Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1903 (22.8.1961)
- Date
- 1961-08-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1° izq. Lx T. E. 8 3 - 2 fi 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 22 DE AGOSTO DE 1961 No. 1903 GEFAHREN DES ARABISCHEN BOYKOTTS Der Unterstaatssekretär im amerikanischen Aussenministerium Hayes versuchte kürzlich in einem Schreiben an den Senator Rex Keating die Bedeutung des arabischen Boykotts und seine Wirkung zu bagatellisieren. Israel leidet nach Meinung des amerikanischen Politikers nicht sehr unter den Folgen des Boykotts, und darüber hinaus folgte Hayes in gewissen Umfang der Argumentation Nassers, denn er brachte den Boykott mit dem „Leiden der arabischen Flüchtlinge” in Verbindung. Die Vereinigten Staaten haben zwar inzwischen versichert. dass sie den arabischen Boykott weiter ablehnen und als negative Erscheinung betrachten, aber dennoch muss betont werden, dass ihre Haltung und ihre Argumentation sehr gefährlich sind. | Weddr der Boykott noch die Sperre des Suez-Kanals haben etwas mit dem Schicksal der arabischen Flüchtlinge zu tun, und die UN haben durch Beschlüsse und sonstige Kundgebungen klar gemacht, dass sie an Schiffahrts- und Handelsfreiheit in der Welt interessiert sind. Aegypten selbst hat bis 1957 die Sperre des Kanals nur mit dem Willen begründet ..kein kriegswichtiges Material” nach Israel gelangen zu lassen. Erst dann ging Nasser in seinem schrankenlosen Radikalismus zur völligen Sperre des Suezkanals für israelische Schiffe über und warf das Argument der arabischen Flüchtlinge in die Debatte, obwohl sich die Situation der Flüchtlinge in der Zwischenzeit night verschärft, sondern wesentlich verbessert hat. Noch weniger angebracht ist es, den Boykott der Arabischen Liga gegen Israel mit dem Schicksal der Flücbtlinge in Verbindung zu bringen und sich im übrigen damit zu beruhigen, dass der Boykott „nicht sehr schade” Beim Boykott kommt es nicht auf die momentane Wirkung an, sondern auf die zukünftigen Gefahren, die er in sich birgt. Hier sollten die Erfahrungen der Geschichte für die Nordamerikaner eine eindringliche Warnung darstellen. Die Araber verkündeten ihren Boykott gegen die Juden des damaligen Palästina im Jahre WIE ICH ES SEHE Prinzipien und Aktionen von JEHUDA GOTTHEIMER Nachdem die Russen ihr! zweites Raumschiff mit Er- : folg aufsteigen liessen, wur-1 den die Amerikaner unruj hig. Bisher verhielten sie sich abwartend, wohl in der Hoffnung, den unleugbaren sowjetischen Vorsprung aufholen zu können. Plötzlich jedoch erklären die amerikanischen Politiker, dass die russischen Versuche offensichtlich militärischen Zwecken dienen, jedenfalls aber die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei, dass hier eine Waffe vorbereitet werde, die in einem künftigen Krieg von grösster Wichtigkeit sein könne. Aus welchen Gründen diese Erkenntnise erst jetzt gemacht wurden, bleibt amerikanisches Geheimnis. Bisher haben die Menschen es immer verstanden, die Erfin düngen, die zum Wöhle der Menschheit gemacht wurden in todesbringende Waffen umzuschmieden. Die grossen technischen Erfolge, die von der Sojetunion in den letzten Jahren erreicht werden konnten, bildeten für den Kreml die rechte Begleitmusik für ihre immer weiter gesteckten politischen Ziele. So soll sicherlich auch das neue Raumsehiff die Forderungen untermalen, mit denen die Russen seit vie len Jahren die westlichen Länder erschrecken, vor allem das Verlangen, Berlin in eine unabhängige, d. h. von den Russen kontrollierte Stadt -zu verwandeln. Offensichtlich sind die westlichen Aussenminister über das künftige Schicksal verschiedener Meinung, das die zweigeteilte ehemalige Reichshauptstadt erfahren soll. Jedenfalls waren zwar die amerikanischen Erklärungen durchaus deutlich die Pariser Besprechungen dagegen brachten kein Ergebnis, das auf eine einmütige westliche Linie schliessen lässt. Wie in d?o meisten Fragen bemühen sich die