Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1897 (28.7.1961)
- Date
- 1961-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/9616703-9612115-9612627--1513-9612635- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
s 4. — fKAVtíl'EO PAGADO Concesión 908 < I TARIFA REDI CIDA i Concesión 1829 Año XXII. BLENOS AIRES, VIERNES 28 DE JULIO DE 1961 No. 1897 EL EJEMPLAR tn toda la RopuMici 4, Bueno« Air*« PUEYRREDON 2190 1» feq. T. E. *3 . 2913 hmann leugnete bis zuletzt seine Schuld (Fortsetzung vor Seite 1) verbrech an gewesen zu sein. Hierzu bemerkte Haiev r kurz, dem Angeklagten s eil; natürlich im Zeugens.and das Recht zu, sich zu verteidigen, und er könne ficht dazu gezwungen werden. sich selbs' zu belasten. Andererseits aber erinnerte er den Angeklagten daran dass das Gericht die Wahrheit zu erfahren wünsche und nicht s> naiv sei, Eichmanns Aussagen als bare Münz« hinzunehmen. Eichmann berief sich auf di; Zeugenaussage des Propstes Karl Emst Grübe:-. de.- davon gesprochen hatte, dass :s den Deutschen an Zivilcourage gemange t hat. aber, so setzt; Eiehmann hinzu, ,,es war Krieg. all«s >ar eine Frage der Zeit, der Erziehung und der Unterweisung ” EICHMANN ALS IDEALIST | i ..Wenn Sie heute Ihr Gewissen prüfen”, fragte Richter Halevy, ..müssen | Sie dann zugeben, dass Sie keine Zivilcourage hatten?” ,.So ist es”, antwortete! Eichmann, ..ich war ebensowie viele andere.” Hierauf fragte ihn Halevy, ob eri sich aiso nur-deshalb als ei-1 neu Idealisten betrachte, 1 I weil er die Befehle seiner ' Vorgesetzten ausgeführt habe. ,,Damals”, entgegente | Eiehmann. ..hielt icl es für meine Pflicht als Nationalsozialist, den mir erteilten , I Befehlen naehzukommen.! I Heule sehe ich «in, dass der Nationalsozialismus in seiner radikalen Form zu den schrecklichsten Verbrechen führen kann.” ..Gewiss mag es damals , I schwierig gewesen sein, Mut ' zu beweisen und sich nicht zu Verbrechen missbraui eben zu lassen”, v arf Richi ter Halevy e*n. ..Aber wie steht es heute? Haben Sie! den notwendig;n Mut, die ’ | Verantwortung für dis seinerzeit von Ihnen begangenen Verbrechen zu tra- I ¡gen?” Eiehmann erwiderte, vom menschlichen Standpunkt j aus hege er seine eigenen Gedanken, da er inzwischen nachgedaeht habe, worauf i Halevy ihm vorhielt, dass er seine moralische Schuld, nicht aber seine Schuld vor dem Gesetz schon früher eingestanden habe. Diese Bemerkung nahm Eichmann zum Anlass, neuerlich zu beteuern, dass er nichts als ein Befehlsempfänger gewesen sei, doch selbst keine Befehle gegeben habe ,,.V enn dies gesetzlich strafbar ist, so bin ich bereit, die Konsequenzen auf mich zu nehmen”, fügte er hinzu. DICHTUNG UND IRRTUM An einer anderen Stelle des Verhörs durch Richter Halevy gab Eiehmann zu dass die Gestapo die Juden irreführte, um zu erreiehdass diese ihre eigene Vernichtung beschleunigten und dass der Aufstand im Warschauer Ghetto wahrscheinlich dazu beigetragen habe, die Deportationen in eiligerem Tempo durchzuführen. Es gelang Halevy auch nicht, Eiehmann das Eingeständnis abzuringen, dass die Erklärungen, welche er Dr. Servatius versuchte in jedem Fall, aus diesen an I Eides Statt abgegebenen I Versicherungen nur die Sät- I ze vorzulesen, die ec für seinen Klienten als günstig , betrachtete. Hierauf ver-! langte Staatsanwalt Hausner sofort von ihm, auch , andere Teile aus den Aus- ' sagen vorzulesen, die recht belastend für Eiehmann! sind. 1 Was die Aussage des damaligen Obersturmbannführers Hermann Krumey angeht, der damals Eichmanns , Untergebener war, so trachtete Servatius auch hier, nur einen Teil zu verlesen, wurde aber von Hausner aufgefordert, den ganzen . Text oder garnichts vorzu- In seinem portugiesischen Uriaubsdomizii vernahm Dr. Hans Globke die Kunde, dass die Staatsanwaltschaft beim Bonner Landgericht ein Ermittlungsverfahren gegen ihn mit der Begründung einst.elite, dass d-er ehemalige Judenexperfe . im nationalsozialistischen Reichsir.