Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1900 (8.8.1961)
- Date
- 1961-08-08
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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‘MHO Martes, 8 de Agoste' de LA SEMANA ISRAELITA Afie» XXÍI. — Ne, I9W — * •. »er IWMllf, e Pre*- wk t« »wiea. Se uns le Faf. mit n zttm nacheh wir eundlin wir! hwaveraf- Fünfzig Jahre nach dem Beilis-Prozes Am Vorabend des ersten Weltkrieges ermutigte. die reaktionäre Duma (Parlament) die Regierung, ihre Unterdrückungspolitik gegenüber den Juden zu verschärfen. Ausser anderen erniedrigenden Recbtsbeschreibungen, denen die russischen Juden unterworfen waren, führten die zaristischen Behörden Massenausweisungen von Juden ausserhalb des Ansiedlungsrayons“ durch. Im Jahre 1910 wurden aus Kiew allein nicht weniger als 1200 jüdische Familien mit unerhörter Grausamkeit ausgewiesen. Unter dem Einfluss dieser antijüdischen Politik wuchs aatürlich bei den russischen Pclksmassen der extreme Antisemitismus mit allen! seinen Nebenerscheinungen. I (Jm diese judenfeindliche j Stimmung, politisch auszui werten, wurde im Friihjahr I ¡911 — vor fünfzig Jahren — vom ^Verband des russischen Volkes“ mit Hilfe der Regierung ein Ritualmordprozess in Szene gesetzt und als Hauptperson im Drama ein einfacher jüdischer Angestellter einer Fabrik in Kiew mit Namen Mendel Beilis ausgewäblt. DAS VERBRECHEN END SEIN OPFER Am 20. März 1911 wurde in einer Vorstadt Kiews in der Nähe einer jüdischen Fabrik die Leiche eines ermordeten russischen Knaben. Juschtschinski, dessen Verwandte einer Diebesbande angehörten, gefunden Abgeordnete der Duma, die „. , , *u den .Schwarzen Hun- I Richtun8 Nachtordert“ gehörten benutzten! fChungen an. Daraufhin die Gelegenheit, von der 1 wurde er seincs Amtes ent- Tnbüne des Parlaments aus! bob?n “nd .we^" Dienstorbi et urbi zu verkünden Verbrechens ms Gefängnis dass die Juden einen Ritualgeworfen. Die Enthüllunmord begangen hätten Entg€n Brasul-Bruschkowski sprechend den Absichten ha]f?n nichts, denn man der .Schwarzen Hundert“ war entschlossen, den Prowar die erste Untersuchung 'zess gegen Beilis w e,nfm bemüht, einen Ritualmord I p™ze?s . gegen die ganze festzustellen. Gewisse Krei- Juden heit zu machen yon Dr, N, M, GELBER, Jerusalem gelangte zu der Ueberzeu gung, dass das Verbrechen vom Stiefvater des ermordeten Knaben, dem einige Personen geholfen haben müssten, begangen und die erste Untersuchung in der vorgefassten Absitfht, einen Ritualmord zu ermitteln, geführt worden sei. Daraufhin begann eine Hetze gegen die Delegierten des Justizministeriums, und die extrem antisemitische „Ruskaja Prawda“ ging so weil zu behaupten, dass sich das Justizministerium von jüdischem Gelde habe beein Bussen lassen. Aufgrund dieser Hetze wurden die inzwischen ver hafteten Verwandten des ermordeten Juschtschinski freigeiassen. Unter dem Druck der ,reehtsgerächteten Elemente wurde der Richter Fenenko mit der Untersuchung betraut. Er tat alles, um einen Ritualmord zu konstruieren. Er legte dem Untersuchungsmaterial die Akten ,.bekannter Rjtualprozesse bei“. Beiiis wurde im Gefängnis verhört, damit seine Aussagen nicht beeinflusst würden. ENTHUELLUNG EINES JOURNALISTEN Im Februar 1912 erschienen in der Kiewer Presse die Enthüllungen des' Journalisten Brasul-Bruscbkowski, denen zufolge Juschtschinski von einer berüchtigten Verbrecherbande ermordet worden sei. Der Chef der Kiewer Geheimpolizei vertrat dieselbe Ansicht und stellte in dieser Ritaalmord - tíeschuldigun-1 Juden von bewusst antise gen drucken und verbreiten mitiseben Pseudcgeiebrten liess, beweist, wie partei isch die Untersuchung gegen Beilis geführt wurde. Dieser Antrag wurde jedoch vom Gericht sofort abgelehnt. DIE WIRKLICHEN MOERDER wie Pranajtis, dem Archjmandrit Ambrosius.. Prof. Sikorski und KossojIow einholen. Zwei Jahre lang dienten d’t Vorarbeiten und Untersuchungen den , Schwarzen Hundert'" zum Anlass einer wütenden Judenhetze in Werl und Schrift, selbst in dej Duma. DIE ANKLAGE Gleichzeitig mit der offiziellen Untersuchung fühi’te der Journalist Brasul- Bruschkowski seine Nach-1 T „ , Forschungen über die mut-1. ,lDIW1«T wurdt Af massbehen Mörder Jusch- *£s?si*r,ft tschinskis weiter. Er wies “° S_eiten. auf eine Frau Tscherebya-! de ' Pr.