Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1882 (6.6.1961)
- Date
- 1961-06-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PULYRhÊDON 2190 - J’ wq. /h, JkwuxnaJsteæUia T E. 8 3 ■ 2 S 1 3 Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 6 DE JUNIO DE 1961 No. 1882 NAZIS HINTER GITTERN New Orleans. — George Rockwell und neun Mitglieder seiner Partei wurt'en in der vorigen Woche verhaftet, weil sie den inneren Frieden gestört und gefährdet haben. Die amerikanischen Nazis versuchten, die Vorführung des Filmes ..Exodus” zu stören und eine Versammlung zu sprengen, die vor. der Na. tionalen Vereinigung für den Foitschriit der Neger veranstaltet worden war. Die Nazis traten im Gefängnis in Hungerstreik. (ITA) BEN GURION: ISRAEL WIRD DIE SCHWIERIGKEITEN ÜBERWINDEN New York. — Ben Gurion sprach vor den Repräsentanten der amerikanischen Zionisten auf einer Sitzung der Jewish Agency und des Zionistischen Zentralrates, der amerikanischen Juden, dessen Aufgabe die Koordination aller zionistischen Gruppierungen ip den USA ist. Dr. Nachum Goldmann begrüsste den Ministerpräsidenten und sprach u. a. auch über die Kontroverse zwischen Ben Gurion und ihm über die Frage ..Wer ist ein Zionist?”. Ben Gurion antwortete hierauf: ,.Ich habe seit meiner frühesten Jugend eine bestimmte Vorstellung über den Zionismus und ich bin ihr treu geblieben. Ich ebe in einem freien Land, genau wie Ihr, und wir alle geniessen das Recht der freien Meinungsäusserung.” — In seinen weiteren Ausführungen erklärte Ben Gu. rien, Israel werde imstande sein, die Schwierigkeiten, die in Zukunft entstehen, auch fürderhin zu überwinden. — Auf einer anderen Sitzung, an der die Präsidenten aller dem Zentralrat angeschlossenen Organisationen teilnahmen. unterstrich Ben Gurion die Notwendigkeit der jüdischen Einheit. Sodann ging er auf das Problem der arabischen Flüchtlinge ein. Der Premier wies darauf hin, dass sich seit 1948 mindestens 500.000 Juden aus den arabischen Ländern in Israel sesshaft gemacht haben. Zumindest die gleiche Zahl der arabischen Flüchtlinge kann in den arabischen Ländern absorbiert werden. Ministerpräsident Ben Gurion nahm an einer Reihe von Empfängen teil, besuchte u. a. den Sitz der Histadruth in New York und hatte mit einer grossen Anzahl jüdischer Führer Besprechungen im Waldorf Astoria Hotel, wo er während seines New Yorker Aufenthaltes wohnte. In der Histadruth hielt er eine Ansprache in jiddischer Sprache, in der er seine Meinung wiederholte, dass Zionismus die Einwanderung (A'.ija) nach Israel bedeutet. Unter seinen Besuchern befand sich L. Rosenwald. einer der Gründer der antizionistischen Organisation in Amerika (Council for Judaism), mit dem Ben Gu. rion bereits eine Begegnung hatte, als Rosenwald in Israel war. BANKETT ZU EHREN BEN GURIONS Die Rolle der UN wurde von Ben Gurion auf einem Bankett unterstrichen, das von Diplomaten zu Ehren des israelischen Ministerpräsidenten gegeben worden ist. Vertreter von 50 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen nahmen an diesem Bankett teil, unter ihnen auch die ständigen Delegierten Bulgariens, Weissrusslands und der Ukraine. Die Delegierten der Sowjetunion, der CSR und Polens waren ebensowenig erschienen wie die Vertreter der arabischen Länder. Ben Gurion sagte u. a.f ,,In einer bis an die Zähne bewaffneten und unruhigen Welt müssen die Vereinten Nationen eine wirklich moralische Kraft sein, die den gemeinsamen Willen zum Frieden stärkt und die entscheidend zur Verminderung der Spannungen beiträgt. Damit die UN eine solche moralische Kraft sind, müssen sie ein Forum sein, das sich um den Ausgleich der bestehenden Differenzen bemüht und diese nicht vergrössert. In den UN sollte jeder Mitgliedstaat die nationale Unabhängigkeit und die territoriale