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Jüdische Wochenschau · 1961-08-22 · 1903 (22.8.1961) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1903 (22.8.1961)
Date
1961-08-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, Spanish
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Martes, 22 de Agoste de 19*1 LA SEMANA ISRAELITA Ane XXJ. — Ne. 1963 « M/ "')! f ))■ Tl ‘ Theodor PUEYRREDON 21901. St. ¿3ÉT? _w __ Das Herzl Museum in Jerusa T. E. 83 - 2 „Was ich den Juden war ' wird eine kommende Zeit besser beurteilen, als die grosse Menge der Gegenwart“. Herzl Hunderte und tausende von jüdischen Jungen in Israel und der Diaspora, die in diesem Jahr ihre Bar Mitzwa feiern, haben vom Tage ihrer Geburt an nie einen Augenblick gekannt, in dem der Staat Israel nicht existierte. Wenn wir die Jungen und Mädchen in Israel und. der ganzen Welt bjnzurechnen, die zur Zeit der Staatsgründung kleine Kinder waren, so können wir sagen, dass eine jüdische Generation herangewachsen ist, für die alle Ereignisse vor der Staatsgründung der Geschichte angehören und kein Gegenstand persönlicher Erfahrung sind. Diese Generation kann nicht dieselben Empfindungen wie die frühere gegenüber Aussprüchen des Glaubensbekenntnisses des Sehers des Staa*es hegen wie die folgenden: ..Der Judenstaat ist ein Weltbedürfnis. folglich wird er entstehen“, oder „Dann glaube ich, dass ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der E,rde wachsen wird. Die Makkabäer werden wieder aüferstehen!“ | Doch ist vielleicht eine! andere Prophezeiung aufdie Jugend unserer Tage eher anwendbar, nämlich: , Wenn einmal der Juden- -staat existieren wird, wird alles klein und selbstverständlich erscheinen“. Herzl wuchs im Bereich der europäischen Kultur auf und sah seine Zukunftsbilder gegen den Hinter-- grund der Lage der europäischen Juden. Obgleich die seine der alten jüdischen 'Vision der Erlcsting und Wiedererrichtung des Königreichs Israel ähnlich war, so war doch sein Charakter sein Denken und seine Ausdrucksweise einem Durehschnittsjuden in afrikanischen und asiatischen Ländern nicht verfraut. Seit der | Staatsgründung sind "mehr [ als eine halbe Million Men- , -sehen aus diesen Gebieten nach Israel eingewandert. I Daher ist eine der Auf- I gaben unserer Generation die Bedeutung von Herzls Charakter Arbeit und Lehre zu erklären, und zwar den Schulkindern, der Jugend und den Erwachsenen. Besonders dringlich ist diese Aufgabe mit Hinsicht auf die neuen Einwanderer aus den Ländern Asiens und j Afrikas. -! Die Feierlichkeiten in Is-! iael und der Diaspora an-! PUMPSTATION AM K1NNERET Gemeinsam mit einer französischen Gesellschaft nahm Solei Bone kürzlich die Arbeit zur Errichtung der ersten grossen Pumpstation am Ufer des Kinneret- Sees auf. Diese Pumpanlage soll jährlich 180 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem See in den Jordankanal pumpen, von wo es in Röhren zum Negewr weitergeleitet wird. SUPERMARKET Tn Aschkalon wurde der eiste Supermarkt einge weiht. von S. I. KREliTlSER lässlich von Herzls hundertstem Geburtstag haben viel in dieser Hinsicht bewirkt. Zur Feier dieses Jahresta ges wurde im Eingangsgebäude des Herzl-Friedhofs auf dem Herzl-Berg in Jerusalem ein Museum eingerichtet. Etw'a 120.000 Menschen haben das Museum seit seiner Eröffnung vor etwas über einem Jahr, am 20. Tammus 5720, besucht, d. h. durchschnittlich 10.000 Besucher monatlich. Dieser unerwartete Erfolg hat zwei Ursachen. Erstens ist der Herzl-Berg und Herzl- Friedhof ein Anziehungspunkt für tausende Ausflügler aus Stadt und Land geworden, ebenso für die vielen ausländischen Touristen. Sie besuchen diese Stätte, um den Seher des Staates zu ehren. dessen sterbliche Hülle auf dem Gipfel des