Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1884 (12.6.1961)
- Date
- 1961-06-12
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO o c e ¡ Concesión 9a» S! ¿ '_ _ ¿ x a! <£ TARIFA ItEOlCIDA i Concesión 1629 Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 13 DE JUNIO DE 19«1 No. 1884 EL EJEMPLAR •n toda la Rapúblice 4, —... Bueno« Air«« PUEYRREDON 2190 19 isq. T. E. 83 . 2313 um die Tonbaender (Fortsetzung von Se.te 1) i den sei. Diesen Namen gab grausame Sterilisierungsexpeiimon.e benutzt worden, die Dr. Mengele durc-hführte. Diese Zeugen berichteten ferner, dass viele junge Juden durch die Grausamkeit der Nazis dazu getrieben wurden, Menschenflelsch zu essen, um ihren unerträglichen Hunger zu sblien. Eine Zeuge erklärte. die jüdischen Frauen seien durch Röntgenstrahlen sterilisiert worden, und an den jungen Mädchen seien furchtbare Amputatio. neu vorgenommen worden, so dass viele von ihnen zu ,lebenden Leichnamen” gemacht wurden. Die unmenschlichen Ver brechen der Nazis in Auschwitz wurden in einer so grauenerregenden Weise geschildert, dass ein orthodoxe.- Jude auf der Zuhörertribüne kurz vor Schluss der Sitzung aufsprang und Eichmann „Hund” und .Schwein” zuschrie. NAMENLOSE NUMMERN Der Zeuge Aharon Beilin erzählte, in Auschwitz habe niemand einen Namen getragen. Jeder sei nur eine Nummer gewesen. „Sogar den Neugeborenen wurde eine Numer eingebrannt, sobald sie zur Welt gekommen waren”, fügte er hin. zu. Danach wurden zwei Zeugen bei geschlossenen Türen vernommen. Diese bei. den berichteten, wie sie in Auschwitz von Mengeie sterilisiert wurden. Die Namen dieser Juden, die von den Richtern vernommen wurden, sind nicht bekannt gegeben worden. Sie wurden durch eine Seitentür in das Gerichtsgebäude geführt, wo das Publikum sie nicht sehen konnte und auf dem gleichen Wege verlie. ssen sie das Haus. ßeilin. ein Arzt, dem es gestattet war. einigen der Kranken und Sterbenden ärztliche Hilfe zu leisten, erklärte, er selbst habe „einen jungen Juden untersucht, an dem die schrecklichsten Amputationen” vorgenomen worden waren. Ein anderer Zeuge, der Maler Jehuda Bakon, be. richtete, man habe in Auschwitz d-’e jüdischen Halbwüchsigen als Pferde verwandt. Sie mussten die Kairen mit Brennholz in die Krematorien ziehen und dann auf denselben Wagen die Asche der Opfer fortschaffen- und sie auf die vereisten Wege streuen. Beilin, der damals ncch ein Junge war, wurde später von Auschwitz nach Mauthausen transportiert, das ei. nes nachts von den Alliierten bombardiert wurde. „In der darauffolgenden Woche sah ich hungrige Häftlinge Menschenfleisch essen. Sie nährten sich in ihrer Verzweifung von dem Fleisch der Leichen jener, die bei dem Bombardement den Tod gefunden hatten”, sagte er. A.fred Openheim. ein anderer Zeuge, erzählte, wie er ein „Muselmann” gewor-! man den Häftlingen, die i Tag und Nacht regungslos' herumhoekten. weil sie zu schwach waren, um sieh zu bewegen. FILME DES GRAUENS I Es wurden die Filme aus den Ausrottungslagern der Nazis vorgeführt, die von; den Alliierten in Hitlers Ar-! chiven im Auswärtigen Amt \ i gefunden wurden. Da wähi rend der Vorführung der' Gerichtssaal im Dunkeln I lag, wurde aus Sicherheits-! gründen nur Journalisten der Zutritt gestattet, die so 1 ausser den Geriehtsbeam- . ten, dem Angeklagten und seinen Verteidigern anwe. j send sein konnten. EIN ZEUGE FAELI.T IN OHNMACHT i Jechiel Dinur, der Ver-1 fasser der berühmten anonymen Chronik von Auschwitz, verlor das Bewusst- | sein auf dem Zeugenstand,[ den er wenige Minuten zu.! vor betreten hatte. Dinur, , der unter dem Pseudonym „Katzetnik” schreibt, wurde mit einer