Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1897 (28.7.1961)
- Date
- 1961-07-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDOH 2199 - 1* ixq. fa Jk*MHG¿XshCt&lUa T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 28 DE JE LIO DE 1961 No. 1897 i. .8" Der Prozess EICHMANN WIDERSPRICHT SICH Adolf Eichmann gestand jetzt, dass er mit Vorbedacht das offizielle Protokoll über die Konferenz der -hohen Naziführer Abgeändert habe, bei der beschlossen wurde, 11 Millionen Juden in Europa zu töten. Er erklärte, im -.uftrage des Chefs der Sicherheitspolizei Heinrich Heydrich gehandelt zu haben. Blass und sichtlich ermüde:, doch immer noch mit gespannter Aufmerksamkeit -beantwortete Eichmann die Fragen .¿es Gerichtspräsidenten Mosche Landau über die Methoden, die für den Massenmord der Juden angewandt werden sollten. Landau richtete seine Fragen an Eichmann auf hebräisch und übersetzte sie dann selbst ins Deutsche. Der Angeklagte gab zu, dass auf der sogenannten Wannsee-Konfererz vom 20. i Januar 1942 Heydrich den | Beschluss Hitlers bekannt-; gegeben habe, dass alle i noch in Europa lebenden! Juden ausgerottet werden' sollten und dass der Plan { angenommen wurde. | Ihm, Eichmann, sei die Aufgabe zugefallen, den Bericht über diese Konferenz I zu verfassen, aber er habe bei den Beratungen nicht das "Wort ergriffen. Er füg- I te hinzu, dass sich die Nazi- I grossen bei einem Glas Kognak auch über die Art : und Weise unterhalten hät- I ten, wie die Juden vernichtet werden sollten. Dieses Thema sei vom Staatssekretär des Innenministeriums Wilhelm Stuckhart aufgeworfen worden. Auf die Frage, "warum dieser Punkt im offiziellen Protokoll nicht erwähnt worden sei, erwiderte Eichmann, Hey- I drich habe es so anbefohlen. j „Also Y tte di« Methode, die zur Tötung der Juden in Anwendung kommen sollte, keine weitere Bedeutung”, fragte der Richter, worauf Eichmann entgegnete: „Nein, das wurde im Bericht nicht erwähnt.” Er setzte hinzu, soweit er sich erinnern könne, sei damals davon die Rede gewesen, die Juden durch Erschiessen oder die Anwendung von Kohlenmonoxyd zu töten, doch von Gaskammern habe niemand gesprochen. Eichmann gab auch zu. freiwillig -in der Partei und bei der Gestapo geblieben zu sein, wobei er hinzufügte, dass es nach Kriegsbeginn unmöglich gewesen wäre auszutreten. EIN FEIGLING Richter Benjamin Halevy unternahm den Versuch, an Eichmanns Ehrgefühl zu appellieren und ihm den Ruf seiner Familie vorzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Es gelang ihm nur, Eichmann zu dem Eingeständ- WIE ICH ES SEHE Der elfte arabische Staat\ con JEHUDA GOTTHEMER Eine völlig unauffällige M rtsi.ung in den Zeitungen meldete, dass die Arabische Liga oas Sultanat Kuwait »uigecommen hai... Kuwait, da.; , Märchenland in d;eser Ze’t . hatte doch erst „ürzlicii dia Weltöffentlichkeit beschäftigt. Der „Fall Kuwait ’ sollte vor den Sicherheitsrat gebracht werden, der Mittelosten drohte in Flammen gesetzt zu werden, die Engländer hatten bereits ihre Kriegsschiffe gesandt, Irak. Aegypten, der Osten, der Westen, sie alle waren aufgeregt und mobilisiert. denn der Kampf um Kuwait drohte in seine endgültige Phase einzutreten. Und jetzt kommt die nüchterne, kurze Nachricht, dass Kuwait als 11. arabischer Staat in die Liga aufgenommen worden wäre. Was ist geschehen? Wer sieh nicht dessen erinnert, welche Bedeutung das Sultanat Kuwait hat, der lese den Artikel nach, der an dieser Stelle am 18. Juli erschienen ist und der den unermesslichen Reichtum des kleinen Landes Kuwait schildert, das mit den Engländern vor langen Jahrzehnten einen Protektoratsvertrag abgeschlossen hatte. Jetzt hatte der Irak seine gierigen Finger nach dem Kuwait ausgestreckt, weil Diktator Kassem offensichtlich einen aussenpolitisehen Erfolg ebenso notwendig hatte wie die ungezählten Millionen Dollar, die der Kuwait