Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1909 (15.9.1961)
- Date
- 1961-09-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Viernes, 15 de Septiembre de 1961 LA SEMANA ISRAELITA Ano XXII. — No. J90Í1 — 5 GEDANKEN ZUM JAHRESBEGINN Heujah[I.BoischaH Kennedy. von Rabbiner EGON ISRAEL LOEW El\STEIN uie Weltstimmung bei Beginn des Jahre« 5722 ist schon vor Jahrhunderten vom Propheten Jesaias in den Worten charakterisiert worden: „Wir hoffen auf das Licht — und siehe da, es es ist dunkel; wir hoffen auf Hebe — doch in der Finsternis gehen wir”. Pessimismus, Zweifel, Angst sind Stimmungen. die viele Schichten der Menschheit erfüllen. Und doch hofft der Mensch immer wieder auf das Neue, weil hoffen menschlich ist. Am 24. Mai 1884 sassen einige bärtige Wissenschaftler vor einem neu erfundenen Apparat. Durch diesen sandten sie eine Botschaft in die Welt. Momente später wurde 40 Meilen entfernt in Baltimore eine Botschaft empfangen: ,,Das hat Gott gewirkt.”. Die drahtlose Te- Jephonie war erfunden worden. Seit jener aufsehenerjegenden Entdeckung sind 80 Jahre vergangen. Heute schaut die Menschheit staunend gen Himmel. Vieh leicht erblicken wir eine jener Raketen, die ini Weltjaum die Erde umkreisen. Der Mann in der Rakete sendet, auch Botschaften in die Welt. Aber niemand sagt mehr: „Das hat Gott gewirkt.” Das schicksalsschwere Wort des grossen Lehrers Mosche ist in unseren Tagen wahr geworden: „Zu Zeugen habe ich heute gegen Euch den Himmel und die Erde bestellt. Ich habe vor Dich den Segen und den Fluch gelegt. Wähle das Leben, damit Du lebst, Du und Deine Kinder — zu lieben den Ewigen Deinen Gott, seiner Stimme zu gehorchen und ihm anzuhängen, denn das ist Dein Leben und die Dauer Deiner Tage.” Wenige Genrationen der Weltgeschichte dürften dieses Wort tiefer und eindringlicher verstehen als die unsrige. Heute sind wirklich Himmel und Erde zu Zeugen des Segens oder des Fluches geworden. Der Schauplatz für Segen oder Fluch beschränkt sich nicht mehr auf die Erde. Der Himmel ist in unseren Gesichtskreis sehr nahe eingetreten. Das ist die Folge einer Entwicklung, die sich mit rasender Eile vollzogen hat. Vor 80 Jahren nahm die Menschheit die Entdeckung der Telephonie noch jubelnd auf. Die Wissenschaft schien als der Schlüssel in eine Zukunft ohne Sorgen. Sie konnte die Probleme mit Sicherheit lösen. Der Biologe Haeckel meinte, er habe die Rätsel des Universums gelöst. Napoleon fragte den gelehrten Lapiac-e: „Wie verstehe ich, dass säe ein 700 Seiten dickes Buch über den Ursprung des Planeten geschrieben haben, ohne auch nur einmal den Namen Gottes erwähnt zu haben’ . Der Gelehrte antwortete: „Gott ist eine Hypothese. Ich löse die Probleme auch ohne Gott.” Friedrich Nietzsche konnte triumphierend ausrufen: „Gott ist tot”. Aber auch der Mensch verlor seine Stellung im Kosmos. Der moderne Psychologe kann in ihm nur noch ein Bündel primitiver -Instinkte sehen. Der Anthropologe erkennt keine ethischen Normen mehr an. sondern sic sind nur noch Bräuche verschiedener Völker. War im Mittelalter der Mensch nichts und Gott altes, wurde im vorigen Jahrhundert Gott zu einem Nichts und der Mensch alles. Heute sind wir an einem Zeitpunkt angelangt, in dem Gott und der Mensch nichts sind. Der Mensch ist nur noch ein Sklave des technischen Apparates, den er geschaffen hat. Das Resultat dieser Entwicklung ist: Angst vor der Zukunft. Er befindet sich in der Situation, die der Midrasch beschreibt, wenn er von dem Ende des ersten Lebenstages des gerade geschaffenen ersten Menschen Adam spricht. „Als sich am Tage der Schöpfung Adams die Sonne dem Untergang neigte, erfüllte ihn eine tiefe Angst. Er rief aus: Um meiner Sünde willen, wird es wieder dunkel in der Welt, sie geht einem neuen Chaos entgegen.” Auch für die Menschheit beginnt ein neues, unbekanntes