Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1886 (21.6.1961)
- Date
- 1961-06-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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PUEYRREDON 2190 - J9 izq. la Jentcuta usAcueuta T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. RUENOS AIRES, MIERCOLES 21 DE JUMO DE 1961 No. 1886 Was die Englaender machten Tel Aviv. — Der Mann, der mit den britischen Behörden während des Zwei, ten Weltkrieges in direkten Verhandlungen stand, um Moshe Sharett berichtete dos den Plan vorgelegt, dass jüdische Freiwillige als von ihnen die Erlaubnis zu . Fallschirmspringer hinter erhalten, dass die Juden in den deutschen Linien abge- Palästina ihren bedrängten j worfen werden sollen, um Brüdern in Europa helfen, den jüdischen Widerstand die unter dem Nazijoch > zu organisieren und Men. seufzten, klagte das britisehen vor dem sicheren Tosch? Oberkommando an, | de zu retten. Dieser Plan die jüdischen Rettungspla. sei aber auf heftige Oppone durchkreuzt zu haben. J sition gestossen. Expremierminister Mo-1 Diese Erklärungen gab she Sharett, der während Sharett auf einer Veranstal. des Krieges der politische j tung ab, die in Erinnerung (die im damaligen Mandats. j gebiet Palästina lebenden' Juden) bereit war, alles für j wurde. Es war ein jüdisches | die Rettung der europäi- * Mädchen, das in einem Kib-1 sehen Juden zu unterneh- \ EIN EIGENARTIGES BEGEHREN von B. B. SAMUEL Der englische Verleger Victor Gollancz, der sich gern auch als ,jüdischer Schriftsteller’ bezeichnet, machte erneut von sich reden. Bekannt durch seine exzentrischen Vorschläge wartet er mit einer neuen ,.Sensation” auf, die in Wirklichkeit gar keine Besonderheit, sondern ein Irrtum ist. Gollancz bat ein neues Buch geschrieben, dessen Ti. tel nichts Auffallendes bedeutet: „Der Fall Adolf Eichmann”. Nun h-jben wir im Zusammenhang mit der Festnahme des fr üheren SS-Offiziers und Judenschlächters A.dolf Eichmann und im Angesicht des bevorstehenden, nunmehr durchgeführten Prozesses eine wahre Sturm, flut von Eichmann-Büchern miterlebt, die sehr verschiedentlich zr beurteilen sind. Darunter gibt es Bücher, die es nur auf die Sensation abstellen, andere Bücher sind reichlich umstritten und haben zu heftigen Kritiken Anlass gegeben, wie das Buch von Mosche Fearlman. Wir haben sehr ernste Darstellungen erhal. ten, wobei mar. nur auf Kempners Veröffentlichung hinzi.weisen braucht, der durch seine Tätigkeit vor den Nürnberger Gerichten als stellvertretender nordamerikabuz in Palästina ge.ebt hat, j men. Es sei eine völlige Äscher Ankläger über eine grosse Sachkenntnis verfügt, ein Mädchen, von ungari- Entstellung der Tatsachen,! Man hat sG?usagen auf das Buch von Gollancz nicht scher Herkunft, das nach wen man behauptet, dass gewartet, obwohl jeder das Recht der freien Meinungs- Ungarn gehen wollte, um den Juden zu helfen. Der Bericht Sharetts wurde vom Obersten Galili bestätigt, der damals einer der Kommandanten der Hagana gewesen ist. In der Truppe Galilis befanden sich eine ganze Anzahl von Sekretär der Jewish Agenan Hanna Szenes veranstal- Freiwilligen, die sich für cy gewesen ist, berichtete I tet worden war. Hanna Szeauf einer Versammlung, ■ nes war eine Fallschirm, wie er während des Krieges j Springerin, die hinter den nach Kairo gereist ist, um ' deutschen Linien in britidas dortige britische Ober-! scher Uniform abgeworfen kommando für den Orient | worden war, aber den Nazis aufzusu-'hen. Er habe den in die Hände fiel, von ihnen verantwortlichen Mitgiie. j schwersten Torturen unterdern dieses Oberkomman-: worfen und hingerichtet diese Aufgabe gung gestellt bereit waren, schirmspringer risches Gebiet gen. Sharett hatte Ausführungen darauf hingewiesen, dass der