durch sein Petroleum produziert. Die ersten, die entschieden und ablehnend gegen solches Verlangen reagierten, waren neben dem Sultan von Kuwait selbst, der seine Eigenherrlichkeit natürlich. nicht aufgeben wollte, die Briten. Englands, Politiker mögen in den letzten Jahrzehnten nicht mehr die grossen Erfolge gehabt haben, die ihnen früher zugefallen waren. Der letzte, der auf dem Gebiet der Schaffung des British Empire überragende Leistungen aufweisen konnte, war Benja- Ben Gurions Friedensangebot Montevideo. — In einem Kommentar über den kürzlichen Aufruf, den der Ministerpräsident Israels, David Ben Gurion, an die arabischen ¡Länder richtete, „auf der Grundlage der Gleichheit, Unabhängigkeit und Freiheit Frieden zu schliessen”, schreibt die einflussreiche Abendzeitung „El Plata” wie folgt: I „Wieder einmal hat das Volk Israels durch den! Mund seines leitenden Staatsmannes seinen Willen! zum Frieden bekundet, der es in seiner langen Geschichte immer charakterisiert hat. Dieser Wunsch! nach Frieden tritt heute noch stärker in Erscheij nung, nachdem das jüdisdhe Volk wieder in sein Vaterland zurückgekehrt ist, dessen Aufbau es durch Arbeit, Opfer und vereinte Anstrengungen zu vollbringen bemüht ist, um dem Fortschritt auf dem Gebiet der menschlichen Brüderlichkeit zu dienen. Es steht zu hoffen, dass das grosszügige Anerbieten nicht auf unfruchtbaren Boden fallen und bei denen, an die es ergangen ist, das notwendige Verständnis finden möge, damit beide Völker ohne Furcht und Argwohn friedlich nebeneinander leben können _ (ITA) min Disraelr gewesen, der grosse Lord Beaconsfleld. Aber das Empire war auch ein Beweis für die alte Lebenserfahrung, dass es leichter ist, etwas aufzubauen, als etwas Aufgebautes zu erhalten. Im Kuwait hatten die Engländer jedenfalls aus manchen Fehlern ihrer Kolonialbeamten gelernt und dem Zwergstaat, der bis vor kurzen Jahren ohnehin nicht allzu bedeutungsvoll erschien, eine relative Freiheit gelassen. Das wusste auch der Sultan des Kuwait zu schätzen. Er war den Engländern dankbar, die ihm Schutz boten und sich mit seinetu Geld, Reichtum oder Petroleum, wie man es nun bezeichnen will, zufrieden zeigten, ohne seine „Souveränität” anzutasten. Dass diese englische Politik richtig war und von äusserst geschickten und gut ausgebildeten Diplomaten der alten britischen Schule zu einem glücklichen Ende geführt wurde, konnten wir alle in diesen Tagen beobachten. In allen Fällen, wo es gegen ein Lebensinteresse der Engländer geht, .-reagieren sie schnell und entschieden. Ohne Zaudern wurden! Kriegsschiffe nach Kuwait | geschickt, die sich vor den ¡Hafen legten, was genügte, alle irakischen LiVsternhei- 1 ten auf Kuwait zu bremsen. Kassem schreckte zurück. So hatte er sich seinen Eroberungszug gegen das kleine Kuwait nicht vorgestellt. Er musste also damit rechnen, nicht das unbewaffnete Sultanat gegen sich aufzubringen, sondern mit dem British Empire Krieg zu führen. Nun mag England wohl in den letzten Jahren -sehr viel von seiner ehemaligen Macht verloren haben, aber für diesen Krieg reichen die bitischen Möglioh- -keiten wühl noch mit Sicherheit aus. Ausserdem nis zu bewegen, dass es' i ihm „an Zivilcourage gefehlt habe, um sieh gegen j die antijüdischen Massnah- I men .aufzulehnen.” I Das Verhör durah die Richter Jizchak Raveh und! Halevy folgte nach Beendigung des Kreuzverhörs,! dem Generalstaatsanwalt I Hausner den Angeklagten unterzogen hatte. Hiernach wird der Verteidiger Dr. Servatius noch die Erklä-1 I j ungen von sechs Zeugen der Verteidigung vorlegen, ¡die in Westde* tschland ver-! nommen worden sind. Damit ist die Phase der Untersuchung beendet, und Gerichtspräsident Mosche | Landau wird die Vertagung des Prozesses bis zum 31. Juli ankündigen. In der : Zwischenzeit werden Staats- Anwalt und Verteidiger ihre Plädoyers ausarbeiten, was ’ vier -bis