Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1894 (Fragment) (18.7.1961)
- Date
- 1961-07-18
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 - 1? izq. Jûx Jemand feXújeiUa T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTE® 18 DE JULIO DE 1961 No. 1894 Befehle auf Befehl gegeben WEITERE GESTAENDNISSE Im weiteren Verlauf des ELchmann-Prozesses setzte der Generalstaatsanwalt Giden Hausner seine Verhöre fort. Eichmann machte endlich weitere Geständnisse. Er sagte: ,,Ich gebe zu, gewusst zu haben, dass durch meinen Adjutanten Günther das Gas Zyklon B übergeben worden ist.” Um dieses Eingeständnis aus Eichmann herauszuholen, musste der Generslstaatsanwalt eine Stunde hindurch mit dem Angeklagten kämpfen. Anfangs wiederholte Eichmann einmal ums andere, dass er völlig zu Unrecht angeklagt sei und die ihm zur Last gelegten Verbrechen nicht begangen habe. Eichmann wich den Fragen aus. Er beteuerte, sich an nichts mehr erinnern zu können. |Die Verantwortung für alles, was geschah, schob er | auf seine Vorgesetzten oder j seine Untergebenen. Er i selbst sei unschuldig, j Schliesslich gab er dann i doch zu, dass er gewusst I habe, dass Juden durch Gas in Massen ermordet! worden sind. Er sagte dann, j dass die Juden in Chelmno I durch Gase erstickt wur- , den, die von Lastwagenmoj toren ausströmten. I Sogleich aber fügte er j hinzu, nachdem kaum die- I ses Eingeständnis über sei- , ne Lippen gekommen war: ..Aber ich bin es nicht ge- I wesen, der diese Massnahme angeordnet hat. Es war mein Adjutant Günther, der diesen Befehl von General Müller erhalten hatte.” —• BEZIEHUNGEN ZU HOESS Anschliessend bemühte sich der Ankläger darum. Eichmanns Beziehungen zu Rudolf Hoess, dem Kom- ' mandanten des Ausrottungslagers Auschwitz anfzuklären. Hoess hat bekanntlich in den Nürnbergei und den gegen ihn geführten Prozessen Eichmann aufs schwerste belastet. Hoess | selbst ist seinerzeit als Kriegsverbrecher hingerich- | tet worden. | Hoess hatte Eichmann als i den entscheidenden Mann! für die Ausrottung der Juden bezeichnet, als den! Mann, der die ...Juden radikal und schnell liquidieren I wollte.” Eichmann begann! sofort, die Erklärung des! Hoess als unrichtig und unwahr zu bezeichnen, gab; aber schliesslich doch zu, j dass er zu Anfang des Krie- I ges eine gewisse, wenn auch unbedeutende Macht- I befugnis veranlassen und Initiativen ergreifen konnj te. Der Generalstaatsanwalt stellte dann verschiedene Fragen. Hausner: „Geben Sie zu, dass Hoess ein Verbrecher gewesen ist?” Eichmann: „Er tut mir leid.” Hausner: „Was hätten Sie denn getan, wenn man Ihnen den Befehl erteilt hätte, sechs Millionen Juden zu töten?” Eichmann: „Ich hätte mir eine Kugel durch den Kopf geschossen”. EIN FURCHTBARES VERBRECHEN Im weiteren Verlauf des Verhörs anerkannte Eichmann, dass „der nazistische Massenmord an 6 Millionen Juden eines der grössten und ekelhaftesten Verbrechen gegen die Menschheit” (Fortsetzung auf Seite 3) WIE ICH ES SEHE Maerchenland in dieser Zeit von JEHUDA GOTTHEIMER Seit kurzen Wochen füllen j auch ausserhalb der Reise- Nachrichten über das Sultaj routen, die neute in exotinat Kuwait dk; Spalten alsehe Länder in steigender ler Zeitungen. Der kleine;Zahl wissensdurstige Touriarabische Staat war das! sten bringen. Kuwait liegt Angriffsziel des benaehbar-; am Persischen Golf. Ohne ten Irak geworden. Engli-! den Bildungsgrad des Lesche Kriegschiffe sind in ‘ sers zu unterschätzen, sei Kuwait vor Anker gegan-1 gestattet, eine nähere geogen. Die übrigen arabischen ' graphische Beschreibung zu Staaten haben protestiert, | geben, weil für viele Länzunächst gegen den Irak,jder und Völker ihr geogra dann gegen die Briten Stellung genommen, die UN