Integrität jedes anderen Staates erkennen, wie dies auch die UN Charter von allen verlangt.” — In seinen weiteren Ausführungen wies Ben Gurion auf das Fernbleiben der arabischen Staaten bei dieser Veranstaltung hin. Er brachte seine Ueberzeugung zum Ausdruck, dass Israel und seine arabischen Nachbarn am gleichen Tisch sitzen werden. Wenn ich meinen Blick um diesen Tisch schweifen lasse, so sagte Ben Gurion, und die Repräsentanten der uns befreundeten Nationen •sehe, so empfinde ich es schmerzlich, dass unsere Nachharn fehlen. „Die Geographie und die Geschichte, die Rasse und die Gemeinschaftlichkeit der Sprache haben uns mit unseren semitischen Vettern, den Arabern, ver. founden. Es ist meine tiefe Ueberzeugung, dass der Tag kommen wird, wo wir unser Brot gemeinsam essen werden. Es ist unser Wunsch und unsere Hoffnung, dass wir unsere Kräfte vereinen werden,,um gegen die gemeinsame« Feinde unserer Länder, wie z. B. gegen die Wüsten, vereinen können.” — Ben Gurion gab seiner Genugtuung Ausdruck, dass die Repräsentanten der drei westlichen Grossmächte ebenso wie die Diplomaten der lateinamerikanischen und asiatischen Staaten erschienen seien. Er hob die Anwesenheit der Afrikaner besonders hervor, die durch die diplomatischen Repräsentanten Ghanas, des Chad, Guineas, des Kongo, Malis, -Madagaskars und Senegals vertreten waren. „Nicht ohne tiefe Bewegung”, so sagte Ben Gurion, ..sehe ich hier die Diplomaten derjenigen Länder, die erst kürzlich ihre Unabhängigkeit erkämpft haben. Wir Is. r*e4is schulden bei unseren Bemühungen um den Aufbau unseres Landes vieles anderen Ländern. Für uns ist es eine Ehre und es macht uns stolz, dass andere Länder Afrikas und Asiens unserem Beispiel felgen und aus unseren Erfahrungen beim Aufbau ihrer jungen Staaten lernen wollen. Die technische Zusammenarbeit zwischen uns und diesen anderen Ländern kt in den letzten Jahre« -sehr eng geworden. Die Staaten können und müssen weh gegenseitig itn Geiste voliger Gleichheit und echter B*Hi<Jer-;ichkeit helfen.” —. Die Ehrung für Ben Gurk» wurde vom Münder Feederak Boland ausgebraeht, der »w, Gurion als „eilte ie blutige Rolle des Mufti WETTLAUF GEGEN Kapitel der Ausrottung der an die österreichisch unga- Aus ihren Gesichtern sprach DIE ZEIT europäischen Juden in Unrische Grenze in einer Misder Schrecken vor einem Im weiteren Ablauf des garn Zeugnis ablegen, zeision. die ihm von der nahen Tod. Eichmann - Prozesses wurgen mit aller Klarheit schweizerischen Regierung BERICHT DES den Beweise für den „Wettdie Verbrechen Eichmanns, anvertraut worden war. An BOTSCHAFTERS lauf gegen die Zeit” vorge. Nachdem er 450 000 ungari. einer Grenzstation sah er j unter den von der Staatslegt, den Eichmann bei seisehe Juden, in der Mehrheit dann tausende Juden, die anwajtsehaft vorgeleg en nem Bemühen austrug, noch aus Budapest, bereits in die darauf warteten, nach Oe. Dokumenten befand sich möglichst viele Juden zu li- Gaskammern geschickt hatsterreich deportiert zu werein des Dr. Edquiöieren, bevor die alliierte. machte Eichmann die den. Dort wurden sie von (Fortäetzun„ aUf Seite 3) ten Truppen Ungarn und grössten Anstrengungen, um einem der Adjutanten Eich-, die anderen europäischen weitere 200.000 ungarische manns, dem SS-Offizier J--- Länder von der Nazipest Juden liquidieren zu kön- Dieter Wisleceny erwartet, befreiten. Insbesondere wurnen. Der ^euge erklärte dann den neue Beweise für den Ungefähr 50.000 Juden wörtlich: Todesmarsch vorgelegt, den wurden gezwungen, an „Die Lage der Juden war : Juden aus Ungarn nach Oe. dem Todesmarsch teilzuunbeschreiblich und unvor. Ben Gurion und Truman w.. __„„■■■ ___ _ _ Bevor der israelische sterreich antreten mussten, nehmen, der von Eichmann stellbar. Sie waren auf ei-1 j Ministerpräsident Ben Auf diesem Marsch