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Jüdische Wochenschau · 1961-09-19 · 1910 (19.9.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1910 (19.9.1961)
Date
1961-09-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. JfcJenuÂMCiJs/iaelUa T. E. 83-2613 Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 19 DE SEPTIEMBRE DE 1961 No. 1910 EIN JAHR VOLLER PRUEFUNGEN Obwohl es übertrieben sein würde, zu behaupten, dass den Juden Marokkos Gefahren drohen, so steht es doch ausser Zweifei., dass das Jahr 5721 ein Jahr der Prüfungen gewesen ist und die Aussichten-für das neue Jahr keine baldige Besserung verheissen. Ernste Zwischenfälle waren im letzten Januar zu verzeichnen, als der Präsident der Vereinigten Arabischen Republik, Nasser, Marokko einen Staatsbesuch abstattete. Die Ereignisse stellten unter Beweis, dass der im marokkanischen Volk latent vorhandene Antisemitismus jederzeit in Gewaltakte gegen die jüdische Bevölkerung ausarten kann. Seit dieser Zeit haben die arabischen Botschaften in der politischen Landsfcauptstadt Ravon SAMUEL NATHAN bat unermüdlich den Zwist zwischen Juden und Moslems geschürt und antisemitische Parolen verbreitet Während Nasser -n Marokko zu Besuch war und nach seiner Abreise wur den 2.000 marokkanische Juden verbatet. Ueber hundert von ihnen wurden gefoltert, wobei die Po'izei Methoden anwandte die von den Nazis in trauriger Erinnerung sind. Die Presse protestierte geschlossen gegen diese Verfolgungen, so dass sich die marokkanischen Behörden gezwungen sahen, die Versicherung abzugeben, dass alle Bürger gleiche Rechie hätten, um die Kritik zum Schweigen zu bringen. Kurz darauf ging ein kleines Schiff an der marokkanischen Küste unter, und 43 Juden ertranken im Mittelmeer. Die jüd'schen Passagiere, die den Tod in den Wellen fanden versuchten wahrscheinlich, nach Israel zu ge*angen. Dies war die „Exodus“- Version der marokkanischen Judenheit, der das Recht zur Auswanderung nach Israel versagt wird. Der marokkanische Innenminister Bakkai empfing darauf — kurz vor seinem Tode — eine jüdische Delegation. Er versprach, dass die Juden in Zukunft Bewilligungen zur Ausreise erhalten sollten Bei dieser Audienz musste er ferner zugeben, dass Juden von der Polizei gefoltert worden waren. Heute ist die Lage nicht WIE ICH ES SEHE von JEHUDA GQTTHEMER Drohungen Die Atomversuche, .die p»on den Russen wieder aufgenommen worden sind, sollen das ohnehin schon düstcstere Bild des politischen Weltpanoramas weiter verfinstern. Die Völker sollen stärker eingeschüchtert und eine allgemeine Angstpsychose geschaffen werden, die es den Gewaltigen des Kreml ermöglicht, ihre Ziele mit grösserer Sicherheit zu erreichen. Kennedy hat dieses schaurige Spiel durchschaut und erklärt, dass er unter Drohungen nicht in Verhandlungen eintreten werde. Inzwischen gehen die eigenartigen Auseinandersetzungen in und um Berlin weiter. Die sogenannten Ostdeutschen, die russische Faust im Rücken,-provozie- . ren. Hundertprozentig dürf- ■ ten sie sich ihrer Sache auch nicht sicher sein, denn sie haben Angst, und das nicht ganz zu Unrecht. Denn Westdeutschland ist heute eine beachtenswerte'Militärmacht, zumal das Oberkommando meist in .nichtdeutschen Händen liegt. Man wird an die scherzhafte Unterhaltung erinnert, die zwischen einem Vertreter der Alliierten und einem Deutschen nach dem Ersten verlorenen Weltkrieg stattgefunden haben soll: der Deutsche sagt, die Juden sind daran schuld, dass wir den Krieg verloren haben; der andere entgegnet, nichtdii Juden, sondern die jüdischen Generäle. Darauf wehrt der Deutsche ab und versichert, dass die Deutschen keine jüdischen Generäle gehabt hätten. Der andere erwidert lakonisch: Aber wir. Es ist schon häufig die Frage .aufgeworfen worden, was geworden wäre, wenn •die Deutschen in den beiden Weltkriegen eine bessere Führung .gehabt hätten. Heute stellt die deutsche Bundeswehr sicherlich bereits ANKUNFT EINES UN-SCHUCHltRS