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Jüdische Wochenschau · 1961-07-04 · 1890 (4.7.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1890 (4.7.1961)
Date
1961-07-04
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO P4GADO Concesión 90S < £ TARIFA REDI CIDA Concesión 162S ISRAELITA Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 4 DE JULIO DE 1961 No. 1990 EL EJEMPLAR! en toda la Rapùblir.tfji m Bueno* Aires PUEYRREDON 2190 1» isq. T. E. 83 . 2613 ichmann verteidigt sich m onoton (Schluss von Seite 1/ habe d r Delegation des Roten Kreuzes erklärt, sein oberster Vorgesetzte, Heinrich Himmler, habe zu der Zeit di; Möglichkeit erwogen menschlichere Methoden anzuwenden. ’ Dieser Mitteilung war hinzugefügt worden, dass . Eichmann persönlich diesen Standpunkt nicht ganz teilt, doch als guter Solda^ dem Befehl natürlich blind Folge leisten wird.” Zu diesem kompromittierenden Dokument beeilte scii Eichmann zu versichern: ..Dies entspricht nicht der Wahrheit. Ich habe eine derartige Erklärung rieht gemacht und kann das gar nicht gesagt hauen, denn ich hätte niemals dar-' an gedacht, meine Vorgesetzten noch dazu in Anwesenheit von Fremden zu ’kritisieren.” Der Anwalt legte im folgenden verschiedene Dokumente vor. die schon die Staatsanwaltschaft präsentiert hatte. Darin wird Eichmann im Zusammenhang mit den antijüdischen Massnahmen in Frankreich, Belgien unj Luxemburg genannt. Auf jede dieser Be-1 schuldigungen hatte Eichmann di; gleiche Antwort: ..Meine Dienstelie in Berlin war nur der Knotenpunkt für die Weiterleitung von Befehlen und Korrespondenz ” NOCH EIN SCHULDIGER Dis Verantwortlichkeit für die Verfolgungen und die darauf folgende Deportation defranzösischen Juden in die Todeslager wurde von: Eichmann auf Otto Abetz den damaligen deutschen Botschafter in Frankreich, I abgewälzt. ..Sämtliche Poli-1 ze’befehle konnten nur mit der Genehmigung von Abetz in Kraft treten” sagte Eich-1 mann, und er sei „nur in Aktion getreten, als es sich darum gehandelt hat, die j Transporte zusammenzu-j stellen.” Dagegen gab er zu, dass die in einem anderer, Dokument enthaltenenj Angaben der Wahrheit entsprechen. Dieses äusserst be.as'enc’e Schriftstück beinhaltet im einzelnen die von seinem Büro erlassenen , Vorschriften für die Deportierung jüdischer Kinder aus Frankreich in die Lager in Polen. Allerdings behauptete Eichmann auch hier wie immer, nicht er habe die Entscheidung gefällt. sondern diese sei „von oben” gekommen S;in Verteidiger stellte keine weiteren Fragen. BEFEHLE VON „OBEN” Der eigentlich; Verantwortliche für Judenfragen in Frankreich so führte Eichmann aus. sei der SS- Hauptmann Theodor Dannecker gewesen. Dieser Danr.ecker ist von der Staatsanwaltschaft als Stellvertreter Eichmanns identifiziert worden. Nach Eichmanns Version hat Dannekker das Büro Eichmanns um Instruktionen ersucht, was mit den Kindern geschehen solle. Aus den Dokumenten geht hervor, dass Eichmann ein Memorandum für Dannecker vorbereitete, in dem er ihm Anweisungen erteilte, dass „sobald die Deportationen nach Polen wieder aufgenommen werden, die Züge mit den Kindern abgehen können.” Eiehmarrn setzte auseinander. weder er noch sein Chef Heinrich Müller hätten gewusst, was sie mit den jüdischen Kindern anfangen sollten, und Miiller habe es übernommen, Anweisungen von „oben” einzuholen. Er fügte hinzu, er habe Dannecker den Fall erst übergeben. nachdem er „hörere Befehle” erhalten habe. Um dies zu beweisen, behauptete er, es ssien elf Tage zwischen der Anfrage Dannekkers und der Antwort eines Büros vergangen, denn „hätte ich die Entscheidung aus eigenem Ermessen getroffen, so wäre die Verfügung sofort ergangen.’ HIMMLER TRAEGT DIE SCHULD Himmler persönlich habe im Oktober 1940 Sonderlager für nichtfranzösische Juden in der besetzten Zone Frankreichs einrichten lassen, wie Eichmaan auf Fragen seines Verteidigers ausführte. Himmler sei es auch gewesen, der im März DIE WAHLKAMPAGNE IN ISRAEL Tel Aviv. — Die Parteiführer waren eifrig bemüht, ihre Listen fertigzustellen, die vor einigen Tagen für die am 15. August stattfindenden Wahlen präsentiert werden mussten. Die Schwierigkeit stand in den Verhandlungen mi{ den einzelnen Kandidaten, die ihre Namen an einer „sicheren Stelle” zu sehen wünschten. Nach dem neuen israelischen Wahlgesetz stimmen die Wähler nach Listen und nicht für die Kandidaten, deren Vertretung proportionell auf das ganze Land verteilt ist. Je weiter oben der Name eines Kandidaten auf der Liste figuriert, um so grösser sind seine Aussichten, gewählt zu werden. Bei den letzten Wahlveranstaltungen bestand das Hauptthema der Redner in Angriffen auf die gegnerischen Parteien. Nur die Redner der Mapai befassten sieh auch mit anderen Problemen wie Fragen der Landessicherheit mit besonderem Hinweis auf die jüngsten syrischen Angritfe. (ITA) 1942 den Befehl zu den Deportationen nach Auschwitz gab. Der Befehl zur Massenaussiedlung sei im Juni 1942 direkt von Himmler erteilt worden. Dieser Befehl bezog sich auf eine runde Zahl, und es sei Müller, der Chef der Abteilung IV gewesen, der dann für jedes Land die „Beiträge” festsetzte: Belgien und Holl land 15.000, Frankreich 100.000 Juden. Eichmann blieb dabei, dass er sieh darauf be- ' schränkt habe, die Einzelheiten der Ausführung des Befehls anzuordnen. Zu Ende des gleichen Monat-: Juni 1942 habe Himmler die Ermordung Heydrichs , in Böhmen als Vorwand benutzt, um radikale Massnahmen zu befehlen. Dieses Mal solten alle Juden aus ‘ Frankreich ohne Ausnahme , deportiert werden. Auch hier habe er, Eichmann, , nur Befehle höherer Stellen j durchgeführt. Wie man sieht, weicht Eichmann in keinem Augenblick von sei- | ner Linie ab, dass er nichts als ein Befehlsempfänger war und nur Befehlen ge- ( horcht hat. ER LEUGNET WEITER | Auch am neunten Tag seiner Vernehmung als Zeuge stellte Eichmann jegliche I Schuld in Abrede. Mit der Ausrottung von hunderttausenden Juden aus Holland, l Belgien. Dänemark, Norwegen und anderen Ländern habe er absolut nichts zu tun gehabt, sagte de^ Angei klagte. Er wies den Vor- : wurf zurück, der verant- I wörtliche Leiter der Ausrottungsmassnahmen ge weisen zu sein, die gegen die holländischen Juden gerichtet waren. Hierfür sind nach I Eichmann nur Himmler als 1 Chef der Gestapo, sein uni mitteibarer Vorgesetzter i General Heinrich Müller I und der Hohe Kommissar der Nazis für die Niederlande, Arthur Seyss-Inquart, verantwortlich. Er, Eich- I mann, habe mit der ganzen Sache nichts zu tur gehabt... I Der Anwalt Servatius legte eine Reihe von Dokumenten vor, aus denen sich die Verantwortlichkeit von Himmler und Seyss-Inquart für das Schicksal der holländischen Juden ergibt. Der Angeklagte gab dann zu, im Jahre 1943 nach Holland gefahren zu sein, um einen Konflikt über die Deportation jüdischer Spezialarbeiter zu untersuchen, die in Ausrottungslager geschickt werden sollten. Dann fügte er hinzu, er habe diese Untersuchungen nur eingeleitet, um seine Vorgesetzten genau informieren zu können, denen die Entscheidung des Konflikts obgelegen habe. . Denn auf | j meine eigene Verantwortung 1 | durfte ich keine Entscheij | düngen fällen”, fügte Eich | ( mann hinzu. Der Angeklagte wurde dann über einen Vorgang befragt, der sich aus einem Dokument ergibt, das von der Anklagebahörde vorgelegt worden war. Danach war Eichmann für die Räumung eines Gebäudes verantwortlich, in dem sich ein Sanatorium für gemütskranke Juden befunden hat. Auf seinen Befehl hin musste dieses Haus für die Ge- ' stapo freigemach-: werden. 