Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1885 (16.6.1961)
- Date
- 1961-06-16
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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FRANQUEO PAGADO £ “ o 3 t B * Concesión 908 t 0* £ Jr bf ¡s W U TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES IC DE JUNIO DE 1961 No. 1885 ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la RapúbUc: Bueno« Airas PUEYRREDON 2190 I« iaq. T. E. 83 - 2813 PROZESS VERTAGT (Fortsetzung VGn Seite D ganzen sind 111 Zeugen vernommen worden. Der erste Zeuge, Schalom Poiatzky. berichtete über die Tätigkeit der jüdischen Partisanen und ihre Bemü. hungen. während des Krieges ihre Glaubensbrüder zu retten. Nach ihm beschrieb Anaron Hotelishai die Suche nach jüdischen Ueberlebenden in den KZ-Lagern nach Beendigung des Krieges. Er verwies darauf, dass allein in Bergen Belsen noch 52.000 Häftlinge am Leben waren. Es habe sich nicht nur um Juden gehandelt, und kurz nach der Befreiung des Lagers seien 27.000 von ihnen an Entkräftung gestorben. Der letzte Zeuge war Abraham Haggag, Sachverständiger der israelischen Polizei, der damit beauftragt worden war, Teile des vom Grossmufti von Jerusalem HachHamin Ei Husseini geschriebenen Tagebuches zu entziffern. Die Anklage hatte in der vergangenen Woche behauptet, der Grossmufti habe in sein Tagebuch in arabischen Lettern ..Der Retter der Araber ' und gleich darunter in lateinischen Buchstaben ..Eichmann” geschrieben. Haggag, von Servatius hierüber befragt, gab zu, er könne nicht mit Sicherheit behaupten, dass der Name des Angeklagten vom Mufti geschrieben worden sei. während die Worte ,.Der Retter der Araber” unzweifelhaft von der Hand E, Husseinis herrührten. Der Staatsanwalt legte auch die letzten Dokumente vor. Aus einem dieser Schriftstücke isT ersichtlich, dass die .Einsatz-Truppen” zwischen Dezember 1941 und Juni 1942 allein 97.000 Juden in nur drei Lastwagen li. qudierten, die mit besonderen Vorrichtungen versehen waren, um das tödliche Gas hincinzupumpen. PRESSESTIMMEN IN BUENOS AIRES Argentinische Zeitungen nahmen auf eine aus Israel s'anvr.endc Pressenotiz Bezug. in der darüber berichtet wurde, dass der Genera. staat.sanwalf die Richter im ierusalemer Prozess ersuchle. ein Geständnis Kichmanns als Beweis anzuerkenrert. das der Angeklagte in Buenos Aires auf Tonband gesprochen hat und in dem tr äusserte, er werde | „fröhlich ins Grab sprin. gen. weil er wisse, dass 5 Millionen Juden ins Jenseits befördert worden sind.” Der Staatsanwalt habe auch angegeben, dass die Aufnahme in den Jahren 1956 und 1957 bei einer Reihe von Unterhaltungen mit einem anderen früheren SS- Ofrizier, einem gewissen Willem Sassen. gemacht worden sei. Die Verteidigung habe sich der Zulassung dieses Dokuments widersetzt mit dem Argument, Eichman habe seine Erklärungen unter dem Einfluss des Alkohols abgegeben, weil Sassen ihn zum Trinken genötigt habe, bevor er das Tonbandgerät einschaltete. Wie die bonaerenser Pres, se berichtet, hat Sassen auf Befragung erklärt, er wünsche erstens festzustellen, dass er in der Gestapo „keine andere Funktion als bei zwei Gelegenheiten die eines Gefangenen bekleidet hat” weil er in seinem Vaterland, Holland, und in Belgien „Artikel veröffentlicht habe, die als aufrührerisch und als eine Gefahr für die besetzten Länder betrachtet wurden.” Er fügte hinzu: „Kein Tribunal hat mich bisher j als Kriegsverbrecher erj wähnt. Mein einziges Ver-, brechen besteht darin, dass ich freiwillig gegen die Sow- ] jetunion. die damals mit meinem Land verbündet war, Waffen getragen