Jerusalem. — Joseph Johnson, Vertreter der Sehliehtungskommission für1 Palästina, reiste nach einer Aussprache mit Ministerpräsident Ben Gurion nach Amman, um von dort aus n?.ch New York zutiiekzukehren. Johnson wurde von Staatspräsident Ben Zwi empfangen, und Aussenminister Golda Meir gab ihm zu Ehren ein Bankett, dem die Botschafter der Türkei. Frankreichs und der USA, deren Länder dieser UN-Kcmmission angehören, als Gäste beiwohnten. Ueber Johnsons Verhandlungen mit den isarelischen Staatsmännern wird strengstes Schweigen bewahrt. Aus offziellen Kreisen verlautete, dies geschehe auf ausdrücklichen Wunsch des UN-Generalsekretärs Ilammarskjold. Johnson erklärte, die Unterhal- - tungen seien ,,fieundscha£tlich, offen und erschöpfend” .gewesen. Er fügte hinzu er habe sich informieren wollen und umfassende Auskunft über den israelischen -Standpunkt zum arabischen Flüchtlingsproblem erhalten. Dagegen lehnte er ab, Einzelheiten mitzuteiien.. Er äusserte .nur, er werde vor Erstattung seines Berichts an die Sehliehtungskommission. d. h. vor dem 16. Oktober, gelegentlich der-nächsten UN-Tagung nochmals mit Frau Meir und den arabischen Aussenministern konferieren. Wie angenommen wird,, hat Israel auf .seine Vorbedingung fur jedwege Lösung in dem Sinne verwiegen. dass die Araber die Frage von einem menschlichen und nicht von einem politischen Gesichtspunkt aus betrachten müssen, und u. a. unterstrichen, dass 2?!! [‘Wische Staat fast eine halbe Million jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern aufgenommen und in seine Wirtschaft eingegliedert hat. (ITA) einen Machilahlor vor. Das I weiss auch Ulbricht, der j Herr über die „Ostdeut-! sehen”, die im -Augenblick die Abriegelung nach dem Westen in Berlin verstärken, Mauern errichten, Betonplatten legen, Geschütze auffah-! ren lassen und wahrschein lieh selbstüber die Lächerlichkeit dieser Massnahmen keine Zweifel haben. Aber diese Berliner Lage trägt dazu bei, dass :die Gefahr wächst. Wie lange kann man ungestraft mit dem Feuer spielen? Einige Amerikaner organisierten bereits den Ernstfall, was zu einer gewaltigen Konfusion führte. Ob sie es aus Uebermut, Langeweile oder Sport taten, wird untersucht. Sicherlich hat jede Waffe „die Tendenz”, -benutzt zu werden. Was wäre aus dieser .Spielerei’, aus dem leichtfertigen Soldatenspielen halb- oder -garnicht voll beschäftigter und deswegen nicht ausgefüHter junger Amerikaner geworden, wenn die andere Seite die Angelegenheit nicht als-Witz, sondern als bitteren Ernst aufgefasst und entsprechend erwidert hätte? Stehen doch auch dort meist halbwüchsige, junge Leute, diesich die Zeit schlecht und recht mit dieser Soldaterei vertreiben. Man sieht, von welchen Faktoren das Schicksal der Völker, die Zukunft des Menschengeschlechts ab; hängt- Welch’ miserable Generation, die in der Erkennt nis der schrecklichen Perspektiven eines Krieges nicht die seelische Kraft oder menschliche Grosso aufbringt diese Katastrophe zu vermeiden! II. Nicht ausgesprochen Dass ein Krieg keine Lösung der politischen Probleme-bringt, wissen auch diejenigen Staatsmänner, die für den Ausbruch der bewaffneten Konflikte verantwortlieh zeichnen. So betrüblich dieses Eingeständnis auch sein mag, sie greifen zur-Waffe, weil sie keine Regelung, keinen anderen Ausweg und keine anderen Möglichkeiten sehen, -als sich in ein solches Abenteuer zu stürzen. Die grossen Worte, rdie dann die »hren und beschämenden viel ermutigender. Der Jude wird noch immer nicht als vollberechtigter Bürger behandelt. Die von der Regierung und privaten Organisationen gehandhabte Diskriminierung hat noch nicht aufgehört. Es stimmt zwar, dass Juden heute Pässe bekommen aber sie müssen Bestechungsfelder dafür zahlen. Die Liebe eines marokkanischen Juden zu Israel wird als verbrecherisch betrachtet. Im vergangenen März hielt die jüdische Gemeinschaft Marokkos einen Kongress ab. bei dem es jedoch zu keiner Einigung zwischen den