Engländer um einen Ausgleich, sind jedenfalls bestrebt, die Brücke zu neuen Verhandlungen nicht abzubrechen. Wahrscheinlich ist in diese l Bemühungen der Grund dafür zu suchen Tagung des J.W.K. in Genf Gestern begann in Genf die Plenarsitzung der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses. In Vertretung der argentinischen Judenheit nehmen an den Sitzungen der Präsident der lateinamerikanischen Exekutive des JWK, Dr. Moisés Goldman, der Repräsentant dieser Organisation in Argentinien, Herr Marc Turkow, sowie die Herren Dr. Natan Lerner. Dr. Leon Podhorzer, Dr. Hardi Swarsensky, Dr. LA* aro Zhitnitzky und dar Nationaldeputierte Ing. Isaac Breyter teil. Das Programm der Sitzung schliesst u. a. folgende Fragen ein: Die Lage des jüdischen Volkes in der Welt und im besonderen in Nordafrika und der Sowjetunion; die Weiterungen des Eichmann-Pruz^sses und die Bemühungen, andere Kriegsverbrecher, die sfeh bisher ihrer Aburteilung entziehen konnten, aufzufinden und den Gerichten zu überantworten; die Kontinuität des kulturellen Lebens der Juden in ihren Wohnländern und die Befestigung der Beziehungen Israels zu den Juden in der Diaspora. Die Tagung wird morgen mit einer Festveranstaltung anlässlich des 25. Jahrestages des Jüdischen Weltkongresses geschlossen werden. Bei c';eser Gelegenheit wird ihr Präsident. Dr. Nachum Goldmann. das Wort ergreifen, um über die von dieser Organisation bisher rollbrachte Arbeit und das von ihr für die Zukunft aufgestellte Programm Bericht zu erstatten.- (ITA) dass die Besprechungen zunächst ohne rechtes Ergebnis abgebrochen wurden. In dieser Tatsache ist allerdings ein Politikum ersten Ranges zu erblicken. Es ist das erste Mal, dass in dieser Frage von den Allieerten Keine Einstimmigkeit erreicht werden konnte Damit haben die Russen die leichte Möglichkeit, mit neuen politischen Manövern einzusetzen, um den sicherlich nicht ganz aussichtslosen Versuch zu machen die westlichen Verbündeten auseinander zu operieren. Der Kreml hat seine Spezialisten für solche Bemühungen, die es verstehen, aus kleinen Unstimmigkeiten zwischen den westlichen Partnern grosse eigene Vorteile zu erzielen. Mit Sicherheit darf man davon ausgehen, dass die Berlin-Frage als solche für die russische Politik von einer zweitrangigen Beueutung ist. Gewiss hat diese westliche, weitvorgesc^obene Enclave als Beobachtungsposten für den Osten nicht unerhebliche Nachteile- Aber wie alle Dinge im Leben zwei Seiten besetzen bieten die gleichen Nachteil« auch positive Möglichkeiten, die der Osten bis heute stets geschickt ausgewertet hat. Man dürfte also nicht bei der Beurteilung fehlgehen, wenn man behauptet, dass Moskau an Berlin in seiner heutigen Zweiteilung durchaus inter cssiert sei, zumal damit ein ewiges Streitobjekt in russi scher Hand liegt, dessen politische Bedeutung in der Erhaltung eines permanenten Unruheherdes liegt, Der hierdurch geschaffene Unsicherheitsfaktor begünstigt die Russen. Denn die westlichen Mächte sind ausschliesslich daran interessiert, dass dort Ruhe herrscht, während der Osten allein schon daraus seine Vorteile zieht, dass er sich diese Ruhe vom Westen für teures „politisches Geld“ abkaufen lässt. Der Berlin-Komplex würde uns an sich kaum interessieren, wenn wir hier nicht einem typischen Beispiel 1945, und die britische Man- I datsregierung unternahm . nichts gegen ihn, weil der „Boykott den Juden und der Lande nicht sehr scha- I de.” Rein finanziell gesehen, hatte der Boykott viel- 1 leicht wirklich keine so gro- | sse Bedeutung. aber er; wühlte die arabische Welt auf und war ein Vorbote 1 des Palästina-Krieges, der J drei Jahre später ausbrach. I Die aufreizende Wirkung : hat der Boykott bis heute j beibehalten. Die Araber wis- ' sen sehr gut dass sie ml-! litärisch gegen Israel nichts I unternehmen können, aber I sie fachen den Hass und die Hetze gegen die Juden mit Hilfe des Boykotts immer wieder an. In jedem Monat werden neue Boykottlisten