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Jüdische Wochenschau · 1961-05-30 · 1880 (30.5.1961) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1880 (30.5.1961)
Date
1961-05-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 - 1’ iiq. JfaJ&nxut&JshcÆlila T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 30 DE MAYO DE 1961 No. 1880 Einen Jungen erschlagen DAS WAR DER MOERDER Eichmann har ein jüdisches Kind erschlagen, das angeblich im Garfen der Eichmannscnen Residenz Kirschen gestohlen hatte. Dieses Verbrechen wurde von Eichmann in Budapest begangen, was von einem Zeugen bestätigt worden ist. Das war das erste Mal, dass Eichmann im Verlaufe des Prozesses beschuldigt worden ist. selbst mit seinen Händen einen Men. sehen getötet zu haben. Abraham Gordon, der diese Erklärung aogab behauptete, selbst Tatzeuge gewesen zu sein. Als der Zeuge diese Erklärung abgab, machte Eiehmann Notizen die er durch einen Wachtmann sei. nem Verteidiger übersandte. Der Ermordete war ein junger Mensch aus einer Gruppe von jugendlichen Zwangsarbeitern, die'in diesem Garten Gräben ziehen mussten. Diese Villa, die Eichmann beschlagnahmt hatte, gehöre vordem einem wohlhabenden Juden, dem Industriellen Leopold Ashner. Eichmann erschien auf dem Balkon und schrie plötzlich einen der Juden an: ,,Du hast Kirschen von diesem «Baum gestohlen”. Unmittelbar danach kam Eichmann herunter in Begleitung eines seiner Wachleute. Der Zeuge fügte hinzu: „Ich habe Eichmann gesehen, wie er die Tür zu einem Gerätehaus geöffnet hat, wo man Werkzeug aufzubewahren pflegte. Er stiese den Jungen in dieses | Häuschen; .unmittelbar da. i nach hörte ich furchtbare Schreie und die schweren I Schläge, die typisch sind, I wenn man auf Menschen einhaut. Das dauerte ungefähr 15 Minuten. Die Sehre e hörten auf. Eichmann kam aus diesem Haus mit zerzaustem Haar heraus. Das Hemd sah ihm vor. Er war voller Flecken, die ich als Blutflecke angesehen habe, i Ich hatte den festen Eindruck, dass er es selbst ¡war, der auf den Jungen eingeschagen hatte. Dann erst kam der Gehilfe Eich. I manns aus dem kleinen Haus und rief den Chauf- \ feur Eichmanns. Die beiden schleiften den Leich-; nam des Jungen heraus und zogen ihn an den Beinen Sie packten den Leichnam! auf den Hintersitz des Autos und verschwanden. Das ¡Auto kam nach einer halben Stunde zurück der Chauffeur sagte: ..Ich habe die 1 Leiche einfach in die Donau geworfen. Wenn Ihr ¡den Mund aufmacht, passiert Euch das selbe.” I Der Zeuge sagte. c-r sei ' sicher, dass nur Eichmann den Jungen erschlagen ha; be. Der Gehilfe habe zuge. 1 sehen. Der Zeuge sagte i dann weiter auf eine Frage des Staatsanwaltes, er habe den Eiehmann wiederholte Male in reiner Residenz gesehen. Als man dem Zeugen verschiedene Photographien vorlegte, erklärte er: „Ich habe auch nicht den geringsten Zweifel, dass dies der Mann ist.” FILME WERDEN GEZEIGT Für die nächste Woche ist vorgesehen, dass das Gericht Filme über Ausch- (Fortsetzung .auf Seite 8) DER KARREN DES HASSES Dr. w_ Mitglieder der „Nationalsozialistischen Partei Nordamerikas’ . deren Führer Lincoln Rockwelis ist, treiben jetzt im Süden der Vereinigten Staaten ihr Unwesen, wo sie Kundgebungen gegen die Gleichheit der Rassen veranstalten. Sie versuchen, die zugunsten der Neger getroffenen Massnahmen und Entscheidungen rückgängig zu machen. Mit Hakenkreuz Armbinden w,e die ehemaligen SA treten sie als HeilsverKtinder aut. Ihr Führer hatte die Ankunft seiner Getreuen in New Orleans angekündigt und die Bevölkerung mtgerufen. diesen Leuten einen warmen Empfang zu bereiten. Als dei „Karren des Hasses” in New Crleans eintrat, mussten die nazistischen Amerikaner feststellen, dass ihr Erscheinen auf die Ablehnung der Bevölkerung r.iess. Verschiedene Hotels weigerten sich, diese Leute aufzunehmen. Die veranstalteten Kundgebungen wurden von ien Einwohnern mit eisigem Schweigen beant\vortet. Diese Nachricht wirkt trotz der beschwichtigenden Tendenz, dass die Bevölkerung solche Demcnstrationen ablehnen würde, wenig beruhigend. Es b eibt erstaunlich. dass die Amerikaner dieses Treiben dulden nachdem sie bereits selbst einmal miterlebt haben, zu welcher Weltgefahr faschistisch-nazistische Wühlereien und Hassfanfaren führen können. Anstatt Uniformen mit Hakenkreuzbinden und ähnlichen Firlefanz zu vernieten, schwanken die Behörden, ob und in we.cher Form sie eingreifen sollen. Vor wenigen Monaten schrien diese Banden gegen die Juden und veranstalteten Kundgebungen in Washington und sogar vor dem Regierungsgebäude, in dem der alte Präsident, General Eisenhower sass. Heute lärmen sie in New Orleans gegen die Neger, obwohl in junger und dynamischer Präsident inzwischen im Weis.