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Jüdische Wochenschau · 1961-06-30 · 1889 (30.6.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1889 (30.6.1961)
Date
1961-06-30
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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£ es IK AN QU t. O PAGADO Concesión 90S <£ TARIFA REDUCIDA I Concesión 1629 Ano XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 30 DE JUNIO DE 1961 No. 1889 EL EJEMPLAR en toda la Rapublici Bueno« Aire* PUEYRREDON 2190 1? T. E 83 - 2813 4, Eichmann: Nur die anderen sind verantwortlich WANNSEE-KONFERENZ mann jedoch at. die ent- „ _ . . sprechenden Zirkulare für WZ“ B.e*r zwe;,e,n die Konferenz abgefasst zu Woche in der Eichmann als haben. Wenn er sie unter- Entiastungszeuse in seinem schrieben hätte so sei dies eigenen Prozess auftntt,: auf Befehl vor. Heydrich »piach er uoer diei Wann-: geschehen. Er sei ohne sein sceonerenz, aut der be-'ZutUn zum peterenten fiir kannthch die „Endlosung jüdische Fragen von Hey 6er Judenfrage beschlosdrich bestimmt worden, sen worden ist. die ~ ndlö- Hev-trich seinerseits habe sung, die mp nüchternen Befehle von Göring bekom- W orten die physische Ausj men. _ Der Angeklagte rottung aller europäischen getz,e dann ine weit. Juden bedeutete. Eichmann schweifigen Ausführungen e klarte, dass d-e ..Hohen über die Funktionen der Pnestei des Nazismus einzelnen Nazibonzen und sich aussrrordentlich beder verschiedenen Sparten friedigt. manche sogar der Gestapo fort glücklich über die Ergeb-1 nisse der Konferenz geäu- FRAGEN DES ssert haben. Er selbst habe VORSITZENDEN sich allerdings unbehaglich . bei dieser Konferenz und I Der Präsident des Ge deren Ergebnissen gefühlt, richtshofes befragte dann da er sich in der Rolle des den Angeklagten über die Pontius Pilatus sah. j Sterilisierungen urd die ver- Sein eigener Beitrag zu schiedenen. an luden vorgedieser Konferenz, so sagte nnmmenen Experimente, der Angeklagte, habe sich Eichmann erwiderte, er und darauf beschränkt, die Daseire Abteilung hätten sich ten für die Rede Heydrichs; mit diesen “Angelegenheiten bereit zu steilen und die i nicht beschäftigt. All» diese Debatten zu protokollie- [ Versuche seien von Himmren Die Einzelheiten für 1er selbst angeordnet wordu Endlösung der Judenfra-, den. Das Material würde ge waren bereits vor der j ihn belasten, meinte Eich- Konferenz in grossen Ztimann, aber aas Büro gen. mitunter sogar bis in , Himmlers habe einige der die Einzelheiten vorbereitet, | Beamten seines. Eichmanns besonders nach dem Be- Büros, einfach mp diesen ginn des Feldzuges gegen Aufgaben beauftragt, ohne Russland. Darnif sagte Eich-, ihn überhaupt zu fragen, mann wö flieh: ¡Auf die ..Sondermissionen” „Alle Staatssekretäre, ohhabe er. Eichmann, nicht ne jede Ausnahme, haben den geringsten Einfluss gegewusst, was unter der habt. Diese Darstellung sei „Endlösung der Judenfraauch von Dr W. Huppenge” verstanden werden , kothen in Oesterreich bestämusste. Buhler und Stuk-1 tigt worden, sagte Eichkart waren geradezu enthumann mit einer Stimme, aus siasmiert.” j der eine gewisse Erleichte- Dann erklärte der Ange-1 rung 'nerausklang. klagte, er habe von dem Auf Vorhalten äusserte Augenblick as. als diese sich Eichmann zu dem Vor- Entscheidung getroffen war,! wurf, dass er Skelette für nichts anderes zu tun ver- ,.wiSenschaftliche” Zwecke1 mocht als zu gehorchen. Er geliefert habe. Der Naziseibst war auch zufrieden,; arzt sievers sammelte für dass endlich eine Lösung i ejn sogenanntes Institut für gefunden war. nachdem er Rassen - Forschungen in doch so viele Versuche gestrassburg Skelette und macht habe, eine