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Jüdische Wochenschau · 1961-05-19 · 1877 (19.5.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1877 (19.5.1961)
Date
1961-05-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYftfiEDO« 2130 - J9 izq. T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Ano XXXI. RI ENOS AIRES, VIERNES 19 DE MAYO DE 1961 No. 1877 kandinavier halfen den Juden SOMDARETAET DER CHRISTEN Jerusalem — Im Verlauf des Eichmann-Prozesses erklärte der Zeuge Dr. Josef Melcmar., ein Ueberleben. der des KZ Bergen-Belsen, dass es holländische Christen waren, die den Juden ein Versteck geboten haben und aut diese Weise das Leben von etwa 4.000 jüdischen Kindern retteten. Auch in Dänemark haben Christen der jüdischen Be. völkerung tatkräftig geholfen. was der Zeuge David Melchior. der Sohn des Chefrabbiners, mit Einzelheiten berichtete. Es waren Dänen, die ihr Leben für Juden eingesetzt haben, und die sich weigerten, die Befehle der Nazis auszuführen. Ueber die Haltung des Königs Christian von Dänemark, der jede Art von Judenverfolgung abgelehnt hat, und auf dessen Initiative die dänischen Juden in ihrer Majorität nach Schweden gerettet wurden, ist bereits in diesem Zusammenhang berichtet worden. G R F, UE LT ATE N IN HOLLAND Der Zeuge Dr. Meleman wurde im Juni 1943 zusammen mit 5.000 anderen Juden in das Zwischenlager Westerborg und von dort nach Bergen-Belsen gebracht. Seine Mutter und Schwester sind dann bei der weiteren Deportation ums Leben gekommen. Die Mutter wurde in das Ausrattungslager von Sobibor verschleppt, wo von 33.000 Juden nur 19 lebend zu_ riickgekommen sind. Von den 140.000 holländischen Juden sind 110.000 deportiert worden; von den Deportierten überlebten nur 6 000 die Lager. Der Zeuge berichtete von i einem zehnjährigen Kind, das sich ein Jahr hindurch j.im Lager Westerborg versteckt hatte ohne sich zu I bewegen. Als man das Kind; auffand, war es bereits in einem Zustand geistiger i Umnachtung. Die Nazis ha- : ben es dann nach Auschwitz i deportiert und vergast. 1 Der gleiche Zeuge berich. tet«, dass am 20. Januar 11943 die Nervenanstalt in Apeldorn (Holland' von den! Nazis besetzt worden ist;! alle Kranken wurden aus ihren Betten gerissen und nach Auschwitz zur Vergasung geschickt. ' Ferner berichtete der Zeuge, dassder Hunger in Bergen-Belsen die Menschen zur Verzweiflung getrieben hat sodass es sogar Fä le von Kannibalismus gegeben hat. AMERIKANISCHER j RICHTER SAGT AUS Zu dramatischen Szenen; kam es vor dem Gericht, als der Staatsanwalt Gideon Hausner den amerikanischen Richter Michael Angel Musmanno als Zeugen aufrief, der dem Hohen Gerichtshof in Nürnberg angehört hat, von dem die Hauptkriegsverbrecher abgeurteilt worden sind. Der Staatsanwalt verlangte die Vernehmung dieses Zeugen vor allen Dingen über die Tätigkeit der Einsatztruppen, auf deren Konto die furchtbarsten Verbrechen geschrieben werden mussten. Der Verteidiger Dr. Servatius widersetzte sich mit aller Energie der Vernehmung dieses Zeugen,, wobei er sich vor allen Dingen darauf berief, dass ein Richter nicht vernommen wer. den könne; es gäbe, — so sagte Servatius — keine ( Präzedenzfälle in Israel für I die Vernehmung eines Richters. Im übrigen aber könnte der Zeuge keine Aussa-! gen machen, die nicht durch andere Zeugen und Doku. I mente zum gleichen Thema besser gemacht werden ■ könnten. Der Richter Mus- ' manro würde ohnehin seine Erklärungen nur auf Grund I von Mitteilungen, die er AUS ARCHIVEN WASHINGTON Washington. — Wie bereits tckannt gegeben, hat das Sl,.te-Department geheime diplomatische Dokumente enthüllt aus denen sich Bemühungen des State-Departments ergeben, die Hilfe des Vatikans bei der Erleichterung des Schicksals und bei der Rettung von europäischen Juden aus den Klauen der Nazis zu gewinnen. Aus diesen Dokumenten kann man ersehe i dass auch dann noch, als di? Greueltaten und Verbrechen bekannt waren und ihre