fünf Tage in Anspruch nehmen dürfte. Der Urteilsspruch wird nicht : vor Oktober erwartet. ( ALLEN FEHLTE DIE ZIVILCOURAGE In seinen F-agfer machte Richter Halevy Eichmann darauf aufmerksam, dass; dies seine letzte Chance; sein könne, -eine wahrheitsgemässe Erklärung über |-seine Rolle als Chef der Gestapo-Abteilung für Judenfragen alzugeben. Eichmann blieb jedoch hartnäk- 1 kig dabei, nur ein subalterner Beamter -im weitver- : zweigten Getriebe der Nazi- (Fortsetzung aut Seite 8) AUF DEN SPUREN VON GULLO * von BORIS SMOLAR Die Freunde Israels in den Vereinigten Staafcep beginnen, den Glauben an den neuen Staatssekretär Dean Rusk zu verlieren. Dagegen vertrauen sie auf den Präsidenten Kennedy. Sie haben jedoch den Eindruck, dass Staatssekretär Rusk dazu, neigl, d>e proarabisehe Politik des verstorbenen Staatssekretärs, Foster Dulles fortzusetzen, der in der Aera Eisonhower der Vorgänger von Rusk gewesen ist. Es tritt immer deutlicher hervor, dass di3 proarahisehen Elemente innerhalb des Staatsdepartements sich zunächst in der Anfangsperiode der Regierung der Demokraten ruhig verhalten, aber allmählich machen sie ihren alten Einfluss wieder geiterd Es wird jedes Mai stärker offensichtlich, dass der Staatssekretär Rusk dem Einfluss dieser Kreise verfä'It. Auch in Israel beginnt man an der Haltung des Staatssekretärs zu zweifeln. Dieser Vorbehalt gegenüber Rusk entstand bereits zu dem Zeitpunkt, als er einer Begegnung mit dem Ministerpräsidenten David Ben Gurion während dessen Besuch jn den Vereinigten Staaten aus dem Wege ging. Dem -gegen"*>er fand Präsident Kennedy die Zeit für eine Zusammenkunft mit Ben Gurion. obwohl er ausserordentlich beert war. weil er am folgenden Tgge nach Europa fliegen musste, wo er wichMee Besprechungen in Paris und London und die historixähe Begegnung mit Krutsclrew in "Wien hatte. Rusk hingegen teilte mit, dass er durch die Vorfälle in der Dominikan"- schen Republik verhindert sei. sich mit Ben Gurion cu treffen. Ben Gurion setzte sich über diese unfreundlich« Haltung hinweg. In Israel jedoch hat man sie nicht wbeachtet gelassen. Man sah dar.w einen Hinweis, da°s der neue Staatssekretär schliesslich doch noch schleck!er 9ein könnte als Dulles. Tatsüchl eil hat auch das Suitedepartment nach diesen Schritten von Rusk den din o- ■matischen Vertretern der arabischen Staaten in Washington die Sicherheit gegeben. da*s die Begegnung zwischen Kennedy und Ben Gurion kei-e Aenderung der no-damerikanischen Politik innerhalb des israelisch-arabischen Konflikts bedeute. Später wurde dorn auch der Brief des Präsidenten an alle arabischen Staatsoberhäupter gesandt, in dem die Vereinigten Starten versichern, dass sie sich an die Entscheidung der UN-Kommission in der Palästina-Frage halten werden. Kurz darauf machte das St-atedepartment antiisraelische Kommentare hierzu. Einer der Funktionäre erklärte, Israel hätte besser du ran getan, die Kosten der Herstellung für seine Raket-» iiir die Zahlung von Entschädigung an die arabischen Flüchtlinge zu benutzen. Danach gab man bekannt, dacs da-; Statedepartmenj privaten nordamerikanischen Firmen erlaubt hätte, Raketen an die Vereinigte Arabische B.epublik zu „verkaul fen”, während die entsprechenden Anträge Israels zt*m Ankauf gewisser Materialien in den Vereinigten Staaten vom Statedepartment zurückgehalien worden sind. I Mit Rücksicht auf diese proarabisqhe Politik von Rusk nimmt man an, dass die Vereinigten Staaten durch solche „Sympathiebezeugungen ’ die Freundschaft Nas-! sers wieder erkaufen könnten. Das jeden.al's war schon die Theorie von Dulles. Alle dings hat Dukes in seinen letzten Lebensjahren auf Grund seiner Erfahrungen kein | Vertrauen mehr zu Nasser gehabt. Damals änderte -er | seine Haltung gegenüber Israe.. di<- schliesslich freund- | licher wurd.e Offensichtlich will Rusk aus den Erfah- 1 rungen von