veröffentlicht. Immer wieder treten die Boykott-Comites zusammen, und die Arabische Liga gibt grosse Summen aus, um Reisen von Boykott-Beamten zu finanzieren. statt dieses Geld für Entwicklungszwecke zu benutzen. Würde der Boykott nicht i so fanatisch betrieben wer- ' den, so hätte sich trotz der noch gesperrten Grenzen und trotz des Problems der arabischen Flüchtlinge ein nicht unbedeutsamer Wirtschaftsverkehr entwickelt, der den Weg zur Annäherung und zur Verständigung im Laufe der Zeit geebnet hätte. Was in den Fällen Türkei und Persien möglich war, wäre auch in anderen Staaten des Mittleren Ostens denkbar gewesen. Die allgemeinen Aspekte des Boykotts sind es, die in Betracht gezogen werden müssen, und das gilt gera de in den Tagen des Eichmann-Prozesses. Der Nationalsozialismus und sein Spezialist für Antisemitismus Julius Streicher begannen ihre „Karriere” mit einem „OBERLAENDER UND GLOBKES" IN DER DEUTSCHEN OSTZONE Im Hinblick auf die Angriffe, die von den kommunistischen Führern der Deutschen Demokratischen Republik (Ostzone) ständig gegen Westdeutschland gerichtet werden, ist die Veröffentlichung eines bekannten New Yorker „Columnisten”, Fulton Lewis jun., von Interesse. Treffen seine Behauptungen zu so zeigt sich, dass auch die D.D.R. in reichlichem Masse über ihre „Globkes und Oberländer” verfügt. In seiner Darstellung behauptet der in Amerika vielgelesene Journalist folgendes: Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitung „Neues Deutschland”, die das amtliche Sprachrohr der ostdeutschen Kommunisten ist, Günther Kretzscher, gehörte der NSDAP mit der Mitgliedstiummer 4.532.251 an. | Einer seiner Berufskollegen aus Deutschland, Hans Ost, der Herausgeber der „Deutschen AussenpolBik”, I gehörte im Jahre 1933 ebenfall zu den „Märzgefallenen”, | mit der NSDAP-Mitgliedsnummer 2.657.972.! Zu den führenden ostdeutschen Propagandisten von heute zählt Kurt Belebe, dem nach Kriegsende längere ¡Zeit der Wiederaufbau des Zeitungswesens in der sowjeti russischen Besatzungszone unterstand. Seine NS-Mitgliedsnummer ist 8.634.832. Horst Derbler-Andrew, Leiter des i Radio-Sendedienstes im ostdeutschen Ministerium für In- I formation und Propaganda, war „Pg” seit 1930, mit der I Mitgliedsnummer 237.435. | Der Direktor des ostdeutschen „Verlags der Nation”, Guenther Hoppe, Mitglied des Präsidialbeirats der Kulj turschaffenden in der Deutschen Demokratischen Repu- 1 blik, verfügte in der Hitlerzeit über eine NS-Mitglledsi karte mit der Nummer 7.311.783. Der Präsident des Obersten Gerichts in der Ostzo-! nenrepublik, Kurt Schumann, war seinerzeit ein bekannter nazistischer Anwalt und Nazirichter: seine Mitgliedskarte trug die Nummer 5.777.794. Prof. Herbert Krüger, der als Rektor dem Walter Ulbricht-Institut fü Gesellschafts- und Rechtswissenschaft, einer Hochschule in Babelsberg vorsteht, und zu den kommunistischen Star-Anwälten gehört, war SS-Mann und später dem Reichssicherheitshauptamt der Nazis zugeteilt; seine Mitgliedskarte trägt die Nummer 5.384.346. F. Lewis erwähnt unter Nazis, die in der D.D.R. heute Schlüsselpositionen einnehmen, ferner u. a. Kurt Säuerlich, der der NSDAP 1930, der SS im Jahre 1937 beitrat und Stellvertretender Chef der Dresdner Ortsbehörde des Reichssicherheitshauptamtes war. Ausserdem nennt er Ernst Grobmann. Mitglied des Zentralausschusses der SEP (ostdeutsche Kommunisten). Grobmann ha- \ be einem der Totenkopf-Verbände als Offizier angehört und im KZ-Lager Sachsenhausen Dienst getan, j Als weitere frühere Mitglieder der NSDAP bezeichnet der amerikanische Journalist u. a. i. Dr. Max Himmeltenberg (?), den jetzigen Protokollchet des ostdeutschen Aussenministeriums. ausserdem Paul Kalutsch-e (?), einen Delegierten des Provinzial-Landtags von Leipzig, Heinrich Hohmann. Mitglied der ostdeutschen Volkskammer und Dr. Adolf Otto vom Präsidium des ostdeutschen „Friedenscomites”. Boykott gegen die Juden im j Jahre 1933. Im Jahre 1938 | ging der