wurden alarmiert, die Russen legten einmal mehr ein Veto ein, die Leidenschaften schlugen höher, ein neuer Gefahrenherd war aufgebrochen, das Gespenst eines phischer Standort gleichzeitig ihr Schicksal bedeutet. Das kleine Sultanat Kuwait könnt« einem ähnlichen Los entgegensehen... Der Persische Golf ist ein Meeresarm les Indisch-Arahischen Meerbusens, der im bewaffneten Konfliktes hob | Osten die Arabische Halbinsich am dunklen Horizont sei formt, die im Westen ab Eine Nachkriegs „Friedenswelt” hat zum Norden, bis ans Kaspische Meer und die Sowjetunion reicht, befindet sich das Westufer des Golfes in Händen verschiedener Länder, des Sultanats Oman, Saudi Arabiens, Kuwaits und des Irak, um nur die wichtigsten zu nennen. Kuwait, ein winziges Land, besonders im Vergleich zu dem gewaltigen Territorij um Saudi Arabiens, das I beinahe die ganze Arabische Halbinsel ausmacht, und des Irak, liegt eingeklemmt zwisetten diesen beiden Giganten. Au der Nordfront des Persischen Golfes stossen drei Länder zusammen: Kuwait, Irak und Iran. — Diese kurze geographische Religioese Toleranz I Jerusalem. — Der Ge- | neralkonsul der USA,! Eric Wendelin, gab sei-! j ner Genugtuung über den |; polizeilichen Schutz Aus- I druck, der jetzt der Kiri che Christi und ihrem! Missions-Zentrum zuge-1 standen wurde. j Das Abkommen wurde j bei einer Zusammenkunft geschlossen, die unter j Teilnahme des Chefs des j Verwaltungs-Distrikts B. Yesaia und Vertretern d?r Polizei sowie der Missionare stattfand. — (ITA) ¡vom Roten Meer begrenzt | __ _— und w'r<f- Während die westliche Skizze dürfe einen kleinen , __sicjj < Küste des Persischen Gclfes | Eindruck vom Schauplatz ' schon daran gewöhnt, von j sicJl ausschliesslich in perj der jüngsten Geschehnisse j Zeit zu Zeit aufgesehreekt! sischer Hand befindet und j um dieses, den meisten | zu werden. In Rotationsform j die lange Ostgrenze Irans \ nicht bekannte Gebiet ver- (Persiens) vom Süden bis \ mittein. — DAS PETROLEU treten immer wieder die gleichen Probleme auf, die niemals gelöst, meist diskutiert. immer aber unerle- . , . digt bleiben. Stets werden . Ein Kampf um Kuwait bedeute nichts anderes als Forderungen aufgestellt. De-1 ^en Kampf um die reichsten Erdolque len der Erde. ,,,, ..... , , j Schon Sir Percy Sykes erklärte, die „Kontrolle über den batten geführt und Argu-, Persi3chea Golf ist gleichbedeutend mit cer Beherrmente ausgetauscht, die a.- j schung des Mittleren Ostens.” Dort liegen die grössten le schon zur Genüge kenpetroleumfelder der Erde, die bisher entdeckt worden sind. Was dies in Ziffern bedeutet, mag aus der nachstehenden Tabelle ersehen werden. ERDOELPRODUKTION DES MITTLEREN OSTENS (in Millionen metr. Tonnen! le schon zur Genüge ken nen. Mag es sich um Korea. China, Laos, Afrika oder Berlin handeln, mag der Streit über den Mittleren Osten wieder aufflammen. so'l es sich um Nordweltwelte Wirkungen ausge-; Persien 1946 1950 1952 1953 —— — — ._ 8,2 2S.2 49 5 40,5 65 19.0 27.0 10,5 32,3 1.3 1.2 1,3 2,3 2.4 2,4 1,1 1.5 1,5 1,5 — 1,6 3,2 3,9 0,8 17,3 37,6 41,5 nung der internationalen Auseinandersetzungen. Mit Kuwait ist ein neues Schlagwort gefallen. Wo liegt Kuwait? Die wenigsten Menschen verbinden mit diesem Namen eine feste Vorstellung. Kuwait existierte sozusagen bisher nicht im üblichen | Heute soll der König oder I dl Arabiens — der reichste Vokabularium des Durch- Scheik von Kuwait — und l Mann der Welt sein. Aus scbaitUmenschen: cs lag, nicht mehr der König Sauallen Berichten und Be- Oatar . Kuwait... Diese nüchternen Ziffern, die nur die Entwicklung bis 1953 anzeigen, zeigen bereits, dass Kuwait der grösste Erdölproduzent des Mittleren Ostens ist. Der sagenhafte Reichtum und die gewaltige