Jischuw zur Verfühatten und als Fall. über ungaabzusprin. in damals nichts hierfür geschehen sei. Der Jischuw habe alles versucht, um zu helfen, aber auf der anderen Seite gab es mächtige Kräfte, die das verhinderten, rief Sharett aus. In einigen Fällen haben die Engländer sogar die jüdischen Stel'en durch falsche Informationen irregeführt. (ITA) WIE ICH ES SEHE X \ Aus der Geschichte lernen ton JEHUDA GOTTHEMER ist der für Es ist eine alte Streitfra-1 den herrscht, ge, ob die Menschen imj trügliche Beweis stance und gewillt sind, aus über Jahrtausende ihren eigenen Erlebnissen streckende Stagnation in der zu lernen. Sicher ist, dass I Entwicklung der menschjede Generation ihre Erfahj liehen und gesellschaftlirungen machen muss, um; ehen Beziehungen. un-; samtheit, die zu seinem Volk zu Ergebnissen und zu Ueberzeugungen zu gelangen. Di? Lehren der Väter werden nur recht bedingt von den Söhnen und Töchtern übernommen. Das ist einer I wie zu allen anderen Natiosich er. ■ nen. Dieser Grundtatbestand hat seit langem die Pädagogen, aber auch die Politiker und die Staatsmänner beschäftigt. Deswegen sind gewisse Massnahmen und Bei dieser Situation der psychischen Disposition des Individuums wie der Struk- (Aktionen von den zuständi tur seiner Gemeinschafts-! gen Körperschaften der formen ist die Frage durch.! Vereinten Nationen durchaus angebracht, aus welj geführt worden die zu eider tieferen Gründe, dass es chen Gründen sich die Forner Ausrichtung des Gekaum einen menschlichen scher und Gelehrten, aber! schichtsunterrichtes durch Fortschritt gibt, wenn wir auch die heranwachsenden! Beseitigung unrichtiger ten einmal von der Technisie- Generationen mit Geschieh-' denziöser, von Vorurteilen te beschäftigen. Geht es und Leidenschaften behierbei nur um die Erwerherrschten Geschichtsbiirung des Lebens absehen. Die grossen Erkenntnisse, Entdeckungen und Erfin-! bung eines Wissensstoffes, dung;n wirken nur an der1 der zu Gefühlen von Sym. Oberfiäche, ohne die innere ■ pathie oder zu.Hass führen Haltung der Menschen, ihsoll und kann, eder geht es re Lebensführung und -ein. j darum, aus den Grcsstaten sinnung, Stellung ernsthaft zu beein-.der Vergangenheit ebenso1 und seiner Geschichte be. flussen. Deswegen geben [wie aus ihren Irrtümern zu sonders stark gelitten hat Macht und Gewalt auch;lernen. Aus' der üblichen | (und auch heute noch lei- ZEUGEN GESUCHT New York. — Der Jüdische Weltkongress in New York sucht Zeugen gegen den früheren SS- Offizier Richard Nitsch. ke, der einen Rabbiner und hunderte Juden in Wlodawa ermordet hat. Dem Nitschke wird ferner zur Last gelegt, drei Deportationen in das Vernichtungslager Sobibor organisiert zu haben. Diejenigen Personen, die in der Lage sind, zweckdienliche Angaben zu machen, werden aufgefordert, sich mit Dr. Nehemia Robinson vom Jüdischen Weltkongress in New York oder mit der hiesigen Vertretung des JWK in Verbindung zu setzen. (ITA) eher hinführen sollen. Da unser Volk unter solchen entstellenden Darstellungen seines Lebens, seiner Geseiner Ideenwelt lyse aber wird man unschwer feststellen können, dass Feindschaften (Anto. nomien), die auf dem Geschichtsbewusstsein beruhen, das wiederum durch Geschichtsunterricht heran gebildet wurde äusserung besitzt. Gollancz „verlangt” nun in seiner Tublikation, Is* ael solle dem Eichmann das Leben schenken, auch wenn der Schuldspruch über ihn gesprochen werden sollte. Nach Gollancz würde eine Vollstrekkung des möglichen Todesurteils nur den Hass gegen die Juden stäiken. In unserer Zeit sei aber menschliche Solidarität erforderlich. Der Prozess allein werde schon zum Anwachsen des Antisemitismus beitragen. Die allgemeine (nichtjüdische) englische Presse hat diesen Standpunkt Gollancz’ stark angegriffen Im Daily