-cn Haus regiert. Gegen wen werden sie moigen randalisteren? WIE ICH ES SEHE * ^4 i In einer verlogenen Weit j von JEHUDA GOTTHEIMER Wir leben in einer verlogenen Welt. Das nennen sie Frieden: Kriege, Spannungen. Konflikte. Sie sprechen von Abrüstung und übertrumpfen sich im Bau von Waffen. deren einziger Zweck es ist. Tod und Verderben über ahnungslose Bevölkerungen zu bringen. Sie dienen der Wissenschaft, um die Met.noden des gegenseitigen Kampfes und der gegenseidgen Vernich, tung zu verbessern und zu vervollständigen. Und sie stossen in den Weltraum vor, um die auf Erden seit Jahrtausenden geführten — sinnlosen — Auseinandersetzungen im Weltraum fortzusetzen und neue Mittel zur Zerstörung zu erfinden. In einer wunderbaren Zeit leben wir. Unter den Eisdecken der nördlichen und der südlichen Erdkugel fahren von atomarer Kiaft gelenkte U-Boote. Hunde und Menschen reisen durch den Kosmos. Flugzeug-Ungetüme durchbrausen in unvorstellbarer Geschwindigkeit die Luft. Technik und Wissenschaft haben die Menschen räumlich unendlich nahe aneinandergebracht. Von einer Sekunde zur anderen können wir erfahren, was bei fremden Völkern vorgeht. In wenigen Stunden. bald senon in Minuten überkreuzen wir die Ozeane. Und alle bewundern den gewaltigen Fortschritt, der in kurzen fahren gemacht worden ist. A.tertüm ich er. scheinen die Flugzeuge, die einst — das neisst vor weniger als vierzig Jahren — als Höhepunkte menschlicher Errungenscha'ten gefeiert wurden, um nur eines von vielen Beispielen her. auszugreifen. Lindberg, der als erster den Nordatlantik überquerte, wurde als ein Held gefeiert, wie heute der Russe Gagarin. Aber Tag für Tag und Nacht für Nacht fahren jetzt fahrplanmässig hunderte Flugzeuge mit wachsender Zahl von Passagieren iioer alle Meere, als wäre c:es die grösste Selbstver Ländlichkeit. Und doch dient alles dies nur dem sinnlosen, rücksichtslosen. planlosen Kampf um die Macht. Vom Fortschritt cu sprechen, ist durchaus berechtigt, aber all diese fantastischen Leistungen stehen nicht im Dienst des Fliedens, sondern im Zeichen der Konkurrenz, des Wettlaufs um Macht und Einfluss und um die Weltherrschaft. Das ist die furchtbarste Lüge unserer Zeit: jener verabscheuuagswürdige Versuch, unter aem Deckmantel friedlichen Schaffens die nächste Runde vorzubereiten, die nach menschlichem Ermessen nur Trümmer zurücklassen wird. Obwohl das alle wissen, ändern sie ihre Methoden und Programme nicht, treiben sie die gleiche Politik, die schon immer, ungezählte Male, nur im kleineren Um- , fang, zu Elend und Leid geführt hat. i Die moralischen Kräfte, | die für sich selbst den Anspruch erheien, den höhe-j ren Idealen — losgelöst vom kleinlichen Streit der Interessen zu dienen — sind gestern wie neute in diesen Kampf verstrickt. Schwächlich erheben sie ihre Siim- ■ men, um zur Einsicht zu j mahnen, aber man glaubt , ihnen nicht mehr, da man die Spuren sieht, die sie! selbst unverkennbar im po-1 litischen Leben der Nationen zeichnen. Anstatt Kiufj ten zu überbrüeken. weri den die Gegensätze durch1 solches Wirken vertieft. Die Erde gleicht einem gewaltigen vulkanischen Feld, in welchem heute hier, morgen dort, ein Beben stattfindet. bis es zu einer vernichtenden Eruption kommt. Die alten Mächte haben bewiesen, dass sie nicht imstande sind, die Probleme der Menscneit zu lösen. Neue Kräfte sind nicht er¬ DAS IST „DER KARREN DES HASSES” DER AMERIKANISCHEN NAZIS wachsen, die mit ihrer reinen Idee und ihren zündenden Parolen fähig wären, die Menschen zur Umkehr zu rufen. Im aufgewühlten Meer der Zeit treiben alle Völker ziellos umher. Die vielen Steuerleute reissen das Steuer nach allen Seiten und beschwören hierdurch den Untergang, anstatt durch gemeinsame Anstrengung oas morsche Schiff zu retten. Die Folge dieser internationalen Situation ist der „geflickte” Frieden, zu dem man günstigenfalls im Wege langwieriger Verhandlungen gelangen