Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1905 (29.8.1961)
- Date
- 1961-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. 2û Jfe*vtanaJs\cælita T. E. 83-2613 Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 29 DE AGOSTO DE 1961 No. 1905 Gleiches Recht für alle USA-Bürger Das Friedenkorps der JSA wird sich nicht der irabischen Forderung beuten, die Juden aus seinem Personal, welches in Aralerstaaten entsandt wird, luszuschliessen. Wenn die Araber darauf ‘bestehen sollen, dass das Friedenskorps ,judenrein” sein muss, so werden sie auf seine Hilfe verzichten müssen, wie der Direktor dieser Organisa- :ion, Robert Sargent Shriver jr., feststellte. Dagegen setzen das State Department und die USA- Behürden für internationale Gemeinschafts - Verwaltung ihre Politik fort, Juden aus den USA-Missionen fernzuhalten, die in arabische Länder geschickt werden. Kürzlich erst protestierte der republikanische Deputierte für New YTtrk. Seymour Ha Ipern dagegen, dass sogar amerikanischen Parlamentariern jüdischen Glaubens von Saudi Aravon MÍLTON FRIEDMAN bien und anderen Mitglied- Staaten der Arabischen Liga Visen vorenthalten werden. Sein Kollege Leonard Farbstein, ein Demokrat, erklärte, er werde „nicht dafür stimmen, dass irgendein Land USA-Hilfe bekommen soll, das Amerikaner aus Gründen ihrer Rasse, Farbe oder ihres Glaubens diskriminiere.” Andere Abgeordnete sprachen sich allerdings dafür aus, dass man die Araber beschwichtigen müsse. Aber die Mehrzahl der Parlamentarier vertrat den Standpunkt, dass die Juden nicht zu zweitrangigen Bürgern degradiert W’erden dürfen sondern auch im Ausland, gleich ob sie Staatsbeamte oder Touristen seien, als gleichberechtigte USA- Bürger anzusehen sind. Die Senatoren Fulbright und Hickenlooper waren nicht der Meinung Sbrivers. Sie gaben zu bedenken, dass die Entsendung amerikanischer Juden in arabische Länder im Rahmen der Aktion des Friedenskorps „den Anschein erwecken könnte, dass wir unsere Auffassung in derart umstrittenen Fragen anderen aufzwingen w'ollen.” Hickenlooper fragte: „Warum schicken wir keine Leute, die den Arabern genehm sind?’ Direktor Shriver ent segnete darauf, dass die ÜSA nicht gewillt seien, die demokratischen Prinzipien zu verletzten und Bürger, die in das Friedenskorps einzutreten wünschen, erst nach ihrer Religion oder Rasse zu befragen. „Jeder kräftige und gesunde amerikanische Bürger, der für geeignet befunden wird, kann in das Friedenskorjs aufgenommen werden, und ande- WIE ICH ES SEHE Aus einem unbekannten Archiv von JEHUDA GOTTHEIMER Vor einiger Zeit w'urde in „Politik und Zeitgeschichte“ ein Briefwechsel der Oeffentlichkeit übergeben, der auch für die jüdischen Kreise von Bedeutung und Interesse ist. Im Staatsarchiv München wurde unter den Akten des Generalstaatskommissars von Kahr Material gefunden, das auf die Zustände in den Anfangsjahren der Weimarer Republik ein grelles Licht wirft. Es handelt sich um einen Schriftwechsel zwischen dem Bayerischen Kriegerbund, Obmannsbezirk Augsburg, und der Augsburger Ortsgruppe des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten. Zunächst sei dieser Briefwechsel wiedergegeben: 1. 1923 Sept. 15. Augsburg. Bayerischer Kriegerbund, Obmannsbezirk Augsburg an den Reichsbund der Israelitischen Frontsoldaten, Ortsgruppe Augsburg Wie in den Vorjahren soll auch heuer wieder ein Gedenktag für die Gefallenen der Stadt Augsburg stattfinden, aus welchem Anlass am kommenden Dienstag, d. 18. September abends 8 Uhr im Café Luitpold (Bismarckstr.) Besprechung stattfindet, wozu wir ganz ergebens einladen. Hochachtungsvoll Jos. Mannes Bezirkobmann 1923, Okt. 2G. y Augsburg. Bayerischer Kriegerbund, Obmannsbezirk Augsburg an Herrn Ingenieur Sänger, Vorsitzender der Vereinigung Jüdischer Frontsoldaten Augsburg. Wir bekommen heute von verschiedenen Seiten die Mitteilung, dass, wenn Ihre