Herald erschien en langer Artikel „Ein Jude plädiert für das Leben Eichmanns”. Die Angelegenheit wirkt peinlich, denn niemand hat cas Recht, in ein schweoendes Verfahren einzugreifen und dem Gericht Empfehlungen zu geben. Dass ausgerechnet ein Jude dies tut, wirkt nicht erfreulich. Auf wen macht ein solcher Vorstoss eigentlich einen Eindruck? Auf das Gericht? Auf die Juden? Auf die nicht, jüdische Wed? Oder gar auf die Antisemiten? Die von Gollancz aufgestellte Behauptung, der Prozess habe zurr Anwachsen des Antisemitismus beigetra. gen, ist völlig abwegig. Der Antisemitismus war noch ¡niemals um „Argumente” für seine Lügenpropaganda verlegen. Im übrigen ist es sehr leicht, für Dinge ein- ¡ zutreten — und damit andere verantwortlich zu ma- | chen —, für die Herr Gollancz nicht die geringste Veri antwortung hat. Wir treten nicht in eine Diskussion ein, j ob die möglicherweise verhängte Todesstrafe gegen : Fichmann vobstreckt werden solle oder nicht. Darauf j kommt es nicht an, noch nicht einmal in einer Kontro. I verse mit Gollancz. Dagegen müssen wir mi¡ Nachdruck ¡gegen jeden Versuch opponieren, sich bei anderen auf ¡Kosten derer l'cliebt zu machen, die durch die Umstände bedingt, di.: Bürde der Verantwortung auf sich genommen haben. Wir Juden treten immer für Solidarität ein. Was ater meint Go.lancz in diesem Zusammenhang, wem er menschliche Soliidarität fordert? Mit wem menschliche Solidarität eigentlich? — Müsste nicht jeder und keinesfalls nur jeder Jude, sondern jeder aufrechte Mensch, eine menschliche Solidarität mit den Ermordeten fordern? Gerechtigkeit kann man nicht üben, indem man nach der Meinung der Oeff?nt ichkeit schielt oder gar um sie buhlt. Nichts anderes tat Gollancz der überdies noch verlangt, dass andere genau so handeln wie er. heute noch den Ausschlag, wo Vernunft walten sollte. Dass kein Frieden auf Er- ZWEI SPIONE VOR GERICHT Tel Aviv. — Der Ma. pamführer Aharon Cohen, der der Spionage zugunsten eines kommunistischen Landes angeklagt ist, begann sei. r.e Aussage in eigener Verteidigung vor dem Bezirksgericht Haifa nach Beendigung der gegen ihn erhobenen Anklage. Cohen soll sich rechtfertigen, warum er mit einem ausländischen \ Agenten zusammentraf und ihm vertrauliches Material aushändigte. Ein anderer Spionageprozess, der schon einiger Zeit gegen den Oberstleutnant Israel Beer eröffnet wurde, ist jetzt wieder aufgenommen worden. Diese Verhandlung findet unter Auschuss der Oeffentlichkeit statt. (ITA) Praxis des Geschichtsunter-; det), — wenn wir auch nicht! richtes wächst allzu leicht, annehmen dürfen, dass die eine Ueberbetonung der eijuden die einzigen wären, genen Leistungen eines Voldie unter Vorurteilen zu kes, die bei der Jugend seufzen hätten, — sind behaufig zu einem falschen sonders vie’e und wichtige gennationalen Stolz und zu ei- Anregungen von jüdischer ner bedauerlichen Ueber. Seite, vor allem vom Jüdi sen, auf dem Glauben ge. wachsenen Gegensätzlichkeiten aus der gleichen Quelle kommen. Religion und Geschichte sind Grenzgebiete des menschlichen Geistes, des menschlichen Denkens und Wirkens. Zwei Beispiele mögen dies deutlicher machen und unserer Vorstellungswelt näherbrinmacht werden. Wie viele von religiösen Fanatikern mit religioinszenierte Judenverfolgungen sind auf das Konto die. ser Theorie von der Schuld der Juden am Tod des Christus im Laufe der Jahrhunderte zu setzen? auf einer streng wissen, schaftlichen Baris beruht, wie sie erk ären, ihr» Weltanschauung wird nicht nur verstanden. sondern von den Massen „geglaubt”. Ihre Leidenschaft kennzeichnet sie nicht nur als Far.ati- Dass die These von der ker von Theo-ien, sondern jüdischen Schuld am Tod , £*s Apostel einer Glaubensdes Christus irrtümlich, 1 Wf1*. Auch hier also finden