sind befohlen worden war. Dies nem engen Raum zusamj i Gurion die USA verliess, zwischen 6.000 und 10.000 wurde von Ary Breslauer mengepfercht in Baracken,! hatte er eine Begegnung Juden dureh Hunger. Kälbestätigt, einem Mitglied die zum Trocknen von Tate und Krankheit umgekomder Führung der ungaribak bestimmt waren. Sie men. Die Dokumente und sehen Juden. Der Zeuge rei. hatten einen Weg von 200 Zeugen, die über das letzte ste am 23. November 1944 Kilometern zurückgelegt. WIE ICH ES SEHE Der braune Bürgermeister tan JEHUDA G0TTHEIMER mit dem Expräsidenten Truman. „Sie werden in d e Geschichte eingehen, nicht nur Amerikas, sondern auch in nie Geschichte Israels” sagte Ben Gurion dem früheren Präsidenten per als erster Statasmann der Welt den damals soeben | geschaffenen Staat Isra-! el anerkannt hatte. ..Sie I sind immer eingelad?n, , Israel zu besuchen.” — j Truman erwiderte, er wolle nach Israel reisen. Das Amt des stellvertrewurde Schepmann al<- «n demokratischen Deutsch.' i ®ie Unterhaltung mit r,.-.__ H ^_r.-- Ben Gurion. so saste Ben Gurion. so sagte; Truman, sei ftir ihn au. . sserordentlich angenehm ' gewesen. (ITA) (enden Bürgermeisters in ein Kriegsverbrecher belancl bekleiden konnte, dem kleinen Städtchen Giftzeichnet und wohl auch zu.! Die Tatsache allein dürfhorn wurde von Wilhelm nächst behandelt. Dass te bereits bedenklich sein, \ i Schepmann bekleidet, der. Schepmann ein Mann mit besonders dann, wenn so vor kurzem von diesem Po. gros-em Einfluss im Dritungeheuer viel von allen sten zurücktrat. Derartige ten Reich war ergibt sieh deutschen Zeitungen undI Vorgänge sind nicht selten. aUs vielen Faktoren. Am 6. den vielen ausgezeichneten schon ‘arlg® Jahl!5. aui die' Die ganze Geschichte wäre , Oktober 1943 fand eine von Schriftstellern über das se.™ Posten. Niemanden ¡auch nicht bemerkenswert, Hitler einberufene Konfe- Thema der nicht bewältigstörte dies. Man musste w'enn dieser Schepmann renz statt, an der ausser ten Vergangenheit geschrie. ,.aJ'aus^le w0" einzig mögnicht seine eigene Ge- Göring, Goebbels, Himmler, ben und gesprochen w’ird. llche Konsequenz ziehen, | schichte haben würde. War Keitel, Dönitz. Milch, Lev, Wir wollen annehmen, dass w°S€f»en sich wiederum die er doch in den letzten Ta- Zeitzier, Albert Speer sowie diese Debatten ehrlich ge. neuen demoki atischen Ingen seiner Amtswaltung den Gauleitern auch aer SA. meint sind, und dass sich stanzen wehren. Unsere von der Oeffentüchkeit Chef Schepmann teilnahm, alle beteiligten Politiker Konsequenz wäre, wobei j scharf angegriffen .worden. Er figurierte also unter der und Journalisten ernsthaft wl^ uns ln? Gegensatz zu „Damit die Welt sich wie. Elite des nazistischen Kiündarum bemühen, eine trauancferen nicht von Senti- 'der beruhigt”, meinte der gel. Himmler referierte über rige, entsetzliche Vergan. ments. sondern von den Tatstellvertretende Bürgermeidie Moral des deutschen genheit wirklich zu übergellen beinflussen lassen: ster, werde er abtreten. | Volkes und Schepmann winden. Was soll das be-;Varum solltes d‘e Glft- I Wilhelm Schepmann war über die Tätigkeit der SA deuten: „die Vergangenheit ornei s “ren. dass der ebe. eine Leuchte des Dritten zur Festigung der Kriegsüberwinden”, wird man zu. mall?e kA-Lnef ihrKurzer. Reiches. Er war schon vor rnoral. Aus dieser kleinen nächst, fragen müssen. Uen?€’sfe|’ wurde. >-Ks hat |dem Umbruch MdR und Episode dürfte sieh bereits berwmden — das heisst s. geändert, und dürfte auf diesem seinem ergeben, dass Herr Schep. nicht vergessen, sondern ■?,e haben sich nicht ge.m- Abgeordnetenposten das Bemann, stellvertretender Bürbei genauer Kenntnis zu dcrl . . ste zur Unterhöhlurig der g-ormeister in Gifthorn jetzt, neuen Ueberzeugungen geon ein?r oewa -gten Weimarer Republik gelei. einstiger SA-Chef, besonders langen. Mit anderen Wor- .e£gangenhcit kjinn naturstet haben, dessen er fähig V'°I von nazistischer „Mo. ten will man mit der noch n.'Y11 d, cde "ein. 1 ULflr» 10^4 tunrrl« a „ in im Da Tal** VPrsIpht. 