gemässig-1 Schädel .jiidisch-boischewi-; te Lösung durchzuführen. I stiScher’ Kommissare. Eich-1 „n -\fiTQCTir f'i-’itfrtRrupv mann bestritt diese Fakten. ER MUSSTE GEHORCHEN Er Mgte; Jch kann mich Eichmann unterstrich, auf nichts entsinnen. Ich dass er keine andere Möghatte nicht die Konzentralicr.keit gehabt habe, als tionslager unter mir. Das den Befehlen nachzukomergibt sich aus dem allgemeinen Aufbau der Lager „Ich sage dies nicht desselbst.” wegen, weil ich mich jetzt j Das Gericht fragte dann, vor einem israelischen Triob Eichmann etwas mit bunal befinde. Ich haoe der. „zwangsweise erfolgten dasselbe bereits einem j Schenkungen” zu tun gehabt Journalisten in Buenos Ai-1 habe. Eichmann meinte, res erklärt, als ich noch. hierbei habe es sich ledig-! nicht ahnen konnte, dass . lieh um Massnahmen loka-: ich eines Tages vor Ihnen | ler Behörden gehandelt, stehen werde.’ — ¡die Angst hatten, die Juden Diese Wannsee Konferenz,; würden vor ihrer Abschievon der Eichmann nach sei-j bung ihre Vermögen verner eigenen Darstellung als I stecken. Der Vorsitzende ein Pontius Pilatus fortge-; des Gerichts gab sich aber gangen ist, war der Aus-j mit diesen Antworten nicht gangspunkt den grössten zufrieden und forderte Eich-) Scheusslichkeiten die man mann auf. genauere Angasien einfach auch dann:her zu machen. Eichmann j noch nicht vorsteilen kann, j erwiderte, nur die zentrale wenn man alle ihre Einzel- Behörde in Berlin könne j heiter, kennt. Aber Eich-¡diese Fragen exakt beantmann war durchaus nicht Worten. Er wisse nicht, welnur das Instrument, als das che Massnahmen ergriffen I er jetzt erscheinen möchte.! worden seien, um diese j Gewiss war Eichmann nicht j Vermögen sicherzustellen, der einzige, der diese Be- ■ sie aber gleichzeitig dem für die Juden verloren, wie auch immer die Dinge nun wirklich liegen mögen.! Ein allgemeines Raunen ging durch den Saal, durch das die Bestürzung der Zuhörer über diese Antworten und die aus ihnen sprechende Gesinnung zum Ausdruck kam. Noch grössere Unruhen herrschten, als Eichmann auf Befragen über die Bequemlichkeiten” der Transportzüge zu sprechen kam. DER VORSITZENDE GREIFT EIN Der Vorsitzende des Gerichtshofes, Richter Moshe Landau, wandte sich an die Zuhörer und erklärte, sie könnten denken, was sie wollten. In jedem Fall bitte er aber, dass die Zuhörer weder ihr Denken noch ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. — Die Transporte una die darauf vorzunehmende Liquidation der Deportierten wurden chiffriert angezeigt. Dies geht auf einen Befehl Himmlers zurück, der diese Vorgänge vor der Welt geheim halten wollte. Auch das Schicksal der Deportierten sollte geheimgehalten werden?, fragte der Rieht r Ha levy. Eichmann erwiderte, dass dies ein Befehl Himmlers war. ».Ich habe die Befehle Himmlers oder seiner unmittelbar Beauftragten nur weitergegeben ’ sagte Eichmann. der ira folgenden versuchte, diese Darstellung zu beweises. Hierbei unterbrach ihn der Vorsitzende und sagte zum Verteidiger, dass es seine Aufgabe sei und nicht die des Angeklagten. seine Vernehmung vorzunehmen. I frei von schuld Immer wieder kommt ■ Eichmann im Laufe seiner langen Ausführungen, ' die , bereits sechs Tage in Anspruch nahmen darauf zurück. dass er „frei von Schuld” sei. Er habe weder zu denen gehört, die regiert haben, und nur diese hätten die entscheidenden Anordnungen getroffen, noch habe er die geringste Möglichkeit gehabt, gegen die Befehle aufzutreten, diese zu verhindern und deren; Durchführung zu verwei- ' gern. j Die Verteidigung verfolgt die einmal eingeschlagene Linie. Eichmann war nur ein unbedeutendes Rädchen in der grossen Vernichtungsmaschine der