Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1878 (23.5.1961)
- Date
- 1961-05-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYKREDON 2190 - J? izq. Lx JenuxHàJsAùÆlUa T. E. 8 3 - 2 8 1 3 Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 23 DE MAYO DE 1961 . No. 1878 Neue belastende Aussagen 25 % FUER DIE „REISE”,Die Juden wurden zunächst in Sammellagern konzentriert, von denen aus die Verschickung in die Ausrottungslager erfolgte. In die- Die Juden die in die KZ „reisten”, wurden durch Eichmarn gezwungen, die Fahrt zu bezahlen. Von der Anklagebehörde vorgelegte Dokumente beweisen, dass Eichmann gleichzeitig die Rolle eines Stationsvorstehers spielte. Jedenfalls beschlagnahmte er 25 Prozent der Vermögenswerte jedes deportierten Juden, um da. mit die Kosten seiner Deportation zu begleichen. Das auf diese Weise eingezogene Vermögen oder Geld wurde von Eichmann auf ein Sonderkonto „W” einge. zahlt. Dass Eichmann auf diesem Wege 25 Prozent der jüdischen Vermögen konfiszierte, besagt nicht etwa, dass die unglücklichen Opfer die restlichen 75 Prozent behalten durften. Denn die restlichen 75 Prozent wurden einfach von ande. ren Nazibehörden eingezogen .. Die von Eichmann ausgearbeiteten Methoden der Deportation und systemati. sehen Ausräubung waren genau vorher berechnet. ihn aufforderte, eine Aufj sondern verbrannt werden Stellung aller Wertgegen-! mussten, stände zu machen, die sich Der Angeklagte, so im jüdischen Besitz befin-, berichtet, olieb auch wird I hierse Sammellager durften sie ihre persönlichen Sachen mitnehmen, unter denen vor allen Dingen die Legitimationspapiere sein mussten. Sie durften auch Geld und Schmuck mitnehmen. Alles, was sie bei sich hatten, wurde ihnen dann in den Ausrottungslagern weggenommen. Aus einem anderen Dokument ergibt sich einwandfrei, dass die Nazis eine umfangreiche Sammlung von „Eisernen Kreuzen” angelegt haben, die den Juden fortgenommen worden sind. Diese ..Eisernen Kreuze” hatten die Juden für ihre Tapferkeit im Ersten Weltkrieg von den deut. sehen Militärbehörden des Kaiserreiches verliehen bekommen. Der Staatsanwalt beschuldigte Eichmann eines weiteren Raubzuges. Eichmann hat dem Gestapochef in Düsseldorf einen Brief ge. schrieben, in welchem er den. Eichmann gab vor, dass diese Wert, und Kunstgegenstände verkauft werden sollten. In Wirklichkeit wollte er Statuen und Bil-1 der, die Eigentum der Juden waren, beschlagnah., men, um sie der Sammlung! des nazistischen Führers Hermann Göring einzuver-! leiben, der bekanntlich die Kunstschätze aus ganz Europa zusammenstahl. j LEICHENVERBRENNUNG bei teilnahmslos, schrieb in; seiner Glaszelle und mach- 1 te sich mit allen möglichen Farbstiften emsig Notizen. | In einem Geheimbericht an seinen unmittelbaren j Vorgesetzten Reinhard Hey. drich unterstrich Eichmann seine Einsatzbereit.! schaft. Während andere hohe SS-Offiziere. so heisst es dort, die Vorbereitungen j (Fortsetzung auf Seite 8) Grosses Interesse für den Prozess Jerusalem. — Mehr als 15.000 Personen haben im Gerichtssaal dem Prozess gegen Eichmann beigewohnt. Seitdem einige auslähdische Journalisten abgereist sind, konnten mehr Zuschauer zugelassen werden. Unter diesen befinden sich auch die Gattinnen des Präsidenten und Ministerpräsidenten Israels. Täglich können etwa 600 Israelis und Touristen zugelassen werden. Beinahe alle Minister, die Mehrheit der Abgordneten sowie andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Israel haben bereits einmal den Verhandlungen beigewohnt. Man sah u a. auch Dr. Nachum Goldmann, Dr. Joseph Schwartz und Walther Reuter, den Chef des Arbeitersyndikats der nordamerikanischen Automobilindustrie. Weitere 30.000 Personen sind den Verhandlungen des Prozesses durch Television gefolgt, die in einem grossen Saal übertragen worden sind. Bis Donnerstag vorige Woche wurden 52 Zeugen vernommen, die sich der jiddischen, deutschen, hebräischen, französischen, holländischen und polnischen Sprache bedienten. Weitere 30 Zeugen wurden noch von der Staatsanwaltschaft zitiert. 