Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1888 (27.6.1961)
- Date
- 1961-06-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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jüdische mnsnu Jb. Jemand Jsfij&elUa PUEYRREDON 2190 - )* iiq. A no XXII. BUENOS AIRES, MARTES 27 DE JUNIO DE 1961 T. E. 8 3-1613 Nt». 1888 Schuldig sind nur die anderen Viele Leser der „Jüdi-.müht, der Oeffentlichkeit sagt und als sehen Wochenschau” samein möglichst genaues und | nommen wird. Hierin liegt lung in der Gestapo, 4B4, mein die Berichte über den . umfassendes Bild von dem eine erhebliche Abweichung habe mit diesen Voig.ingen Eichmann-Pro&ess. Wir $]nd Prozess zu vermitteln, der iu den uns gewohnten deut-j nichts zu tun gehabt. Er bemüht. unseren Lesern nicht nur im Augenblick unsehen Strafverfehren. die habe zwar viele Dokumenmöglichst umfassende und.ser Interesse in Anspruch sehr interessante und für i tc hierüber rnachträglich genaue Informationen zu genimmt, sondern ohne Zweidie Entwicklung wie den gesehen, aber davon geben, wobei man sich allerfei von einer historischen Ablauf des Prozesses wichwusst habe er nichts, dings klar sein muss, dass Bedeutung ist. wir weitgehend von den, Nach vielen Wochen I tige Unterschiede mit sich der bringt. RAUB - MORD - DIEBSTAHL Dr. W. — Die Aussagen, die der Angeklagte Eichmann als Zeuge in seinem eigenen Prozess macht, sind in mancher Hinsicht bemerkenswert. Eicnmann widerlegt selbst durch die Form seiner Verteidigung die Behauptung, dass er nur ein kleiner Befehlsempfünger gewesen sei, der keine eigenen Entscheidungen habe treffen können. Unstrittig stand er nicht an der Spitze der r.azistischen Hierarchie, sondern gehurte sozusagen zum niederen Adel. Aber das hinderte ihn nicht daran, im Rahmen der ihm gegebenen Möglichkeiten sehr erhebliche Funktionen auszuüben und zu dem für die praktische Durchführung der Endlösung der Judenfrage entscheidenden Faktor zu werden. Die Wendigkeit seiner Darlegungen und Argumentationen deuten ebenso wie die bis in alle Einzelheiten gehende Sachkenntnis der Struktur des hitleristischen Machtqpparates darauf hin, cass Eichmann kein kleiner Funktionär gewesen ist. Kleine Funktionäre und Befehlsempfänger sassen auch nicht auf der Wannsee-Konferenz, auf der Hoydrich den teuflischen Plan von der „Endlösung der Judenfrage vortrug, der nichts anderes als die völlige physische Vernichtung der europäischen Juden beinhaltete. So hartnäckig Eichmann auch leugnen mag, leitend oder entscheidend für die VeEnichtungsmassnahmen gewesen zu sein, er war überall dabei, wo Juden verfolgt, gemordet, ausgeraubt und bestohlen wurden Alles will er nicht angeordnet haben, aber alles hat er durchgeviele Einzelheiten über die! fi‘hrt- Er war nicht derjenige. - so behauptete er - Organisation seiner Abtei-! t,er die Befehle gab. aber er war derjenige der 3)8 a.lo lung bekannt. Diese Abtei-, getreulich ausführte. . Der weitere Ablauf des Prozesses wird beweisen in solcher ver-1 wusste habe. Seine Abtei- Der Angeklagte gab dann Nachrichten abhängig sind, | Berichterstattung wollten go BLASS die wir entweder direkt wir diese Bemerkung ma-| ' _= _ _ _ oder durch die Nachrichten-1 eben, um unseren Lesern zu Die Berichterstatter meldetung habe ausschliesslich, Agenturen erhalten. Da imerklären, dass wir nur eine ten übereinstimmend, dass! jüdische Angelegenheiten” j welchem Umfang Eichmann selbst die Verantwortung gomer nur ein Auszug geka-1 Auswahl bringen können,1 Eichmann am zweiten Tage behandelt. Eichmann gab tragen hat, die er jetzt mit einer Handbewecung und der beit wird, müssen alle Be-! wie dies übrigens auch die seiner Aussage nicht so! auch zu, dass von dieser t Bemühung, „nur Befehlsempfänger” gewesen zu sein, richte unvollständig sein, j grössten Tageszeitungen zu blass wie am ersten gewe- Abteilung die Fanrpläne für vtm sich