Produktion des saudilischen Riesenreiches ist im Laufe von nur sieben Jahren von Kuwait übeifliigelt worden... Der reichste Mann Schreibungen, die über Kuwait vorliegen, geht übereinstimmend hervor, dass es sich bei diesem Mann mit einem unbegrenzten und wahrscheinlich auch nicht abschätzbaren Vermögen um eine Persönlichkeit besonderer Art handeln muss, ein Mann, der sein Geld nicht für sich und einen prunkhaften Hof ausgibt, sondern für den Aufbau eines kleinen Musterstaates. Umgeben von Ratgebern aller Nationen, unter der Leitung der hervorragendsten Fachleute der Welt auf allen möglichen Gebieten, wurde die Erdölindustrie Kuwaits trotz der gewaltigen Möglichkeiten und der starken Konkurrenz der anderen, das Erdöl produzierenden Länder, trotz der Aramco und sonstigen Erdclgesellschaften mit ihren gewaltigen Vermögen und langjährigen Erfahrungen stärker, grösser und bedeutender als die aller Nachbarn. In dem interessanten Buch der Reiseberichterstatterin Lily Abegg. einer Mitarbeiterin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, das vor einigen Jahren unter dem Titel „Neue Herren in Mittelost” erschienen ist, kann jeder nachlesen, mit welcher Planung und mit welchem Zielstreben in Kuwait au den Bau eines Musterstaates herangegangen wird, der allerdings um eine Macht in einem beinahe unbeschränkten Umfang verfügt: über Geld. In diesem Land werden keine Steuern bezahlt, denn das Oelgeld zahlt alles! Aus einem Wüstenreich zauberte das Oel Leben hervor, ein Fischerdorf, eben Kuwait, wurde zu einer ge-1 UNVERSTÄNDLICHE HALTUNG Dr. W.: — Das Kreuzverhör, dem der angeklagte frühere SS-Offizier Adolf Eichmann durch den Generalstaatsanwalt Hausner in der vergangenen Woche unterzogen worden ist, brachte einige interessante Ergebnisse. Hierbei dürften die Geständnisse Eichmanns noch nicht einmal so stark beachtenswert sein, obwohl sio für den Ausgang des Prozesses natürlich von erheblicher Bedeutung werden können. Die Haltung, die der Angekagte eingenommen hat, wirft ein vernichtendes Bild auf einen Menschen, der im Besitz der Macht gej gen seine Opfer schonungslos wütete und seine vermeintliche Ueberlegenheit deutlich zum Ausdruck brachte. I Allein die Tatsache, dass die wenigsten Eichmann ¡jemals persönlich gegenüberstanden ,ist bemerkenswert genug, obwohl dieser eigentlich unscheinbare Mann mit ungeheuren Machtbefugnissen ausgerüstet war, die er I bisher — wenn auch nicht überzeugend — bestritten hat. | Die verantwortlichen Leiter der zentralen jüdischen Or- I ganisationen und einige gezählte Personen hatten mit | Eichmann einen zwangsweise herbeigeführten Kontakt,! da er sich darum bemühte, die jüdische Führung zu ei-! nem Instrument seiner teuflischen Pläne zu machen. Eichmann war ein Mensch von einer herausfordernj den und geradezu beleidigenden Arroganz, was der I Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung sagen kann, denn er ist ihm in seinem Amtszimmer bei der Gestapo in der Prinz Albrecht Strasse zu Berlin begegnet. Damals war Eichmann noch sehr jung, versuchte eine geballte Energie auszustrahlen, sprach scharf und abgehackt, zeigte sich sehr gut in jüdischen Angelegenheiten orientiert und wollte durch überbetonten Schneid imponieren. „Wir Nationalsozialisten,,..., so sprach er. j Die Zeiten, die er als die neue Epoche der Menschheit proklamierte, sind zum Glück vorbei. Uebrig geblieben sind zu unserem Schmerz die Gräber von sechs Millionen Juden... Eichmanns Verteidigung mag vielen geschickt erscheinen. Dass er einen gewissen Intelligenzgrad erreicht hat, ist nicht zweifelhaft, c'enn unter 80 Millionen Deutschen wurde er für das Amt des Judenreferenten ausgewählt. Aber die Geschicklichkeit verbirgt doch nur