Nazis. Weher kamen eigentlich die : Befehle und die Initiativen Nicht zu verstehen men. schlösse der Wannsee-Konferenz voilstreckte. Das ist wahr. Jetzt streitet Eich- Fiskus zu entziehen. In jeder Hinsicht aber, so meinte Eichmann, war das Geld Wien. — Witwen hingerichteter Kriegsverbrecher beziehen in Oesterreich Kriegsopferrenten, als wären ihre Männer nicht wegen schwerer Verbrechen hingeichtet worden, sondern als Soldaten .m Felde gefallen. Wir haben Kenntnis von einigen Fällen, bei denen durch die Entscheidung des Verwaltungs - Gerichtshofes ablehnende Bescheide des Bundesministeriurr.s für Soziale Verwaltung aufgehoben uni damit d e Zuerkennung der Renten ausgesprochen wurde. Die vier Fälle, die wir heute behandeln möchten, sind sehr charakteristisch. Der Kommandant des Konzentrationslagers Theresienstadt, Karl Rahm, wurde im August 1945 von den Amerikanern in Steyr ausgeforscht und im November desselben Jabres in die Tschechoslowakei ausgeliefert. Dort wurde er vom Volksgericht in Leitmeritz am 30. Aprit 1947 wegen mehrerer Verbrechen, darunter Beteiligung am Massenmord. zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet. Seine Witwe, Anna Rahm, versuchte seit 1955, eine Kriegsopferversorgung zu erreichen. Das Bundesministerium für Soziale Verwaltung lehnte Versorgungsbezüge mit dem Hinweis ab. dass Rahm wegen Massenmordes verurteilt und hingerichtet wurde. Dieser Bescheid wurde vom Verwaltungsgerichtshof aufgehoben mit dem Hinweis, dass die Auslieferung Rahms an die Tschechoslowakei auf Grund des alliierten Kontrol'.abkommens und nicht auf Grund österreichischer Gesetz erfolgt ist. Der hingerichtete Massenmörder Rahm isj durch eine infernalische Tarnaktion bekannt geworden. Als im Jahre 1SW4 eine Kommission des Internationalen Roten Kreuzes” in Theresienstadt angekündigt wurde, liess Rahm Kulissen eines Musterlagers errichten, um so eine gute Benandlung der jüdischen Lagerinsassen vorzugaukeln. Diese Fassade sollte das grauenhafte Inferno des Lagers verdekken. So wurde eiligst ein Kindergarten eingerichtet, die Menschen neu eingekieidet und an die Kinder Schokolade und andere nie gesehene Leckerbissen verteilt. Als die Kommission ins Lager kam und mit dem Kommandanten Rahm die Kinderbaracke besuchte. mussten die Kinder ausrufen: „Schon wieder Sardinen, Onkel Rahm”. Nach dem Besuch der internationalen Kommission wurden den Lagerinsassen die schönen Kleider weggenommen. ebenso alle ausgeteilten Leckerbissen. Der graue Alltag des Konzentrationslagers nahm dann weiter seinen gewohnten Lauf. (Szenen aus dieser Potemkiniade konnte man vor kurzem in dem in einem Wiener Kino gezeigten Dokumentarfilm . Eichmann und das Dritte Reich” sehenL Der zweite Fall wo der abweisende Bescheid des Bundesminister.'ums für Soziale Verwaltung vom Verwaltungsgerichtshof aufgehoben wurde, betrifft die Witwe und die Kinder des SS-Oberscharführers Walter Spinka, der am 19. September 1946 vom Volksgericht in Brünn wegen seiner Mitwirkung bei DeDortationen und anderer IP-menschliGhkeiten zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Auch hier erfolgte die Aufhebung des abweisenden Bescheides des Ministeriums aus formalrechtlichen Gründen. Die anderen zwei Fälle betreffen Angehörige der Schutzpolizei, die in Kolomea an den Hinrichtungen der dortigen-jüdischen Bevölkerung teilgenommen ha- . ben und von einem sowjetischen Gericht zu je 25 Jahren Kerker verurteilt wurden. Der eine davon. Ottmar Kleinbauer, war Kommandant bei den Liquidierungsaktionen am Jüdenfriedhof in Koicmea. Nach seiner Verurteilung ist er am 29. Juni 1955 in der Sowjetunion verstorben. Die Witwe, Paula Kleinbauer, hat um eine