Höhepunkt erreicht hatten, der Papst schwankte, gegen diese nazistischen Verbrechen vorzugehen. Der nordamerikanische Botschafter in der Schweiz informierte am 3. August 1942 den damaligen Staatssekretär Cordeil Hüll. In seinem Schreiben heisst es. dass . a:e Weigerung des Heiligen Stuhls, öffentlich gegen die nazistischen Grausamkeiten zu protestieren, das moralische Prestige der Kirche gefährdet und den Glauben in die Katholische Kirche ebenso wie in den Papst unterseihst gehört hat, abgsben; hehlt.” . ein Tatzeuge sei er nicht, i In diesem Schreiben heisst es dann weiter: ..Bei ver. Im übrigen habe Musmansehiedenen Gelegenheiten habe ich den Heiligen Stuhl info’-mell auf diese Gefahren hingewiesen. Auch einig» meiner Kollegen taten dasselbe. Es hatte jedoch keinen Erfolg. Die Antwort der Kirche war immer die gleiche: Der Papst habe die Angriffe gegen die Moral in Kriegszeiter verurteilt; auf besondere Ereignisse oder Vor. kcrr mnisse jetzt hinzuweisen, wird die bestehende Situation nur verschlechtern.” — Gleichzeitig wurde jetzt enthüllt, dass der brasilianische Botschafter am Heiligen Stuhl alle Anstrengungen gemacht habe, um den Papst davon zu überzeugen, er der Nazis 1 mi sse „öffentlich und besonders di? gegen die Juden begangenen Verbrechen in den \on den Deutschen besetzno Bücher über das Thema geschrieben und sei in Jerusalem als Berufsjuornalist erschienen. Ferner seien seine Aussagen als eine mit vorgefasster Meinung wiedergegebene Stellungnahme anzusehen, nachdem er als Richter in Nürnberg bereits seine Ansicht über die Verbrechen festgelegt hat. Dem gegenüber wies Dr. ter>. Gebieten verurteilen.” Hausner darauf hin dass | Der nordamerikanische Botschafter in Bern kabelte Musmanno als ein Offizier an Cordeil Hüll er würde es bezweifeln, dass der Papst der Besatzungsmacht wich-1 übtrzeugt werden könnte. Var allem aber sehe er nicht, tige Informationen erhalten welchen Schaden eine solche Aktion des Papstes nach hat, die für den vorliegen-1 sich ziehen würde. Im Gegenteil würden hierdurch die den Prozess von grösster angestellten Versuche, die Situation der Juden zu erleich- Bedeutung seien, tem. eine bedeutende Förderung erhalten. Innerhalb von Das Gericht zog sich zur ' 24 Stunden drahtete der Staatssekretär Cordeil Hüll seinem Botschafter in Bern, um ihn zu autorisieren an allen Bemühungen gemeinsam teil zu?1 eh men um gegen die unglaublichen Naziverbrechen Front zu machen. „Sie körnen vor allem, so heisst es in diesem Tek-siamm. den nützlichen Effekt unterstreichen, den eine klare Verurteilung der Verbrechen durch d.en Papst naben wird, um eine Erleichterung für die Juden zu schaffen die Opter hemmungsloser Aktionen der nazistischen Machthaber sind, für die es keine Vorbilder in der Geschichte gibt. Am 16. Oktober 1942 wurde Hüll offiziell davon in Beratung zurück und erklärte, Musmanno als Zeu-, gen zuzulassen, allerdings nur für diejenigen Fragen, die für den Prozess Eich-' mann wichtig sind. ME AUSSAGE MUSMANNOS Der amerikanische ter Musmanno, der dem Höchsten Gericht des Rich. heute Kenntnis gesetzt, dass der Vatikan die diplomatischen WIE ICH ES SEHE Die Ludendorff-Strasse von JEHUDA GOTTHEMER Die deutsche Presse-Agentur (dpa) brachte vor wenigen Tagen ein Kabel, das aufhorchen jiess. In Tutzing (Oberbayern) habe, so hiess es in der Veröffentlichung, der Gemeinderat beschlossen, einen Verbindungsweg zur Villa der Frau Dr. Mathilde Ludendorff künftig, hin ..Ludendorff-Strasse” zu nennen. Die Tutzinger wollten auf diese Weise den Feldhenn des ersten Welt, krieges ehren. Sie störte nicht, dass der erste Weltkrieg verloren gegangen war. Sie hielten offensichtlich noch immer an der verlogenen Losung des „Im Felde unbesiegt” fest und waren der Meinung, dass die .Novemberverbrecher”, wie dies so in der alten Nazi - Phraseologie heisst, dem kaiserlichen Heer den berüchtigten „Dolchstoss in den Rücken” versetzt haben würden. So kam es