajim” ist die Geschieh-, 1e der Flucht des Propheten Jona vor Go1t im Gewand der modernen hebräischen Novelle. Er flieht Got: und. seinen Dienst, er verbringt een Tag Gottes im Kader mit Gott. Gott soll in der NovtFe verstummen, der Mensch will allein den. Aber auch wenn der Mensch Gottes Namen verschweig', redet er imrner nur mit Gott. Noch einmal ist der Versühnungstag die Ze’’ einer Geschichte des Dielde s Agnon, und wieder eine Erzählung, in deren Mittelpunkt das dichterische Ich steht. Feinde haben sein Haus zerstört und mit seiner k’einen Toc-hier im Arm 1 i:ht der Dichter in die Stadt. Sc-hecken und Angst beschleunigen seine Schritte, und er kommt in die Stadt am Rüstlag zum Versöhnungsiag. kurz vor dem Einbruch des heiligen Tages. Er betritt den Vorhof aer grossen Synagoge mit dem Wunsch, man möge einen würdigen Vorbeter bestellt haben, der in Wahrhaftigkeit beten kam. Derer gibt es nicht, mehr viele, „aber ich brauche Kraft und meine kleine TocMe. braucht sic, .ein Kind noch, von seinem Ori entfernt.” Auf die Symbolik de-s An fan-gs dieser Ncvelic ha^ der feine Deuter der Agnonsehen Erzählkunst Bazucb Kurzweil in Israel, als erster aufm: ksam gemacht. Feinde haben das Haus zerstört. Haus bedeutet nicht nur Sicherheit des Helms hei Agnon, sondern ebenso metaphysische Sicherheit. Entfernung, Flucht vom Haus heisst, das Verhältnis zwi sehen Mensch und Mensch und das zwischen Mensch und Gott ist ins Werken geraten. Das ist der Jude unserer Tage, der flieht, bei Tag und bei Nacht. Die alte Generation hat noch Sicherheit gekannt, aber die kleine Tzchter, diejunge Generation, isj vom Ort ganz entfernt. Ort, hebräisch: Makom — das ist euch c-ln Name für Gott. So stehen beide Generaj tionen an der Pforte des ■ Versöhnungstages in den sie jetzt im Gegensatz zur Novelle Pi Schnajim, fliehen, j Der Vater, im Vorhof der sl- : ten Synagoge, hofft noch auf einen würdigen Vorbeier. Er hat noch die Kraft des Gej bets erfahren. LTnd hat er j sie am Tage vergessen, bei \ Nacht drängt sie sich ein in ' Seltsamem fort. Noch sieht das Gotteshaus das der Vaseine Träume. Aber die kleine Tochter ist seelisch heimatlos. Und nun setzt die Geschichte mit ‘ etwas ganz 1er mit dem Kind auf dem Arm betritt, leer, nur die Wachskerzen zum Anrt-i an die Toten sind sehen entzündet. Das Kind komm; -:.i rem Lichte zu. rshe, d z Kleider fangen Feuer, aber der Vater kann die Gefahr aewenden und hält nun das fclcsse Kind in seinem A m. Er sucht im Winkel der Synagoge, dort, wo man abgenützte Gebetbücher und andere unbrauchbar gewor dene heilige Schriften zu verbergen pflegte, nach etwas, um damit seine- Tochter einzuhüllen. Er sucht vergebens. ,,Als man noc-h Eicher las”, sagt der Dichter, „gab es zerrissene Bücher; jetzt, da man nicht mehr lernt, gibt es keine Genisa mehr.” Das Feuer hat alles vernichtet. Einst waren Büche; unser Schutz. Doch unser-:1 Generation hat nichts mehr, die Blosse zu bedecken, weil sie keine Bücher mehr hat. Aber der Versöhnung tag ist uns g-blieben, in aller hafjk unserer Zeit. Er hat vielleicht für untere General ion eine grössere Bedeutung als iür alle vor uns, die des gesicherten Lehens. Er ist der Tag der jüdischen Zuflucht schlechthin. Es geht uns rr lt dem Vers< hnungstag w? jener ersten Generation nach der »: Störung des Tempels. Noch lebte die Erinnerung fort an den Tempeiöienst ries heiligen Tages, der Sünden - Vergebung bedeuten?. Noch las man in der Mischr»a vom Glanz des Heiligtums und dem Dienst des Hohenpriesters am entsühnenden Altar. Das beschloss Rabbi Akiba, der ein neuer Märtyrer für sein Volk und seinen Gott zu werden bestimmt war, den Bericht der Kischna von einem vergangenen Versöhnungstag mit dem Wort von der ewigen Bedeutung dieses Tages: „Heil euch Israel; Wer ist’s, vor dem ihr euch j-einigi und wer isl‘s, der t 'ch i einigt? Euer Yal.r im Himmel.'’ EERNARD0; BAPMkPORT und Frau FANNY geb« KATZ 2. Zt. Hoiia 'beehren sich anzuzeigen, dass die Hochzeit ihrer Tochter Feriita Rappapo-ri mit Hiirrn Ariel Nussbaum am 5. Seplembei 1961 in Haifa siaitgeiunden hat. Buenos Aires, September 1951 Juncal 1S58 5Tm*i» FUER N ZU DEN HOHEN FEIERTAGEN SEINE BEITRAGSPFLKHT FÜR M EimmiMiMPi ANNAHMESTELLEN: CAMPANA UNIDA PRO ISRAEL. COMITÉ CENTROECROPEO Sarmienlo 2376, 39, T.E. 47-3820 und saemtliclie Sekretariate der an geschlossenen Organisationen und Gemeinden