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Jüdische Wochenschau · 1961-09-01 · 1906 (1.9.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1906 (1.9.1961)
Date
1961-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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Hx Jè*HLdfâ2&\aelUa PUEYRREDON 219« — 1? iza. 8 3 - 2 6 1 3 N«. 1906 BUENOS AIRES, VIERNES P DE SEPTIEMBRE DE 1961 A0O XXII. EINE FOLGE DES ARABISCHEN BOYKOTTS Jerusalem, — Die Kaiser-Ilan-Werke kündigten an, dass sie gegen eine österreichische Motorenfabrik Klage einreichen werden, weil sich diese dem arabischen Boykott beuge und ihren Vertrag zur Lieferung von Motoren für Kleinautos nicht erfülle, die diese Werke in Haifa für den inländischen Markt erzeugen. Es wurde nicht angegeben, wie hoch der Schadenersatz beziffert wird, den die Kaiser-Ilan von der österreichischen Firma Steyr-Punch zu beanspruchen beabsichtigt. Wie erinnerlich wurde die französische Firma Reynault zur Zahlung von einer Million Dollar für Schadenersatz und Entschädigung verurteilt, als sie unter dem Druck des arabischen Boykotts vertragsbrüchig wurde. (ITA) Kein Zweifel en der Verantwortung Eichmonns ln der Oeffentlichkeit und in der Presse Israels waren im Anschluss an das Kreuzverhör von Adolf Eiehmann durch den Generalstaatsanwalt Gideon Hausner widerstreitende Meinungen und Kritiken über das Kreuzverhör aufgetaucht. Auch die .Jerusalem Post” hat diesem Thema längere Artikel von Dons Lankin und D. R. Eiston gewidmet. Die Kritik bestand im wesentlichen darin, es sei Gideon Hausner nicht gelungen, Eichmann im Kreuzverhör auf die Knie zu zwingen. Da ich mehr führende ,,Grossen” des Dritten Reiches im Kreuzverhör oder in camera vernommen habe, als irgend ein anderer Jurist, sind mir solche Erörterungen durchaus vertraut. Der springende Punkt ist der. dass ein ..Kreuzverhör” im Sinne des angelsächsischen Rechtes gegenüber einem führenden Nationalsozialisten überhaupt nicht möglich ist. Man kann nicht Besessene, gleichgültig van Or. ROBERT M, W. KEMPNEB, frueherer stellvertretender Hauptanklaeger in Nuernberg ob sie unter Alkohol, Medif kamenten oder dem Einfluss der nationalsozialistischen „Weltanschauung” stehen, in ein Kreuzverhör nehmen. Die in der Wolle gefärbten Nationalsozialisten wie Adolf Eichmann, sind ja stolz auf die Gehirnwäsche, der sie sieh freiwillig seit ihrem Eintritt in die nationalsozialistische Partei und die SS unterzogen haben. Sie haben sich den normalen Menschenverstand und ein Denken nach den Regeln der Vernunft aus dem Gehirn herausspülen und dieses mit teuflischen Nazi-Ideen anfüllen lassen. Es bedeutet deshalb für sie nichts, wenn sie auf Lügen ertappt werden, denn sie haben für alles, was sie getan haben, immer eine Antwort im nationalsozialistischen Geist parat. Von den 199 Angeklagten in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen ist es nur in zwei Fällen gelungen, eine Art „Umkehr” und Einsicht von Angeklagten zu beobachten. Der eine war der ehemalige Generalgouverneur von Poien, Hans Frank. Dieser, ein Massenmörder, gab wenigstens eine Art Bekenntnis der Furchtbarkeit der Judenmorde nach langen vorhergegangenen Gesprächen mit dem katholischen Gefängnisgeistlichen und seinem Verteidiger Alfred Seidel ab. Der einzige Angeklagte, der sich überhaupt formell für schuldig bekannte. \var der inzwischen verstorbene Ernst Wilhelm Bohle, ehemals Leiter der Auslands - Organisation der NSDAP, mit dem Vertreter jüdischer Organisationen, ich selbst, und seine Vertei- WIE ICH ES SEHE= Sie tanzen auf einem Vulkan von MUDA GOTTHEIMER Dass wir in einer Zeit höchster Spannung leben, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch dürfte wohl niemand erwartet haben, dass sich die politischen Verhältnisse in kurzer Zeit dramatisch zuspitzen werden, so dass jeder ernste Beobachter voller Erregung und mit einer berechtigten Empörung dem kommenden Tag