700 Beweisstücke wurden bereits von der Staatsanwaltschaft vorgelegt, kleine Notizen. Memoranden, Fotografien, Briefe, Aktenstücke und Bücher. Weitere rund 1.000 Dokumente sollen nur dem Gericht unterbreitet werden. (ITA) Es war Eichmann, der, die Verbrennung aller erj mordeten Juden angeordnet hat. Dieser Befehl erging zunächst für Theresienstadt. Mit dieser Massnahme wollte der Kriegsverbrecher die Spuren seiner Schandtaten beseitigen. Die Anklagebehörde legte ein Protokoll ei.! bisher gefunden hat. Manas Banner der Menschlichkeit WIE ICH ES SEHE ner Sitzung hoher Nazifunkche kritisieren, dass die Betionäre in Prag aus dem richte nicht mehr die ersten Jahre 1941 vor, auf der Seiten der grossen ausländi- Eichmann diese Anordnung sehen Presse füllen würden, gab, sodass alle getöteten andere beanstanden, dass ei- Juden nicht mehr bestattet,. nige Auslandsiournalisten bereits seit Wochen Jerusalem wieder verlassen haben. Diese Indizien reichen aber nicht aus, von einem manvon B. B. SAMUEL Die Beobachter sind sich j gelnden Interesse der Weltnicht einig darüber, welches! Öffentlichkeit zu sprechen. Echo der Eicnmann-Prozess : Es mögen andere Faktoren sein, die zu einer Verringerung der Berichterstattung führten. Dass eine grosse Unruhe über viele Enthüllungen herrscht, die der wäre noch nicht einmal genug, wenn man sagen wollte, die Deutschen als Volk befinden sich unter Anklage, dass sie solche Geschehen ermöglichten oder duldeten. Die Verwunderung, um nicht zu sagen, die Ent- : Dr. Knost, Dr. Glabke & Cie. von JEHUDA C0TTHEIMER Vor wenigen Wochen wur-, gendamtes, Dr. jur. Günter de an dieser Stelle auf den Kommentar hingewie. sen, den die beiden nazisti. sehen Juristen Dr. Bern hard Lösener und Dr. Friedrich A. Knost, beide an leitender Position im Reichs. und preussischen Ministerium des Innern tätig gewesen, zu den Nürnberger Gesetzen geschrieben hatten. Es gibt sogar noch Exem. plare dieses schändlichen Kommentars. Die gegen Herrn Dr. Knost, heute Präsident des niedersächsischen Verwaltungsbezirks Braunschweig, vom Leiter des Braunschweiger Landesjugendamtes erstattete Anzeige wegen Verdachtes des Ver. brechens gegen die Menschlichkeit wurde von der zuständigen Staatsanwaltschaft behandelt, die Eöffnung eines Verfahrens jedoch ab. gelehnt, da Verdachtsmomente nicht gegeben seien. Der Fall hat in der Öffentlichkeit Aufsehen erregt. Es musste der Eindruck entstehen, dass Dr. Knost nur deswegen gegen eine Ver. folgung „immun” sei, weil ein Grösserer, der Adenauersche Staatssekretär Dr. Hans Globke, dann ebenfalls wegen der gleichen Straftat zur Verantwortung gezogen weil er fentlichkeit folgendes zur Kenntnis zu bringen: „Bestätigt hat Dr. Knost vor der Presse, was die Landesregierung auf einer Pressekonferenz auch vor Rundfunk und Fernsehen bereits mitgeteilt hatte: 1. — Vor Hitlers Machter. greifung war er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, der Partei Walther Rathenaus. 2. — Im März oder Mai Raschen, in einer deutschen Zeitung gemacht hat. nach, dem sein Vorstoss gegen Dr. Knost ohne Erfolg geblieben ist. Dr. Raschen schreibt folgendes: ,Der höchste Beamte des Niedersächsischen Verwaltungsbezirks Braunschweig, Präsident Dr. Knost, war unter Hitler Referent im Reichs- und Preussischen Ministerium des Innern. 