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Jüdische Wochenschau · 1961-05-27 · 1879 (27.5.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1879 (27.5.1961)
Date
1961-05-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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Die Quislinge von ß. II SAMVEL PUEYRREDON 2190 - J’ izq- £0, J&ttcuta Jkàœlüa Ano XXII. BUENOS AIRES, SABADO 27 DE MAYO DE 1961 No. 1879 DOKUMENTE UEBER RUMAENIEN Das Kapitel der Massen. nwde an den rumänischen Juden beweist nach der Darstellung der Anklage die Schuld Eichmanns in einem schwer belastenden Umfang. Hieraus geht hervor, dass der Obersturmbannführer keineswegs nur die Befehle seiner Vorgesetzten ausgeführt hat. Getrieben voa einem unvorstellbaren Fanatismus ging er auf eigene Initiative und nach eigenem Ermessen vor. Die von der Ank'.agebehörde als Beweise vorgelegten Dokumente zeigen eindeutig, dass Eich mann nicht nur in allgemeinen Zügen die Ausrottung der europäischen Juden geplant hat, sondern dass er sich wie ein Besessener mit allen kleinsten Einzelheiten beschäftigte. Sogar EinaelfäL le behandelte er selbst. Die rumänische Regierung war bereit, dem jüdischen Industriellen Max Ausschnitt oie Genehmigung zur Auswanderung zu erteilen. Hiertür wollte sie j „nur” die Uebertragung 'seines Eigentums .. Hier, j gegen legte Eichmann sein ¡Veto ein und verlangte und . erreichte, dass der Indu- * strielje in sin Konzentrationslager georacht werde. I ln seinem Wahn, alle eu- ' ropäi6chen Juden zu ermor. ■ den, schaltete Eichmann so- I gar den deutschen Bot- ' sehafter in Bukarest. Man- I fred von Killinger. aus, was ¡diesen wiederum bewegte, j einen heftigen Protest beim I Auswärtigen Amt einzule. ] gen. (Dabei muss man wisj sen, dass dieser Manfred von Killinger ein Fememörder und übicr Nazi gewe- ' sen ist. Anm. der Red.) EIN ZEUGE SAGT AUS Ein Zeuge, der nunmehr aussagte, war Dr. Theodor Löwenstein.Lavie, ein prominenter Führer der rumänischen Juden und früherer Professor für jüdische Geschichte an der Uni. versität in Bukarest. Er erklärte, dass in Rumänien 300.000 Juden durch die Naziverfolgungen ums Leben gekommen sind, die Häifte der früheren jüdischen Bevölkerung dieses Landes. In diesem Zusammenhang legte der Generalstaatsanwalt, Gideon Hausner, neue Dokumente vor, aus denen sich ergibt, dass es Eichmanns Bestreben gewesen ist, die gesamte jüdische Bevölkerung Rumäniens zu „liquidieren” Es gibt nur einen einzigen Grund, aus welchem Eichmann dieses Teufelswerk nicht vollenden konnte: der Einmarsch russischer Truppen und die Besetzung Rumäniens im Jahre 1944 durch die Rote Armee. Weitere Zeugnisse liegen WIE ICH ES SEHE »♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦»»♦♦o* Wiener Verschleppungstaktik ’ vor, aus denen hervorgeht, dass Eichmann sich mit aller Entschiedenheit dagegen I wehrte, dass auch nur ein einziger rumänischer Jude nach Palästina auswandert. 1 Er verhinderte die Ausrei. se von tausend jüdischen Kindern. Solche Pläne, so sagte Eichmann damals, müssten streng unterbunden werden. .MORD IN JASSY An einem einzigen Tag haben die Deutschen 10.000 Juden in Jassy ermordet. In der Zeit bis September 1941 haben die Nazis 160.000 Juden in den Landesteilen Bessarabien und Bukowina ermordet. Diese Feststellungen traf der Professor Dr. Theodor Löwenstein, der noch weitere Einzelheiten hinzufügte. Die wenigen überlebenden Juden der Bukowina wurden dann nach Transnistrien in verschiedene Lager geschleppt, Transnistrien kann man. so sagte der Zeuge, als eine Art Auschwitz für die rumänischen (Fortsetzung auf Seite 8) von JEHUDA GOTTHEIMER Die Alliierten haoen die Fehler des letzten Weltkrieges insofern nicht wiederholt, als sie den besiegten Ländern geholfen haben, die Schäden des Krieges zu überwinden. Hätte die Weimarer