aKpitel, von dem sie nicht, weiss, was der Morgen bringt. Der Mensch, der gestern noch glaubte, dass er alles kann, ist plötzlich hilllos geworden. Nach zwei Weltkriegen und kalten und warmen Asoc. Benefacfora Argentina "SENE BERITK" Juncal 2573 T. E. 80-4625 Saluda a la Colectividad con motivo del nueve año 5722 y hace vetes per el bienestar y prosperidad de la misma. ★ NOTA: La sede de la Bené Berith cuenta con comodidades para fiestas y comedor ecn cocina casher ALLEN' MEINEN KUNDEN UND FREUNDEN EIN GLUECKLJCHES NEUES JAHR Talleres „BENO er Kriegen stehen wir vor Sagen und Fluch. Wir sehen, dass die menschliche Rasse durch einige wenige Nuklearbomben zerstört werden kann. Der Mensch ist sehr unsicher geworden. Die Unsicherheit findet ihren Ausdruck in einer schweren Krise, der Krisis der Familie, der Gesellschaft, der Menschheit. Es ist jüdisch, zu Beginn eines neuen Jahies zu fragen: „Gibt es einen Ausweg aus dieser Krise? Die Wurzel dieser Krisis scheint uns in der Haltung des modernen Menschen zu liegen, die schon die Tora geisseit. Wenn Israel schöne Häuser baut und sein Besitz sich mehrt, dann soll cs nicht sprechen: „meine Kralt und die Stärke meiner Hand hat mir dieses Vermögen geschaffen.” Die Tora stellt sich einer Haltung entgegen, die alles dem Menschen und seinen Fähigkeiten zuschreibt. Auch unsere Weisen prägten ein charakteristisches Bild. Sie vergleichen diesen Menschen mit einem Frosch, der sich solange selbst aufbläst, bis er platzt. Und der moderne Denker Paul Tilüch spricht von der Gefahr des „geistigen Kapitalismus”, die dem heutigen Menschen droht. Alles, was er schafft und erwirkt, ist seine Leistung, Resultat seiner Kraft. Die Welt ist seine Schöpfung. Er kann erfinden. entdecken, schaffen ohne moralische Verantwortung. Er wil besitzen. Dieser „geistige Kapitalismus” durchzieht alle politischen Lager und Weltanschauungen. Er hat uns zu dem modernen Götzendienst der Technik geführt. Sein Resultat ist: Angst. So steht der moderne Mensch vor der uralten Alternative — Segen oder Fluc-h. Heute sind wirklich Himmel und Erde Zeugen dieser Alternative. vor die uns vor 2.500 Jahren Mosche unser Lehrer gestellt hat. Vielleicht sind wir die erste j Generation, die diese Alter native aus biblischen Zeiten in ihrem ganzen Umfang voll verstehen kann. Der Mensch, der rebelliert und Götzen verehrt — sie mögen Slaat, Macht oder das menschliche Ich heissen —. fühlt sich bedroht. Wie finden wir den Weg zum Segen? Es ist, wie Max Schel-er sagt, schwer geworden, ein Mensch zu sein. Wir müssen wieder lernen, das Leben zu wählen. Wir müssen begreifen, dass Leben kein Spiel ist. Wir sind gezwungen, etwas zu tun, was die meisten unter uns stets vermieden haben: zu denken. Wir sehen, dass die Taten des Menschen schwerwiegende Folgen haben können — für die Menschheit. Auf dem Pflaster der alten römischen Stadt Timga, hat man eine Inschrift gefunden: „Jagen, baden, spielen, lachen — das heisst leben”. Gegen diese Welt einer gedankenlosen Lebenseunffassung hat das Judentum zu allen Zeiten protestiert. Wir stehen vor der Wahl eines Lebens in moraj liseher Verantwortung oder im Leichtsinn. Das ist keine Entdeckung unserer Generation. Vor diesem Scheideweg standen wir schon in Jerusalem, Alexandrien. Babylonien, Spanien, Portugal, in Prag und in London, in Berlin und in Warschau. Vielleicht erscheinen wir darum, weil wir um den Ernst der Verantwortung wissen den anderen so oft als ein melancholisch ~:s Volk. In unseren Tagen erfüllen sich die phantastischen Voraussagen eines Jules Verne oder die Beschreibung eines Aldous Huxley von dem Massenmenschen in der totalen Gesellschaft in „Brave New World”. Aber es erfüllen sich auch wichtigere Prophezeiungen, die unserer Propheten von vor 2.500 Jahren. Um Mörder unschuldiger Menschen willen werden Nationen zerstört. Die Verfolgung von Fremden führt zur Katastrophe. Unrecht begangen an Witwen und Waisen sind Verbrechen \on kosmischen Proportionen. Lüge, Raub und Mord zerstören die moralischen Grundlagen der Gesellschaft. Früheren Generationen schienen diese prophetischen Visionen eine Ueberfreibung. Uns sind sie bitterer Ernst. Der Weg zum Segen führt iber Gott, über die Liebe zu ihm und den Nebenmenschen. Der Mensch muss sich wieder verantwortlich liihlen 1 ür seine Taten. Allein ist er nichts. Fühlt er sich verpflichtet vor Gott für die Weltschöpfung, v.