Dulles nicht die richtigen Lehren ziehen. wussten alle anderen beteiligten Mächte, die mit dem Irak zu handeln bereit wa- ] ren oder dir sich hinter den Irak stellen wollten, dass die Engländer keinen Spass I verstehen, wenn es ums , Geld geht. Und im Kuwait ging es sogar um sehr viel j Geld... { Kassem suchte nach Bundesgenossen. Er wollte das Rennen nicht so schnell aufgeben. Dazu war das Objekt zu gross. Das Kuwait- Petroeum in der Hand des ■Kuwait, so mussten sieh aüe Beteiligten und alle Beobachter sagen," stellt zwar : eine Quelle immensen Reichtums dar, aber keine Macht. Ganz anders wür- 1 den sich die Verhältnisse gestalten, wenn er, Kassem, wenn sein Land, die- |'se Schätze besiteen wür- ' den. dann wäre es eine Kraft, vor der andere sieh I beugan müssten. Das Kuwait - Petrols im in irakischer Hand hedeutet. die Position, die de- Irak be- | reits heute wegen seiner Erdöl - Schätze einnimmt, noch erheblich zu steigern | und. auszubauen. I Die „Diskussion” blieb ' nicht auf Kuwait, Irak und j Grossbritannien beschränkt Als nächster meldete sieh N.sser zum Streitgespräch, | denn hier ging es doch um eine Frage, die das Kräfteverhältnis im Mittleren Osten aufs stärkste beeinflusst. Dieses Kräfteverhältnis hat ohnehin in den letzten Jahren .erhebliche Aenderungen erfahren, die zu einer enormen Verschärfung der ägyptisch - irakischen Rivalität geführt haben. Aegypten und Irak haben keine gemeinsamen Grenzen, dennoch iät Ha-sj ser Kassems Nachbar seit einigen Jahren geworden, denn mit seinem halbgeglückten Schachzug der j Vereinigung Syriens und Aegyptens zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) 1 haben nunmehr VAR und ' Irak eine lange gemeinsame Grenze. Wie oft im Laufe einer jahrtausendeali ten Geschichte sind Heere über diese Grenze geflutet wie oft wurde diese Grenze j verwischt, verändert, verletzt. Und dies noch in unseren Tagen. | Kassem hat sieh durch einen Gewaltstreich an die Macht gebracht; aber Nas- |.ser auch. Kassem ist ein 1 revoltierender General, aber i Nasser auch. Kassem hat I das husseinische Königshaus I gestürzt, viel Blut wurde , vergossen. Nasser war, als sein Vorgänger Naguib den König — allerdings ohne Blutvergiessen vertrieb —- ..nur” der Motor hinter den Kulissen, in dieser Rolle ein wenig mit dem argentini- , sehen Extyrannen zu vergleichen, der auch zunächst ( unbekannt blieb, bis er sei-; ne Stunde gekommen glaabte. i Natürlich gab es zwischen Aegypten und Irak , eine alte Rivalität. Die Bibel berichtet unentwegt von I den Kämpfen zwischen dem- 1 gewaltigen Reich im Norden und dem des Südens. ¡ Dies hat sich bis in unsere ITage nicht geändert. Hus-; seini FeisaL stemmte sieh | gegen den Versuch Nassers, auch noch dem Irak wie al- I (Schluss auf Seite 2* Kühle Wahlsfimmang in Israel Tel Aviv. — Ministerpräsident Ben Gurion erklärte in einer Wahlrede vor 10.000 Zuhörern in Herzlia, das Volk Israels erfreue sich einer grösseren Freiheit als andere Völker in der We't und die Menschenrechte seien in Israel höher geachtet als in den fortgeschrittenster. Ländern. Im ganzen Lande traten die Kandidaten der verschiedenen Parteien in Wahlversammlungen auf und sprachen zi eurem Publikum, das bisher noch wenig Begeisterung für die am 15. August stattfindenden Neuwahlen b6kuiid£t, Dk; ’Redner der ^lapai p5Hhäten im allgemeinen die Verdienste ihrer Partei, während die anderen Parteien die Mapai angriffen. Der Redner der Achdut Awoda, Igal Alon, der als Komandart de: Südfront im Befreiungskrieg Hervorragendes geleistet hat, kritisierte Ben Gurion, dem er grösst Verdienste vom historischen Standpunkt zuerkannte; heute, so führte er aus, stelle Ben Gu~ lon eine schwäre Last für das Land dar Andere Oppositionsredner wandten sich gegen die Bürokratie, die die Mapai geschaffen habe und die sieh z« einer* 1 Bedrohung der Demokratie auswachse. (ITA)