entgegenzittert. Wird das Unwahrscheinliche geschehen? Werden die Mächtigen dieser Erde schon wieder einmal keine andere Lösung ihrer Konflikte finden, als zu Gewaltakten zu greifen. Soll es wirklich in diesem tragischen 20. Jahrhundert, in dem der menschliche Genius Zeit und Raum überwindet, zum dritten Mal zu einer unvorstellbaren Katastrophe, zum Untergang und zur totalen Vernichtung kommen? Auch derjenige, der sich innerlich dagegen sträubt, an eine Entwicklung zu glauben, die gewiss nur als traurige Sinnlosigkeit bezeichnet werden kann, auch derjenige, der sich dagegen wehrt, vom Krieg zu sprechen, weil er — wie jeder Bürger eines jeden Landes — den Frieden will, wird sich inzwischen mit dem Gedanken vertraut gemacht haben müssen, dass die drohende Gefahr an die Existenz aller Nationen und aller Menschen rüttelt. Das ist die Welt, in der wir leben, eine schauerliche Welt, in der das Gemeine neben dem Erhabenen ruht, in der das Grossartige mit dem Niedrigen gepaart ist, in der die schönsten Ideale neben der brutalen bestehen. Die Russen haben zwar gestern erklärt, dass sie keinen Atomkrieg zu führen gedenken, weil sie sehr wohl wissen, dass dies auch ihr Verderben bedeuten würde. wie ohnmächtig sind doch selbst die Grössten, die Stärksten, die Entscheidenden. Sie können nicht die moralische, die seelische, die politische Kraft aufbringen, um im Angesicht des drohenden Verderbens einen Weg des Ausgleichs und der Verständigung zu finden. Machtgelüste. Ambitionen, Ehrgeiz, das Phantom einer völlig falsch verstandenen Grausamkeit Grösse, Welteroberungspläne und ein verächtlicher Egoismus beherrschen die politische Arena. Die Stimmen der Vernunft und des Friedens, der Gerechtigkeit und der Freiheit werden erstickt. Kanonen werden angerollt, Heere mobilisiert, Aber sie unternehmen keine I Drohungen ausgestossen, Schritte, um ihn zu verhü- Hassparolen ausgegeben, um ten. Sie provozieren die freie . die erregten Gemüter weiter Welt, die erschrocken zuj zu erhitzen, anstatt zur Einrückweicht. Wie weit kann i tracht, zur Einsicht und zum Fortschritt aufzurufen. Ein düsteres Panorama zeigt sich uns, wohin auch unser Blick streifen mag, welchen Erdteil wir betrachten, welches Problem wir untersuchen ... sie noch einen Rückzug wagen. ohne sich selbst aufzugeben? Eine ungeheure Verantwortung lastet auf allen. Die Staatsmänner aller Völker wissen dies. Schon erscheint es zweifelhaft, ob sie noch über die realen Möglichkeiten verfügen, den Lauf der Ereignisse zu beeinflussen. Wie klein, wie erbärmlich, Eichmann will nicht aussagen Tel Aviv. — Adolf Eichmann, über dessen Schicksal gegenwärtig vom Bezirksgericht Jerusalem entschieden wird, und der vier Monate lang die gegen ihn erhobenen Anklagen angehört hat, weigert sich, über andere Nazis auszusagen, gegen die Prozesse wegen Kriegsverbrechen anhängig sind. Der Bezirksrichter von Haifa, der sich in das Gefängnis von Jalame begab, um dort mit Eichmann zu sprechen, teilte mit, dass der Gefangene erklärte, er habe von seinem Anwalt, Dr. Robert Servatius, Anweisung erhalten, keine irgendwie gearteten Fragen zu beantworten. Der Bezirksrichter hatte von Eichmann verlangt, er solle ihn über 27 Ennazis informieren, die sich augenblicklich wegen ihrer während des Krieges in Deutschland und Oesterreich begangenen Verbrechen vor Gericht zu verantworten haben. (ITA) Der kalte Krieg hat Formen angenommen, die es verbieten, von einer Einzelfrage zu sprechen, auf die man den Konflikt lokalisieren könnte. Die Abrüstungskonferenz schleppt sich von Sitzung zu Sitzung, ohne dass auch nur ein einziger Teilnehmer ernsthaft damit zu rechnen vermag, eine Lösung in diesem Babel der In teressen zu finden. In Genf finden endlose Beratungen statt, die sich mit der Laos- Frage beschäftigen. Frankreich führt einen verzweifel ten Kampf um seine alten Besitzungen und kommt nicht zur Rübe, weil andere Kräfte dies verhindern, die