habe.” Sassen behauptete, die Uebertragung der Tonbänder mit den Erklärungen des Angeklagten, die die israelische Statasanwaltschaft in Händen hält, müssten Fotokopien sein, in deren Besitz die Anklagebehörde auf eine ihm unbekannte Weise gelangt sei, und die darin enthaltenen Korrekturen, stammten von ihm und nicht von Eichmann. Schliesslich habe Sassen erklärt, er verstehe nicht, warum man im jerusalemer Prozess erklärt haben solle, er würde sofort verhaftet werden, wenn er nach Israel käme. Anscheinend stütze sich die Hauptanklage gegen Eichmann direkt auf die auf Tonband ge. machten Erklärungen, und in diesem Falle müsse er, Sassen, als einer der wichtigsten Belastungszeugen angesehen werden, dessen Aussage für das Gericht nur günstig sein könne. Wird die Vergangenheit bewaeltigt? Ein neuer Plan John Kennedys London. — Der Präsident der Vereinigten Staaten, John F, Kennedy, hat den arabischen Führern vorgesehlagen, dass 25 Prozent der palästinensischen Flüchtlinge in Israel wiederangesiedelt werden sollen, während ein Teil der restlichen 75 % in den arabischen Ländern verbleiben würde. Diese Nachricht stammt aus der in Kairo erscheinenden Zeitung „Al Massa’, die ferner berichtet, dass diesen Flüchtlingen die Möglichkeit geboten werden solle, in andere Länder, darunter in die USA, nach Kanada und Australien auszuwandern. „Al Massa” schreibt, Ministerpräsident Ben Gurion habe diesen Plan Kennedys zuerst abgelehnt, dann jedoch seine Meinung geändert und ihm zugestimmt, um das Problem der arabischen Flüchtlinge zu lösen. (ITA) Wir leben in einem Kreis, der Verfolger und Verfolgte nicht aus seinem Bann lässt und sie in eine Schicksalsgemeinschaft hineinzwängt. Die Vergangenheit war gemeinsam für sie, die Gegenwart ist es zwangsweise auch, und die Zukunft könnte wohl nur gemeinsam gelöst werden. Denn die ehemaligen Verfolger sind noch hier, und ein Teil der ehemaligen Verfolgten lebt noch. Das Leben zwingt uns zu dieser Gemeinsamkeit. Werden wir die Vergangenheit bewältigen können. um — wenn schon nicht miteinander — nebeneinander leben zu können? Man wirft uns, den Verfolgten des nationalisozialistischen Regimes manchmal sachlich, oft böswillig vor, wir könnten nicht mit der Vergangenheit fertig werden, wir könnten sie nicht bewältigen Manchmal hören wir das von uns bestgesinnter Seite als freundschaftlichen Rat. Darauf lässt sich nur sagen. dass das stimmt. Das Grauen, das wir und die Millionen Getöteten durchlitten, war so unvorstellbar gross, dass es ein Mensch in dem Rest seines Lebens nicht verarbeiten kann, als ob er nur davon gehört oder gelesen hätte. Er hat es ja erlebt! Und denken wir einmal nach: wieso hat er es eigentlich überlebt? Es ist schwer, eine Antwort darauf zu finden. Ueberleben konnte er es 'wohl aus demselben Grund, weil eben das Entsetzliche, das Grauen so unfassbar gigantisch war, dass es in eine Menschenseele nicht mehr Eingang finden konnte. Tausende sind daran zerbrochen und, wie man es nennt, irrsinnig geworden. Die es aber doch — äusserlich nicht sichtbar — überlebten, ohne wahnsinnig zu werden, konnten das nur, weil die Urfassbarkeit wie eine Schutzschicht wirkte. Das können wir unseren gutwilligen Ratgebern sagen. Wer aber böswil ig und vielleicht höhnisch darauf hinweist, wir könnten die Vergangenheit nicht bewältigen. wir handelten und sprächen aus einer „KZ- Mentalität“ heraus, dem wollen wir sagen, er hat ein schlechtes Gewissen. Selbst wenn er seine Hände und sein Gewissen frei wüsste von Plünderung, Raub und Mord — dann klingt in ihm etwas nach, was den ewigen