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Jüdische Wochenschau · 1961-08-22 · 1903 (22.8.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1903 (22.8.1961)
Date
1961-08-22
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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U 2 < u FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 22 DE AGOSTO DE 1961 No. 1903 EL EJEMPLAR en toda la República 4-. Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1® izq T. E. 83 - 2613 Rassenkaempfe in aller Welt Was Rasse eigentlich ist konnten die Wissenschaftler bisher nicht definieren. Alle Versuche der Definition mit Hilfe der Schädel- und Knochenmessungen, der Blutgruppenforschung und vieler anderer physiologischer Messungen schlugen fehl. Im Grunde hat man sich darauf geeinigt, dass die Rassen, wenn es sie überhaupt einmal gegeben hat, zumindest bei allen Kulturvölkern im Laufe der Geschichte so sehr vermischt worden sind, dass heute von Rassenreinheit, ja auch nur von wissenschaftlich objektiv unterscheidbaren Rassen nicht mehr gesprochen werden kann. Und dennoch: Als ein berühmter Wiener Professor mehr als unverkennbar jüdischen Typs eine Vorlesungsreihe über Probleme der Soziologie mit der Pathetischen Erklärung eröffnete, es gäbe keine Rassen, war die Situation im Hörsaal, in dem sich jüdische und nichtjüdische Studenten befanden, mehr als peinlich. Man fühlte sich versucht, ihmeinen Spiegel zu reichen. Zwischen objektiver Wissenschaft und gesundem Menschenverstand wie praktischer Lebenserfahrung klaffte ein unüberbrückbarer Gegensatz. Aber wie immer man auch zu den unentschiedenen wissenschaftlichen Fragen über die Entstehung. Existenz, Erhaltung der Rassen stehen mag, — niemand der heute eine Zeitung durchblättert wird bestreiten können, dass Rassenkonflikte auch und gerade im : zwanzigsten Jahrhundert wieder im Zentrum des Welt- 1 geschehens stehen, viel- 1 leicht nicht weniger als Klassenkämpfe und die nor- | malen Gegensätze der Na- , tionen und Staaten. Der Eichmann-Prozess rückt der Welt erneut vor Augen, bis zu welchen Orgien der Bestialität der Rassenhass führen konnte, und bildet eine Warnung vor neuem Absturz in die Tiefen der Verblendung. Aber weniger als zwei Jahrzehnte nach diesem schauerlichen Geschehen ¡ sind wir Zeugen immer neu-! er Rassenkämpfe, vor allem . im schwarzen Erdteil, aber nicht nur dort. | In Südafrika kam es anlässlich der Umwandlung dieses Staates in eine Repu-; blik die sich vom British I Commonwealth gelöst hat, zu einem grossen Streik der Neger. Die Lösung Südafrikas vom Commonwealth war eine unmittelbare Folge der!; Rassengeretzgebung, die; unvereinbar ist mit der grundsätzlichen Toleranz, j zu der sich die Völker in \ , langsamer und mühsamer,:! aber stetiger Entwicklung, :durchgerungen haben, j Die Parole der „Apart- : heid“. einesäuberlichen Trennung der Rassen und ' ihrer getrennten Entwickj lung, ist einfach eine Lüge, denn mit der Entwicklung I der Industrie gibt es keine! grösseren Gebiete in Südafrika mehr, in der die Farbigen nicht die Mehrheit hätten. So streng, dass die Farbigen nicht für den Weissen gegen schlechte Bezahlung arbeiten dürfen, sind die Gesetze der Rassentrennung nicht, aber weder am Strande noch in Hotels, Restaurants. Kinos, Autobussen, Eisenbahnen und Park dürfen sie Zusammensein, und hier klafft der unüberbrückbare Widerspruch, an dem der gegenwärtige südafrika- Staat zerbrechen ZEICHEN EINER NEUEN ZEIT New York. — Dreissig der neunundneunzig Mitglieder der Vereinten Nationen bekennen sich nicht zum Christentum. Dies gibt