1 niok* Kawü nKar ririn '' SICH Gi€ FdklCn pfSS^Hw-ar. 1933 wurde er zum Pora^f versteht. ¡nicht bewältigten aber drin. *;ie sl* * a*Ien in Dort-i Schepmann gehörte auch gend — und notwendigert’*eren. fehlt es soear in de I lizeipräsidenten * wv4 “ * w ^mvu ita MmM \j\ t» | kj v uv p in a ii ii v ll vl l CK UL * I e* . 44 v 4 v 4#v^ t 4 i » < j mund ernannt, später war zu denen, die im Angesicht weise zu bewältigenden Ver.1 n Kr„isen am Wi.en. die er SA-Chef in Sachsen und der eingebroehenen Kata. gangenheit den W'illen zur Vergangenheit zu uberwmin den letzten Jahren der Strophe zur Bildung des: Umkehr und zu einem de-jde2) nazistischen Zerstörungspo-i Volkstums aufriefen und mokratischen Leben aus-1 D€r Fal‘ Schepmann walitrk avanzierte er sogar damit den sinnlosen Verdrücken, zu einem Leben, re — we“n nicht weitere bezum Stabschef der SA, ei.'such machten, mit Kindern I das auf anderen Grundla. sondere Umstande hinzutre. nen Posten, den vor ihm 1 und Halbwüchsigen den Vor. i gen als die Vergangenheit ten wurden — einer von vie- Roehrn und Lutze einge. j marsch der Aliäerten insbe nommen hatten. Wenn auch sondere der roten Armee, die SA längst nicht mehr aufzuhalten. Nur die wildeberuht, die man nicht leug. len-> denen alte Nazis net, aber ablehnt. .schnell wieder hohe Funk- Eine solche Umkehr kann il°?en ‘Vder ^.Bure/rem'- den Einfluss wie früher'sten. unverbesserlichen F-a. ¡wohl nicht allein dureh 1)1,14 ausuben Die Zctungen! batte, fiel ihr gerade in den; ivatiker in der nazistischen Worte geschehen. Wer gebeinahe täglich, Hass Hetzten Kriegsjahren wieder Führung plädierten damals' stern dem Hakenkreuz frön ^genöein hoher P-«iizeibeeine Terror-Aufgabe zu, so- ’ für diesen Verzweifluivgs-! te, kann wohl nicht heute ' amter ««ter dem Verdacht dass nur einer der ganz zuschritt, durch den das sinn-' gleich durch sein Lippenbe-1 f«stgenommen wurde, an j verläsigen Nazis mit dieser lose Opfer tausender Leben kenntnis als aufrechter De- ÄIasse“verl»rechen beteiligt Stellung betraut werden gebracht wurde. Unter die. mokrat angesehen werden. | gewesen zu sein. Die OeL dconnte. Und dieses Vertrau-. sen Unbelehrbaren war Sn primitiv dürften weder iieutlichkeit hat sich an sel' en der Führung besass Schepmann, der immerhin die Menschen sein noch die 1 ch* Meldungen gewöhnt und Schepmann. ¡wieder — wenn auch kei. Umstände. Aus einem1 findet sehon nichts mehr Mit Rücksicht auf diese nen hohen — so doch einen höchsten SA-Führer kann,dabei- Vergangenheit und Stellung öffentlichen Posten im neu-! schwerlich in wenigen Jah. I Dl«se Affäre jedoch spielt _____ ren ein demokratischer Bürsicb au^ dem Hintergrund fjcrmcistcr werden j aktueller po-Hfi* der grossen Persönlichkeiten unserer Epoche” bezeieh. oder glauben Sie man' scher Kämpfe zwischen den nete. Boland drückte im Namen aller Anwesenden „die habe die Identität des|heute macht,Sen Parteien -aufrichtigen Wünsche für einen künftigen Frieden, für ¡Schepmann nieht gekannt’' Schepmann se.bst gcden Fortschritt und das Aufblühen Israels” aus. Ben Gu-^Der Marin hat doch unter ¡hort Partei der Heimal' non erwiderte hierauf, dass „das Volk Israels den grosskeinem richtigen Namen ge-1 r®rt-r,€be“en aa' Die'e Par* ten Respekt vor dem irländischen Volk empfindet. Ir-'iebt Er hieU es noch nkht L*1 ^st das rechte fand habe der Weit den Beweis für die Liebe zur Frei-¡einmal für erforderlich sich beckenfl,cfct «“r heit gebracht, die durch Leiden nicht erstickt werdend« tarnen oder sich zu ver, tlonaren’ sondern der nazi- SchaBzen. Sch«epn>atm ist (Schluss «auf Seite 2)