Ambulanz in das Krankenhaus überführt, | wo er wieder zu sich kam. Eine neuerliche Vernehj mung dieses Zeugen wurde verschoben. j I Sowohl Eichmann wie sein ■ Verteidiger Servatius schie- ( nen von der kurzen Aussaj ge Dinurs beindruckt. Di. nur —- Kazetnik 135633 sprach stockend und mit sichtlicher Anstrengung, j Noch bevor er zusammen-1 brach, spürte man seine ( verzweifelte Anspannung. Plötzlich setzte er zu spre-; chen aus. erhob sich von seinem Sitz, kehrte jedoch j wieder auf seinen Platz zurück und fuhr zu erzählen fort, ohne der Aufforderung des Richters, seinen Bericht zu unterbrechen und nur die an ihn gestellten Fragen zu beantworten, Beachtung zu schenken. i Der Staatsanwalt fragte . ihn. warum er unter einem Pseudonym und nicht unter t seinem * wahren Namen schreibe. Hierauf erwiderte Dinur, er betrachte siel* nicht als Literaten sondern ( nur als einen Menschen, der seine Gedanken und Erinne-1 rungen, die er nicht unterdrücken und nicht verges- , sen könne, zu Papier bnn. ge. Er sei zwei Jahre in Auschwitz gewesen, und diese Zeit dürfe man nicht mit dem gewöhnlichen Mass messen. Jeder Bruchteil einer Minute habe sich zu einer dehnt. Ewigkeit ausge AUF EINEM ANDEREN PLANETEN „Wir hatten keine Namen”, fuhr der Zeuge fort. . Wir hatten keine Eltern, keine Kinder. Wir bedienten uns der Dinge nicht, wie wir es hier tun. Nie. mand wurde geboren, und niemand gebar. Wir atmeten nach anderen Naturgesetzen. Wir lebten nicht, wir starben nicht. Unsere Namen waren Nummern.” Hipr unterbrach sich der Zeuge, um seinen Rockärmel hochzuschieben und seine Nummer zu zeigen. „Wir lebten auf einem anderen Planeten, der Auschwitz hiess.” Er zeigte den Mantel, den die Häftlinge in Auschwitz trugen und reichte ihn dem Staatsanwalt hin. Die Journalisten, die in diesem Augenblick Eichmann beobachteten, sahen, dass dieser sowie Servatius nervös und blass waren. Die Richter und das Publikum atmeten schwer. „Ich glaube fest daran”, nahm der Zeuge seine Erzählung wieder auf, „dass ich unter meinem Pseudo, nym am Leben bleiben musste, solange die Welt nicht auf die Leiden unseres Volkes reagieren würde. Ich stehe vor Ihnen und erzähle, was auf dem Planeten Auschwitz geschehen ist. Ich glaube fest daran, dass mein Schwur mich am Leben erhalten hat. Mein Schwur war meine Rüstung und schützte mich in diesen zwei Jahren in Auschwitz. Ich schwor, über das Geschehene zu berichten, wenn ich überleben sollte.” Bei diesen Worten wurde der Zeuge, ein Mann von 40 Jahren, ohnmächtig. VERHOER EICHMANNS Man erwartet, dass der Verteidiger Eiehmanns, Dr. Robert Servatius, nach einer einwöchigen Unterbrechung der Verhandlungen, am 19. Juni mit dem Verhör des Angeklagten beginnen wird. Servatius erklärte, er beabsichtige, Eich, mann Fragen über den grössten Teil der von der Anklage vorgelegten 1.600 Dokumente zu stellen, was eine Woche beanspruchen dürfte. Danach wird Eichmann von Generalstaatsanwalt Gideon Hausner einem Verhör unterworfen werden. DIE FRAGE DER TONBAENDER Das Gericht hat sich jetzt mit der Frage zu beschäftigen, ob 60 Tonbänder mit den Geständnissen Eichmanns als Beweismaterial angenommen werden sollen oder nicht. Diese Geständnisse Eichmanns wurden von einem holländischen Journalisten in Buenos Aires während der Jahre 1956 und 1957 aufgeriommen. Eichmann wollte, dass diese Tonbänder erst nach seinem Tode veröffentlicht werden. Der holländische Journalist jedoch, der seine holländische Staatsangehörigkeit ver oren hat, weil er mit den Nazis kolaborierte, verkaufte eine verkürzte Ausgabe dieser Tonbänder aus eigener Initiative an die nordamerikanische Zeitschrift ,Life”. Kurz nach der Verhaftung Eichmanns erhielten die israelischen Stellen 60 der insgesamt 65 Tonbänder. SERVATIUS WEHRT SICH i Zu einem heftigen Zusam. menstoss zwischen dem Verteidiger und der Staatsanwaltschaft kam es, als die Frage diskutiert wurde, ob diese Tonbänder als Beweis- ■ material gelten könnten. Servatius lehnte die Vorla-!