abzuwälzen bestrebt ist. Sie spiegeln auch weitge-, tun gezwungen sind. Zusen sei. Seine Rede war die Deportationen der Ju-1______ hend die Auffassungen der nächst lassen wir nun eine korrekter und genauer. I dei, in die Ven.iehtuugsia-j Korrespondenten wieder, kurze Zusammenfassung der Zeitweise nahm Eichmanns ger angefertigt worden! mann erwiderte: „Das ist richtes. Moshe Landau, die darüber entscheiden, Aussagen folgen, die Eich-, Verteidigungsrede Formen1 sind I keineswegs richtig. Müller | fragte den Angeklagten-Zeuwas wichtig ist und was. mann in den ersten Tagen an. die den Vorsitzenden i per Verteidiger Dr Serwar me*n Vorgesetzter, er: gen wegen seiner Versetnicht. Dass diese Auswahl zu seiner Vernehmung gemacht des Gerichtshofes veranvatjus stellte unter vielen! ®ab Befehle, ich hatte zung von Wien nach Bereinem guten Teil auch von hat. Bemerkt sei dass im lassten einzugreiten. Eich-; anderen auch die Suggestivkeine Vorzugsstellung. Ich j lin. Als der Angeklagte die der Meinung des einzelnen israelischen Strafverfahren mann erklärte zunächst, J den Angeklagtenmusste ihm die entspre- ' Fragen des Vorsitzenden im Reporters bedingt wird, j — analog zum engliseh-ame-' dass er von Lastwagen, die, Her Zeug0 waren Sie mit i elenden Informationen er- Sitzen beantworten wollte, dürfte ohte weiteres klar rikanischen Gesetz — der zur Vergasung von Men- Rücksicht auf die gehobene teilen wie andere Abtei-, unterbrach ihn der Richter sein. Dennoch sind alle be- Angeklagte als Zeuge aussehen dienten, nichts ge- 3hÄkl iri 1 lungsleiter auch. Er gab Landau und fort erte ihn WIE ICH ES SEHE I \ : Die Erziehung der Jugend j Dass die Zukunft der Völwa nur von JEHUDA GOTTHEIMER fur den Religionsten Welt- und l^ebensauf- — Eichzu erhehen. Eichmann sprang auf und entschuldigte sich, dass er sich nicht wlrcl.' filittlnter "unat,hi,,ililäü- ' Gft^aPoche^ »L ehen Ländern ist es sogar Jugend erzogen wird, dürfterien. Vor kurzer Zeit bete nicht zweifelhaft sein. ' richtete eine Mutter über ei- Man könnte dies als eine kuriose Uebersetzung, die ' gefährlich, eine Meinung zu ' ne Binsenwahrheit oder Al-!U“ 1 lerweltsWeisheit bezeichnen. Aber, wie so oft im Leben, sind die einfachsten Erkenntnisse. die Gemeingut Stellung, die Si« bekleide- , , . , , tan in der Lage, von den; dl€ Instruktionen was j auf. sich von seirem Platz Befehlen abzuwcichen, die 1 lcb Zu tun habe, Eichzu " "" Sie von der SS-Führung ermann sagte dann weiter, halten haben? ’. worauf der dass a.lfcb seine Ver re er, „Zeuge” natürlicn mit Nein '.unter ihnen Dieter Wisliceerhoben habe. Er verneinte antwortete ny, Kal'l Richter Theodor | die trage, ob »r der Leiter Unter anderen Fragen Dannecker und andere nur, der Auswanderung der ludie Dr Servatius an Eich-1 Befehle ausfiiliren konnten, den gewesen sei. Dies wäre mann richtete. Lei auch die 1 Diese Leute habuen ihre *e' i Heydrich gewesen, sagte er. folgende auf: ..Herr Zeuge. fehle von Eichmann be-, Heydrich habe dann Müller isf%s richtig was hier ge-lkommen; sie mussten aber , als den Chef der Gestapo säet wurde 'dass Sie beim! auch den jeweiligen deut-: beauftragt. Müller wiedersagt wurde. aa3s Me ne*m schen Botschaftern Berichj Um ihm, Eichmann, die f-n--" aller Menschen sind, im der vom Krieg lebt” ... Alltag am schwersten zu I Richtig sollte es heissen: erfüllen. Alles kommt dar-' „Der lebendige Kriegsgott” auf an, dass die Kinder und oder frei übersetzt: „Der ihr Sohn aus der französij vertreten, die in dieser fui sehen Sprache gemacht hat.1 sehen und doch so richtigen Sie schrieb: „Le Dieu vij Uebersetzung des Kindes vant de la guerre”. Unser! zum Ausdruck gebracht Sohn übersetzt: ..Der Gott, worden ist. In diesem Zusammenhang müsste man Jugendlichen lernen. Aher was ist das ' lebt”. Richtige? Hier setzt die j Diese Information, so begrosse Diskussion bereits j langlos sie