Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1878 (23.5.1961)
- Date
- 1961-05-23
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO c05 o £ _ ti -*-» rz ¡D? Concesión 908 *.41 Í1 O ta q < TARIFA REUVCiDA Coscesión?F?C EL EJEMPLAR en toda la Republik Buenos Aires PUEYRREDON 2130 1» T. E. 83 . 2813 uq. Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 23 DE MAYO DE 1961 No. 1878 as Blutbad in Jugoslawien li orut'i/.ung von Seile X) für die Errichtung des Ghetto von Theresienstadt verzögern, sei er selbst vorbe. ■ reitet und bereit, alles Er,, forderliche zu tun. " Der Vertreter der Anklage, Jaakows Barror, erklärte die von bichmann angewandten Methoden, um die Ausrottung der zentraleuropäisehen Juden durchzuführen. Barror egte eine Reihe von Dokumenten vor, um den Beweis dafür zu er. bringen, dass der Angeklagte der hauptsächliche Mörder gewesen ist und dass er iie Entscheidung über das ichicksal 3er österreichischen Juden, getroffen hat. Daran änderte sich auch nichts, als er im Jahre 1940 seine Zentralstelle nach Berlin ver,egte. Der Ankläger präsentierte weiterhin eine Reihe von Dokumenten, die vom Schicksal der tschechischen Juden berienten. Man sieht ms diesen Urkunden, dass Eichmann ein methodischer- Bürokrat wai. einer er. schreckenden Systematik ging er an rie Deportation alter zentraleuropäischen Juden ln den Osten, wo sie umgebracht wurden. GENAUE LISTEN SichmatüT verlangte fvon en Leuten in allen Ländern genaue Listen, aus denen hervorgehen musste, wie viele Juden in den einzelnen Städten und Dörfern lebten. Diese Listen mussten nach Berlin geschickt werden. So ging er auch in der Tschechoslowakei vor. Dann verlangte er eine genaue AufsteTung der Kosten, die der Transport jeder einzelnen Gruppe von Juden verursachte. Die Juden der CSR erreichte das i gleiche Schicksal, das die | deutschen ind österreichijsehen Juden vor ihnen gelhabt hatten. Eichmann ging 1 nach dem gleichen Schema ¡vor: zuerst wurden die Juden wirtschaftlich vernich.! tet, indem man ihnen jede! ökonomische Tätigkeit un- * möglicht machte; dann wurden sie ihres Hab und Gutes beraubt. Schliesslich Hess er alle in die Vernich, tungslager bringen, wo sie ermordet worden sind. Synagogen und jüdische Schulen wurden bestenfalls in Lagerhäuser umgewandelt. Dorthin wurden alle Möbel, Kunst- und sonstige Wertgegenstände der Prager Juden geschickt, eingelagert und verteilt. Diese Aktion umfasste etwa 10.000 Wohnungen der 45.000 aus Prag deportierten Juden. Ein Jude wjrde von Günther, dem Adjutanten des Angeklagten. gezwungen, die Aktion zu leiten. Er war dafür veran* wörtlich. dass alles Eigentum der Deportierten an diese ..Lagerhäuser” geschickt wurde. Dieser Mann, namens Ernst Recht, erklärte, dass die beiden Adjutanten Eichmanns die besten und wertvollsten Sachen sich ange. eignet haben. ER HAT DIE BEFEHLE GEGEBEN Andere, von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Dokumente beweisen, dass es Eichmann war, der die sofortige Erschiessung aller derjenigen angeordnet hat, die Briefe an die unglücklichen Insassen des Ghettos zu „schmuggeln” versuchen. Dass Eichmann der entscheidende Naziführer für die Deportationen der Juden in die Ausrottungslager gewesen ist und damit DIE MILITAERMACHT DER VAR Tel Aviv. — Auf einer Versammlung der Mapai sprachen die drei Persönlichkeiten, denen in erster Linie die Verteidigung Israels anvertraut ist. über die militärische Macht der Vereinigten Arabischen Republik (VAR), nämlich der Premierminister Ben Gurion, der gleichzeitig Verteidigungsminister ist, General-Tsur, der Chef des