Moralgesetzen entspricht. Es rührt sich doch in ihm, wenn er es noch so sehr leugnen will, dass „da irgendwo“ Unrecht geschehen ist. Auch er kann seine Vergangenheit nicht bewältigen. deshalb lehnt er jedes Gespräch darüber ab, schiebt wohl jeden Gedanken daran weg weil er oft eine Mitschuld. jedenfalls eine Mitverantwortlichkeit spürt. Die Vergangenheit hätte sich besser, wenn auch nie. leicht, bewältigen lassen, wen» die ehemaligen- Ver¬ Frankfurt. — Wie verlautet, ist es bei den Verhandlungen zwischen Deutschen und Oesterreichern über einen Beitrag Westdeutschlands zu einem österreichischen Entschädigungs-Fonds für die Naziver-1 folgten, der sich auf 321 Millionen DM beläuft, zu1 einem Einvernehmen gekommen. Die Verhandlungen wurden zwischen den Aussen-! ministem beider Länder geführt, von Heinrich von j Brentano für Deutschland und Bruno Kreisky für j Jesterreich. Die Zusammenkunft fand in Bad ■ Kreuznach riatt. Man erwartet, dass das betreffende! Abkommen in Wien unterzeichnet werden wird. In der deutschen Beisteuerung soll ein gewisser Betrag für die Nachkriegs-Flüchtlinge in Oesterreich sowie eine Summe von 70 Millionen DM als Entschädigung für die österreichischen Sozialversicnerungsgelder enthalten sein, die von den Nazis im Jahre 1938 beschlagnahmt wurden. (ITA) folger ihre Mitschuld be kan nt und dieses Gefühl in sich selbst hätten eindringen lassen. Nie hätte diese Vergangenheit, die einen Zwangskreis des Grauens um Verfolger und Verfolgte bildet, vergessen werden können. Eine andere innere Einstellung aber hätte dazu beigetragen, das Bitterste des Bitteren gleichsam aufzulösen. Da es so spät geworden ist, da 16 Jahre nach Kriegsende nur weitere Verhärtung gebracht haben, gibt es keinen anderen Ratschlag, wenn man wenigstens nebeneinander leben will, als innerlich aufgeschlossen zu werden. Sonst tragen wir bis an unser Lebensende jeder in seiner Art an der Bürde einer „unbewältigten Vergangenheit” Aktueller Anlass dieser Betrachtungen ist der Prozess gegen Eichmann Zeugenaussagen haben das nie Vergessene, doch irgendwie Verschüttete zu gespenstischem Leben wiedererweckt Unter uns sind viele, die gleiches und ähnliches erlebt haben, wie es die Zeugen berichteten. Was sagte aber Eichmann (wiedergegeben bisher nur auf Tonbändern während der Voruntersuchung) über seine Tätigkeit? Er, ein Mann dem man das Ausmass, das Unmass eines Massenmörders zumessen muss, will keine Verantwortung tragen. Immer hätten andere die Befehle gegeben, er sei nur ein Ausführungsorgan gewesen. Eichmann wird gegenwärtig mit Zeugen konfrontiert, die der Todesatmosphäre entronnen sind die er schuf Er kann nicht einmal sagen er hätte die Einzelheiten nicht gewusst, in welcher Art die am grünen Schreibtisch ausgeschriebenen Befehle ausgeführt wurden. Existieren doch sogar Fotos, die Eichmann im Konzentrationslager zeigen. Treten doch „sogar“ Christen. ja Mitschuldige-, Mitmörder als Zeugen gegen Eichmann auf. Wie jämmerlich benimmt sich doch dieser Eichmann, der zu seiner „Entlastung“ angab, er habe die „rassisch belasteten" Tante Dorschi und Onkel Fritz in die Schweiz geschmuggelt. Man ne.npt sie die „Un- -belehrbaren“ u«d die „Un- •verhesserlichen', die heute noch das gleiche täten, wie! seinerzeit, wenn man sie ' liesse. Auch sie sind unter i uns. Die katholische Zeit. S schrift „Die Furche” ver- ’ offentlichte das Resultat i der Befragung von Perso-! nen durch einen Reporter, I ob man den Gufler und ob ■ man den Eichmann veruri teilen würde. Auf die Fra-! ge bezüglich Gufler war die 1 Antwort — mit gewissen I Abweichungen — immer