erscheinen mag, ein. In diesem Punkte | ist in vieler Hinsicht interkonnte bis heute keine Ei- (essant. Zunächst einmal auf das gesamte Problem der Aufrüstung, der Kriegsindustrie und der Kriegsdro- Israel schützt Bundesrepublik das Richtige j Kriegsgott, wie er leibt und ■ hungen verweisen. Man nigkeit hergestellt werden. Daher haben wir auch die muss der Text beanstandet werden, den die Kinder zur verschiedensten Typen von Uebersetzung erhalten ha- Schulen, die sich keinesfalls! ben. Gibt es keine anderen dadurch allein unterschei-1 Schultexte oder Themen, die den. welcher Wissensstoff man den Kindern zur Verübermittelt wird. Derartige! fügung steilen kann als Ver- Differenzierungen wird es herrlichwngen des Kriegsimmer geben müssen, da gottes? Hier liegt das erste die geistige Auffassungsgaj Problem, über das schon in be und Aufnahmefähigkeit den höchsten kulturellen der Kinder und Jugendli- I und politischen Gremien chen verschieden ist. Von der Vereinten Nationen so solchen Unterscheidungen, die man als natürlich hinnehmen muss, ist hier jedoch nicht die Rede. Wir meinen die Unterschiede in der Uebermittlung des Wissens. Da gibt es Staatsschulen, die ein allgemeines Grundprogramm haben, religiös« Schulen, die vom kirchlichen Standpunkt aus die Welt betrachten und auch sogenannte Weltanschauungsschulen, die andere Grundprinzipien bei ihrer Erziehung verwenden. viel gesprochen und debattiert worden ist. Man soll die hier aufgeworfene Frage nicht als ein Gebiet betrachten, das nur die Schulmeister oder die Eltern angehen würde. Der Lehi gegenständ ist ebenso eine pädagogische wie kulturelle oder politische Frage, die nur im Einvernehmen zwischen allen Nationen durch die hierfür eigens geschaffenen Organe der UN geregelt werden kann. Wie kann man von einer Aber selbst die Erziehungj Jugend erwarten, dass sie in den Staatsschulen bei einst im Geigte des Vöigieichem Lehrprogramm ist nicht einheitlich, sondern weitgehend vom Lehrer abhängig, der unterrichtet. So kann derselbe Gegenstand, der eine objektive Tatsache zum Inhalt hat, in völlig verschiedener Form in zwei Schulzimmern, die nebeneinander liegen, gelehrt werden. Das gilt nicht etkerfriedens wirke, wenn man die Kriegsfurie, auch Kriegsgott genannt, glorifiziert? Der Junge aber, der die zitierten französischen Worte mit „Der Gott, der vom Kriege lebt” übersetzt hat, Jetzt wird der Eichmannj ygn ß, ß. SAMUEL I den Un Deutschland? >, die Prozess von den Russen als! I auch heute noch mit Glotr- Vorwand benutz.t. um ge-, immer die rusische Haltung kt‘ paktieren. Aber das ist gen die Bundesrepublik und! anerkannt. Die Russen haderen Sache. E.- kann doch gegen Israel zu polemisie- \ ben keinen jüdischen Flucht- : keine uniforme Auffassung ren. In der gewaltigen und ¡¡jjg an der Grenze angehal-1 über alle tragen gtoer,; wird unschwer und schnell i we^umfassende?1 Al,se'han-j und zu den Nazis zu-1 das ,^e^lan®5n' bede“,et erkennen, dass es nicht nur einen Kriegsgott gibt, der vom Kriege lebt, sondern zahlreiche Menschen, die in der einen oder anderen Form, als Waffenfabrikanten, als Waffenhändler, als! dersetzung zwischen dem \[ riiekgeschiekt. was z. B. | dle Methoden des Faschis Osten und d6ni Westen wird I vielgepriesene Schweiz einzuführen Oer Proj ausgerechnet auf die Pro- ' getan hat, in der auch das z«ssleitung jedoch podtisene! zessfiihrung im Eichmann-1 j ¡m pass erfunden worden Motive dieser Art zu unter- Prozess zurückgegriffen, j jSf I stellen, dürfte völlig verum neue Konflikte zu schaf-1 Was aber prage| fehlt sein. Kriegstreiber und in vielen anderen Eigenschaften die getreuen Untertanen und Nutzniesser dieses Kriegsgottes sind. Bis an die Zähne bewaffnet sind heute selbst die kleinsten Völker Sie müssen es auch sein, denn sonst fen. Erstaunt wird man sich oder der Eichmann-Prozess ■ Eine andere Frage ist es, „ ,• i , , . i