°“s.8 * \r kowa als die eigentliche An-1 «ngesel1zi» Jedoch spater auf stifterin der Mordtat hin. j -Januar 1933 v«rscno- Da sie ihre Flueht.nach Ka-!^' °er Untersuchungsnchter Maschkewitsch tasste se der Petersburger Zentralregierung zögerten jedoch, ein in einer stadtbekannten Diebeshöhle begangenes, Verbrechen als ■ Rituaimord“ zu qualifizieren. UNTERSUCHUNGEN Von Petersburg wurde eine Untersuehungs- Kommission nach Kiew entsandt. Sie Als die Affaire ausserhalb Russlands Proteste hervorrief, behauptete die rechtsgerichtete russische Presse, diese seien von Juden und Freimaurern inspiriert worden. Die Tatsache, dass der Staatsanwalt Sapenin den,Antrag stellte, gegen Margolin, den Verteidiger Beilis ein Disziplinarverfahren einzuleiten, da er Broschüren zur Abwehr der nada vorbereitete, forderte dtr Grndarmeriegeneral Iwanow ihre Verhaftung vom Staatsanwalt,. Inzwischen liess jedoch das Justizministerium Brasul-Bruscbkowski und den früheren Kriminalbeamten Krasowski, der die wirklichen Mörder entdeckte und daraufhin entlassen wurde, unter Anklage stellen. EIN INSZENIERTER PROZESS Unter dem Eindruck der Enthüllungen von Brasul- Bruschkowski. -die in der liberalen Presse erschienen, war die öffentliche Meinung sicher dass Beiiis freigelassen werden würde. Dies eine reue Anklageschrift ab, die aut Ersuchen des Jusdzmmisters, laul dem Gutachten des katholischen Mönchs Pranajtis, aui den rituellen Charakter des Mordes hinwies Am 6. -Juni 1913 beschloss die Kiewer Gerichtskammer, Beilis unter der Anklage der Beteiligung an der Ermordung des Knaben Juschtschinski vor das Kiewer Geschworenengericht zu stellen. Sowohl der Vorsitzende Kamenzow als auch der Referent Ryshow gaben ihre abweichende Ansicht zu Protokoll und Vertraten den Standpunkt, dass Beilis, gegen den nicht einmal irwar umso glaubhafter, als j gendwelche indirekten lndiman im Oktober 1912 im zien Vorlagen, sofort freige- Justizministerium den Verlassen werden sollte. Die antretern der Presse erklärte, I deren Mitglieder des Ge dass die Frage der Freilas-; richtshofes widersetzteri sich sung Beilis noch im Laufe jedoch diesem Anliegen. Als des Monats November entschieden werden würde. Verteidiger von Beilis wurden der Rechtsanwalt Grustnberg und die Petersbur- Doeh es kam anders. Derger christlichen Anwälte Justizminister Schtscheglo- KaraDczewski. Maklakow, wilow wollte unbedingt ei- Sarudni und Grigorowitschnen Prozess gegen die ge- Barski bestimmt. Die Mutsamte Judenheit inszenieren. Er liess daher Gutachter Juschtschinski? ernannte den Duma-Abgeordneten ilgteri Antisemiten Rechtsanwalt Scbmakow aus Moskau und Butatze] aus Petersburg zu ihren Rechisbeiständen. Der Prozess begann am 8 Oktober 3933 Nicht weniger als 23i Zeugen vurden vorgeladtn. PROTESTE Vor Beginn des Prozesses beten Protest-Erkiärung-rn aus lasallen Kultur'ändern I ein. Der im September 3933 in Wien tagende XI. Zionistenkongress fasste eine besondere Protestresolution ab Der Prozess: riei in 0-er ganzen Welt starke Erschütterung und. E, re gung hervor. Hunderte von christlichen Theologen in Europa und Amerika Unterzeichneten Protesterklärungen gegen die Biutliige ln Russland selbst kam es beb Beginn des Prozesses , in vielen Städten zu Studentenkundgebungen und Aibcätcrstreiks. i EinwaRdereir Jerusalem. — Der mil- I börste Einwanderer kam I in Israel an, wie die Jew-;sh Agency miüeilte. Die seit 3948 im Lande ein gell offenen Immigranten stammen aus 79 Ländern aller Kontinente. lnsf<-. samt 540.00G kamen aus Europa 270.00C aus Asien, 250.000 ans Afrika und 20.000 aus Nord- und Südamerika, Austraihn und. Neuseeland. (ITA, FREISPRUCH Doch der Prozess brachte den Judenfeinden