den protestantischen und katholischen Kirchen in USA und der übrigen Welt ernsten Anlass zum Nachdenken. Sie beginnen sich Rechenschaft abzulegen, dass mit dem Erstehen neuer Völker in Afrika und Asien das Christentum sich in eine Minorität in der Welt von heute verwandelt. Mehr denn je verstehen sie die Notwendigkeit, den christlich-jüdischen Beziehungen grössere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Sie gelangen dazu, die Juden als Verbündete zu betrachten, die an ihrer Seite die Sache der in der Minderheit befindlichen west-; liehen Religionen verteidigen. In Wirklichkeit ist das Christentum stets eine Minorität in der Welt gewesen, \ doch seine Führer gehen erst seit kurzem daran, sich | mit den Folgen dieser Lage zu beschäftigen. 1 Die mohammedanische Religion findet in Afrika eine scftnelle Verbreitung und wir erleben ein starkes Auf-, Jdühen der alten asiatischen Religionen. Hierbei wollen wir nicht einmal darauf verweisen, dass der Kommunismus in der ganzen Welt eine erhebliche Bedrohung für das Christentum darstellt So findet jetzt eine grundlegende Ueberprüfung der christlichen Erziehung statt, die den Zweck verfolgt, einem jeden Christen die jüdischchristliche Auffassung zu vermitteln. Besonders ist dies auf dem Gebiet der Schulbücher ersichtlich, die seit je zumindest antijüdische Andeutungen, wenn nicht gar antisemitische Vorurteile enthielten. Die vorliegenden Lehrbücher werden gegenwärtig hier in Nordamerika sowohl von protestantischen als auch von katholischen Organisationen überprüft, um aus ihnen für die Juden beleidigende Stellen zu entfernen. Des weiteren besteht begründete Hoffnung, positive Folgen für die Juden aus dem Oekumenischen Konzil zu erwarten das Papst Johann XXIII. für 1963 einberufen hat. Diesem Konzil werden die Juden, wahrscheinlich nur als Beobachter, beiwohnen. Ein wichtiges katholisch-jüdisches Symposion fand ir. der Loyola-Universität, einer katholischen Institution in Chikago statt. Dort gelangte man zu der Einsicht, dass eine Annäherung und sogar Ergänzung beider Religionen im Bereich des Möglichen liege. Auf diese Weise würden beide Religionen an gegenseitigem Verständnis und Freundschaft miteinander gewinnen, wie festgestellt wurde. Von protestantischer Seite aus hat die Theologische Schule der Universität von Yale eine eingehenue Ueberprüfung des Lehrmaterials der protestantischen Gruppen unternommen und anempfohlen, aus den Lehrbü hern alle Bemerkungen zu entfernen, die beleidigend ftb die Juden sein könnten. BORIS SMOLAR nische! wird. | In den portugiesischen Ueberseegebieten Angola und Mozambique, die offi-! ziell nicht als Kolonien sondern als Provinzen Portugals bezeichnet werden, lehnt man den Geist der Rassengesetzgebur.g durchaus ab. Wenn ein Eingeborener einen gewissen Grad der Bildung und des Wohlstandes erreicht hat, ist er als „assimiiado“ dem Portugiesen weisser Hautfarbe gleichgestellt. Es kommt aber nicht uf das Prinzip und die rechtliche Konstruktion an. sondern uf die soziale Wirklichkeit. Der Prozeitsatz der assimilados ist so verschwindend gering, dass die grossen Massen der Eingeborenen praktisch genau so rechtlos sind wie in Südafrika. Die übrigen Staaten der NATO, die den Kampf um die Rettung Westafrikas für die westliche Welt führen, und wissen, dass nur ein befreites Afrika mit selbständigen Staaten vor dem siegreichen Einmarsch des Kommunismus geschützt werden kann, bemühen sich, auf : Portugal einen Druck auszuüben, der immer stärker wird. Gewiss wird Wirtschaftshilfe grossen Stils erforderlich sein, um dieses rückständige