jedenfalls dazu, dass im Jah. re des Herrn 1961 der T.utzinger Gemeinderat ein- | stimmig Erich Ludendorff | durch Benennung einer Strasse auf seinen Namen wie.! der zu Ehren brachte. — Das bayerische Innenministerium hat das Landratsamt Starnberg angewiesen, vom Tutzinger Gemeinderat die Aufhebung des Beschlusses zu verlangen, durch den die Strasse auf den Namen Ludendorff getauft wurde. Ludendorffs Anschauungen, die nach dem ersten Weltkrieg vom ehemaligen Heerführer verbreitet worden sind, haben der Errichtung des nationalsozialistischen Gewaltstaates Vorschub geleistet; im übrigen habe sich Ludendorff weithin mit den nationalsozialistischen Gedanken identifiziert. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte schliesslich, eine Strasse nach Ludendroff zu benennen, käme einer Ehrung der Feinde der Weimarer Republik gleich und NAZI IN HOHER POSITION Bonn. — Der Zentralrat der Juden in Deutschland verlangte, dass eine Ueberprüfung derjenigen Beamten und Funktionäre stattfinden solle, die eine Schlüsselstellung in der Bundeshauptstadt einnehmet». Diese Forderung wurde erhoben, nachdem bekamt wurde, dass Wilhelm Schepmann, der letzte Kommandant der Bürgerwehr, zun* stellvertretende» Bürgermeister der Stadt Gifthorn bei Hannover ermxMit worden ist. Schepmann war ein aktiver Pogromist und hat führend an den Verbreche» der Kristallnacht teiigeaoawwec». (ITA) wäre auch als Affront gegen di? jetzige Verfassung der Bundesrepublik anzuse-1 Ihen. —! Obwohl eine Ludendorffi Strasse noch keine Veranlassung dazu bietet, von eii nem Herannahen des Drit- : ten oder Vierten Reiches ’zu sprechen, steht man eijr.em bedenklichen Symptom gegenüber; dieser Auffassung war offensichtlich I; auch das bayerische Innen-; ministerium. da-s schnell j , reagiert hat. Ob nun der angegriffene Beschluss wie-; der aufgehoben worden ist, I I oder ob es zu einer Streitfrage im Verwaltungs- oder I Verfassungsreeht kommt, entzieht sich unserer Kenntnis, ist auch für die Ur-1 ■ teilsbildung nicht wesentlich. |! Ludendorff und Hindenbürg, die bekanntlich die \ i deutschen Armeen des wilhelminischen Kaiserreiches . i in die Niederlage führten, 1 die schliesslich der unmiti telbare Anlass für die gro-1 I sse Katastrophe geworden ist, in die Deutschland und 1 I von ihm die übrigen Natio- : nen durch die Mächte der Unterwelt ins Chaos gesto-I ssen worden sind, versuchten schon lange vor dem deutschen Zusammenbrueh im November 1918 Einfluss auf die Politik zu nehmen, wurden damals aber noch vom Kaiser selbst in ihre Schranken verwiesen. Immerhin v aren diese Hindenburg-Ludendorffschen Intentionen, das politische Steuer ebenfalls in die Rand zu Bemühungen der USA, zugunsten der polnischen Juden. Staates Pennsylvania ange- Zu intervenieren, abgelehnt habe. Der Heilige Stuhl hört und der Richter der informierte Myron Taylor, den nordamerikanisehen Bot- Niirnberger Tribunale war, i scbafter im Vatikan, über die Stellungnahme des Papsles nahm auf der Zeugenbank pius xil. Der Vatikan versuente, dem Problem auszu. Platz. Er wies darauf hin, | weichen. Der Vatikan behauptete, ebenfalls Nachrichten dass er ein? Reihe von Ani,i,er (jje antijüdischen Aktionen zu besitzen, deren Richtikeln im Anschluss an den . er aber bis dahin ncht habe festste len können. So Nürnberger Prozess gejaute(e die Antwort des Papstes. schrieben hat, die für den Diese Antwort wurde gegeben, nachdem Myron Tay. Prozess Eiehmann wichtig | |0i, ^gn Kardinalstaatssekretär Maglione anhand von Doseienkumenten der Jewish Agency in Genf und von Aussagen Dann berichtete der Zeu. j rrichtjüdischer Augenzeugen bis in alle Einzelheiten inge über Informationen, die forrn}ert hatte; dieses Material bezog sich insbesondere er direkt vom ehemaligen auf Vernichtung des Ghetto in Warschau uQd andere I Marschall Hermann Görfng Massenmorde, vor allem auch in Lemberg, und vom ehemaligen nazi- _ , , . , , stischen Aussenminister . „ Dfr