- nenministerium und Mitverfasser der schändlichen Nürnberger Rassengesetze keine Verbrechen wider die Menschlichkeit auf sich geladen hatte. Gleichzeitig konnte Globke von der Einleitung eir es Ermittlungsverfahrens ..wegen falscher Anschuldigung” gegen den Westberliner Rechtsanwalt Dr. Max Merten Kenntnis nehmen . Adenauers Staatssekretär wird indes mit gemischten Gefühlen die Nachricht aus der Bundeshauptstadt aufgenommen haben. Die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen Merten könnte zu einer restlosen Aufhellung der braunen Vergangenheit Globkes fuhren und Parallelen zum Eichmann-Prozess aufweisen Sicherlich denkt Globke auch an das Schicksal d;s Bundesvertriebenenministers Oberländer, der trotz eines . Persilscheines” der Bonner Staatsanwaltschaft unter dem Druck der Weltöffentlichkeit aus seinem Ministerium verschwinden musste. Der frühere Kriegsverwaltung1i at in Saloniki, Merten, will den Beweis für seine Behauptung erbringen, dass Globke in trauter Gemeinschaft mit dem 1947 Ungerichteten SS-Führer Wisliceny die Rettung Zehntausender griechischer Juden verhindert hat. Selbst Eiehmann habe eine Verschiffung der Ju-Ier. nach Palästina befürwortet, während der NS-Ministerialrat Globke auf der Anwendung -der Nürnberger Rns;engesetze bestanden haben soll. Merten sieht nach eigener Aussage dem Verfahren mit Genugtuung entgegen, ln einer Vernehmung, die ein israelischer Sonderrich.er im Zusammenhang mit dem Eichmann-Prozess in Wastoerlin vornahm, belastete Dr. Merten den Bonner Sta itsrekretäp erneut schwer. Eiehmann soll gegenüber seinem Verteidiger Dr. Servatius, geäussert haben, dass er Globke nie kennengelernt und auch nicht mit ihm wie Merten zu berichten weiss, telefoniert habe. Nach Mertens Darstellung soll Eichmann mit Globke von Saloniki aus über die Auswanderung der Juden nach Palästina verhandelt haben. Desungeachtet wurde jedoch im Eichmann-Prozess das Protokoll einer Sitzung ver esen, an der Globke und Eiehmann gemeinsam teilnahmeu. Die Sitzung fand am 15. Januar 1941 in Berlin statt und beschäftigte sich mit Fragen der Staatsangehörigkeit und der Beschlagnahme jüdischen Vermögens. Die angesehene „Basler Natinnal-Zeitung bezeichnefce kürzlich Staatssekretär G.ooke als „untragbar” für die Bundesrepublik. /Aua vteittinff) * 4 -•--• 'A'‘‘SS» . mmmsm ife SvÄ ' an der Ausrottung von sechs Millionen Juden durch die Nazis. Der Verteidiger, Dr. 1 Servatius, liess Eiehmann in eigener Verteidigung aussagen und legte zehn eides- | stattliche Erklärungen von Nazis vor, um zu beweisen, dass Eiehmann nur die I empfangenen Befehle durchgeführt, doch niemals aus eigener Initiative die Ermordung von Juden ange- 1 ordnet habe. Eiehmann beteuerte, er habe nichts anderes getan, als.den Zug- | verkehr für die Deportatio- : nen organisiert. Staatsanwalt Hausner ver-! focht die These, dass Eich- : mann nicht nur mitleidslos die Mordbefehle ausgeführt, sondern sie selbst erteilt habe. Servatius schloss seinen Fall mit der Vorlage einer eidesstattlichen Erklärung des ehemaligen Nazi- Unteroffiziers Franz Slawik ab. der Eichmanns Adjutant war, um die Anklage zu widerlegen, dass Eichmann in Budapest ein jüdisches Kind -zu Tode geprügelt habe. Hausner beantragte die Vertagung des Prozesses bis zum 3. August, da er mehrere Tage benötige, um das umfangreich; Material zu sichten, das bei diesem Prozess vorgelegt worden ist. Gerichtspräsident Landau verwies darauf, dass der Prozess somit nicht in der nächsten Woche beendet werden könne, und befragte Dr. Servatius um seine Meinung. Dieser entgegnete, au.h er brauche ’ „zwei oder drei” Tage, da er einen Teil seines Berichts 1 schriftlich vorzulegen beabsichtige. Später werde er für die Vorbereitung seines , Plädoyers nicht mehr viel Zeit benötigen. 1 Wie man annimmt, dürfte die Anklage des Staatsanwalts ei oder vier Tage beanspruchen. Servatius erklärte, wenn er seine Verteidigungsrede ungefähr am 9. August halten könne, so könnte der Prozess in aer gleichen Woche noch abgeschlossen werden. Landau erwiderte, dass dies hof- , fentlich möglich sein werde, und jedenfal’s werde das Gericht am 3. August wie- 1 der zusammentreten. i EICHMANN IST ERSCHOEPFT Eiehmann war am Ende der letzten Sitzung vöHig erschöpft. Am Vortage war er im Saal eingeschlafen, nachdem er fünf Wochen lang in eigener Verteidi-! gung ausgesagt hatte. Sollte der Prozess in der zweiten Augustwoche abgeschlossen werden, so wird 1 er 18 Wochen gedauert haben. Der offizielle Prozessbericht in hebräischer Spra-! che