ählt er das Leben in Ver- Washington — P: äsident John F. Kennedy sandte durch Vermittlung der Jüdischen Telegraphenagentur (ITA ioigende Neujahrs-Botschaft: „Es freut mich, Millionen unserer Mitbürger jüdischen Glaubens, die jetzt Rosch Haschona feiern, meine herzlichen Grösse und besten Wünsche zum Neuen Jahr entbieten zu können. „In jeder. Feier von Ende und Beginn sind Erinnerung an Leiden und Hoffnung auf eine bessere Zu kunft enthalten, aber auch das Bewusstsein, dass das Erlittene ebenso einem Volk wie auch dem Individuum grössere Sicherheit auf sein Recht gibt, während der Triumph das Gebot in sich trägt, dieses Recht zu achten. „Wir Amerikaner haben unseren Weg als freies Volk gefunden, weil wir unsere eigenen Traditionen auf der Erfahrung vieler Volker und vieler Leben aufgebaut haben/ Wir haben gelernt, dass Toleranz und Kooperation die Wege zur wahren nationalen Kraft sind. Di. Amerikaner jüdischen Glaubens haben ihrem Land einen grossen Beitrag in diesem Sinne geleistet. „Ich bin gewiss, dass alle Amerikaner aller Glaubensbekenntnisse sieh mir bei diesem G. uss und dem Wunsch für ein friedliches und erfolgreiches Jahr anschliessen. gez. John F. Kennedy, Präsident.” antwortung. und die Dauer seiner Tage kann gesichert werden — durch Li-ebt und Gerechtigkeit. Der Midrasch, der von der Angst des ersten Menschen Adam am Ende-des ersten Weltschöpfungstages spricht, sehliesst damit: Als aber die Morgensonne des zweiten Schöpfungstage-s aufging, erkannte er. dass Tag und Nacht sieh abwechseln und dankte Gott: „Gepriesen seist Du. der das Licht des Feuers schafft.” Er unterwarf sich in Demut. Das kann der Segen sein. Wi-r müssen erkennen, dass der Mensch allein nichts ist. Er aber schafft mit seinem Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde. In diesem neuen Morgen erkennt der Mensch: „Das wirkt Gott”. Diese Erkenntnis sei die Botschaft Israels an die Menschheit, seine Verantwortung und sein Segen für die Dauer der Tage. VIA]ES BITTERMANN uebermittelt seine bestem Glueckwuensche fuer ein gutes und erfolgreiches Neues Jahr 5722 und wuemscht, dass Sie in diesem Jahr Ihrer und Ihrer Familie Reise plaene verwirklichen und Israel besuchen koennen. September 1961 Inh. BEÑO HUTSCHNECKER Aria. CONSTITUYENTES 4902 SE ALQUILA i SALON PARA FIESTAS * / Gorriti 3951 •< INFORMES: 4« «54.1 -i ZIM wünscht allen luden ein gutes Neues Jahr Im neuen jüdischen Jahr moegen alle die Verwirklichung ihres Traumes erleben, Israel zu besuchen, und sie seilen die Reise auf den Schiffen des Staates Israel machen. Im neuen jüdischen Jahre gibt ZIM zwei einmalige Gelegenheiten: Direkte Rückreise von ISRAEL nach Buenos Aires mit einem jüdischen Schiff Die „Theodor HerzI“ faehrt aus Haifa am 22. November ab und wird im Hafen von Buenos Aires am 13. Dezember d. J. ein treffen. Fahrt nach Israel mit einem jüdischen Schiff Am 27. Maerz 1962 wird derselbe moderne Trans&tlantikdampfer von Buenos Aires die erste direkte Reise nach Haifa unternehmen, wo er am 16. April, zwei Tage nach Pessach, ankommen wird. Goennt Euch in diesem Jahre das Vergnügen, mit einem jüdischen Schiff der ,,ZlM“-FIotte zu fahren. Alle Auskünfte und Informationen bei Ihrem Reisebüro oder direkt bei der ZI VI AMONTE 130 T. E. 4 2 - 6 3 2 I I