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Jüdische Wochenschau · 1961-07-11 · 1892 (11.7.1961) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1892 (11.7.1961)
Date
1961-07-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German, Spanish
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ke muss vor Gericht” von Regierungsrat Dr. GEEISTER RASCHEIS!>er Verfasser, Regierungsrat in der Nicdrrsäch- »isehen Staatsverwaltung, erstattete am .10. Januar J!f61 nicht nur gegen seinen unmittelbaren Dienst- Vfcrgesetzten, d:n Präsidenten Pr. Knost in Braunsehweig, Strafanzeige in Sachen Judenverfolgung (woriiber hier ausführlich berichtet wurde), sondern »ueh gegen Pr. Adenauers Staatssekretär Pr. Hans Gicbke wegen dringenden Verdachts der Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit usw. Diese Strafanzeige war am 21. 3. 1961 noch immer nicht bearbeitet. Anscheinend macht es rieht vi: 1 aus in der Bundesrepublik, wenn einer ihrer nächsten Berufsbeamten von einem klein°n Regierungsrat des Verbrechens bezichtigt wird. Am Vorabend des Eichmann - Prozesses bewegte sich ein grosser Schweigemarsch von Israelis durch die Strassen von Tel Aviv. Diese Männer und Frauen waren Eichmann und seinen Kumpanen entkommen, unter unbeschreiblichen Aengsten und Entbehrungen. Auf einigen ihrer Transpartente kn Zuge war auch zu lesen: ..Globke muss vor Gericht!" Die Ermittlungsverfahren gegen Dr. Globke beim Herrn Oberstaatsanwalt Dr. Drtigh und seinem Sachberater, Staatsanwalt Topf kommt aber nicht weiter. Inzwischen hat ..Die Zeit"’ sich sogar zweimal ausführlich bemüht. Herrn Globke zu einer Art von Widerstandskämpfer zu machen. Er habe die katholische Kirche ständig über die Vorgänge im XS-Reichsinnenministzrium unterrichtet. Welchen Erfolg diese Unterrichtung des Bischofs von Berlin tatsächlich gehabt hat. erfährt niemand Es ist darum immer wieder notwendig den gznerellen Reden die konkreten Tatsachen eTgegenzustellen. Was hat der hohe Ministerialbeamte des gehenkten Reichsministers Frick nun wirklich getan, ir seiner Eigenschaft als angeblich treuer Katholik und Demokrat? ..Was deutsch ist und was dem deutschen Volk und Reich miOt oder schadet, kann nur der Blutsverwandte rmpfinden. wissen und daher auch bestimmen.” Dieses Bekenntnis zu einer rassisch fundierten Ethik könnte von Rosenberg oder von Hitler selbst stammen. Er schlägt allen christliches Grundsätzen ins Gesicht. Es stammt aber von unserem .Widerstandskämpfer’. So schrieb der damalige Oberregierungsrat Dr. Hans Globke auf der Seite 25 seines Kommentars zu den Nürnberger Blutgesotzen. Vor aller Augen propagierte H"rr Globke den Glauben an die Wunderkraft des 'irischen Blutes ,.Die Ra se prägt des Merschen geistiges Gesicht nicht weniger als seine äussere Gestalt. Sie bestimmt •seine Gedanken und Empfindungen, Kräfte und Triebe. Sie macht seine Eigenart, sein Weses aus 'S. 10 > — ..Die Sünde wider Blut und Rasse isi die Erbsünde dieser Veit und das Ende einer sich ihr ergebenden Menschheit. ’. Mit diesen fulminanten Worten Hitlers, seines allerhöchsten Dienstvorgesetzter begründete Dr. Globke die grausa men Strafen für die ,.Rassenschaden'’. 'S. 14). Der Jude ist für ihn ein ..Fremdkörper” ..Der Jude ist uns völlig fremd nach Blut und YVe- Das Leo Baeck Institut sacht folgende Jahrgänge der ZEITSCHRIFT IM DEUTSCHEN REICH 4. Jahrgang. 1898 5. Jahrgang. 1899 6. Jahrgang. 1900 18. Jahrgang. 1912 28. Jahrgang. 1922 Wer diese Jahrgänge besitzt oder wer auch nur einen der genannten Bände hat, wird gebeten, der Redaktion der JUEDISCHEN WOCHENSCHAU hiervon Mitteilung zu maehen (Buenos Aires, Pueyrredon 2190, Tel.: 83-2613) PUBLIKATIONEN DES LEO BAECK INSTITUTES SCHRIFTENREIHE WISSENSCHAFTLICHER ABHANDLUNGEN DES LEO BAECK INSTITUTES J. C. *. MOHR (PAUL SIEBECK) TU EBINGEN SOEBEN ERSCHIENEN: Year Book V I960 — VOM L.B.