Republik auch nur einen Bruchteil der finanziellen Hilfe erhalten, die der Bundesrepublik und Oesterreich geleistet worden ist, so wäre es mit aller Wahrscheinlichkeit niemals zum Hitlerismus und zum zweiten Weitkrieg gekommen. Das Wirtschaftswunder, von dem man in Westdeutschland zu sprechen pflegt, und das auch bei den Oesterreichern besteht, ist weder ein Zufall noch ein Wunder, sondern die logische Konsequenz der in diese Wirtschaften investierte« Millionen Dollar, die von tüchtigen und fleissigen Völkern zur Grundlage eines neuen, ungeahnten Aufschwunges gemacht worden sind. Beiden Ländern — der Bundesrepublik wie Oesterreich — kamen natürlich auch die unglücklichen Spannungen zwischen West und Ost zugute, die von ihnen recht geschickt ausgenutzt worden sind, wobei Oesterreich ,m Hintergrund blieb und dabei sehr gut abschnitt Der Westen, der in seiner ideologischen Vorstei. lungsweit ausserordentlich „grosszügig” ist, sodass sogar ein Franco-Spanien in dieser Massenallianz sein Plätzchen zu finden vermochte, konnte an der blutbefleckten Vergangenheit der deutschen Länder nicht vorbeisehen. Um die Bundesrepublik wieder hoffähig zu machen, musste etwas geschehen, das deut ich sichtbar der ganzen Welt zeigte, dass wir es heute mit einem neuen, anderen, demokratischen Deutschland \ zu tun haben. Ein dicker j Trennungsstrich musste zwi-! sehen dem Heute und der; Vergangenheit gezogen wer. I den. Die deutsche Regierung selbst hatte das Gefühl, dass sie einen Schritt uni ternehmen müsse, um „wie- \ dergutzumachen”. So kam es auf eine recht einfache 1 und billige Weise zu den Reparationszahlungen für Is-; rael und zu den IndividuaL entschädigungen für einen j begrenzten Teil von Berechtigten. | Die Deutschen erreichten ihren Zweck. Man nahm sie vorbehaltlos wieder in ■ das Konzert der westlichen ( Völker auf, in dem sie heu- ' te bereits wieder eine der entscheidenden Rollen spie. i len, wahrscheinlich die 1 wichtigste nach den USA. (Die Entwicklung der Wiedergutmachung interessierte die Alliierten niemals, i die sich mit der Annahme ' des Prinzips zufrieden gaben. I Wie auch diese Wieder, gutmachung mit all ihren ¡Ausstrahlungen, ihren lükkenhaften Gesetzen, ihren .zahllosen Einschränkungen, ihren noch häufigeren Fehlentscheidungen und gerichtlichen Begrenzungen kriti. siert werden mag, hier .steht ein Wiedergutmachungswille des deutschen Volkes, — oder seiner ver-! antwortlichen Körperschaften, — an dem niemand; zweifeln sollte und objektiv auch schwer berechtigte .Zweifel hegen darf. Die! Bundesrepublik macht — wenn auch in begrenztem j Umfang — wieder gut. Die Republik Oederreich dage- I gen bis heute nicht, mehr als 16 Jahre nach dem so- . genannten Frieden. 1 Die österreichische Regierung versuchte sich von Ani fang an ihren Verpflichtungen zu entziehen. Das ist ein hartes Wort, das trotz 'seiner Härte "as einzig mögliche ist, um dem wahren j Sachverhalt Ausdruck zu geben. In Wien machte man j „juristische” Einwendunj gen, die im Grunde genom- I men bestenfalls als politi. | sehe Ausflüchte verstanden und bewertet werden können. Man hai.te in Wien den traurigen Mut, sich als ein | von den Nazis vergewaltigtes Land zu bezeichnen. Auf diese Polemik heute noch einzugehen, Kalten wir für überflüssig. In kein anderes Land, nur nach Oester. , reich, hat man die Nazis , gerufen, bat man Hitler er- I sucht einzumarschieren, hat eine reaktionäre Regierung I den Volkswiilen in Blut er-! stickt (Dollfus), bis sie datui selbst beseitigt worden ist. j In keinem anderen Land! hat man an den Juden Verbrechen wie in Wien begangen. Selbst in Berlin oder anderen reichsdeutscheu Städten liess man die Juden nicht zum öffentlichen Spass die Strassen seheuern. Das blieb den Wienern Vorbehalten. Und in keinem an- ' deren Land, auch nicht in I den von