Land Westeuropas so zu entwickeln, dass es auch ohne die afrikanischen Kolonien bestehen könnte. Dieser Druck muss ausgeübt werden, um die Sache des Westens in Afrika nicht weiter unerträglich zu belasten. Die britische Regierung bemüht sich seit Jahren, die englischen Kolonien zur Selbständigkeit zu entwickeln und zwar durch Massnahmen allmählichen Fortschritts, die den Schutz der Minderheiten gewährleisten und die Entstehung kongo- Ueberraschende Mitteilung Jerusalem. ■— Die tunesische Regierung gab bekannt, dass sie die Postverbindungen mit Israel abgebrochen habe. Das israelische Postministerium wurde von dieser Mitteilung überrascht, denn obwohl beide Länder niemals diplomatische Beziehungen miteinander unterhielten, so kam es bisher niemals zu Reibungen. Es wird darauf verwiesen, dass Tunesien sich zu diesem Schritt gezwungen sah, nachdem es sich, um Nassers Sympathien zu gewinnen, der arabischen Postunion angeschlossen hat. (ITA) lesischer Zustände verhindern sollen. In vielen Gebieten von Nigeria bis Sierra! Leone wurden diese Bemühungen bereits von Erfolg i gekrönt, aber andererseits : lagen kürzlich neue Nachrichten aus Kenya vor, laut denen die barbarische Mau- Mau-Bewegung sich wieder erhebt und in ihren traditionellen Riten neue Mitglieder aufnimmt, die anti-europäische unc terroristische Eide ablegen. Furchtbare JAusbrüche des Rassenhasses j gegen die kleine Minderheit europäischer Siedler sind! leider zu befürchten, j Die Verhandlungen zwischen der französischen Re- | gierung und der FLN haben I weiter zu dem Grundthema die Frage, ob durch irgend , eine Bindung Algeriens an ' Frankreich die Zukunft der Minderheit europäischer Herkunft gesichert werden > kann, oder aber diese Min-; derheit den bitteren Weg der Auswanderung wird gehen müssen. i j In den USA, die das klas-! ' sische Land .der Einwandej l rung aus aller Herren Länj : der, der Rassenmischung: ■ und der Gleichberechtigung sind, erklärte vor kurzem j | der Justizminister Robert |; Kennedy, in 30—40 Jahren werde ein Neger Staatsprä- \ j sident werden können. Als J sein Grosvater nach Boston' kam, waren die irischen Einwanderer nicht er-1; wünscht. Heute sei ein iri-!! scher Katholik zum Präsi- | denten gewählt worden. i | Mittlerweile fahren durch j 1 die Südstatten die „Auto- [ busse der Freiheit“ mit ihrer gemischt-rassigen Be-1 .setzung und die „Autobusse j des Hasses“, deren Insassen 1 die Neger im Zustand min- | deren Rechts halten wollen.! j Gleichzeitig aber haben vier , Gymnasien in Little Rock i in Arkansas schwarzen i j Kindern ihre Tore geöffnet.! . Der Kampf um die formelle ■ | Gleichberechtigung der Ne-! ger wird offenbar gegen i i grosse Widerstände erfolgreich fortgesetzt. Sicher ist dieser Kampf ein Kampf um das Recht, ein Kampf um die Men-! schenrechte einer Minder- | heit, der bis zum vollen; Siege durchgekämpft wer-! den muss. Sicher kann kei-! ne demokratisch-fortschritt- I liehe Regierung anders handeln als diese durchzusetzen. Daran kann und darf kein Zweifel sein. Gleichzeitig aber ' erhebt sich vom Standpunkt der Minderheit aus, die Frage, ob auch ein voller Sieg in diesem Kampf sie selbst befriedigen und glücklich machen kann. Nach voller Assimilation, im Sinne einer restlosen Auflösung inner-!halb des nordamerikanischen Volkes — die an sich eine Möglichkeit zur Lösung eines Minderheitsproblems bilden kann — werden sie wahrscheinlich aus rassischen Gründen nicht streben können. Als Minderheit aber werden sie auch bei voller formeller Gleichberechtigung auf Schranken gesellschaftlich - kultureller Art stossen, auf