Generalstabs der Armee und Shimon Peres, der stellvertretende Verteidigungsminister. Ben Gurion wies darauf hin, dass die dritte Runde der gegen Israel gerichteten Angriffe eine unmittelbare Bedrohung der Existenz des Staates durch die arabischen Nachbarn darstellen würde. — General Tsur führte u. a. aus, dass die ägypti. sehe Armee eine starke Entwicklung durchgemacht habe. Es sei nicht mehr das Heer aus dem Jahre 1956. Der ägyptische Fjinfjahresplan sehe die Anschaffung von Heeresmaterial im Werte von 450 Millionen Dollar vor. In erster Linie werden Tanks und Mig-Flugzeuge gekauft werden. Die Ausbildung einer überaus grossen Anzanl von CPfizieren gehöre ebenfalls zum Aufrüstungsprcgramm der VAR. Die militärische Industrie Aegyptens sei erheblich ausgebaut worden. Neue Strassen wurden angelegt und andere Installationen geschaffen, durch welche das mij litärische Potential der VAR bedeutend erhöht worden ist. Schiiesslich wieg auch Minister Peres auf die psychologischen Vorbereitungen innernalb der Armee hin. Nassers Programm bestehe darin. Israel anzugreifen und zu vernichten. Peres sprach auch über die Fortschritte, die Israel auf dem Gebiet der Kriegsindustrie, insbesondere im Flugwesen, der elektronischen Industrie und der allgemeinen wissen, schaftüchen Forschungen gemacht habe. (ITA) die Hauptverantwortung für |ihre Ermordung trägt, ergibt sich ebenfalls aus die. | sen, vom Staatsanwalt vorj gelegten neuen Dokumen- ten. In einem an das deutsche ¡Auswärtige Amt gerichteten j Schreiben erklär^ Eichmann, dass er die Befrei, ung einer jüdischen Familie, die sich im Ghetto von Theresienstadt befand, ablehnte, obwonl die schwedische Regierung hierum ausdrücklich gebeten hatte. Der Brief Datiert vom 14. April 1943. — Das Gericht entschied dann, Aussagen des Dr. Siegfried Se.dl entgegenneh- : men zu wollen, die vor den alliierten Gerichtshöfen nach ■ Beendigung ¿es zweiten Weltkrieges abgegeben worden sind. Seidl war einer der Henker im Dienste Eichmanns. Lange Zeit hindurch war dieser Seidl Kommandant von Theresienstadt. Er wurde zum Tode verurteilt und in Wien erhängt. DAS GESTAENDNIS DES SEIDL Dieser Seidl hatte gestanden, dass er selbst Juden ausgepeitscht und geschlagen hat. Er oat 16 Juden erschiessen lassen, weil sie heimlich Briefe ins Ghetto gebracht hatten. Einmal habe er einen Juden aufhängen lassen. Der Strick sei aber gerissen und er habe ihn dann zum zweiten Mal „aufgeknüpft”. Das war alles in Theresienstadt. Später war dieser Seidl Kommandant des KZ Bergen-Belsan und später des Ausrottungelagers Mauthausen. Seidl begleitete den Angeklagten, als sich dieser nach Budapest begab, um die 800.000 Juden Ungarns umzubringen. .. Jeder Beobachter bemerkt die «rose Ruhe, mit der Eichmann die gegen ihn geschleuderten Anklagen hinnimmt. Wenn er irgendwelche Gewissensbisse haben sollte, so versteht er diese glänzend zu verbergen, erklären die Reporter übereinstimmend. REPRESSALIEN Als Repressalie gegen ei. nen angeblichen Sabotageakt, der von einem 28jährigen Juden begangen worden ist, haben die Nazis 120 jugoslawische Juden er. schossen. Dies wurde in der Freitagsitzung zur Sprache gebracht, die sich nur auf den Vormittag erstreckt hat. Einer ier 120 Geiseln, die aus Rache erschossen wurden, kointe sich auf i wunderbare Weise retten und erschien vor dem Tribunal, das Eichmann wegen seiner Verbrechen abzuurteilen hat. Dieser Mann namens Hlinka Salz rettete sich vor dem sicheren Tode, indem er den Nazis damals Dokumente vorlegen konnte aus denen sich ergab, dass er ein Arzt sei, der in Kriegsgefangenschaft geraten