die j gleiche, man würde den! Gufler eigenhändig aufhän. : gen. Bezüglich Eichmann I waren die Antworten ebenfalls verblüffend ähnlich: „Ja, wissen Sie, das ist etwas anderes, das ist eine politische Sache. Und dann ist es ja schon so lange her, und er hat doch nur Befehlen gefolgt“. Eine andere Zeitung erhielt einen Leserbrief, man so le doch endlich mit diesen verlogenen Prozessberichten über Eichmann aufhören. Sei es doch festgestelit, „dass der amerikanische Geheimdienst nach dem Krieg die Gaskammern gebaut habe, um sie fotografieren zu können Auch in Oesterreich werden demnächst Prozesse gegen ehemalige hohe SS- Offiziere und andere nationalsozialistische Funktionäre stattfinden die im Zusammenhang mit den Eichmann - Aussagen verhaftet wurden. Ueber Einzelheiten die Justizminister Dr. Broda darüber in einer Pressekonferenz bekannt gab, berichten wir an anderer Stelle. In diesen Betrachtungen wollen wir nur den guten Satz des Justraministers festhalten, Oesterreich werde in diesen Prozessen keine Legendenbildung duldenf So soll also ein Teil der Vergangenheit durch jetat so spät erfolgende Prozesse bewältigt werden Ebenso spät kommt die Erfüllung einer anderen Absicht, die der Wiedergutmachung. Die Verhandlungen zwischen den Aussen- und Finanzministern Oesterreichs und der Deutschen Bundesrepublik sollten endgültig am 12. und 13. Juni in Rad Kreuznach stattfinden. Soweit scheint der Boden vorbereitet — durch Konferenzen zwischen Experten und durch Besprechungen des deutschen Staatssekretärs im Finanzministerium Professor Hettlage in Wien — dass man mit der Unterzeichnung des Abkommens doch rechnen darf. Wieder einmal werden Ziffern genannt und bunt gemischt. Man nennt als möglichen deutschen Beitrag zu den österreichischen Zahlunngen eine Summe von ungefähr 240 Millionen D-Mark. Gewiss ein schöner Betrag, zu dem ungefähr ein gleicher aus Oesterreich kommt. Was ist also der Erfolg solcher Veröffentlichungen? Eifrige Menschen rechnen sieh bereits aus, dass „die Juden insgesamt mindestens drei Milliarden Schilling bekommen werden. „Kein Fluchtverdacht” Dortmund. — Nach mehr als zweijähriger Untersuchungshaft wurden die ehemaligen Kriminalkommissare Alfred Krumbach und Wilhelm Gerke, denen Beihilfe zum Mord in mehr als 900 Fällen vorgeworfen wird, jetzt bedingt auf freien Fuss gesetzt. Das Dortmunder Landgericht sieht keinen Fluchtverdacht mehr Die beiden seilen an den Massenerschiessungen von Juden im deutsch-litauischen Grenzgebiet beteiligt gewesen sein. (AWZ) Stimmen aus Deutschland Bonn. — Der Eichmann-Prczess in Jerusalem hat in Westdeutschland und in Westberlin grosses Interesse erweckt, wie aus einer Umfrage hervorgeht, deren Resultac jetzt bekannt wird. Das Institut für angewandte Sozialwissenschaften teilt mit. der Prozess sei im deutschen Volk nicht „tabu” geblieben, und eine „jede Fami.ie hätte sich praktisch mit der Vergangenheit auseinandersetzen müssen”, weil den Prezessberichten in der Presse, im Rundfunk und Fernsehwesen ein grosser Raum eingeräumt wurde. Auf die Frage ob sie über den Prozess informiert seien, antworteten 87 Prozent der Erwachsenen mit Ja; 40 Prozent, erklärten sich von den Berichten über die Gerichtsverhand'ung für befriedigt, während 12 Prozent mehr Einzelheiten zu erfahren gewünscht hätten. Allerdings äusserten 33 Prozent, „es sei zuviel über den Prozess geschrieben worden”, und die meisten aus dieser Gruppe meinten, sie weiten nichts mehr von den Naziverbreorhen hören, von denen sie „nichts gwusst” hätten. (ITA) Registre de la P r o r i e d a d intelectual Mn fiSK 63*