Vereinigung sich am Trauertag beteiligt, andere Organisationen fern bleiben. Weiter wurde uns berichtet, dass sogar Zugstörungen geplant seien. Um nun diesem allem auszuweichen, bitten wir Sie heuer von einer Beteiligung abzusehen. Wir bitten, dieses Ersuchen nicht als Beleidigung aufzufassen, denn wir hätten keinen Grund dazu. Wir neh- UN-Schlïchter für Mittelost Vereinte Nationen. — Die UN-Schlichtungskommission für Paläsitna kündigte offiziell an, dass sie Dr. E. Johnson beauftragt habe, in besonderer Mission in den Mittelosten zu reisen. Dr. Johnson ist Präsident der Carnegie-Institution für den Weltfrieden. Aufgabe Dr. Johnsons wird es sein, „die arabischen Staatsmänner und die israelische Regierung um Vorschläge für eine praktische Lösung des Flüchtlingsproblems in Palästina zu ersuchen.” Die Kommission, die sich aus Vertretern der USA, der Türkei und Frankreichs zusammensetzt, erklärte, sie entsende Dr. Johnson in den Mittelosten in Uebereinstimmung mit einer von der Generalversammlung am 21. April gefassten Resolution, durch die der Schliehtungskommission aufgetragen wurde, : vor dem 15. Oktober einen Bericht darüber zu unter j breiten, was inzwischen getan wurde, um den vor Jahren von den UN erteilten Anweisungen zur Repatriierung de,- Flüchtlinge oder ihrer Entschädigung durch Israel nachr.ukommen. Dr. Johnson, der seit 1950 au der Spitze des Carnegie-lnsLtuts steht, ist Historiker und hat in Harvard studiert. Vor Antritt seines heutigen Posten war er Beamter des State Department und nahm an den verschiedenen internationalen Konferenzen teil, die zur Gründung „er Vereinten Nationen führten. UTA) men an, dass Sie mit uns einverstanden, und zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung i. A.: W. Hubmair 3. 1923. Okt. 27. Augsburg. Reiehsbund Jüdischer Frontsoldaten an den Bayerischen Kriegerbund, Obmannsbezirk, Augsburg. Wir bestätigen den Empfang Ihres Schreibens vom 26. Oktober. Für uns hat es sich lediglich um die Erfüllung der menschlichen und soldatischen Pflicht gehandelt, die gemeinsamen Toten zu ehren. Sie geben selbst zu erkennen, dass Sie sich dem Drucke derjenigen fügen müssen, deren Hass selbst vor den Juden nicht Halt macht, die im Kriege als Kameraden gekämpft, die Liebe zum Vaterland mit dem Tode besiegelt haben. Uns sind die Toten so heilig, dass wir denjenigen, die sich als unsere Feinde betrachten, nicht die Gelegenheit geben wollen, eine Trauerfeier zum Schauplatz antisemitischer Pöbeleien herabzudrücken. Das ist der Grund, der uns von der Trauerfeier fern hält. Sie bitten uns Ihr Ersuchen nicht als Beleidigung aufzufassen. Nehmen Sie bitte auch von unserer Auffassung Kenntnis: Wir haben ein Gefühl der Beschämung für diejenigen die einst Ihren Schritt vor der deutschen Geschichte verantworten müssen. Mit vorzüglicher Hochachtung: Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Augsburg Fritz Sänger, Dipl.-Ing. 4. 1923. Okt. 30. Augsburg. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Augsburg an den Herrn Generalstaatsre Gesichtspunkt^ spielen hier keine Rolle”, fügte er hinzu. „Das Fricdenskorps wird mit keiner Regierung ein Abkommen treffen, das auf den Versuch hinzielt, bei der Wahl seines Personals diskriminatorische Gesichtspunkte walten zu lassen. Wenn irgend ein fremdes Land kommt und sagt: .Wir müssen darauf bestehen, dass kein Jude oder kein Protestant zu uns kommt’, so müssen wir darauf antworten: .Dann tut es uns leid, das wir nichts für euch tun können1.” Das Friedenskorps könne sich keine Normen vorschreiben lassen, die im Widerspruch zu der Verfassung des amerikanischen Volkes stehen, stellte Shriver fest. Er verwies im weiteren auf eine neuere Bestimmung, die besagt, dass irgendein Versuch von aussen, auf der Basis von Religion oder Rasse Unterschiede zwischen amerikanischen Bürgern zu machen, Anlass zur Verweigerung von USA-Hilfe