Berges' ihre endgültige Ruhestätte fand, und um von dort einen unvergleichlichen Blick auf Jerusalem zu werfen. Der Park auf dem Herzl-Berg ist einer der gepflegtesten im Lande und gewährt dem Besucher grossen Genuss. Selbstverständlich schliesst ein Ausflug zum Herzl-Berg auch den Besuch des Museums ein. Der zweite Grund ist. dass das Herzl-Museum trotz seiner bescheidenen Au-masse faszinierend und instruktiv ist. Bei der Besicbtigrug des Museums steigt man einige ¡Stufen von dem Platz hinab und betritt einen Saal, der durch eire Wand und einen g.essen Schaukasten in zwei Teile geteilt ist. In der linken Hälfte des Saales, die. man zuerst betritt, befinden | sich Vitrinen mit Dokumen- I ten zu Herzls Familiengelschichte. seiner Jugend,?ei- | nen Studien in Budapest I und Wien und seiner litera- | rischen und journalistischen ¡Tätigkeit in Wien und Paris. ■Diese Abteilung enthält auch 'je ein Exemplar aller Aus-! gaben von Herzls „Juden- 1 Staat”. Druckereirechnun- Igen. Korrespondenz und ani dere Dokumen, die die Her- | ausgabe dieses Buches be- ' treffen. I Von hiegelangt man zu Herzls Studierzimmer, in dem er in seinem Heim in Wien arbeitete, mit seinen Möbeln. Schreibutensilien und Büchern. Das Studierzimmer wurde erst von Wien nach Berlin, dann von Berlin ins Hauptbüro des Keren Kajemet in Jerusalem und ven dort ins Museum gebracht. Zw>ei Wände dieses Raumes sind aus Glas, sodass der 3esucher ihn von aussen betrachten kann. Die Decke und der Fussboden sind genaue Repliken der Originale in Herzls. Zimmer in Wien. Selbst die Landschalt, die Wipfel der Bäume ufid der Himmel, auf denen Herzls Blick bei seiner Arbeit ruhte. sind durch die Fenster des Herzl-Zimmers im Museum zu sehen. Dieses Jahr erhielt das Museum eine Uhr. die sich in Herzls Wohnung in Wien befand und bis vor kurzem in dieser Stadl aufbewahrt wurde. Die rechte Hälfte des Museums, zu der man nach Besichtigung des Herzl-Zimmer.s gelangt. -^enthHt r’en „Altneuland” - lisch. „Altneuland” ist ein Roman Herzls. das literarische Ergebnis seines einzigen Besuches in diesem Land im Jahre 1898. In den Schaukästen dieser Abtei'ung befinden sich Urkunder., Briefe. Ausweise, Photographien. Medaillen. Orden und andere Gegenstände, die sich auf Herzls Tätigkeit als Gründer Zionistischen Organisation. Präsident des Zionistenkongresses und als Sprecher des jüdischen Volkes vor den Herrschern der Welt beziehen. Der grosse Schaukasten, der den Saal unterteilt, enthält einen Thora? i'hrein mit j den Thorarollen die die | Wiener jüdische. Gemeinde Herzl bei seinem Besuch in - dieser Stadt nach seiner Zu- Neue Gedichte aus Israel Aus dem Hebräischen übersctzl von Judith Feriiz) KiNERETSEE (von Mosche Schalg«) Wenn sich Stürme wiegen auf Kinerets Weiten, über seine Wasser Zauberhände gleiten. Wie von Harfentören zittern seine Wellen: Dunkle Melodien aus den Tiefen rjuellen. Glücklich Ohr. das diese? Wunder aufgefangen, dem Kinerets Weisen ewig nun erklangen. JERUSALEM (von Jakob David Kanrnn) Betrete ich die Heilige Stadt, so zögert scheu mein Schritt: mir ist. als ob ein Wunder gebt an meiner Seite mit. Von jedem Stein an meinem Weg mir stumm mein Herz verrät: Halt an! Hier wandelte, hier ging, hier ging einst ein Prophet. Ussisehkin. dessen 20. To ciestag auf den kommenden 12. Tischri (damals 1941. am 3. Oktober) fällt, war einer der grossei) Pioniere der zionistischen Bewegung. Geboren am 17. August- 1863 in Weissrussland, begann er seine Reden für die Erlösung der alten Heimat be-! eits als ganz junger Mensch im Jahre 1881. als Gymnasialschüler und Mitglied der ersten Biluim. Von jenem Zeitpunkt an bis -zum Jahre 1924. als er Direktor des KKL in Jerusalem wurde, hielt er unermüdlich die Fahne der Bodenerlösung