1 Die Kranken wurden sofort . deportiert. Eichmann entjgegnete, dass diese Massnahme von Seyss-Inquart ' und dem Chef der Gestapo j in Holland, General Hans Rauter, veranlasst worden ' ist. „Danach, so sagte Eich- 1 mann, war alles, was Seyss- : Inquart und Rauter noch ¡ brauchten, ein Zug für die ¡Deportation. Meine Arbeit , bestand darin, die Verbin-; düng mit dem Transportmi-! nisterium aufzunehmen, um für die Bereitstellung des Zuges zu sorgen. Das war meine ganze Teilnahme in dieser Aktion.” EICHMANN UNSCHULDIG Dr. Servatius bemühte sich, auch die Unschuld Eichmanns am Tod der Juden in Belgien, Dänemark j und Norwegen zu beweisen. ( Der Abtransport der belgii sehen Juden sei eine Ange- J legenheit des Auswärtigen Amtes gewesen.! Für das Schicksal der Juden in Dänemark seien I nach Eichmann verantwortlich: Aussenminister von Ribbentrop, der deutsche j Zivilbeauftrage für Dänei mark Werner Brest, der Nazi-Polizeichef und wiederum sein unmittelbar Vorgesetzter, General Müller. Eichmann führte dann aus, es sei ihm anbefohlen worden, nach Dänemark zu gehen. Er sei aber dort angekommen, als schon nichts I mehr zu tun geblieben wäre, Denn 6.000 dänische Ju- ' den seien durch eine geheij me Aktion gerettet worden. Nur einige hundert Juden ' sind in Kopenhagen in die Hände der Nazis gefallen. Eichmann gab dann zu, dass einer seiner Adjutanten, Rolf Günther, nach Kopenhagen gefahren sei, um diese Juden zu liquidieren. Aber auch das sei nicht auf seinen Befehl hin geschehen, sondern auf eine direkte Anweisung Müllers. Eichmann erzählte dann, dass Hitler und Himmler wild geworden seien, als sie; von der Rettung der dänij sehen Juden nach Schweden ¡erfuhren. Er fügte dann er- I gänzend hinzu, dass er die- I se Information aus zweiter Hand erhalten hätte, j Auf Vorhalt bemerkte Eichmann, er sei nur nach ¡Kopenhagen gefahren, um I mit den verantwortlichen i Vertretern der Besatzungs- Ibehörde zu sprechen, da die SS über das Scheitern | der aus Berlin gegebenen ' Befehle ausserordentlich , aufgebracht gewesen ist. | Ueber das Schicksal der j norwegischen Juden äusser- I te sich Eichmann nicht, wohl aber legte Servatius j einige Dokumente vor, die ' ergeben sollten dass deren ¡Deportation auf Veranlassung des Auswärtigen Am- I tec erfolet sei. Auch die . deutsche Marine habe die ¡Deportation dieser Juden i verlangt. j Wie in allen anderen Fra-! gen leugnete Eichmann jegj liehe Beteiligung oder Ver- : antwortung am Schicksal der serbischen Juden, obj wohl hierüber klare Dokumente vorliegen. „ERSCHIESST DIE JUDEN!” Jerusalem. — Die Verteidigung des Angeklagten wurde durch ein weiteres Dokument erschwert, das schon früher von der Staatsanwaltschaft vorgelegt worden war. Es handelt sich um ein Schreiben des nazistischen Auswärtigen Amtes, in dem die sofortige Deportation der serbischen Juden in das Generalgouvernement Polen verfüg^ wird, da es unmöglich war, genügend Aufseher für die Lager zu stellen, die eine direkte Bedrohung für die Heereseinheiten bildeten. Ueber dieses Schreiben heisst es in einer handschriftlichen Not« des Beamten des Auswärtigen Amtes Franz