Boykott der noch; verbliebenen jüdischen Gej schäfte den Gewaltaktionen : der Nazis voraus. Man kann! nie vollkommene Verglei- , che ziehen, und die Situa-! tionen ändern sich, aber die | Waffe des Boykotts gegen ' welche grossen Gefahren in I Juden hat bereits gezeigt, j ihr schlummern . i Diese Erkenntnis gilt auch ' für Israel, und daher müsste Israel die Vereinigten i Staaten mit allen Mitteln vor einer oberflächlich-bequemen Haltung gegenüber dem arabischen Boykott warnen. Seine politisch-psychologischen Gefahren sind! viel grösser als seine unmittelbare wirtschaftliche Auswirkung, sodass es angezeigt wäre alle Mittel zur | Beseitigung dieser Erschei-; nung zu ergreifen, die eine dauernde Bedrohung des; Friedens, darstellt. der schwankenden und wenig gefestigten Politik der westlichen Grossmächte gegenüberstehen wü-den, aus dem wir lernen können und Rückschlüsse auf andere politische Fragen ziehen müssen. Der Westen ist eben nicht jene in sich geschlossene Einheit, als die er erscheinen möchte. Auch hierin ist gewiss kein politi sches Novum zu erblicken wohl aber eine Bstätigung, die zum Nachdenken und zu Befürchtungen Anlass bietet. Wie in jeder demokratischen Ordnung der freie Austausch der Meinungen zu Streit und Zwistigkeiten führen kann, die in einem diktatorial regierten Staat oder Staatenbund unmög lieh sind, so treten naturgemäss die Differenzen in den Anschauungen und in den Interessen der westlichen Länder stets stärker und deutlicher als im Osten hervor, wo es — bis heute wenigstens — eine entscheidende Macht gibt, die den Kurs angibt und die politischen Prinzipien festlegt. Die Konstruktion der östlichen Welt kennt nur den aussenpoiitischen Willen des Kreml und dessen Satelliten, von denen keiner es wagen wird, eine abweichende Meinung zu äussern oder gar eine andere Auster.politik als diejenige zu betreiben die von der zentralen Stelle in Moskau festgelegt wor- 1 den ist. Gelegentliche Diskrepanzen, die nach aussen i wirken sollten, werden vom; Westen sofort bemerkt und I als ein Wetterleuchten über- : schätzt, woraus man nur '■ einmal mehr entnehmen kann, dass diese Aussenpolitik der östlichen Satelliten | ferngelenkt, d. h. von Moskau bestimmt ist. I Die Lage im Westen ist 1 grundsätzlich eine andere. 1 Die Schwäche des Westens, j die aus dem freien Mei-! nungswechsel resultiert, ist | zugleich seine Stärke, wenigstens auf lange Sicht betrachtet. In den täglichen politischen Auseinandersetzungen mit dem Osten bleibt diese mangelnde Einmütigkeit und das häufige Fehlen einer wirklich einheitlichen, geschlossenen Aktion ein Nachteil. Im westlichen Lager begegnen sich Systeme, die miteinander nur „negative“ Programmpunkte gemeinsam haben, vor allem die Ablehnung des Kommu nismus. Man braucht nur daran zu denken, dass selbst das faschistische Spanien oder die arabischen Diktaturen ihren Platz im Westen einnehmen, soweit es diesen Ländern gefällt. Ausserdem werden die westli chen Hauptmächte in manchen Fragen von Staaten hart kritisiert, die selbst ein Bekenntnis zum Westen ablegen Man muss in diesem Zusammenhang auf die lateinamerikanischen Republiken verweisen, die zwar die kubanische Diktatur verwerfen. jedoch die nordamerikanischen Bestrebungen einer direkten Intervention auf Kuba ablehnen, veil sie hierin einen RückfaP in koloniale Methoden erblicken. Es ist nicht wichtig, ob die- (Schluss auf Seite 2V Bewaffnung der Araber Tel Aviv. — Vize-Verteidigungs-Minister Shimon Feres wies darauf hin, di.s' Israels Nachbarn ständig mit moder nen Waffen” beliefert werden und Israel daher seine M.-ütärmacht stärken müsse um die arabische Angriffslust zu bremsen. „De.- mengenmässige Unterschied zwischen der Bewaffnung unserer Nachbmn und der unseren mu; s durch fortgesetzte P.emühungen, die Qualität unserer Truppen und ihrer Ausrüstungen zu verbessern, ausgeglichen werden betonte m in einer Ansprache an 40C jüdische Führer aus den USA, Kanada ur.<{ Lateinamerika (ITA)