im Volke hoch. Vor jung und alt, vor Geistlichen und Laien,' predigte er über die Wichtigkeit, der Erlösung des Bodens von Erez Israel, und er war es auch,'der vor Theodor Herzl, dem Schöpfer der politischen Idee des Zionismus, von der entscheidenden Bedeutung der Erlösung der Erde Palästinas für die Erneuerung des Volkes zu sprechen pflegte. Auf jeder Kundgebung, auf den Kongressen und den Aktionseomité - Sitzungen, immer und überall, wurde Ussisehkin nicht müde, vom Heimatboden und seiner- Erlösung zu reden. In seiner Broschüre „Unser Programm’’ (1905) hatte Ussisehkin die Aufnahme der Kolonisation von Erez Israel durch die Zionistische Organisation verlangt. Gleichzeitig verlangte er schon zu jener Zeit die Durchführung eines Programms für die nationale Erziehung, indem er forderte, dass Hebräisch die alleinige Unterrichtssprache in allen Schulen des Landes sein müsse. (Damals spielte z. B. die französische Sprache in den Schulen der . „Alliance Israélite Univer- : seile“ eine bedeutende Rolle). LTssischkin und seine Freunde hatten aber auch | für die Diaspora die hebräische Erziehung als wichtigen Faktor für die Nationa- I lisierung der Jugend ver- I langt. Waser meinte, war klar: Neben .der praktischen Arbeit im Lande noch vor | der Erreichung eines „Charters“ dürfte die diplomatische Aktivität keinen Augeni blick aussetzen und auf,. I Ausnützung eines jeden j : glücklichen politischen Mo | ments bedacht sein. Ussisehkin 'besass die höchste Achtung vor dem grossartigen Kolonisationswerk des Barons Edmond de Rothschild, des „Vaters des jüdischen Palästina“. I wie man ihn nannte, und er bew'underte die jüdischen Siedler und Bauern von Ri- | schon Lezion und Petach : i Tikwa. von Rechowot und j! Chedera. Vom ersten Zio- ' nistenkongress an (1897) j ■ war er, selbst ein Lehrer : für viele, ein aufmerksamer! ' Schüler von Prof. Hermann! | Schapira. der als erster den [ l Ruf nach Bodenerlösung in die Welt hinausgesandt hatte, und damit war Ussischkin zum leidenschaftlichen und begeisterten Anhänger des Keren Kajemeth Lejisrael geworden. Bei der grossen Auseinandersetzung innerhalb der zionistischen Bewegung um das Für und Wider dçr Frage, ob der KKL unter allen Umständen angesichts der damaligen geringen Mittel die praktische Arbeit beginnen solle, war Ussisehkin immer unter den Befürwortern der Plans. Nie wollte er .auf Uessere Zeiten warten“, und er erkämpfte die eigentlich? Tätigkeit im Jahre 1907: doch in der Zeit bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges konnten trotz aller Opfer nur 16.000 Dunam Boden erworben werden. Erst die Epoche nach der Balfour-Deklaration eröffnete neue Perspektiven. aber auch damals wusste Ussischkin, dass nunmehr der Weg etwas leichter sein könnte, dass aber nichts dem jüdischen Volke geschenkt werden würde. Deshalb Kämpfte er im Jahre 1921 mit ungeheurem Mut für die Bodenerlösung im Emek Jesreel. Im Jahre 1919 erschien Menaehem Ussisehkin gemeinsam mit Sokolowr und Weizmann vor den „Grossen Vier“ der Versailler Friedenskonferenz, und seine hebräische Rede beeindruckte die Staatsmänner, die sie zwar nicht verstanden. doch die sittliche Kraft des Redner herausspürten. Endlich, im Jahre 1924, erfüllte sich sein Traum: Er wurde an die Spitze des KKL gestellt, konnte dessen Aktivität erheblich erweitern und dieses Finanzinstrument zur beliebtesten Volksinstitution im Judentum der Welt machen. Achtzehn Jahre hindurch stand er treu auf seinem verantwortungsvollen Posten. Als er 78jährig. vor jetzt zwanzig Jahren starb, besass der. KKL über 500.000 Dunam. Die Menschen, die ihm im Amte folgten, setzten sein Lebensw’erk fort, aber Ussisehkin bleibt der grotse Verwirklicher der Idee des Jüdischen Nationalfonds. sammenkunit mit der russi-! sehen Regierung schenkte. Während einer kurzen Be- | sichtigung. durch Lesen der : Beschreibungen der Aus-; stellungsgegenstände oder | durch die Erklärungen des I Führers, wird der Besucher! mit den '.’