Rademacher: „Obersturmbannführer Adolf Eichmann vom Büro 4-B-IV sagt, es sei unmöglich, die Transporte in das Generalgouvernement durchzuführen”, und in einer anderen Anmerkung: „Eichmann sagt, man soll die Juden erschlossen.” Schon vorher hatte der Staatsanwalt die Erklärung Rademachers vorgelegt, die dieser nach dem Kriege abgegeben hat. Darin berichtete Rademacher, er habe die Anmerkung während einer telefonischen Unterhaltung mit Eichmann geschrieben der Brn darauf hingewiesen hatte, dass es Sache der Armee sei, die Ordnung in Serbien aufrecht zu erhalten, weshalb die rebellischen Juden erschossen werden müssten. Als Rademacher seine Frage, was denn nun mit den Juden geschehen solle, nochmals wiederholte, habe Eichmann kurz entgegnet: „Erschiesst sie!” und den Hörer abgehängt. Rademacher hatte seine Aussage nach Beendigung des Krieges gemacht. Eichmann leugnete rundweg, jemals diesen Rat erteilt zu haben. Zum Beweis erwähnte er wieder den komplizierten Apparat der Bürokratie, so wie er sie darzustellen beliebt, und führte aus, dass er erstens nicht bevollmächtigt gewesen sei, derartige Ratschläge zu erteilen, und zweitens seien Dinge von geringerer Wichtigkeit zwischen dem Auswärtigen Amt und dem j Reichssipherheitsamt durch i Notenwechsel erledigt wor- , den, so dass es unmöglich j gewesen sei, dass eine; Massnahme von solcher | Tragweite durch ein blosses | Telefongespräch beschlos-; sen werden konnte.! Die gleiche Linie hielt der ¡Angeklagte im Fall der Juden von Kroatien und Grie-! chenland ein und behaupte- I te zu seiner Verteidigung, I alle Operationen, die die j Juden betrafen, seien von | den höchsten Dienstellen zusammen mit den betreffenden Lokalbehörden verfügt worden. Die antijüdischea Massnahmen seien schon fest gelegt gewesen, wenn er, oder ein Mitglied seiner Dienstelle auf dem Schauplatz erschienen seien. SERVATIUS GREIFT EIN Dr. Servatius zählte auch j Fälle auf, in denen wie z.B. in Saloniki der Militärkom- | mandant antijüdische Mass-! nahmen aus eigener Macht- I Vollkommenheit getroffen (habe, wozu auch die Verhaftung von Geiseln gehörte,. die mit Erschiessung bedroht wurden. Vor Abschluss der letzten Verhandlung am vorigen Wochenende teilte General- I Staatsanwalt Gideon Haus- : ner dem Gericht mit, dass j die Staatsanwaltschaft be- , reit sei, Eichmann nochmals in eigener Verteidigung zu verhören und dies sowohl in Vormittagswie Nachmittags-Sitzungen, sobald Servatius in der nächsten Woche sein Material gesichtet habe. Beglaubigung überreicht Johannesburg. — Der neue israelische Gesandte in der Südafrikanischen Union, Shncha Pratt. hat vor kur- ’ zem sein Beglaubigungsschreiben überreicht. (ITA) Kommandant der Panzeitruppen Tel Aviv. — David Elazar, der aus dei Aliat Hanoar hervorgegangen ist, wurde zum Kommandanten der israelischen Panzertruppen an der Stelle von Brigadier Chaim Bar Lew ernannt, da dieser eine zweijährige Studienreise in die Vereinigten Staaten unternimmt. Elazar, der 1925 in Jugoslawien geboren wurde, kam im Jahre 1946 nach Israel als Mitglied der Jugendalija. Er trat in die Palmach ein und nahm an den Kämpfen vor der Staatsgründung teil. Später ging er in die reguläre Armee über und stieg im Sinai-Feldzug im Jahre 1936 zum Brigade-Kommandanten auf. , Die Panzertruppen, die er jetzt befehltigt. wurden durch die Einführung neuer englischer Centurion-Tanks und modernisierter nordamerikaniseher Sherman-Tanks verstärkt. (ITA) Registre de la Propiedad Intelectual No 656 635

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