an der Aufrechterhaltung dieses blutigen Streites interessiert sind. Im Fernen Osten stosaen die alten Gegner mit immer neuen Energien aufeinander. Der Orient befindet sich in permanenter Erregung, weil die» den xidigerin, Elisabeth Gombel lange Aussprachen im Vernehmungsraum gehabt hatten. Als nach langen Vorbesprechungen der u. a. wegen seiner Beteiligung an der Judenvernichtung später gehenkte Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel sich bereit erklärt hatte, offen seine Schuld einzugestehen, erhielt am Tag vor der betreffenden Verhandlung sein Verteidiger ein Schreiben, Hermann Göring habe ihm, Keitel, im Gefängnis, beim Mittagessen streng verboten, ein Geständnis abzulegen, denn das ganze Boot würde kentern, wenn einer herausspringe. Dieser historische Brief befindet sich im Photostat in meinem Archiv. Wenn es schon fast unmöglich ist, einen leitenden Nationalsozialisten in camera so zu vernehmen, dass er. wie der Berliner Mordkommissar Gennat zu sagen pflegte: „Schlagseite bekommt”, Dann ist es selbstverständlich im Kreuzverhör vor Gericht völlig ausgeschlossen ,,to break him down”. Wer insoweit Gideon Hausner glaubt kritisieren zu dürfen, beweist nur seine eigene Unkenntnis. Hinzu kommt noch, dass ein Kreuzverhör im wahren Sinne des Wortes mit Ueberraschungseffekten etc. überhaupt nicht in fremder Sprache möglich ist. wenn der Angeklagte infolge der dazwischen liegenden Uebersetzung längere Zeit hat, um sich etwas auszudenken. Es fehlte in Jerusalem ausserdem der für ein Kreuzverhör notwendige „elektrische Kontakt” zwischen Generalstatsanwalt und Angeklagtem, da jede Kontaktentwicklung Scheiben in Glaskasten war. Der Erfolg durch die Eichmanns unterbrochen Hausners in seinen tagelangen Vernehmungen Eichmanns bestand in ganz anderer Richtung. Hausner hat es fertig gebracht, die wichtigsten Momente aus Eichmanns dienstlicher Tätigkeit von ihm selbst bestätigt zu bekommen. Er hat aus Eichmann herausgeholt, dass dieser die Stätten der Vernichtung, beginnend 1939 mit Nisko. dann weiter Lublin, Minsk, Chelmo, Treblinka. aber auch vor allem auf Dienstreisen Auschwitz besichtigte und darüber amtliche Berichte für seine Dienststelle erstattete. Die Tatsache, dass Eichmann zugab, der Judenreferent des Reichssicherheitshauptamtes gewesen zu sein, an der Wannsee-Konferenz teilgenommen, die Vernichtungslager besichtigt und Berichte über sie geschrieben zu haben, würde allein genügen, um das Schicksal des Angeklagten zu besiegeln. Es ist das geschichtb che Verdienst von Gideon Hausner, diese Tatsachen aus dem eigenen Munde Eichmanns vor die Oeffentlichkeit gebracht zu haben. Für den „reeord” hätten die Dokumente vollauf genügt; die eigenen Worte des Angeklagten sind aber gewiss für die Geschichte von noch grösserer Bedeutung. Aus diesem Grunde war auch die eindrucksvolle und geschickte Befragung Eichmanns durch die drei Richvalisierenden feindlichen , den hitleristischen Raubzug Brüdern nicht gefällt. Die gegen Europa vorbereitete, Berlin-Krise hat sich in ei-' liegt in der Unentschlossenner beängstigenden Form zugespitzt und ist zu einer gewaltigen Kraftprobe zwischen Ost und West geworden, wobei die Deutsche Demokratische Republik die Rolle des agent provocateur spielen muss, weil dies ins Moskauer Konzept passt, jedenfalls noch in diesem Augenblick. Die Westmächte weichen langsam zurück, denn sie wollen keinen Krieg, an dem die Russen durchaus nicht interessiert sind, weil sie darauf spekulieren, wie bisher in diesem unschönen diplomatischen Ringen die Oberhand — auch ohne Krieg — zu behalten. Der Westen ist sich selbst in dieser wichtigen Frage nicht einig. MacMillan hat es schon deutlich ausgesprochen, dass Berlin keinen Krieg wert sei. Kennedy musste es sich gefallen lassen, mit dem Regenschirm- Chamberlain verglichen zu werden, jenem unglücklichen britischen Premier, der auf Hitlers Wort vertraute. Dass es Chamberiain