-IHSTITUT HERAUSGEGEBEN: BY THE EAST AND WEST LIBRARY, LONDON mit einer Fülle hervorragender Beitrage in englischer und deutscher Sprache. (416 Seiten) sen. Deshalb ist die Dissimilation die einzig mögliche Lösung.” (S. 17). Und die Dissimilation ist laut Brockhaus Entähnlichung oder Ausstossung! Dem Kommentator Globke ging es um den Schutz der deutschen Edelrasse, ,,um die Erhaltung derjenigen Urelemente, die als Kultur spendend die Schönheit und Würde eines höheren Menschentums schaffen ” (S.7). — ..Der Nationalsozialismus lebt” — wie RePhsminisier Dr. Frick sagt — ..aus der mächligs*en Tradition, die es auf Erden gibt: aus der Ewig- «e:t des sich immer wieder erneuernden Volkes.” (S. 21'. Während Dr. Globke seinem neuen Vorgesetzten einen Ehrenplatz zuweist, dis'anziert er sieh gleichzeitig von den alten, denen er vor 1933 diente D:e freiheitlichen Grundrechte der Weimarer Verfassung unter seinem Parteifreund Brüning 'Zentrum) bezeichnet er mit wegwerfender Geringschätzung als ..die sogenannten Sfaatsbürgerrechte”. Er schreibt z. B. wörtlich: ..In jeder Verfassung spielten die sogenannten Grundrechte eine hervorragende Rol- , le . Vor allem wurde der Grundsatz der Gleichheit aller auf das Peinlichste gewahrt ” (S. 21). Diese Grundsätze sind für ihn kein Recht. . Das rassische Denken des Nationalsozialismus oedeutet eine Abkehr von dem liberalistischen Grundsatz von der Gleichheit aller Menschen. Volk und Staat können nur gedeihen, wenn d'e besten Kräfte führen urd wenn sie stark genug sind um führen zu könn:n und sieh in der Führuntr zu halten 'S. 3.3)-..I>on r^-Ivi-on von der Gleichheit aller Menschen .. setzt Cer Nationalsozialismus die harten, aber notwendigen Erkenntnisse von der naturgesetzlichen Ungleichheit und Verschiedenarfigkeit der Menschen entgegen. Aus Cer Verschiedenartigkeit der Rassen. Völker und Menschen folgen zwangsläufig Unterscheidungen in den Rechten und Pflichten der einzelnen.” Mit dieser These von den ..Unterscheidungen in den Rechten” wurden unsere jüdischen Mitbürger zu Fremdlingen und Heimatvertriebenen gemacht, verfemt, schikaniert misshandelt. ausgepliindert, dann in die KZ abgeführt und umgebracht. als unähnliche und uns völlig fremde Wesen. Mit dieser These von der zwangsläufigen Unterscheidung in c’en Rechten der einzelnen Rassen wurden die Völker des Ostens überfallen, wurde Warschau zerbombt und die Zivilbevölkerung unter den Trümmern begraben. Mit dieser These von der Ungleichheit der Rassen wurden die Bewohner unserer stolzen Eroberungen. unserer Protektorate und Reichskommissariate von ihren Höhen und Gütern gejagt, aus ihrer Heimat vertrieben und in die deutschen Fremdarbeiterlager gebracht Dr. Globke hatte dafür schon 1936 die juristische Legitimation erarbeitet: zwangsläufig kein gleiches Recht: was nützt oder schadet, kann nur der Blutverwandte empfinden, wissen und daher auch bestimmen. Und die Blutsverwandten haben hier bestimmt, dass uns Hören und Sehen verging! Nun hat ,,DIe Zeit” ein langes Interview mit Dr. Globke veröffentlicht. Darin schildert der Staatssekretär 1 ~.V seine ,,antinationalsozialistische Tätigkeit” im Reichsinnenministerium: ..Ich erhielt den Schein aufrecht, der zur Fortführung meines Amtes notwendig war... Radikalen Fanatikern wollte ich meinen Platz’ nicht freimachen Aber auch ein radikaler Fanatiker hätte seinen Kommentar nicht wirkungsvoller schreiben können. Dass dies ein früherer Anhänger des Reichskanzlers Brüning tat. ein Mann des alten Regimes, war besonders eindrucksvoll. Und niemand hat Dr. Globke gezwungen. diese Propaganda zu treiben. Nicht einmal er selbst behauptet dies. In dem Interview erklärte Dr. Globke: ..Man kann ein totalitäres Regime zon aussen und von innen bekämpfen. Wer das letztere tut. kann sich, das liegt doch auf der Hand, gegen d n übermächtigen Gegner nur mit List halten. Aus dieser List darf man ihm billigerweise später keinen Vcrwurf machen ” War der Kommentar aber eine List? Seine damaligen Diens'vorgesetzten also drei oder vier Personen, mögen vielleicht durch die Geschicklichkeit der Argumentation überlistet worden sein. Was. aber ging in den Köpfen der Tausenden und Abertausenden der Leser seines Kommentars vor? Dr. Globkes Kommentar stand genau