2. — Im März oder Mai verantwortlich gezeichnet Sein Dienstvorgesetzter war 1933 wurde er Mitglied der haben und dass gerade der | Exporte Israels I Jerusalem. — Wie mit- I geteilt wurde, sind Waf. fen und Munition im! Werte von 7 Millionen : Pfund von Israel im Jah- I re 1960 exportiert worden. Obwohl die Höhe der Produktion nicht be-; kannt gegeben worden : ist, ergibt sich aus den j Vergleichziffern der vor.!angegangenen Jahre, I dass sich die Produktion i gegenüber 1957 verdrei- 1 facht hat. (ITA) Prozess brachte, kann wohl rüstung über die Gleichgülvon niemandem ernstlich in tigkeit der alliierten Welt Abrede gestellt werden. , wurde durch diesen Prozess Wenn es ein „Weltgewis- | schonungslos ausgelöst. Was sen“ gibt, dann ist es durch ist von den freien Völkern manche „Nebenerscheinun-. versäumt und gesündigt gen“ des Prozesses stark worden, die inaktiv, stumm wachgerüttelt W’orden. Es und hartherzig diesem grausind nicht allein die Nazis! samen Gescnehen zusahen? und als ihr Exponent Eich- Die gegen den Vatikan vermann, die heute als Angeöffentlichten Dokumente des klagte vor dem Gericht des nordamerikanischen Statejiidischen Volkes stehen. Es Departement müssen deprij mierend wirsen. Zu ihnen I Stellung zu nehmen, dürfte sehen Blutes als eines Wer- \ aber verfrüht sein, denn wir tes in dieser Welt, den Milwissen nicht, welche Antiionen mit Grauen kommen , wort der Vatikan auf dieses sahen, hat Adolf Hitler ab., Material erteilen wird, gewandt. Er hat den Weg! Umso grossartiger erdazu gewiesen, den die scheint die mutige Haltung geschichtliche Erkenntnis der skandinavischen Völker, Reichsminister Dr. Frick, der wegen seiner Verbre. chen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und gehängt wurde. Am 31. Januar 1961 hatte ich gegen Dr. Knost Strafanzeige wegen des Verdachts der Mitwirkung an gleichen Verbrechen erstattet. Die dpa-Meldung hierüber ver. anlasste die „Braunschweiger Zeitung” Herrn Knost zu interviewen und ihren Lesern dann mitzuteilen, wie harmlos die Tätigkeit Dr. Knosts unter Hitler gewesen sei. ,Im Interesse einer objektiven Berichterstattung habe ich die .Braunschweiger Zeitung mündlich und schriftlich gebeten, auch ei- NSDAP und schon 1934 in! grundlegende politische Teil das Reichsaussenministeri.! von Dr. Knost eigenhändig um berufen, sogar in jene abgefasst wurde. In diesem Abteilung, welche die Niirn-1 Kommentar und in seinen sen^ und berger Gesetze zu bearbei.! anderen Büchern über das Personenstandsrecht ver. suchte er, die unseligen Nürnberger Blutgesetze mit ihren hohen Zuchthausstrafen moralisch zu rechtfertigen und zu propagieren. ten hatte. 3. — Kurz nach Erscheinen der Judengesetze kam der von Dr. Knost redigierte Kommentar über die Rassenschande und die anlehrt: Die Wiederherstellung eines reinen Volkstums durch reines Blut.” 3. — Dankbar jubelte Herr Knost über diese Ret.. tungstat seines höchsten Dienstherren. Hitler hatte den Trennungsstrich zu den ' verbrecherischen, kulturlozersetzenden Eie-1 die in einer Zeit tiefster Finsternis las Banner der Menschlichkeit in ihren starken Händen kielten. Stärker als ihre Hände aber waren ihre Herzen, waren ihre Gesinnung und 'hre Einsatzbereitschaft, der Unmenschlichkeit, der Barbarei und der brutalen Macht zu wideren Blutgesetze heraus Hunderttausende von Stu- und erlebte Dis 1942 fünf (!) Auflagen. Wie hoch die Ho. norare waren, ist noch nicht bekannt. 4. — Im Jahre 1939 wurde Dr. Knost Vizechef des denten, Gerichtsreferenda, tern und Polizeibeamten lasen in ihnen z. B.: 1. — „Die Juden nehmen nur als verdienende Elemente innerhalb eines menten gezogen. Dr. Knost: ¿erstreben. Dänen, Norweschreibt: „Das Gesetz über §er und Schweden haben daden Widerruf der EinbürgemaEs bewiesen, dass man rungen und die Aberken. I Widerstand leisten konnte, nung der deutschen Staats-! wenn man nur entschlossen angehörigkeit vom 14. 