enthält bisher fast eine Million Worte. Rund 60.000 Personen wohnten auf der Tribüne den einzelnen Sitzungen bei und weitere 75.000 verfolgten ‘ den Lauf der I Verhandlungen in einem im Gerichtsgebäude gelegenen Saal, in dem zwei Fernseh- I apparate zu diesem Zweck aufgestellt worden sind. im Jahre 1957 dem holländischen Journalisten William Sassen in Buenos Aires gemacht hat, richtig sind. Eiehmann wollte dies nicht anerkennen und wiederholte nur, diese Erinnerungen seien eine Mischung von .Dichtung und Trrtum”. KEIN SUBALTERNER BEAMTER Einer der von Eiehmann! selbst benannten Zeugen der Verteidigung, der als ehemaliger SS-Offizier sei- | nerzeit im besetzten Russland stationierte Professor Franz Six erklärte in einer I Aussage, die vor Gericht verlesen wurde, dass Eichmann nicht nur einen subalj fernen Rang in der Gestapo! unter ihrem Chef Himmler bekleidet habe, sondern ¡dass sein Büro eine ausge- I dehntere Befehlsgewalt ge- | habt habe als andere Abtei-! lungen. I Dr. Servatius begann, Teile aus den Erklärungen der Zeugen vorzulesen, die nicht \ nach Israel kommen konn- ■ ten, weil ihnen kein freies ¡Geleit zugesichert wurde, oder die die Reise nicht hat- ten unternehmen weiten. j lesen. Diesem Verlangen , 1 versuchte sich Servatius mit' spitzfindigen Argumenten j zu entziehen, was ihm je- ' doch nicht gelang. Gerichtspräsident Landau I zwang schliess'ich den An-1 I geklagten, die an ihn gej richteten Fragen mit einem I „Ja” oder „Nein” zu beant- ¡ Worten, anstatt seine aus-; wendig gelernten Reden' vom Stapel zu lassen.!! BIS 3. AUGUST VERTAGT j Anklage und Verteidigung | erklärten ihre Arbeiten in I dem Prozess für beendet,' der gegen den Naziverbre-i I eher Adolf Eiehmann wegen j I def Ermordung von sechs | Millionen Juden anhängig i ist. Der Gerichtshof gab. | dem Antrag von Generalstaatsanwalt Gideon Hausner statt, die Sitzung auf den 3. August zu vertagen j damit er seine Spruchreif-' erklärung fertigstellen kön-. ne. Anklage und Verteidij gung schlossen die Darle- | gung des Falles am Beginn der 16. Prozesswoche ab. | Die Anklage legte rund 1500 Dokumente vor und präsenj tierte 112 Zeugen zum Be-j weis für Eichmanns Schuld Gaeste aus Berlin Jerusalem. — Ein berliner Feuerwehrmann, Bruno j Fredrich, der während der'• Naziherrschaft unter Lebensgefahr insgeheim dem jüdischen Spital Blut spen-1 dete und auch ansonsten Juden zu helfen versuchte,, verbrachte gemeinsam mit! seiner Frau einige Wochen als Gäste zweier ehemaliger berliner Familien in Is. j rael. I Das Büro des Minister-. Präsidenten organisierte für .t das Ehepaar Frederich Reij sen im Lande, und die Hai- ' faer Feuerwehr veranstal- ■ tete ihnen zu Ehren einen I Empfang. Das Ehepaar. Frederich war tief gerührt j über den herzlichen Emp-1 fang, den es überall in Israel in den Tagen des Eichmann-Prozesses erhielt. Nicht antisemitisch gemeint Rom. — Nachdem ln der vom italienischen Verteidigungsminister Andreoti herausgegebenen Zeitschrift j Aufsätze mit judenfeindlichen Andeutungen erschie-1 nen waren, interpellierte j der römische Vertreter der Jüdischen Telegaphenagentur beim italienischen Ministerpräsidenten Fanfani. Er machte ihn darauf aufmerksam. dass es bereits zu einem Protest des Verbandes der italienischen Synagogengemeinden beim Verteidigungsminister gekommen sei. Fanfani versprach ihm, die Sache mit dem Minister zu besprechen. Inzwischen sprach der Sekretär des Verteidigungsministers beim Präsidenten der jüdischen Gemeindeföderation vor. Er brachte sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass die umstrittene Artikelserie in jüdischen Kreisen Staub aufgewirbelt habe, bestritt, dass der Veröffentlichung antisemitische Absichten zugrunde gelegen hätten, und versprach den Abdruck einer Berichtigung. Konzession an die Orthodoxen Jerusalem. — Die 400 Aerzte und Krankenschwestern der Hadassa- Universitäts-Klinik wurden am letzten Schabbat in Omnibussen durch Je- >usalem transportiert, die mit den Farben der Ambulanzen des Magen David Adom bemalt waren. Auf diese Weise wollte : man vermeiden, dass die | Ultraorthodoxen wieder j Steine gegen diese Fahr-! zeuge schleuderten. —! (ITA) Reglstn de ia Propiedad intelectual No. 856 635 ImMVKA I« imnrenta POLIGLOTA Ul