n'-un Jahre lang in den Bibliotheken der Universitäten, der juristischen Seminare und der Gerichte. Die studentische .Tugend, die angehesden Juristen des Deutschen Reiches, die Gerichtsreferenlasen _ iiih, euer so” ‘uie iier-’„ ren Staatsanwälte und Strafrichter. Je.es einzelne Buch wurde von unzähligen Personen zu Rate gezogen, gelesen und studiert. So träufelte auch an dieser entscheidenden Stelle das Gift des Rassenwahns in die Herzen und Hirne Niemand von diesen Lesern vermochte zu erkennen. dass dieses begeisternd werbende Buch des Herrn Oberregierungsrats und seine, Staatsekretärs aus List von einem Gegner des Nationalsozialismus geschrieben wurde. Diese Menschen wurden nicht überlistet, sondern ganz einfach getäuscht. Und für diese Täuschung strich Herr Globke > das Honorar ein! Da sollte niemand betrogen worden sein? Darf man bei Zehntausenden der Elite des Volkes die Welle des Wahns steigern, nur um vielleicht einigen katholischen Juden helfen 7,u können? Hier rückt die spektakuläre List des höchsten Berufsbeamten der Bundesrepublik in einen Bezirk hinein. den man nicht anzudeuten wagt, solange er noch im Amt ist und uns Bürger vor aller Welt repräsentiert. Die Transparente von Tel Aviv: ..Globke muss vor das Gericht!” erscheinen nicht ganz unberechtigt. Wer die Dissimilation der Fremdkörper und Rassenschänder vor Hunderttausenden von Juristen propagierte, war ein Vorarbeiter und Handlanger Eichmanns. Die katholische Kirche mag ihm inzwischen Absolution erteilt haben. Seine staatsbürgerliche Verantwortung steht aber auf einem anderen Blatt, denn ohne diese ..listigen” Reden und Schrittes hätten die Eichmänner nicht handeln können. (Aus einer deutschen Zeitung) HARTUMS .Ule blienstrlientien fifiucuaitSea einer deutschen Z'ilung entnommen, die sie unter der Ueberschrift ,.Dr. Hans Globke - ein Symbol der unbewiiltigten Gegenwart” veröffentlicht hat. Die Zeitung bemerkt in einem Untertitel „Vom Juder.experten im Dritten Reit h zum Staatssekretär im Bontrh Verfahren mrl Bonn. — Der leitende Bonner Oberstaatsanwalt hat Ende Mai das Ermittlungsverfahren gegen Staatssekretär Globke, gegen Ministerialrat Massfeller und gegen den Oberregierungserat zur Wiederverwendung Eekelberg eingestellt. Damit sind die Vorwürfe, die drei Beamten hätten sich während des Krieges in Griechenland an Judenverfolgungen beteiligt, in sich zusammengebrochen, Auch der Vorwurf, Globke habe Kontakt mit dem ehemaligen SS-Obersturmbanniiihrer Adolf Eichmann unterhalten, konnte nicht aufrechterhalten werden. Alle drei Beamte sind durch den Einstellungsbeschluss des Gerichtes — der 80 Seiten umfassj - von den auf ihnen lastenden schweren Angriffen befreit und öffentlich rehabilitiert. In einer Erklärung der J«siizpressestelle beim Landgericht Bonn heisst es das Verfahren, das der Frankfurter neralstaatsanvait Dr. Fritz Bauer am 15 Bonn abgegeben habe, gehe auf VorwgrI f? von Rechtsanwalt Dr. Merten 'Berlin) zurück, der behauptet hatte die drei ge. nannten Beamten hätten sich an jU(]en. Verfolgungen in Griechenland beteilig) Merten wird sich demnächst in «n^m gegen ihn von der Staatsanwaltschaft ejn. geleiteten Verfahren wegen falscher Anschuldigungen verantworten müssen. Nach dem Ermittlungsverfahren der Bonner Staatsanwaltschaft, das Staatsanwalt Pfromm bearbeitet hat. besteht der drin. gende Verdacht, dass Merten falsche Angaben gemacht hat. Es muss ausserdem damit gerechnet wdrden, dass »ach der Einstellung des Verfahrens gegen Globke der Bundeskanzler in vVahrung Seiner Fürscrgepflicht. für den ihm unterstellten Beamten Globke gegen Merten ebenen Strafanzeige wegen falscher Anschuß stellen und in einem Strafverfahren Nebenkläger aufireten wird. Merten hatte behauptet. Globke sich in einem Telefongespräch mit Ei^, man Plan Eine warn Erk] Erm gerii der gen wert und ehe ke s Reit E Ben- Merl Salo: rem sei i will lin g von von ben. D Eins! best: dass 1943 griec Fluc "'as Unri Yory (lass Reic ihre sei. E G her, liehii licht von «ste

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