ist. Sa.z ist heute 55 Jahre alt und lebt in Israel. In diesem Zusammenhang [legte die Staatsanwaltschaft! neue Dokumente vor, die; sich auf Eichmanns Tätigkeit in Jugoslawien bezogen. Eichmann sei in Jugo- I slawien gewesen. Kurze Zeit danach haben die Juden! die Konsequenzen dieses Besuches zu spüren bekommen. Der einzige Zweck des Besuches Eichmanns in Jugoslawien sei der gewesen, die Lage der jugoslawischen Juden zu studieren, um sie in das allgemeine Vernichtungs - Programm einzubeziehen. Zunächst gab Eichmann die Anweisung, 1.200 Juden zu erschiessen, da für diese kein Platz in den Ausrottungslagern sei, die sich in Polen oder Russland befinden. Diese Dokumente widerlegen mit aller Klarheit die Behauptung Eichmanns, er habe auf die Erschiessungen keinen Einfluss gehabt; alle diese Anordnungen seien als „Befehle von oben” gekommen. RADEMACHER UND EICHMANN Der Experte für jüdische Fragen im deutschen Au. ssenministerium, Franz Rademacher, legte dort eine Information vor, die heute als schweres Belastungsmaterial gegen Eichmann an. gesehen werden muss. Rademacher hielt sich in Begleitung Eicamanns im Oktober 1941 in Jugoslawien zu Besuch auf. In dem Do. kumeht heisst es dann, dass beide — Eichmann und Rademache — ein Uebereinkommen geschlossen hätten; alle jüdischen Männer sollten erschossen werden, während alle anderen Juden — Frauen. Greise und Kinder — in die KZ abgeschoben werden müssten. Sie sollten das gleiche Schicksal haben wie die Zigeuner. Der Zeuge Salz erklärte, dass nach dem angeblichen Attentat, das ein Jude begangen haben soll, etwa 1.000 bis 1.500 Juden verhaftet worden seien. Sie wurden nach Berufen in Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhielt eine Nummer Jeder fünfte Jude musste einen Schritt vortreten. „Ich war so sagte der Zeuge, der Fünfte in meiner Gruppe. Die Juden sind das auserwählte Volk. Und ich war unter den Auserwählten der Auserwählten. Ich legte mir sofort Rechenschaft ab, dass dies das Ende bedeu. tete. Ich überlegte schnell, was ich tun könnte. Ich macht einen Schritt vorwärts in die Richtung, wo die SS-Offiziere standen und schrie in deutscher Sprache im preussischen Kommandoton: „Ich bin ein Offizier und ein Kriegsgefangener. KRIEGSVERBRECHER VERURTEILT Düsseldorf, — Der deutsche Ingenieur Albert Wid. mann wurde in Düsseldorf zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil er an der Ermordung von drei Häftlingen des KZ Sachsenhausen teilgenommen hat. Diese unglücklichen Menschen waren mit Kugeln angeschossen worden, die ein furchtbares Gift enthielten. Der Verteidiger hatte Freispruch beantragt, weil der Angeklagte nicht die Erlaubnis gegeben hat. te, diese Kugeln zu benutzen. Widmann war 1959 verhaftet worden, als er als Direktor einer Fabrik in Stuttgart tätig war. Er hatte seinerzeit von der nazistischen Kriminalpolizei den Auftrag erhalten, Gifte enthaltende Kugeln herzustetlen. Diese wurden sofort an Häftlingen ausprobiert, denen man leichte Schussverletzungen beibrachte. Nach zwei Stunden starben die Unglücklichen unter den fürchterlichsten Schmerzen. Der Angeklagte erklärte, man habe diese Kugeln hergestellt, um ein Attentat auf Stalin bei der Konferenz in Teheran zu machen. Jetzt muss sich der Angeklagte noch vor einem Stuttgarter Gericht verantworten, weil er viele Geisteskranke in einer Mine durch Explosionen und Kraftwagengase ermordet habe. Ausserdem wird er sich dafür zu verantworten haben, dass er Goldbarren aus den Zähnen von ermordeten KZ-Häftlingen, denen er die Goldzähne ausgerissen hatte, herzustellen pflegte. (ITA) Auch für