ob die israelische Politik mit den politischen oder in- > sich schützend fragen, ob der Kreml wirk lieh auf solche Argumente 'j i^naUonaton angewiesen ist, w.e sie von! der usgR israel5 zu der offiziellen Presse vor- * getragen werden. Die Prawda also meint, dass gewisse Kreise Israels, — welche wird allerdings nicht gesagt —. den Prozess ..... . Zu einer Farce machen wolj kung von Tatsachen waren sie langst von rach- -|cn und bestrebt seien, die Eichmann-Prozess, die für und habsüchtigen Nachbarn; §QWjetunion in einem unj die westdeutsch« Bundesreuberfallen worden. Der Bc-; günstigen Licht erscheinen publik ungünstig sein könn- ■Z durch I zu lassen. Da die Behaupten, sich vor Bonn zu stellen die beiden, sich drohend ge-; „jc|jt bewiesen ist, und damit die „Nachfolger! niedrigt werden sollen, degeauberstehenden Blocke ist ijjjjjj man 9ieb nur in Verder Schlächter Hitlers” zu ren Söhne und Töchter zu wahrscheinlich heutzutage mutungen verlieren, worschützen. Hier wird — und; Millionen im Kampf um die _ . , Globke «Ziehungen j stejB Diese Frage hat aber in« ho» ufra€ ® u*1 mit dem Prozess nichts zu tun hat, ist nicht ersieht- Schliesslich werden j auch die Russen begreifen, Die Prawda beschuldigt dass der Prozess gegen dann die Regierungskreise! Eichmann und nicht gegen in Israel, durch Unterdrük- Globke geführt wiro Der pathetische Schluss- Appell der Prawda ist völlig fehl »m Platz: dass durch den Prozess auch die Völker der SowiPtu'Rpn erdas stärkste Schutzmittel gegen einen neuen Weltkrieg. Die Primitivität der Grundaufiassung, die aus diesor höchst unglückseligen Konstellation hervorgeht ist un* überbietbar. Sie beweist, auf diese These gestützt wird. Unter Umständen fühlt sich die USSR mitbetroffen, als gelegentlich di« Rede davon war die alliierten Macht« hätten nicht die möglichen und erforderlichen Massnahmen zur Retdass die Menschheit seit lung von Juden getroffen, den frühesten Zeiten in die-) Jedoch wurde über diese ser entscheidenden Grund-1 Frage, die historisch noch frage ihrer Existenz auf nicht genügend erforscht der gleichen Stelle stehen ist, um die Haltung der geblieben ist. Man kann noch so begeistert vao dar Grösse neuester Erkenntnisse sprechen, den technischen Fortschritt preisen und die zivilisatorischen Errungenschaften loben, im traf ins Schwarze. Aber die- ■ Kardinalpunkt jedes menschs* Anschauung beruht wiederum auf einer bestimm-1 (Schluss auf Seite 2) Sowjetunion in den kritischen Zeiten zu beurteilen, kaum während des Prozesses gesprochen. Der Unterschied zwischen den Positionen der westlichen und der östlichen Alliierten ist auch in dar Frage der Rettung von Juden evi-lon*. fm übrigen hahetj di« Jurten dabei ist man nicht mehr Freiheit gefallen sind, um auf Vermutungen angewiedie Menscheit von der sen — auf den Fall Globke j Schande zu retten, die das »ngaspiett, der von vielen braune Hemd der Nazis als unhaltbar angesehen , über die Welt gebrach* nat. wird, such von deutscher! Niemand wird di«$o Seite. Dass in diesem Ver- ■ Schlussätz« bedingungsloser fahren gegen Eichmann der | als d>« Juden zu unterzelch- Versuch gemacht worden j nen bereit sein von Jenen S«l, den belasteten Staatsdie Sowjetarmeen als die Sekretär zu schonen, ist Befreier ans der nuzistäeicht richtig. Die israelij sehen Sklaverei gefeiert sehe Regierung und dss iü-1 worden sind. Das j iöi^che dische Volk bähen iibereinitimmcnd di# Verfolgung aller Nazi Verbrecher ver. langt, ob dies# nun mit dem 0$faen oder mit dem Westen paktieren, ob diese gestern Oder heut« in hohen Stellungen sird oder üfc«r einen noch so srosen Einfluss verfügen. Vielleicht gibt es Ju- Vo'k wird — trotz der augenhlicklicbao bedaueriiclifn Gegnorschaft des Kreml — niemals vergessen, da.-s es die roten Soldaten gevesen sind, die Auschwitz befreit und die Kraft der tiistleris*-Lehen Heere^iäuten zerbrachen halxn.