falsch, wissenschaftlich un-.wir sehr tiefgenenda Beriihhaltbar ist, steht fest. Die rungspunkte. Wir kennen historische Forschung wi-! beini Beispiel von Christus derlegt die Behauptung, die'bleiben. Nach der Ueberlie- Der Judenhass entstand sich heute noch hartnäckig . terung hat er ir eintr komzu einem guten Teil aus der erhält, obwohl die Kirche — munistischen Gemeinschaft heblichkeit, verbunden mit schen Weltkongress ge kirchlichen These, dass die wenigstens in ihrer ober, einer Abneigung oder Ge-; macht worden. Im Rahmen i J“den Christus „getötet”-*——- —— nngschatzung anderer fuh_' der Vereinten Nationen be-1hatten- Hier ren. I schäftigt sich hiermit eine I stlrnmt«s> von der christli So war (und Ist) das Stubssondere Organisation die ch'en We!t aIs historisch andium der Geschichte in je- UNESCO, die bereits Er-[?esehenfs dem Fall nicht nur Stoff, folg bei ihrem Bemühen Vermittlung, sondern auch aufweisen kann, ein Anschauungsunterricht,! Auf der gleichen Ebene die Erziehung zu einer Gesind übrigens die religiösen smnung und Haltung. Dass Vorurteile zu behandeln oie historischen Daten und wenn es sich hier auch um Fakten in der Erinnerung e-n anderes, weites Gebiet mit den Jahren verloren handeln mag Tn sten Führung — von dieser abrückt. Wir wollen ge'ebt, die natürlich nichts mit Marxismus oder Leniwird ein be. These abrückt. Wir wollen nismus zu tun haUe. Aber nicht in den Fehler verfalj der Grundgeuarke, den len, gegen diese Behaupdie modernen Kommuni- Ereignis zum tung zu polemisieren und sten adaptiert haben, ist der Ausgangspunkt einer relidie Argumente aufzufühgleiche oder äusserst ähnglösen Ueberzeugung. zuren, welche die Unrichtig-1 Bch. Dies haben wir aus mindest aber zum Inhalt keit ergeben werden. Denn den Rollen des Toten Meeeiner Meinung über den Ab. jede Apologetik ist über.[res lernen können, in deren lauf eines geschichtlichen flüssig, weil die Wissen-. wir diese historische M-eL- Prozesses gemacht. Obschaft längst ihr Urteil abnung bekräftigt finden. In wohl die Kirche natürlich gegeben hat. | dem ersten Jahrhundert vor immer gewusst hat, dass es Die Bereinigung der Schul-1 der gewöhnlichen Zeitrech. _ .. .ders gewichtige Rolle. Der tes Geschichtsbewusstsein, Irrationalismus, Glauben das letztlich beim erwachJ und Hoffnung, Mystik und die vor | senen Menschen zur Grundj Verzückung bedingen läge seiner politischen Anstärksten Gegensätze dete dieser Vorgang und die Eliminierung eines der un-! Gleichheit lebten und deren aus ihm von der Kirche ge-j heilvollsten Vorurteile füh. | Gemeinschaft rein kommuzogene Konsequenz die. ren und auf diesem Wege nistisch organisiert war. „j i Grundlage der kirlichen < zur Befriedung der Gesell- Zu diesem Ergebnis ist bis- Inso-' Gegnerschaften' Animositä Elnstellung und Politik zu schaft beitragen. ' '■*- ’ ~ den Juden, auch noch viele,) Religion und Geschichtsviele Jahrhunderte nach , bewusstsein liegen eng bei: dem Abschluss dieses Er. [einander, was sich aus eieignisses. Weil „die Juden” |nem weiteren Beispiel er. Christus getötet hätten, des-t gibt. Die Kommunisten verwegen müssten auch noch ir:ten nicht nur eine defideren Nachkommen für dienierie Geschiehts- und Ge-, se Tat verantwortlich gesellschaftsauffassung die j sichten heranwächst. [ f«rr} hat Geschichte und Ge.1 ten“ und " Aversionen Hier Schichtsübermittlung eine wurden stets die heftigsten eminent praktische Bedeu-, Leidenschaften entfesselt tung, nicht r.ur für die Erhier finden die ältesten Vorziehung je'’es Menschen, urtei’e und Bewertungen ih- sendern auch für di? Beziere 'Wurzeln, hung c.€s einzelnen zur Ge. ’ Bei einer ernsteren Anaher jeder Forscher gelangt, (Schluss auf Seite 2) REDAKTIONSSCHI USS DIESER AUSGABE: MONTAG, DEN 19. JUNI, UM 18 UHR