eine grosso Enttäuschung. Obgleich die Berufsrichter, bekannte Antisemiten und drei Viertel der Geschworenen ungebildete Bauern und Klein-, bürger waren wurde Beilis freigesprochen. Die sorgfältige Verteidigung sowie die Meinung der ärztlichen Sachverständigen . Kröfessor Pawlow, Kadjan, Bechterew aus Petersburg die Theologen Troitzki," Prof. Kckowzew. Tichomrow, ler; rer der Moskauer Rabbiner Jakob Mase die die verlogenen Gutachten der von der Staatsanwaltschaft berufenen Pseudogelehrlen in judaicis und Talmuöicis überzeugend. widerlegten, trugen nichl wenig zu . diesem Ausgang d-sg Prozesses bei. NACHSPIEL Der Freispruch hatte noch „Efnsaiifiiiippan”- Fr® ms Linz. — Vor -einem Grrich1 in Weis (Oe-,teüeich) ha* de; -Prozess gegen Dr Schön pflüg begönne«, dm beschuldigt w.bd, als Mit glk'd des ,.Ei.isaizkomman des f im Jahre 3943 -an dei' Liquidierung von 45.-WM pol nischen. und russischen Ju den beteilig! gewesen zu sein.. Leiter dieses Emsatz- J komm andos wai Dr. -Otto Bradfisch, dem in Kurze, in München der Frozes» ge macht werden soll. Schön - pflüg, der vor einem Jahr verhaftet wurde, bestrfitet hartnäckig alte» ihm zur Last gelegten Verbrechen. ten über Ritualmorde der Samiskowsky, den berücheinen Epilog. Der Justizmlnist-er Sehtsflbeglowitow, erbittert über seinen Misserfolg, liess gegen eine Reihe liberaler Zeitungen, die die Machenschaften der Regierung aufdeckten -und gegen die -Petersburger Anwaltskammer die in eine; scharfen Resolution das Justizministerium wegen seiner parteiischen und ausgespro-' eben antijüdischen Haltung - tadelte, Anklage erheben. Im Sommer 1914 — kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges — fand der Prozess gegen die Anwälte statt Fünfundzwanzig ange . sebene russisch-? und jiidi sehe Rechtsanwälte wurden wegen Aufreizung des Volkes gegen die Regierung verurteilt. ,c - -- Wie liegen die Feiertage im Jahre 5722? Sonntag, den 10 Sept. 1961 Montag, den 11. September Dienstag, den 12. „ , Mittwoch, den 13. , „ Sonnabend, den 16. „ Dienstag, den 19. „ Mittwoch, den 20. „ Sonntag, den 24 Montag den 25. Dienstag, den 26. „ Sonnabend, den 30. ,, Sonntag, den 1. Oktober Montag, den 2. Oktober Dienstag, den 3 Oktober Sonnabend, den 7. Oktober Sonnabend der. 2. Dezember Sonntag, den 3. „ Montag, den 4. „ Sonnabend der 9. „ Sonntag »den 10. „ Sonntag, den 10. Dezember Sonnabend, 2. Januar 3962 Montag, den 19. März Dienstag, den 20. März Mittwoch, den 21. März Mittwoch, den 18. April Donnerstag, den 19. April Freitag, der 20. April Sonabend, den 21. April Mittwoch, den 25. April Donnerstag, den 26. April Dienstag, den 1. Mai Mittwoch, den 9. Mai Erew Rosch Haschanah 1 Tag Rosch Haschanah -2 Tag. Rosch Haschanah Zorn Gedalja Schabbat Schuwa Erew Vom Ha-Kippurim Kol Nidre Yom Ha-Kippurim Erew Sukkot 1. Tag Sukkot 2 Tag Sukkot Schahbat Chol Hamoed Hosehana Rabba Sehemini Azeret Simehat Tora Schabbaf Beresehit Erew Chanuka 1. Tag Chanuka 2 Tag Chanuka Schabbat Chanuka 8. Tag Chanuka — Sot Chanuka Fasten Assara betewet Schabbat Schira — Chamischa assar bischwat Neujahr der Bäume Fasten Ester Purim Schusehan Purim Erew Pessach 1. Tag Pessach Schahbat Chol hamoed 2. Tag Pessach 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach — Acharon schel Pess.Kth Gedenken des Aufstandes im Ghetto von Warschau Yom Haazmaut ""Mmiumnip EINHEITSKAMPAGNE 1961 Im Barmizwah-lahr Israels: Neue Einwanderer Neue Siedlungen Neues leben mit neuer ANNAHMESTELLEN: CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL. 1 COMITE CEJNTROEUROPEO Sarmiento 2376, 3l T.E- 47-3820 \ und saemtliche Sekretariate der an geschlossenen Organisationen i und Gemeinden j= HtiiiiHiliiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiimiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiilmiiiiiliiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiliiiiiiHHiiHAimmiulílWiiTmnnnmfiilimiif 0001015348235323534853235323532353235323532348234823482348315323232390532353900100 881^194212591376