geben müsse. Senator Hubert H Humphrey, Demokrat für Minnesota, unterstützte den Standpunkt des Friedenskorps und betonte, dass amerikanische Bürger als Individuen und nicht als Juden, Katholiken. Protestanten oder Atheisten in andere Länder entsandt werden. Senator Frank Arabische Propaganda-Liigen New York. — Die Delegation palästinensischer Araber in den USA hat vor kurzem unter Berufung aut die Bestimmungen des Gesetzes über Anmeldung ausländischer Agenten dem Justizministerium antijüdisches Material zugeleitet. Die Araber bezw’ecken, die amerikanischen Christen gegen Israel aufzuhetzen, indem sie zu „beweisen” versuchen, dass die israelische Regierung darauf ausgeht, das Christentum zu „entwurzeln”. Das Material enthält die unverschämtesten Lügen. So wird u. a. behauptet, die Juden hätten Kirchen profanier., in dem sie Türen aufgebrochen, Fenster eingeschlagen, Christus- und Marienstatuen sowie Heiligenbilder und Kreuze geschändet hätten. Und nicht nur das, die Juden werden von diesen Arabern beschuldigt, heilige Bücher und Messgewänder zerrissen und andere, der Kirche gehörige Gegenstände geraubt zu haben, ja sie hätten, so heisst es, in den Kirchen Nachtlager aufgeschlagen und Tanzvergnügen veranstaltet und noch andere Sünden und gar obzöne Handlungen begangen. Dieses Propagandamaterial, das schon durch die Post in den USA zur Verbreitung gelangt ist, stellt die übelste antisemitische Verleumdung dar, deren Juden je auf amerikanischem Boden ausgesetzt worden sind. Dieses Mal begnügen sich die Araber nicht damit, die „Zionisten” anzugreifen, sondern sie nehmen alle „Juden” I aufs Ziel. Sogar der Talmud muss für ihre Lügen her- | halten, deren Heftigkeit dem pöbelhaften Ton des „Stür- I mer” Julius Streichers, der von den Alliierten als : Kriegsverbrecher gehängt wurde, in nichts naclisteht. Die arabischen Vertreter in den USA versuchen ebenfalls, die Berlin-Krise für ihre antisemitische Propaganda auszubeuten. In den in Washington und unter den Delegierten der Westmächle verteilten Broschüren und Flugzettel, in denen die heutige Spannung in Berlin mit dem Palästina-Konflikt verglichen ward, verweisen ] sie darauf, dass die Araber, ebenso wie die westlichen Regierungen in Berlin, ihre Rechte in Mittelost zu ver- I leidigen und sich zu wehren gezwungen sind. Daher ap- I pellieren sie an die Länder des Westens, „Entschlossen-! heit zu beweisen, aber gleichzeitig auch den Arabern zu j helfen, Palästina von der zionistischen Fremdherrschaft zu befreien”. Im Vertrauen darauf, dass sie doch nicht ernst genommen werden, scheuen sie sich nicht, den Westmächten zu gleicher Zeit den Vorwurf zu machen, dass sie „in ihrer Blindheit den Staat Israel unterstützen.” BORIS SMOLAR Church pflichtete dieser Feststellung bei und bemerkte: „Ich bin erstaunt, j dass vorgeschlagen wurde, im Rahmen der Tätigkeit des Friedenskorps Juden vom Dienst in arabischen \ Ländern auszuschliessen. j Dies wüirde eine Verletzung unserer Prinzipien bedeuten, denn unsere Volksgemeinschaft gründet sich auf eine Gesellschaft, die keine Diskriminierung kennt.” kommissar, Exzellenz von Kahr, München. Euer Hochwohlgeboren beehren w'ir uns oie Abschrift eines Briefwechsels zu übermitteln, der zwischen dem Bayerischen Kriegerbund Obmannsbezirk Augsburg und dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten geführt worden ist. Wollen Euer Hochwohlgeboren daraus entnehmen, dass es nicht an uns liegt, wenn wir uns von nationalen Veranstaltungen fern halten müssen. Wir haben das Vertrauen, dass Euer Hochwohlgeboren die Mittel zur Verfügung stehen, die es in Zukunft verhindern mögen, dass wir von neuem zurückgestossen werden, wenn es sich darum handelt, dass Juden, die als Frontsoldaten gekämpft haben, von ihrer nationalen Gesinnung Zeugnis ablegen wollen. Und selbst wenn dieser Versuch vergeblich sein sollte, dann haben wir — in dem wir Euer Hochwohlgeberen dies unterbreiten — eine geschichtliche Pflicht erfüllt. die darin besteht, dass Euer Hochwohlgeboren von einem Vorgang K :nntnis erhalten, der in der neueren deutschen Geschichte bis jetzt ohne Beispiel gewesen ist. Mit vorzüglicher Hochachtung: Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Augsbuig Fritz Sänger, Dipl.