den Nazis wäh-! rend des Krieges okkupier. | ten „Feindstaaten” hat ein katholischer Priester der | obersten Kategörie — ein Kardinal — unterwürfige Begrüssungschreiben dem .Führer' übersandt, die mit „Heil Hitler” unterzeichnet waren. Unter dem Vorwand, selbst ein von den Nazis besetztes Land gewesen zu sein, lehnten die Oesterreicher den Gedanken einer Wiedergutmachung ab. Dass sie aber die jüdischen Vermögen beschlagnahmt hatten, dass zahllose österreichische Bürger Nutzniesger und „Erj ben” jüdischer Unternehmungen geworden sind, das hat man geflissentlich iiber- . sehen. Bei solcher Grund- I einsteliung Konnte es auch nicht überraschen, dass i sich Oesterreich in ein neu. es Paradies für alte und neue Nazis verwandelte, die sieh sogar zu einer politischen Partei formieren und im Parlament eine Rolle spielen konnten. Massenmörder wurden freigeiassen, neue antisemitische Vorfälle und Provokationen waren nichts Seltenes. Die in Oesterreich gebliebenen Ju- , den beteuerten immer wieder ihre Loyalität, beschwerten sich dauernd und I meist vergeblich über eine Entwicklung, was im Ttu-; bei der politischen Ereignisse und der wirtschaftli.; chen Prosperität übersehen wurde. — i Die Bundesrepublik anerkannte, dass die Opfer der Verfolgungen einen Rechts- ' aaspruch auf Entschädigungen und Wiedergutmachung i besitzen, was eigentlich ' selbstverständlich ist. Wer also von seinen Rechten Ge. 1 brauch macht, fordert, was ihm zugestanden wurde, er braucht nicat zu bitten. Ganz anders liegen die Din- ge in Oesterreich. Als sich die österreichischen Behörden einem von alliierten Staaten ausgeübten Druck nicht mehr widersetzen zu können glaubten, machten sie ein erstes Zugeständnis: sie gründeten einen Hilfsfonds für die Opfer der I Verfolgungen. Leider nahmen die Juden diesen Affront hin und akzeptierten | dieses — nach unserer Meinung provokative Angebot.; Damit wurden die Opfer der Verfolgungen, die ih-; re Vermögen reklamierten! oder Ersatz für ihre will, kürlieh vernichteten Existenzen verlangten, zu Bittstellern herabgedriiekt! Und i nur die Bedürftigen unter ihnen durften sieh an den ¡Hilfsfonds wenden, für den I lange Fragebogen ausgear- Jeder, der nur will, kann aus dem Eichmann-Prozess | ungewöhnlich viel jernen. ' Spätere Historiker der 1 schrecklichen Zeit des Zweiten Weltkrieges werden diesen Pi'ozess, seine Akten : und Ermittlungen als ein unentbehrlienes Material; zur Erforschung der Wahr-; heit zu studieren haben. Auch hierin liegt eine der wesentlichen Bedeutungen, die diesem Prozess berzumessen sind, der nicht nur dazu dient, ein minderwertiges Individuum zu richten, I sondern eine Zeit vor die Schranken zu fordern, in der nicht allein ein einzel. I ner und in der nicht nur allein ein Volk die schauerlichsten Verbrechen begangen hat. j Der heute beinahe schon vergessene Name „Quisling”. der norwegische Verräter, der dem Hitler und seinen Trabanten ein Land in die Hand spielte, das wie kaum ein anderes sich hiergegen gewehrt hat, ist zum Symbol für alle geworden, die im Rahmen der „fünften Kolonne” zu Verrätern ihrer Nationen und zu billigen Handlangern des Nazismus wurden. Und sie gab es überall. Sie bereiteten , den nazistischen Weiteroberungsplänen und rassistischen Hassgesängen den 1 Weg, sie öffneten schliesslich die Tore vieler Länder, i die beinahe kampflos den Hitler.Armeen in die Hände i fielen, denen der biutrüstige Schwarm fanatischer! Gestapohenker folgte.! Terror für die Bevölkerung der auf diese Weise ¡eroberten Länder, Schrek 1 ken für alle, die jene braunen Herden hassten und Verderben für die Juden, das war die direkte Folge des traurigen Werkes aller Quislinge, die sich auf diesem Wege zu Mitschuldigen en Europas Untergang machten. Heute wettern und I lärmen sie gegen die Kommunisten, gestern aber haben diese