érschiedenen Abschnitten fon Herzls Leben bis zú seinem frühen Tode im Alter von 44 Jahren in Edlaeh einem Kurort bei Wien, bekannt. Herz1? etzte Testamente sind sowohl im Original wie in der Ue-; bersetzung zu sehen. Hier liest man den bemerkens- ¡ werten Satz aus Herzls Te- 1 stament. den er im Alter ] von nur 42 Jahren schrieb: I „Ich wünsche in einem Me-; tallsarge in der Gruft neben i kleinem Vater beigese'zr zu : werden und dort zu liegen, bis das jüdische Volk meine i Leiche nach Palästina überführt.“ Und wirklich, die , beiden letzten Photogra- . phien. die man im Museum : betrachtet, stellen Herzls | Begräbnis in Wien im Jah-; re 1904 mit den trauernden | Volksmassen und die Ue- [ berftihrung seines Sarges in feierlichem Zuge von' Wien nach Israel im Jahre 1949. dem zweiten Jahre des Staates Israel, dar. Worte des Lobes und der Begeisterung, von ausländischen Touristen. Einwohnern von Entwicklungsstädten. Kibbuz- und Mcsohaw- | Mitgliedern. Ausflüglern | und Schulkindern geschriej ben. finden sich in der Be- ¡ sucherliste des Museums, j Immer wieder taucht der (-Satz auf: ,Wir wollten, und | cs ist kein Märchen”, einj mal von einem Schüler geschrieben. der im Staate Israel geboren wurde, das andere Mal von einem Alteingesessenen. der in der Diaspora geboren wurde, aber in seinem Leben Herzls Tdeal verwirklichte. Zahlreiche Gruppen, meistens Schulklassen. besuchen das Museum. Im Mai 1961 hatte das Museum fast i 15.000 Besucher, darunter! 5.110 — etwa ein Drittel — Schulkinder. Diese Kinder kamen von 123 Schulen im ganzen Land, von Metulla ander libanesischen Grenze bis Elat am Ufer des Roten Meeres. Viele Studenten, Neueinwanderer und alleingesesset ne Bürger betrachten mit 'Ebifurcht dk Inschrift an , Nathan Blumenthal 85 Jahre ■ Am 19. August vollendete; Herr Nathan Blumenthal in! Buenos Aires. das älteste ' Mitglied der THG — das 85 Lebensjahr. j Der, Jubilar, der sich bewundernswerter Frische er-- freut, stammt aus Lübeck, | .wo er hohes Ansehen genoss. Er konnte erst im September 1940 auswandern, : um über die fernöstliche; Route. Moskau Korea. Ja-! pan passierend. nach Ari gentiriien zu gelangen. Hier | lebte er sich rasch ein, jnahm 'lebhaften Anteil an l allem Jüdischen und war j bis vor kurzer Zeit ständiger Besucher fast aller wichtigen Veranstaltungen, ganz besonders in unserem zionistischen Kreise. Mit seiner Familie. die teilweise in Israel lebt, beglückwünschen ihn seine zahlreichen Freunde berzlichst anlässlich seiner 85. Geburtstages und wünschen ihm .noch viele gute Jahre in unverminderter Frische. Der Vorstand der T. H G. der Eingangsmauer des Museums und lesen immer wieder Herzls Glaubensbekenntnis. das in bronzenen Buchstaben dort verewigl ist. Zahlreiche Vertreter fremder Staaten und Studenten aus Afrika und Asien baten, dass man ihnen die hebräische Inschrift, übersetze. Mehr als alles andere empfindet man diese Worteals eine Forderung an das Volk von dem Manne. dessen Charakter Arbeit und Lehre dieses Museum geweiht ist, und auch als Antwort auf die Forderung. die in späteren Jahren an die Bewegung, die er schuf, erging: „Und ich glaube wirklich, dass der Zionismus auch nach der Erlangung unseres Landes Palästina nicht aufhören wird, ein Ideal zu sein. Denn im Zionismus, wie ihn verstehe, ist nichf mir das Streben nach einer ¿ecbllich gesicherten Sch> >ie f ür unser armes Volk enthalten. sondern auch das'Sir?- ben nach sittlicher und geistiger Vollendung.”

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