-Ing. * Die vier Schriftstücke führen uns in eine aufgeregte, elende Zeit zurück, deren ganze Kümmerlichkeit aus den Briefen spricht, die durch einen Historiker aus ihrer »Vergessenheit gerissen worden sind. Wenn wir uns heute noch mit den Briefen beschäftigen, die damals zwischen ehemaligen Frontkameraden gewechselt worden sind, so hat es doch wohl nur dann einen Sinn, wenn wir uns darüber klar werden, dass Konsequenzen gezogen werden, die zu einem guten Teil bereits durch eine neue Entwicklung realisiert worden sind. Von dem, was aus diesen vier Dokumenten zu uns spricht, ist eigentlich nichts übrig geblieben. Vielleicht besteht die Problemstellung noch heute. Wir sollten darl aus lernen, dass wir selbst i die kleinsten Anzeichen einer antijüdischen Gesinnung i und Haltung ernsthaft betrachten und niemals bagatellisieren sollten. Im Jahre 1923 rollte also in der bayerischen Stadt Augsburg ein kleines Drama ab, das eine Mischung zwischen bitterstem Ernst und einer spiessbürgerliehen Lächerlichkeit darstellt. Der bayerische Kriegerbund lädt den Reichsbund der Jüdischen Frontsoldaten, Ortsgruppe Augsburg, zu einer Besprechung ein. Der Gegenstand ist unbedeutend, aber trotzdem alarmierend. Ueber dis gemeinsame Abhaltung einer Kriegerehrung soll auch der Reichsbund der Jüdischen Frontsoldaten mitberaten. Damit stehen wir vor der ersten Frage: Warum musste es einen besonderen Reichsbund jüdischer Frontsoldaten geben? Waren diese bedauernswerten Gefallenen für eine jüdische Sache gestorben? Die Tatsache allein, dass die jüdischen Soldaten des Ersten Weltkrieges gezwungen waren (waren sie wirklich gezwungen?), einen eigenen Verband aufzubauen, musste doch allen Juden und nicht nur den ehemaligen Frontsoldaten eine Enttäuschung bedeuten. Wir haben hier eine Klammer gesetzt „waren sie gezwungen?“. die einer Erläuterung bedarf. Die gefallenen Soldaten des Krieges waren doch die Toten des ganzen deutschen Volxes, die Toten unserer jüdischen Gemeinschaft, die in ihrer Gesamtheit um diese Opfer des Krieges trauerte. Die Schaffung eines eigenen Kriegerverbandes war nur eine Nachbildung, die im Grunde genommen unseren jüdischen Vorstellungen niemals entsprach. Nach dem alten Satz ..Wie es sich christelt, so jiidelt es s>ch“ war der Reichsbund der jüdischen Frontsoldaten eine schlechte Nachformung einer nach unseren Vorstel- (Schluss auf Seite 2) EINE ANFRAGE IM UNTERHAUS London. — Im Unterhaus brachte Sir Barnett Jannei die Frage zur Sprache, ob die Regierung dafür Sorge getragen habe, dass mit den deutschen Truppen keine Nazis nach England kommen um hier ausser Manövern abzuhalten auch die Nazidoktrin zu verbreiten. Verteidigungsminister Harold Watkinson meinte dazu, es seien keine derartigen Schritte unternommen worden. hjt- ^*5 ®arnett Hess nicht locker. „Sicherlich ist der Minister der Meinung, dass Nazis keine Gelegenheit haben dürfen, ihre Ansichten in England zu verbreiten. Es macht dabei keinen Unterschied, ob es sich um gewöhnliche Soldaten oder Offiziere handelt Will sich der Verteidigungsminister über dieses Problem nicht mit dem Innenministerium und dem Aussenminister unterhalten?” Watkinson meinte hierauf, dass es in Frankreich bei ähnlichen Manövern deutscher Soldaten zu keinen Zwischenfällen gekommen sei und daso es bekannt sei, dass die deutsche Regierung bei der Auswahl der. Soldaten die grösste Sorfalt zei^e. Jänner gab sich damit nicht zufrieden und erklärte, er werde diese Frage bei der nächsten Gelegenheit wieder aufgreifen