-ge dieser Tonbänder ab. Er , erklärte, die fraglichen Ge. ständnisse und Erk.ärungen I Eichmanns seien unter der | Wirkung von Alkohol abge- ( geben worden. Der Staatsanwalt Gideon Hausner erwiderte: „ln vinc veritas” ¡(Im Wein liegt die Wahrheit). — Der Verteidiger! drohte damit, den holländi. 1 sehen Journalisten Wilhelm ’Sassen voriaden zu wollen, j der jetzt als Flüchtling in Argentinien lebt. Ausser- I dem wolle er einen gewis-; sen Fritz, der über diese j Geständnisse genau Bej scheid wisse und jetzt in Oe- \ sterreich leben würde, als Zeugen zitieren. | Hausner wies darauf hin, dass Sassens Vergangenheit es nicht ratsam erscheinen lasse, dass dieser nach Israel komme, ohne sich der Gefahr einer Verhaftung ais Kriegsverbrecher auszusetzen. — Das Gericht wird über diese Frage erst nach längerer Beratung entscheiden. BEKANNTMACHUNG Das israelische Justizministerium gab eine kurze Uebersicht über die vom Gericht im Eichmann-Pro. zess geleistete Arbeit heraus. Seit dem 11. April wurde an 42 Tagen verhandelt. Insgesamt fanden 72 Sitzungen statt, die 252 Stun. den in Anspruch nahmen. Die in hebräischer Sprache vor Gericht abgegebenen Erklärungen umfassen 600.000 Worte. 109 Zeugen wurden von der Staatsanwaltschaft vorgeführt, davon 98 Israelis, 5 Nordamerikaner, 1 Brasilianer, 1 Franzose, 1 Luxemburger, 1 Kanadier und ein Deutscher. 1.380 Schrifstiicke und Urkunden wurden als Beweismittel gegen den Angeklagten präsentiert. 40.000 Personen verfolgten als Zuhörer den Ablauf des Verfahrens. DIE FILME Einen neuen Höhepunkt des Prozesses gegen Eich-, mann bildeten die zur Vorführung gelangten entsetzlichen Film. Aufnahmen, die in den nazistischen Schrekkenslagern hergestellt worden sind. Die dort gezeigten Szenen zeugen von utnvorstellbarer Grausamkeit. Offensichtlich haben die. Nerven des Gerichts es nicht ausgehalten, einundeine halbe Stande jene Schreckensbilder Zu sehen. Einer der Richter erhob sich, die Hand vor dem Mund, leichenblass, und verliess den Saal. Eichmann, der Mann, der für diese Schrecken verantwortlich gemacht wird, sass bei der Film-Vorführung teilnahmslos dabei und verliess am Schluss den Saal j mit einem Lächeln auf den Lippen. Auf der Leinwand waren zu sehen: aufgestapelte Leichname unzähliger Menschen, aufgeschichtete Leichname, die brannten, PROTEST GEGEN NS-VERBRECHEN Coventry. — Trotz der telefonischen Androhung, man werde sich an seiner Person und an seiner Familie rächen, wohnte der Bürgermeister der englischen Stadt Coventry, W. Callow, offiziell der Eröffnung einer Ausstellung in der St. Mary’s Hall bei, auf der Fotografien vom Leben in den nazistischen Konzentrationslagern gezeigt werden. Bürgermeister Callow benachrichtigte die Polizei, dass ihm ein anonymer Anrufer telefonisch mitgeteilt habe: „Wenn Sie und Ihre jüdischen Freunde diese Ausstellung eröffnen, so werden Sie und Ihre Familie die Konsequenzen zu tragen haben.” Der Mann habe sich als „Vertreter einer Gruppe von Freunden Eichmanns” bezeichnet und seine Botschaft mit den Worten „Sieg heil Eichmann” beendet. Die Ausstellung besteht aus 80 Grossaufnahmen vom Leben in den Todeslagern der Nazis, die eine belgische Gruppe, die sich „Bruderschaft der Freunde der KZ Lager ’ nennt, zur Verfügung gestellt hat. Auf den Bildern sieht man verschiedene .medizinische Experimente”, die an den Häftlingen vorgenommen wurden. Die Meinungen über diese Ausstellung waren geteilt. So forderte z. B. efer Probst der Kathedrale von Coventry „alle Christen auf, diese Ausstellung der Bitterkeit zu boykottieren.” Der Bürgermeister vertrat jedoch den Standpunkt, dass die Zurschaustellung der Bilder keinen Angriff auf Deutschland darstelle, sondern er erklärte: „Wir protestieren nicht gegen ein einzelnes Volk sondern gegen die Lehredes Bösen und die Unmenschlichkeit in der ganzen Welt.” (ITA) gewaltige Berge menschlicher Haare, die von den Nazis industriell verwertet wurden, nachdem man den Frauen die Haare abgesc-hniten hattei, bevor sie in die Verbrenungsöien geschickt worden sind. Man sah Bilder von Frauen, de- . nen man mutwillig die Brü. ’ ste abgeschnitten hatte, [man sah Männerieichen, die -entsetzlich und sadistisch i verstümmelt waren.' Man sah Berge von Prothesen und Berge von Goldzähren, die man den Leichen ausge- ¡ rissen hatte. Die Filme stammten vor allem aus den Lagern Bergen Belsen, Auschwitz und Mauthausen. Einige ■ dieser Filmstreifen und Bilder wa- , ren von den Nazis selbst; aufgenommen worden. Andere Filme oder Bilder ‘ stammten von den Alliierten, auch von den Russen, nachdem diese in die nazistischen Sehreckensläger 1 eingedrungen waren und den ’unglücklichen Ueberlebenden der Hitler-Opfer die Freiheit gebracht hatten. - Der Staatsanwalt bat das Gericht um Entschuldigung, dass er . diese Bilder des Schreckens und der Unmenschlichkeitvorführen müsse. Aber „so ist es gewesen!”, rief Hausner aus.' MENGELE AUF DER LEINWAND w" In einem Bildstreifen werden Aufnahmen von den Experimenten gezeigt, die von den nazistischen „Aerzten” (lies Verbrechern, Anm. der Red.) in Auschwitz gemacht worden sind. Auf einem dieser Bilder erscheint Mengele, jener Kriegsverbrecher, der in Argentinien lebte und von hier flüchtete und sich jetzt in einem benachbarten Land aufhalten dürfte. Man sicht Mengele, wie er an Zwillingen experimentierte, um sie zu siamesischen Zwillingen zu machen. Die kleinen Opfer dieses „Experiments” starben kurz nach diesem grausigen Versuch. In einem anderen Bild konnte man die Spuren sehen, die yon den unglücklichen Opfern des Gaskammern zurückgelassen wurden, die sich mit. ihren Nägeln in die Wände einkrallten, bevor sie vergiftet zusammenbrachen. — SERVATIUS ZWEIFELT Servatius behauptete, wie ausgeführt, Sassen hätte Eichmann betrunken gemacht, bevor er das Tonbandgerät anstellte. Er habe hierfür einen Zeugen, einen Oesterreicher namens Fritz; der dies aussagea - könne.; Servatius, behauptete ferner, Sassen habe seine eigenen Kommentare in den Apparat gesprochen — „zu Propagandazwecken” — und diese Bemerkungen später Eichmann in die Schuhe geschoben. "'-Der' Verteidiger fügte hinzu, er müsse bezweifeln, dass Eichmann gesagt habe: „Ich würde freudig ins" Grab springen, weit 5 Millionen Juden \ umgekommen sind”, denn dies stimme mit ^anderen] Erklärungen - Eichmanng picht überein. Generalstaatsanwalt Hausner verwies hingegen dar- | auf,.dass 'er das Tonband | für „äusserst wichtig” hal- ,| te, da es .beweise”, dass Eichmann mit den ihm zur Last gelegten Verbrechen in Verbindung steht.! Seltsames Maneever i im Irak London. — Verbände der | im Irak aufgestellten Palästina-Armee haben gemeinsam mit' Einheiten der ira- , kischen Armee in der Umj gebung von Bagdad ein Ma. I növer abgehalten, wobei sie i eine „Ortschaft jüdischer ■ Kolonialisten ' besetzten und , eine arabisch-palästinensi-- i sehe Flagge hissten. (AWZ) Registro de la Propiedad Intelectual No. 656.635 TmnfACA All 1. Tmnnuht* DAT TT2T OT4