Diplomaten i gesperrt I Paris. — Die libanesischisraelische Grenze ist nach Mitteilung des libanesischen Ministerpräsidenten Salam jetzt auch für Diplomaten gesperrt. Bisher konnten Diplomaten mit einer Sonder, genehmigung die Grenze passieren. Ich protestiere im Namen ¡der Genfer Konvention!” j Ein SS.Kommandant fragi te: „Warum protestiert die- 1 ser Jude?” „Ich wiederholte meinen! Protest und zeigte meinen Ausweis. Der SS-Kommanj dant, den sie Egon nannten, sah sich das Papier an und ¡sagte dann: Dieser da ist ^frei. Er muss durch einen anderen ersetzt werden.” j Der Zeuge sagte dann, er sei in die unbesetzte Zone; Jugoslawiens gelangt und j von dort in die Schweiz ge. flüstet. i i MASSENMORDE Ein anderer jugoslawi- ' scher Jude, namens Alexander Armon, heute 63 Jahre j alt, sagte aus, dass unmit- I telbar nach der Besetzung j Jugoslawiens durch die! Deutschen alle Juden ge. j zwungen wurden, den Da- I vidsstern anzulegen. Hier- 1 durch sollten sie sofort von der anderen Bevölkerung; zu unterscheiden und für die I Nazis leicht erkenntlich sein. Sogar die kleinen Kinder, i die noch im Kinderwagen gefahren wurden, mussten | wie alle übrigen Juden das Judenkennzeichen ständig und deutlich sichtbar tra-! gen. — Der Zeuge berichte. i te dann weiter, wie nach ¡einiger Zeit von Nazis und I Ustachis tausende Juden erschossen und in Massengräber geworfen wurden, ebenso wie viele Tausende von serbischen Bürgern. — In einem Ausrottungsla. ger bei Zagreb wurden 60.000 Menschen erschossen,! was ein Zeuge vor Gericht 1 aussagte. Weitere 11.000 Personen, beinahe aus-! schliesslich jüdische Frau- 1 en und Kinder, wurden in ¡einem anderen Lager unter ’ SS-Aufsicht eingesperrt. In | einem weiteren Lager, in! welchem sich über eine hal. | be Million Personen befun- I den haben, wurden 20.000 Juden erschossen. An den , Strapazen, Hunger, Misshandlungen und anderen i Leiden, denen sie unterwor-! fen waren, starben weitere 8—9.000 Juden in einem Konzentrationslager in Serbien. Auch bei oieser Darstellung blieb Eichmann teilnahmslos. Der Zeuge Armon, der ehemalige Sekretär der Jüdischen Gemeinde zu Zagreb, schildert weitere zahli reiche Einzelheiten. Er berichtete, dass dio Mitgiiej der dieser Gemeinde unter j den Gefangenen waren, die 1 mit Waffengewalt ins Ausrottungslager getrieben worden sind. Die überwiegende Mehrheit der Gefangenen dieses Lagers aber waren nicht Juden, sondern Kroaten, die politische Gegner der faschistischen Ustachi waren. Die Nazis hatten das Regime der Ustachi errichtet, als sie das Land besetzten. Später wurde dieses Land in einen nazistischen Satelitenstaat verwandelt. Von den;twa 15.000 Juden, die der nazistischea Verfolgung durch Flucht entgehen oder sie auf andere Weise überleben konnten, sind 8.000 nach Israel > ausgewandert, 2.000 nach j Amerika (Nord- und Süd) {sowie nach Australien, während etwa 5.000 im befreiten Jugoslawien blieben. Armon erklärte, dass im Jahre 1941 für 50 jüdische Kinder die Möglichkeit bestand, nach Palästina aus. zuwandern. Die Gestapo jedoch weigerte sich, die entsprechende Ausreise-Erlaub- | nis zu geben. Statt dessen gab sie die Anordnung, dass die Kinder in ein Ausrottungslager nach Polen dei portiert wurden! | Nach Armon wurden 60 bis 75.000 jugoslawische Juden ausgerottet. An unsere Leser Wegen des Feiertages in dieser Woche wird die nächste Ausgabe der Jüdischen Wochenschau unseren Lesern erst am Sonnabend, den 27. Mai, zugestellt werden. Registre de la Propiedad intelectual No 656.635 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavu. 831 LEO BAECK 'N7TITUTE