einzelnen Strömungen kam. Aber dieser Kongress war trotzdem von Nutzen, weil er die erste Massendemonstration der marokkanischen Judenheit dar stellte. Presse und Rundfunk setzen ihren Feldzug gegen die Juden fort, wöbe, daran erinnert wenden muss, dass das Rundfunknetz dem Staat gefiört. Hier werden die Juden des öfteren als „Verräter“ und „Gaurer” bezeichnet. Die -marokkanischen Juden leiden darunter, dass sie über keine Pos*»‘crbindung mit .Israel verfugen, denn es gibt kaum e»ne jü¬ Kriegsursaehen vertuschen und die Volksmassen für eine Sache begeistern sollen, mit der sie im letzten Grunde überhaupt nichts zu tun haben,-sind ohne Bedeutung, leicht gefunden und ebenso schnell auch wieder verflogen. Dass die Politiker keinen Ausweg mehr sehen, kann auf recht verschiedene Ursachen zurüekzufüiu-en sein. Der Krieg soll dann eine Art „Gottesurteil” bringen, wie dies bei allen primitiven Völkern seit alten Zeiten der Fall war. Mitunter wurde ein' Krieg angezettelt, weil einer der Teile der Meinung war, dass er noch immer die Macht habe, den Zeitpunkt -des Beginnseiner bewaffneten Auseinandersetzung zu ‘bestimmen, während das Kräfteverhältnis sieh, in einiger Zeit geändert haben könnte und die Chancen dann ungünstiger stünden. Auf den jetzigen Augenblick angewandt, könnte es bedeuten, dass Krutschew sich heute überlegen fühlt und deswegen „seine vermeintliche Chance“ wahren möchte. Vielleicht befürchtet der heute Kraft strotzende Krutschew im Bewusstsein seiner augenblicklichen Machtfülle, dass sich das Bild wandeln wird, sodass Russland in Schwierigkeiten geraten könne. Dann wäre die heutige russische Politik ein Zeichen der Schwäche oder einer bevorstehenden Machtminderung und nicht der Ausdruck überschäumender Macht, di» Krutschew vortäuscht, wenn er mit dem Gedanken eines Krieges jongliert. Die Russen haben noch niemals einen Zweifrontenkrieg geführt. Sie stehen auch jetzt noch nicht in dieser Situation. Immerhin gibt es in der Politik zahlreiche Unbekannte, die sich nicht ohne weiteres Jn ein Programm einbauen lassen. Zum ersten Mal seit langer Zeit hat die. Sowjetunion im Osten einen ernsthaften Partner, der zwar heute ihr .grösster Verbündeter ist, dennoch aber schon mehrmals eigene Weaeubesohrei- Ein Bombenanschlag ln Paris Paris. — Terroristen versuch len in der. vorigen Woche, das Haus, in dem der .Oberrabbiner von Frankreich, Jacob Kaplan, wohnt, in die.Luft zu sjpiertgen. Zu diesem Zweck Hessen sie nac-his eine Plastische Bombe vor der Wohnung Dr. Kaplans, die im Zentrum von Paris liegt, explodieren, woduren das Gebäude schwer beschädigt wurd.o Rabbiner Kaplan weilte mit seiner Familie, ausser seinem ältesten Sohn, nicht in der Stadt. Niemand wurde verletzt. In letzter Zeit kam es verschiedentlich zu nntijudischen Ausschreitungen gegen im .Staatsdienst stehende Juden, doch es war das erste Mal, dass französische Terroristen den Versuch unternahmen, den Wohnsitz eines jüdischen Gemeindeführers anzugre.- fen. . , Die Terrororganisation ist besticht, das PubhKum und die Geistlichen einzuschüchtern. So wurde einige Tage zuvor ein ähnliches Attentat gegen den Pastor Marc Bergnerd, Expräsident des Verbandes französischer Protestanten verübt. Die Bombe explodierte auf der Treppe, die zur Wohnung des Rabbiners führt. Die Fenster zersplitterten, und die Eingangstür wurde aus ihren Angeln gehoben. Der junge Benjamin Kaplan trug nur leichte Verletzungen durch Glasscherben davon. Drei vor der Tür parkende Autos wurden beschädigt. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein, doch es besteht wenig Hoffnung, der Täter habhaft zu werden. Keiner der Verantwortlichen für die grosse Zahl von ähnlichen Untaten während der letzten Wochen konnte dingfest gemacht werden. Es handelt sich offensichtlich um ein terroristisches Druckmittel, um diejenigen einzuschüchtern, die de Gaulles Algerien-Politik unterstützen. (ITA) dische Familie in Marokko die nicht Verwandte in Israel besitzt. Aber die Regierung beugt sich weiter den Forderungen der Ara bischen Liga und weigert sich, Postsachen na uh Israel zu befördern. Auch auf die häufige Entführung jüdischer Mädchen muss in diesem Zusammenhang verwiesen wer den. Da nach mohammedanischem Gesetz Kinder mit dreizehn Jahren mündig werden, so hat eine 13 Jahre alte junge Jüdin wie die Behörden behaupten, „das Recht“, zum Islam überzutreten und einen Mohammedaner zu heira ten. Wie es heisst, beabsichtigt Nasser, bald wieder Marokko zu besuchen. Die Juden fragen sich, ob sich die ■ Ereignisse vom Januar ■ dann wiederholen werden uncl wie weit die Regierung ihre Politik den Ricntlinien der Arabischen Liga unterwerfen wird. Marokkos Juden sehen der Zukunft mit Pessimismus entgegen, und sie sind sich bewusst, dass eine Aenderung ihrer Lage nur durch einen Protest der I jüdischen Weltöffent’iehkeit I -bewirkt werden kann ten und Russland desavouieren wollte. Welchen Weg China letztlich gehen wird, weiss niemand. Die Möglichkeit eines ernsten rus- -sisch-chinesischen Konflikts ¡.auszuschalten, wäre leichtfertig. Die Sowjets vergessen hieran nicht, denn sie sind zwar laute und herausfordernde Strategen der internationalen Politik, aber trotzdem äusserst vorsichti ge Staatsmänner, die möglichst nichts riskieren. Während im Fernen Osten in China eine Kraft hsranreift, die über ein gewaltiges Macht- und Menschenpotential verfügt, erstarkt sozusagen an der anderen russischen Grenze im Westen die jetzige Bundesrepublik, die ohne Zweifel auch für die Russen ein ernst zu nehmender Gegner ist. Was aus dem zerschossenen und zerschlagenen, gedemütigten und geteilten Deutschland in wenig mehr als einem Jahrzehnt, geworden ist, mag bewundern, wer es will; aber die Russen bewundern dies nicht nur, sie erkennen die Gefahr, die in dieser Entwicklung liegt. Was mögen, so fragen sie sich, die nächsten 15 Jahre bringen, wenn das so weiter geht? III. Unbeantwortet Diese Frage ist bis nicht ausgesprochen, sie auch unbeantwortet, Aber das heisst noch nicht, dass diese Frage nicht vorhanden! und vom Kreml erkannt sei.! Das russisch» Riesenreich! könnle in eine deutsch-chinesische Zange geraten, auch wenn die beiden Mächte, Deutschland und China, i sich nicht miteinander veri ständigen sollten. Im übrigen mögen die Gegensätze noch so gross sein, es wäre nicht das erste Mal, dass sich zwei bisher in erbitter- : ter Feindschaft gegenüberlstehende Länder verbündet hätten, um einen dritten, gemeinsamen Gegner, der unbequem ist, zu beseitigen. : Das haben gerade die Deutj sehen schon getan, das letzte Mal beim berüchtigten Hitler - Stalin - Pakt durch welchen das grosse Morden ermöglicht und eingeleitet wurde. i Aber selbst wenn der Fall nicht eintreten würde, dass es zu einer ‘Zangenbewegung gegen die Russen | kommt, wir.d damit die Mög-! lichkeit einer solchen Wendung nicht für alle Zeiten gebannt. Die Bedrohung von zwei Seiten, im Westen von den Deutschen, im Osten von den Chinesen, beibt bestehen. Nun ist Deutschland heute .geteilt. Die östliche Demokratisene Volksrepublik gehört zum russischen Block, die Bundesrepublik; ist (Schluss au.' Seite 2) Versorgung tofer Flüchtlinge Jerusalem. — Zumindest 90.000 Lebensmittelkarten, die früher an inzwischen verstorbene arabische Flüchtlinge ausgegeben wurden, sind noch heute unter den Flüchtlingen in Umlauf, wie der Direktor d-»s transjordanischen UNRW-A-Büros, Ro" Lucas dein Reporter der transjordanischen Zeitung El Chihad erklärte. In einem Interview mit diesem Journalisten äusserte Lucas, dass er mit der transjordanischen Regierung uber die Herausgabe dieser Karten in Verhandlungen stehe. Des weiteren bemerkte Lucas eine gemischte Kommission von Vertretern Transiordal mens und dieses UN-Büros seien mit der Untersuchung von Fällen begüterter „Flüchtlinge” beschäf- (rrÄ) Hnmer noch Lebensmittelrationen erhalten.

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