all die bitteren Erlebnisse des Zurückgesetztseins, die mit formeller Gleichberechtigung durchaus Hand in Hand gehen können. ISRAELISCHER HUMOR Dräuende Wolken nach Israels Raketenabschuss NEUE WOHNVIERTEL IN JERUSALEM Die Stadtverwaltung von Jerusalem beabsichtigt mit einer Investition von etwa 30 Millionen IL drei neue Wohnbezirke in der Stadt zu errichten, in die die Einwohner der Elendsviertel überführt werden sollen. Die Stadtverwaltung führt einen dauernden Kampf mit den für die Einordnung neuer Einwanderer verantwortlichen Behörden und mit dem Arbeitsministerium, da sie eine grössere Einwanderung nach Jerusalem und eine stärkere öffentliche Bautätigkeit wünscht. Dies, erklärte der jerusalemer Bürgermeister Mordechai Isch Schalom in einem kürzlichen Referat vor dem telaviver Ingenieur-Klub. Zur Erstellung der neuen Wohnsiedlungen ist eine gemeinsame Gesellschaft mit dem Arbeitsministerium gegründet worden, die bereits einen Schikun für 500 Familien erbaut hat. Im Süd-Westen der Stadt wird eine neue Schechuna auf einem Gebiet von 2.500—3.000 Dunam erstehen, und im Westen eine grosse Schechuna auf einer Fläche von 10.000 Dunam. Dort sollen Juden aus den USA, Südafrika etc. Grundstücke erwerben. Weitere Pläne der Stadtverwaltung sehen die Errichtung eines kleinen Flugplatzes innerhalb der Stadt vor, eines neuen Schlachthauses, die Fertigstellung der neuen Autobus-Station etc. Einleitend hatte der Redner einen Ueberblick über die bisherige Entwicklung der Stadt gegeben und u. a. berichtet, dass das Kanalisationsnetz in den letzten zehn Jahren um 90 Prozent vergrössert wurde und Strassen in einer Länge von 177 km angelegt worden sind. Die Zahl der Schulklassen stieg in diesem Zeitraum von 450 auf 900, die Zahl der Schüler von 10.000 auf 33.000, die Fläche der Parks und Spielplätze von 66 auf 4.000 Dunam. Investiert wurden in diesem Jahrzehnt etwa 250 Millionen IL, davon 50 Millionen für Wohnhäuser, 120 Millionen in öffentlichen Gebäuden (darunter Hadassa und Universität), 35—40 Millionen in „ Industrie und Handwerk, etwa 30 Millionen im Handel. Die Stadt zählt heute etwa 170.000 Einwohner. Von den Juden in Aegypten London. — Ein ägyptischer Flüchtling, der kürzlich hier eintraf, berichtete, Nasser betrachte die in Aegypten lebenden Juden als mögliche Geiseln im Falle eines Konflikts mit Israel. Zwar gäbe es keine offizielle Verfolgung und Diskriminierung der Juden, aber antijüdische Vorurteile würden von Staats wegen genährt. Ein Jude könne ungestört in der Synagoge beten, und die Polizei schütze sogar die Gotteshäuser, aber als Bürger sei er viertklassig. Solange sein Geschäft der Volkswirtschaft diene, werde der Jude im Lande geduldet. Sobald man aber seiner nicht mehr bedarf, wird ihm das Verlassen des Landes nahegelegt oder er wird sogar hierzu gezwungen. Er darf nur 20 ägyptische Pfund mitnehmen und, wenn er Glück hat, auch seine persönliche Habe. Doch meist ist nur die Mitnahme eines kleinen Köfferchens erlaubt. Die Schulen, Krankenhäuser und Banken in Alexandrien sind beschlagnahmt worden. Junge Juden können keine Arbeit finden, und ihre Zukunft in Aegypten ist ungewiss, da ihnen alle Türen verschlossen sind. Jüdische Grundstücke besitzen keipen Marktwert. In den Plänen der Versteigerungsfirmen werden sie umrandet, damit das Publikum weiss, dass sie nicht verkäuflich sind, so dass die Besitzer schliesslich ihr Eigentum zuriicklassen müssen, weil sie keL nen Käufer finden konnten. (ITA) ( Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635

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