schwach eine Haltung und Gesinnung, für die man nur Verachtung haben kann. Noch nicht einmal den Mut des Bekenntnisses zu seinen früheren Anschauungen beweist dieser Angeklagte, der zwar beteuert, er würde nicht um seinen Kopf kämpfen, offensichtlich aber gar kein anderes Interesse hat. Dies wäre noch menschlich verständlich, denn auch Eichmann will nicht sterben, oowohl er — nach seiner eigenen Darstellung bereits — alles dazu getan hat, um Millionen unschuldige Menschen dem Henker auszuliefern. Nun ist in der letzten Woche eine neue Note in diese entsetzliche Disharmonie hineingetragen worden. Bisher versicherte Eichmann, nur Befehlen gefolgt zu sein. Deswegen seien nach seiner Ueberzeugung nur die Vorgesetzten, Hitler, Himmler, Heydrich und Müller, für die ihm, dem unbedeutenden Eichmann, zur Last gelegten Verbrechen verantwortlich und schuldig. Jetzt aber hat er auch seine Untergebenen belastet, denen er die gleiche Verantwortung und Schuld aufzubürden bestrebt ist wie seinen ehemaligen Führern. Eine furchtbare Mentalität und Skruraellosigkeit spricht aus dieser Technik, sich selbst zu entlasten und jeden anderen dafür verantwortlich zu :nach«n. Nun will er sich sogar vom Nazismus losgesagt haben, nicht plötzlich, aber langsam .. Es ist interessant, dass Eichmann damit die Linie der Verteidigung verfolgt, die von den meisten ehemaligen Nazigrössen eingeschlagen worden ist, nachdem man sie zur Verantwortung gezogen hatte. Sie alle machen einen erbärmlichen Eindruck. Das Fazit: Dies waren I nun die grossen und mächtigen Leute, die einst ganz | Europa in Schrecken setzten, vor denen Millionen und Millionen, — und keineswegs nur Juden — zitterten. schattigen, von Emsigkeit und Initiative durchpulsten Stadt. Etwas Geschichte Die Geschichte dieses kleinen Landes begann vor 250 Jahren, als einige Stämme sich dort sesshaft machten. Die Bevölkerung widmete sich der Seefahrt und hielt Freundschaft mit den mäch- 1 tigen Engländern, die für! das kleine Land nützlich l'war, da die fanatischen Wai habiten das Land besetzen wollten. Später war das I Land nominell unter türki- ' scher Oberhoheit, aber die Türken legten keinen grossen Wert darauf, ihre Herrschaft in diesem Wüstenreich zu stabilisieren. Kurz vor der Jahrhundertj wende nahm der resierende Scheik den aus Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens fliehenden Abdur Rahm an , auf, der von seinen Gegj nern vertrieben worden war.! Er brachte seinen damais 114jährigen Sohn mit, Abdul j Aziz Ibn Saud, den späte- | ren König jenes Riesenrei- * (Schluss auf Seite 2» Enlschaedigung hier Raubgu? Rom. — Ein gütliches Entschädigungsabkomm?: für 50 Kilo Gold und 7.000 Bücher aus der Bibliothe’ , der jüdischen Gemeinde von Rom, unter denen sic ( Inkunabeln und andere Manuskripte voii unschützbr I rem Wert befanden, welche von der SS aus Rom in Oktober 1943 als „Steuer” fortgeschafft wurden, N beim Zivilgericht in Berlin vom Vertreter des den* sehen Finanzministeiums unterzeichnet worden. Der Vergleich wurde nach zweijährigen Verhandlungen über den erhobenen Anspruch abgsschlosser und bestimmt eine Entschädigung von viereir.half , Millionen Mark, vor. denen die Hälfte setort zahlbaist. Der Rest wird beglicl ert werden, wenn die nov- ■ wendigen Fonds gesetzlich bereitgestellt sind. Die italienischen jüdischen Kreise erklärten sich von dieser Entschädigung befriedigt, die sie als angemessen bezeichneten. Nach Aussagen des frühere. SS-Obersten Kappler und seines italienischen Anwalts Taddei wurde das Gold der jüdischen Gemeinde vor Rom im Jahre 1945 ln Schlesien gefunden, wobei 7 Kilo fehlten. Sein heutiger Aufbewahrungsort ist ur bekannt. Die Bücher sind niemals wieder taucht. (ITA) Í