7. warfi‘r seine Ideale und 1933 ... zog dann den Tren-, fHr di- Menschlichkeit einnungstrich ...” Und so war : zutreten, es ihm selbstverständlich,! Dies inmitten eines diistedass diesen Elementen I ren Panoramas, das dieser „nicht nur die Bekleidung Prozess enthüllt, offen zu beöffentlicher Aemter, son- ~~’umentar zu den Nürnberger Gesetzen — gemeinsam mit seinem damaligen unmittel, baren Vorgesetzten Dr. Wilhelm Stuckert, geschrieben hat .. Mit Rücksicht auf die grundsätzliche Bedeutung, die diesen Fällen zukommt, | seien hier zunächst die Reichssippenamts und da-'Staates ihrer! Aufenthalt.” mit der juristische Manager — „Sie sind land. und rasder ehrlosen Hexenjagd auf1 sefremde Elemente, die in die jüdischen Grossmütter, die führenden Stellen des . .. . . , „Bestritten aber hat Herr Staates eindrangen und dort mges v on jenem Material (Knost, dass die politischen 1 das deutsche Volk und sein zu veröffentlichen, das kei-1 Teile seines Judenkommen- Volkstum zersetzten ”_Dr neswegs so harmlos sei und ¡tars von ihm stammten, i Knost sternneRedie Juden ¡Diese Behauptung ist un. auch zu Verbrechern ab richtig, ebenso seine Be-¡„Sie hatten den Staat, dem hauptung: .Wir haben die-1 sie angehörten, in verbrewerden müsste, im Widerspruch zu den An. auch einen Komgaben von Herrn Knost ste he. Die Redaktion hat dies jedoch abgelehnt. Diese ge-1 sen Kommentar geschriezielte Einseitigkeit verstösst gegen den Grundsatz der Gleichheit aller ohne Ansehen der Person. Sie beeinträchtigt aber auch das Recht unserer Mitbürger auf objektive und unbehin- . derte Information. Ich se.1 zeitig sein Vorgesetzter für ^UdiT4nLei'teTdcge?u '!r T* ^nötiS’-, den Inhalt des Kommentars , d.r Leiter des Ju-jder Braunschweigcr Oefzusammen uneingeschränkt ben, um all denen zu hei. fen, die unter diese Gesetze fielen.” | „W'ahr ist dagegen, dass j Dr. Knost und sein dekorativer Teilhaber, Ministe- I rialrat Dr. Lösener, gleichcherischer Form in den Schmutz gezogen.” — 2. — Nach Dr. Knost hatten diese „kulturlosen” Juden, diese „zersetzenden Elemente”, das deutsche Volk schliesslich an den Rand des Abgrundes ge. bracht. Er schreibt: „Den letzten Zusammenbruch, das Erlöschen des deut. dern überhaupt jeglicher Einfluss auf die politische Gestaltung des Staates zu verwahren ist.” 4. — Die vom .Parteitag der Freiheit” in Nürnberg verkündeten Blutgesetze werden von Herrn Knost als höchste staatsmänni. sehe Weisheit angepriesen. „Sie standen in der ersten Reihe der Massnahmen eikunden. ist eine selbstverständliche Pflicht. Erst wenn man demgegenüber die Haltung anderer neutraler Länder zum Vergleich heranzieht, wie etwa der Schweiz, die jüdische Flüchtlinge zuriiekstiess, obwohl die schweizerischen Behörden wussten dass diese Einstellung einem Todesurteil gleichkommt, wird man die moralische und geistige nes Führers, dem die kom-1 Grösse der Skandinavier menden Geschlechter wichj richtig ermessen, tiger sind, als die der Ge. Nicht wir, die Menschheit genwart.” — „Sie haben ist diesen neroischen Völden Grund zum Wiederauf-1 kern verpflichtet, denn sie stieg von Volk und Reich waren diejenigen, die in der gelegt.” j Verirrung und Verwirrung 5. — Heute ist dieser ak- | auE dem rechten Wege blietive Teilnehmer an der Dif- \ ben und nicht der Gewalt famierung der Juden, an gewichen und zu Mitschulihrer Entrechtung, Auspiiin. I digen an den Grausamkeiten I und Verbrechen geworden (Schluss auf Seite 2) I sind. f