ehrlich gemeint hat, wird kaum bestritten. Er war — ähnlich McMillan und nicht Kennedy, — bereit, des Friedens willen jede Konzession zu machen, die auf Kosten anderer ging, damals auf Kosten der CSR. Der einzig zulässige Vergleich mit dem Münchener Abkommen, das heit und Uneinigkeit des Westens, der sich der brutalen und rücksichtslosen russischen Politik nicht gewachcpn Diese Welt des 20. Jahrhunderts ist nicht nur von Konflikten zerrissen, sondern auch von schrecklichen Widersprüchen erfüllt. Die einsichtigen deutschen Politiker und Beobachter, die selbst gegen eine Wiederaufrüstung Deutschlands sind, begreifen, dass die amerikanische Politik, die Bundesrepublik wieder aufzurüsten und zur ersten europäischen Militärmacht zu machen, ein gefährliches Unterfangen ist. Sie bringen sogar ein gewisses Verständnis für die Besorgnis der Ostmächte auf die um ihre Grenzen zittern, wenn sie von den Forderungen hören, die mancherorts gestellt werden. Es ist durchaus möglich, dass die Sowjetunion mit der DDR einen Separatfrieden schliessen wird. Man kann aber nichts mit Sicherheit Voraussagen; dazu sind die vielen Faktoren, die eine Rolle spielen, zu ungewiss. Aber auch dieser Separatfrieden wird nicht verhindern dass sich die beiden deutschen Rumpfstaaten eines Tages wiedervereinigen, obwohl ein solcher Plan heute völlig aussichtslos erscheint und selbst von den Deut- (Schluss auf Seite 2) ter M. Landau, Y. Raven und B. Halevi von gröss:er Wichtigkeit. Zu ihrem Erfolg trug die Befragung in deutscher Sprache wesentlich bei. So konnten Eichmanns Lügen blossgesteTt werden '■ . Wäre Eichmann schon ln Nürnberg auf der Anklagebank gewesen, so hätte ich sein Verhör wahrscheinbeh sehr kurz in nicht mi sszuverstehender deutscher Sprache gestaltet und an ihn nur sechs Fragen gestellt: 1. Ist es richtig, dass Sie einen Treueid auf Ihren Führer Adolf Hitler au'.h als SS-Mann geleistet haben? 2. Ist es richtig, dass Sie der Leiter des Dezernats IV B 4, des Judendezernets ries Reic-hssicherheits - Hauptamtes waren? 3. ist es richtig, dass Sie stets ein treuer und gewissenhafter Beamter des Reichssioherheits - Hauptamtes waren, der niemals seinen Führer hintergangen hat? 4. Ist es richtig, dass die in der Wannsee-Konfevenz vom 20. Januar 1942 beschlossene „Endlösung'' die Tötung von Millionen von europäischen Juden zum Ziele hatte? 5. Ist es richtig, dass ohne das siegreiche Vordringen der Alliierten im Osten und Westen noch weitere Hunderttausende von Juden von Ihnen in die Vernichtungslager deportiert worden wären? 6. Jetzt. Angeklagter. 18 Jahre nach diesen Ereignissen, frage ich Sie, stehen Sie heute auf dem Standpunkt. dass die Todesurteile in Nürnberg gegen Göring, Rosenberg, Frick, Ribbentrop, Kaltenbrunner und andere wegen ihrer Beteiligung an der Ermordung der europäischen Juden gerecht gewesen sind? Es besteht kein Zwedel, dass Eichmann, im alten nationalsozialistischen Geist die ersten fünf Fragen mit „Ja” beantwortet hätte und auf die sechs Frage, die übrigens in Jerusalem gestellt wurde ebenfalls ein ,.Ja als Antwort gegeben hätte. Damit hätte die Staatsanwaltschaft ihren Fall schliessen können. Im jetzigen Eichmann-Prozess in Jerusalem hat Gideon Hausner jedoch mit Recht durch Frage und Antwort ein weit eindringlicheres Gemälde vor der Weltöffentlichkeit gemalt und kommenden Generationen überliefert Neuer Zwischenfall Tel Aviv. — Die ge mischte transjordanisch israelische Waffenstill stands-Kommission setz! te die Untersuchung ei nes Zwischenfalles tort der sich zutrug, als zvve Siedler aus einem Kib buz im Lachisch-Gebiet während sie auf den Feld arbeiteten, ange schossen wurden. Di beiden Opfer sind Chai me Jachmannowitz un der 20jährige Samue Twidganski aus Bras lien. Beide wurden ir Hospital von Rechowc interniert. Die Schiiss wurden in der Nacht un aus nächster Nähe abg< geben. (ITA)

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