kam. Aber die Bruchstellen reissen immer wieder auf, da die Probleme nicht gelöst werden. Jetzt brodelt es wieder in Korea, morgen in Laos, dann anderswo in der Welt. Mau verhütet für den Augenblick eine Katastrophe, aber bereitet eine schlimmere vor. Denn das wach.; sende Kriegspotential aller . Nationen wird den künftigen ZuSammenstoss noch ernster und folgenschwerer werden lassen als alles, was vorausging. , Die Genfer Besprechun-; gen schleppen sich miihse- [ lig dahin. Dabei wäre die totale Abrüstung der einzi.. ge Weg, der uns noch bleibt um dem Chaos zu entgehen. Aber wer denkt j ernsthaft an Abrüstung? Und wer könnte hieran den-; ken, ohne sich wehrlos seij nem Gegner auszuliefern. I Abrüstung und Frieden setzen ein gegenseitiges Verj trauen voraus. Niemand jedoch glaubt an die Aufrichtigkeit der anderen. Das Misstrauen als eine politi. sehe Erscheinung wirft jedoch nicht allein seine Schatten auf das internationale Leben; es frisst auch am eigenen Mark der Völ¬ Ottawa. — Ministerpräsident David Ben Gurion hatte eine zweitägige Aussprache mit dem kanadischen Premier John Diefenbaker. Beide Staatsmänner gaben nach Abschluss ihrer Besprechungen ein gemeinsames Communiqué heraus. In dieser Erklärung heisst es, die beiden Regierungschefs hätten abgesprochen, dass bei einer eventuellen Lösung der mittelöstlichen Pn bieme das Recht aller Nationen in diesem Lebenraum auf ein Leben in Frieden und Sicherheit berücksichtigt werden muss. In dieser Bekanntmachung wird die Auffassung Ben Gurions zum Ausdruck gebracht, der über die Schwierigkeiten für Israel gesprochen hatte, zu einer Regelung der Differenzen mit den arabischen Staaten im Rahmen der Prinzipien der Vereinten Nationen *u gelangen. Auch in der Frage einer breiten Hilfsaktion für die weniger entwickelten Länder kamen beide Staatsmänner zu einer Uebereinkunft. Materielle Unterstützung und technische Hilfe haben nicht nur die Aufgabe, die Lebensbedir.gungen dieser Länder zu verbessern, son. dern auch zur Minderung internationaler Spannungen sowie zur Festigung der Sicherheit und des gegenseitigen Vertrauens beizutragen. In diesem Zusammenhang, so heisst es in der Bekanntmachung, sei eine allgemeine Abrüstung unter internationaler Kontrolle unDedingi erforderlich. In einer Pressekonferenz in Montreal forderte Ben Gurion die USA, Frankreich und Grossbiitannien auf, die Unabhängigkeit und Integrität der Staaten des Mittleren Ostens zu garantieren. Der israelische Minister. Präsident liess die Möglichkeit offen, dass die Sowjetunon ebenfalls einer solchen Garantie beitrete. Inzwischen ist Ben Gurion in den Vereinigten Staaten eingetroffen und hat bereits wichtige Besprechungen u. a. mit dem Generalsekretär der United Nations, Dag- Hamarskjold, gehabt, worüber wir ln der nächsten Ausgabe berichten werden. ker, deren innerpolitisch? Lage meist hoffnungslos verworren ist. In den diktatorialen Län. dern traut der Machthaber nur sich selbst und einigen seiner Vasallen. Die russische Politik wird seit Jahrzehnten von diesem tieien Misstrauen Geherrscht, dessen blutige Folgen in den zahllosen Reinigungsaktio. nen immer wieder seinen, nach aussen achtbaren Ausdruck findet Die Zahl diesem Misstrauen geopiener Menschen geht in die Hunderttausende aie noch heute in den Kerkern oder aen verlassenen Plätzen Sibiriens schm ichten. Wenn auch in der -Vera Krutschew diese Vorfolg ir.gen nachgelassen haben von Zeit zu Zeit hören wir davon, wie der Diktator zur Stützung seiner eigenen Macht sei. nen engeren Kreis säubert”. Von r’tn vie en Unbekannten. die sich des Verbrechens schuldig machen, anderer Meinung zu sein, erfahren wir nichts. Man soll nicht annehmen, dass die Sowtetunion allein diesem System der Sicherung der Macht im Innern des Landes verfallen wäre, ln allen Länderr des Ostblocks herrscht der gleiche Druck nach innen qei dazu dient, den Druck nach aussen zu verstärken Ge.egentliche Explosioner wie die Aufstände in Ostdeutschland. in Polen oder Ungarn bestätigen diese Vorgänge, die in ihrer überwiegenden Zahl dem Bück der übrigen Welt entzogen sind. Es wäre abet durchaus falsch, diese Methoden nur bei den anderer festztisWi. len sie finden sich uch in Ländern, die untei westlitSchluss aut aeite Z) v.V.

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