Witwenrente nach dem Kriegsopfergesetz angesucht, doch erhielt sie von der Schiedskommission beim Landesinvalidenamt für Wien, Niederösterreich und das Burgenland einen ablehnenden Bescheid mit der Begründung, die I Verurteilung ihres verstorbenen Gatten sei wegen Kriegsverbrechen erfolgt. Auch dieser Bescheid wurde vom Verwaltungsgerichtshof mit der gleichen Begründung wie im Falle Rahm aufgehoben. j Der Angehörige der Schutzpolizei in Kolomea, die fort- Isuferd an Judenerschiessungen teilgenommen hat- ‘ te, Franz Stanka, wurde wie sein Spiessgeselle Klein-' bauer, im Jahre 1947 in Wien von der österreichij sehen Polizei wegen seiner : Teilnahme an Verbrechen, j verhaftet. Da die Verbrechen in Kolomea auf jetzigem sowjetischen Gebiet erfolgt sind, wurde Stanka zusammen mit anderen an 1 die Sowjetunion ausgeliefert, wo er zu 25 Jahren ■ verurteilt wurde. Am 16. November 1955 kehrte Stanka auf Grund einer Vereinj barung zwischen der österreichischen und sowjetischen Regierung als Nichtj amnestierter zurück und. wurde den österreichischen | Behörden übergeben. Er wurde hier jedoch auf frei-. en Fuss gesetzt Das durch-! geführte Strafverfahren ist I für die Verfolgung und für ' die Vernichtung der Juden, lautete die Frage. Sie ka- ' men von allen Seiten. Nur nichj vom Büro Eichmann, 1 der Abteilung IV B 4, die Eichmann leitete... In zahlreichen Fällen, so sagte der Angeklagte, seien es die lokalen Behörden j gewesen, die sowohl die Deportation wie die Vernich- (tung der Juden angeordnet hätten. Dass man das Alter der Kinder, die deportiert werden sollen, auf zehn Jahre festgesetzt habe, auch das könne dem Angeklag- 1 ten. so sagte er, nicht zur Last gelegt werden. Hierfür sei Himmler verantwortlich zu machen. Die Anordnung, auch jüdische Kleinkinder und Säuglinge mit dem Davidstern ..auszuzeichnen”, sei auch nicht von ihm gekommen, sondern von der , Polizei. | ' „Wer war ich Adolf Eichmann. so bemerkte der An-! geklagte, im Vergleich mit so mächtigen Männern wie; der Reichs - Innenminister Friek oder gar Himmler?” — Auch mit dem Gefangenenaustausch m Bergen Belsen. wo dreissigtausend ausländische Juden gegen deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht wurden, habe er nichts zu tun gehabt. Das sei die Sache ven Ribbentrop. dem Reichsaussenminister, gewesen. der übrigens nach Eichmanns Darstellung sein grosser Rivale war. So versucht Eichmann, Punk» für Punkt, seine Unschuld darzutun und ver-' folgt klatblütig die Linie der Verteidigung, wie sie einmal festgelegt worden ist. In dieser Richtung beantwortet er alle Fragen, die sein Verteidiger, Dr. Servatius, ihm verlegt. nach der NS-Amnestie 1957 eingestellt worden. Stanka hat bei der Schiedskommission beim Landesinvalidenamt um eine Anerkennung als Beschädigter nach dem Kregsopferversorgungsgesetz sowie um eine Rente wegen erlittener Gesundheitsschädigunpen in der Sowjetunion während seiner Haft ang^meiu Die Schiedskommission hat mit der Begründung auf die Beteilungen an Judenerschiessungen und Judenverfolgungen seinen Anspruch abgelehnt. Der Verwaltungsgerichtshof hat nunmehr genauso wie im Falle Kleinbauer bzw. Rahm und mit derselben Begründung den ablehnenden Bescheid der Schiedskommission aufgehoben. Wenn man sich vor Augen hält, welches Meer von Blut und Tränen als Fortge der Tätigkeit der vier genannten Personen während des Krieges geflossen ist, ist es unfassbar, dass diese Verbrecher oder ihre Hinterbliebenen in den Genuss einer Rente kommen, die ansonsten nur für wirkliche Kriegsopfer bestimmt ist. (IPN) Registre de Ja Propledid- Intelectual - No- 656 635 ' 'VÜ

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