nordamenkamsche Botschafter m Bern schrieb! Joachim v. Ribbentrop er- 'damals: „Ich bedauere, dass dei-Heilig? Stuhl nicht mehr halten hat Fr hat — co Verständnis zeigt, aber die Haltung des Kardmalstaats- I sagte der Zeuge -. aie na. Sekretärs Maglione war klar; er wollte seine Massnah. zistischen Führer im Lau-, men von irgendeinem praktischen Wert treffen.' (ITA) fe der damaligen Unter.su-1__ chungen vernommen die Cr im Aufträge der amerikanischen Armee durchführte. Der Gegenstand Vernehmungen sei vor allem gewesen, ob Hitler noch leben würde oder nicht. Damals hatte Musmanno den Rang eines Korvettenkapitäns. Der grosse und här.ger haben soll, was ein ] pen” unter Major Buchrukbedenkliches Licht auf die ker und dem früheren der innere Struktur mancher, Hauptmann Stennes. der Menschen wirft.; spl'er in der Berliner SA Versetz?n wir uns für ei-¡eine grosse Rolle spielen sollte. — In Miteldeutschland gab es stark linkssonige Augenblicke in jene I aufgeregten und aufwühlenden Jahre nach dem 1. Welt. : zialistische Regierungen, so. | krieg, in denen es kein dass man mit separatistihagere amerikanisches Hilfspro- (sehen Tendenzen rechnete. gramm für das ' besiegte — Und schliesslich in Süd- (Fortsetzung auf Seite 8) ¡Deutschland gegeben hat, deutschland. vor allem in ___ wie nach dem zweiten von : Bayern, bestanden gleich den Deutschen verlorenen! drei, miteinander konkur- Bewegungen, die 1- - --1 bekommen, der sichtbare Weltkrieg, so dass statt des j rierende Versuch der Militärs, das heutigen Wirtschaftswun- Schicksal eines Volkes al. ders die damalige Wirtlein zu bestimmen, ein Verj schaftskatastrophe dem po. such, der auf eine scnwache ' litischen Bild ihr äusseres Teilung der Gewalten im t Gepräge verlieh. Im August I in sich nur darin einig waren, dass dis Weimarer Republik beseitigt werden müsse. München arbeiteten nationale Opposition” dem monarchistischen ehemaligen Ministerpräsidenten von Kahr, der Geiste und Sinne Montes- 1923 war es dem nationalli- ¿|ie quieus hinweist und gleichberalen Politiker Dr. Guj unter zeitig die diktatorialen Ten.jstav Stresemann gelungen denzen der Militärs — auch ein Reichskabinett auf breieine Erscheinung der Ge-. ter Basis aufzustellen und j Ludendorff Kreis und Hiüer genwart bei manchen Völden bis dahin hoffnungslo. m;t seiner NSDAP nebst kern — unterstreicht. , sen Versuch zu machen, das j Privatarmee der ständi« Während sich Hindenburg | Reich wieder zu einen und - verstärkten SA die in Bai nach der Niederlage in sei. die Krise zu überwinden, j taillone und ' Regimenter Die Regierung sah sich! eing«t-eilt war und unter einer beinahe trostlosen Si- £}ern Kommando des frühetuation gegenüber: prakren Fliegerhauptmanns Goten Monarchisten an ihre tisch zerfiel das Reich in' rjng stancj _ Hitler träum Spitze berief, nahm Luden.; drei Zonen in denen die i te von seinem Marsch auf dorff sofort seine politi-1 unter sich rivalisierenden j Berlin, um das verhasste ne Einsamkeit zurückzog, bis eine in sich zerrissene Republik den eingefleisch sehen Aktionen auf, die sich antirepublikanisch . faschi. an keine andere der zahlsehen Kräfte ihren Putsch losen, wilden, unkontrollierten Bewegungen anschloss, sondern eigene Wege zu be. schreiten versuchte. Im Fluge der Ludendorffschen Gedanken predigt heute noch seine Witwe, Frau De. Mathilde Ludendorff, eine zu machen sich bemühten. Norddeutschland wurde von den Rechtsradikalen der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei beherrscht sowie von den halbmilitärischen „Vaterländischen Verbänden” und den aggressi neue Religion, die auch Anve* illegalen .Reservetrap. Regime zu stürzen. Die Lage wurde immer konfuser. Der bayerische Ministerpräsident von Knilkng proklamierte den Ausnahmezustand und setzte von Kahr als Generaistaatskommissar ein. Die Reichsregierutig verhängte daraufhin den all. (Schluss aut Seite 2>

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