Leute entscheidend dazu beieetragen. den Russen und ihien Satelliten den Weg zur Macht zu ebnen. Hitler, seine Generäle und Poliiiker waren es. die jenen Pakt mit Sta.in schlossen, der die freie Welt an den h.aier des Abgrundes zerrte. Quislinge waren sie ade Ve-räter ihrer Ideale, Verräter der von ihnen so scheinheilig gepredigten christlichen Nächstenliebe, Verräter an sich selbst. Jetzt wurde am Beispiel Rumäniens gezeigt, wie die Endlösung durc-hseiührt werden sollte. Auch dort. gab es eine Quislinj Regierung, die las Lart .dem Wüten der braunen Herker auslieferte. Alt-rkwiirdig, wie viele Dokumente der israelische Staatsanwalt über das Sir. greifen der Nazis, über ihi Diktat in den Judenfr.'.sei, -.ner ih. ren direkten und ausschliesslichen Einfluss in diesen Ange.pgenhziten vorlegen konnte. Mit Verbitterung müssen wür daran denken, dass die westdeutschen Behörden eines neuen, eines demokratiscaen Deutschlands noch vor Jahresfrist durch höchste Gerichte leugneten, dass es die Nazis, lies die Deutschen, gewesen seien, die für die an den rumänischen Juden begangenen Verbrechen die Schuld tragen würden. Und heute? ..; Der Eichmann _ Prozess verlangt eine ganz andere Reaktion einer westdeutschen Bundesrepublik ais die bisher gezeigte. Wo bleibt das Wort der grossen Demokraten, die endlich offen zugeben, dass sie die Verantwortung für das tragen, was im deutschen Namen und angeblich im Aui trag des deutschen Volket zur Nazizeit geschehen ist? Diese Frage verlangt eine Antwort. Sie blieb aus. Bisher wenigstens. Wann kommt sie? beitet wurden, die den Ge. ruch von tiberwoilenden Wohlfahrtsbehörden trugen. | Die Kreise der Verfolgten blieben jedoch nicht inaktjv. Sie forderten immer wieder von der österreichischen Regierung eine echte j Wiedergutmachung und Entschädigung. Inzwischen war ein wichtiges Ereignis ein. I getreten. Die Bundesrepu-; blik und Oesterreich hatten einen Staatsvertrag abge- 1 schlossen, der einen Paragraphen enthält, der für die Opfer der Verfolgungen von grosser Bedeutung werden 1 sollte. Hatten doch viele Na. ziopfer Anträge bei deutschen Behörden gesebt. in der Hoffnung, dass sie wenigstens auf iesem Umwege zu ihrer begtüneeten Entschädigung gelangen würden. Die .Oesterreicher aber verzieh' eten in diesem Staatsvertrag grosszügig auf alle Ansprüche, die österreichische Bürger nach deut, I 1 (Schluss aul Seite 2) HERR ARTUKOVKH ERKLAERT New York. — Artukovieh erklärte jüngst in seinem kalifornischen Heim, das in der Nähe von Los Angeles liegt, er sei müde urrd überdrüssig all der Lügen, die über ihn in den letzten Jahren benauptet worden seien. Er leugnete, Eiehmann zu kennen oaer Komplize der Verbrechen dieses Mannes zu sein Er sei an den Massenmorden, die an den jugoslawischen Juden begangen worden sind, in keiner Weise beteiligt. Er kenne auch keinen-Harrn Armin, qei im Eich. man-Prozess seinen Nam*n erwähnt hat. Im Jahre 1959 haben sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika geweigert, den Artuxovich an Jugoslawien auszuliefern. Damals wurde ais Grund für die Ablehnung des jugoslawischen Auslieferungsgesuches angeführt, dass die jugoslawische Regierung keine ausreichenden Beweise für die Schuld Artukovieh geliefert habe. Jugoslawien bezeichnete diese nordamerikanische Haltung als nicht gerechtfertigt. Artukovieh kam 1948 in die USA, wohin er unter falschem Namen einwanderte. Er wurde dann i9.il erkannt, als er in einer Firma, die einem Familienangehörigen gehörte, als Buchhalter tätig war. Als Jugoslawien die Auslieferung dieses Menschen als Kriegesverbreeher verlangte, wandte er ein, er sei ein politischer Flüchtling aus dem Kommunistischen Jugoslawien; im übrigen trage er keine Verantwortung für die ihm zur Last gelegten Verbrechen. HTA)

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