Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1874 (9.5.1961)
- Date
- 1961-05-09
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9612115-9612429--1314-9612437- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
< U FRANQUEOPAUADC Concesión 908 Concesión 1829 TARIFA REDUCIDA SEMANA ISRAELITA Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 9 DE MAYO DE 1961 No. 1874 EL EJEMPLAR sn toda la Rspublict Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1» isq. T. E. 83 . 2818 SO WUETETEN DIE NAZIS IM BALTIKUM (Schluss von Seite 3) i.i Sosnowitz (Oberschle. s:en) gefasst worden ist. Die Nazis folterten ihn, um Einzelheiten über die dortige Widerstandsbewegung zu erfahren. Sie folterten den unglücklichen jungen Mann auf die grausamste Weise. Man schob ihm Holzspäne und feine Holzplättchen unter die Fingernägel. Dann wurden Späne und Holz angezündet. Aber Blumenfrucht sprach nicht, Alle anderen Foltereien grausamster Art überstand der junge jüdische Mann gleich-j falls, ohne seinen Mund zu ' öffnen, sagte die Kranken. '■ Schwester. Dann wurde sei-; ne Mutter von den Nazis j geholt, die ihren Sohn anj flehte, er solle sprechen, er j solle doch sagen, was es i weiss, wenn er ein Delikt I begangen habe, damit die schrecklichen Torturen end-' lieh aufhören. j Der Junge aber sagte nur: „Ich werde nicht spre.' eben .. Ich bin gestorben.” , Die Deutschen setzten ihre j Quälereien der fürchterlich-; sten Art zwei Wochen hinj durch fort. Aber Blumen-! fnicht sagte niemals ein ‘ Wort. Ich bin mir dessen sicher, dass die Deutschen diesen jungen Mensehen be.■ wunderten. Er wurde dann auch nicht, wie dies sonst i üblich war, öffentlich auf-; gehängt. Ihn erhängten sie ' eines Morgens, bevor die Polizeistunde aufgehoben: worden war. In ihren wei-1 teren Erklärungen berich- 1 tete diese polnische Schwe. | ster, dass von den 30.000 Juden, die es bei Ausbruch; des Krieges in Sosnowicz I gegeben habe, 200 die De- . portationen und KZ überj lebt hätten. Als diese Deportationen begannen, nah. men die Deutschen Verhaf-1 tungen auf der Strasse vor, j um ihre vorgeschriebenen j Quoten zu erfüllen. Die Bonn hilft Syrien Bonn. — Die deutsche Bundesrepublik hat Syrien für die Erschliessung der bisher entdeckten Mineralvorkommen technische Hil. fe angeboten. Das Angebot wurde bei einem Treffen des Handelsattaches der Bundesrepublik mit dem Generalsekretär des syrischen Industrieministcriums iu Damaskus unterbreitet. Deutschen drangen sogar in Krankenhäuser ein, wo sie Frauen aus den Betten rissen, die soeben erst entbunden batten, oder Kran- I ke. die frisch operiert wa. | rcn. I AUCH DAS HABEN DEUTSCHE GETAN I i Die Deutschen haben nicht j davor zurückgeschreckt,! sagte die Krankenschwester, jk.anke Kinder aus den Kini dersälen der Krankenhäuser; herauszuholen und sie aus; dem zweiten Stockwerk in! Lastwagen zu werfen, die 1 bereits mit Kranken ange- : füllt waren. | Dann wurden diese unj glücklichen Menschen in i Eisenbahnwaggons verla. | den. Wir sahen, wie aus; den fahrenden Zügen Meni sehen geworfen worden sind. Da wussten wir, dass! sie alle ermorden würden j und dass keiner am Leben b'eibt, sagte die Polin. EIN ENTSCHEIDENDES iDOKUMENT I | Grosses Aufsehen erregte I ein Dokument, das von der I Staatsanwaltschaft vorgelegt worden ist, nachdem eine grosse Reihe Zeugen die Schreckenstaten der Nazis geschildert haben. Bei diesem Dokument handelt 1 es sich um ein Memoran. I dum, das von Eiehmann verfasst worden ist, und in dem er die schnelle Durchführung der Endlösung der Judenfrage fordert, unabhängig von wirtschaftlichen Erwägungen oder son. stigen Notwendigkeiten. Verteidiger Servatius wandte ein dass das Dokument nicht von Eichmann unterzeichnet sei, worauf der Ankläger erwiderte: Auf einem Briet, den Heydrich, der Vorgesetzte Eichmanns an den Reichsleiter Alfred Rosenberg gerichtet hatte, ergibt sich eindeu. tig. dass Eichmann der Verfasser des Memorandums ist. Rosenberg, der nazistische Minister für die im Osten besetzten Gebiete, hatte gewisse Einwendungen gegen die von der Gestapo im Osten veranlass, ten Massnahmen gegen die Juden erhoben. Daraufhin wurde von Eichmann das zitierte Memorandum verfasst, das von Heydrich vveitergegeben worden ist. Heydrich hatte dem Ro- STOERUNG EINER FEIER Vor Beginn der Erinnerungsfeier für die Kämpfer des Ghettos in Warschau im Londoner „Prince”-Thca. ter kamen acht Faschisten in einem geschlossenen Tender zu dieser Veranstaltung. Der Tender war mit: antisemitischen Aufrufen beklebt. Die Faschisten , sprangen vom Tender, stiessen antisemitische Schmähungen aus und wollten in das Theater eindringeir. Jedoch die zahlreich erschienenen Polizisten verhinderten eine weitere Provokation und verhafteter, diese acht Personen. Die ur.ur Teilnahme Sir Barnett Jänners, des Vorsitzenden des „Board of Deputies” stattfindende Veranstaltung verlief in aller Ruhe. Auch am Schluss der Feier näherten sich Faschi. sten dem Theater, wurden aber sofort von der Polizei entfernt. senberg mitgeteilt, dass nur die Geheimpolizei für die | Juden im Osten Europas! zuständig sei; Eichmann, : sein Spezialist auf diesem | Gebiet ist dabei, ein Me-! morandum abzufassen, um , Rosenbergs Einwendungen; zu entkräften. — i Der Schriftwechsel zwi. , sehen Heydrich und Rosen- | berg wurde dem Gericht ' im Original vorgelegt, j Im Memorandum wird die schnelle Endlösung der I Judenfrage durch die hier- | für eingesetzten Organe! (womit Eichmann sich offensichtlich selbst gemeint I hat) vor allem in den ost. j europäischen Territorien , verlangt; bis dies nicht durchgeführt sei, müsste | eine scharfe Trennung zwi- , sehen Juden und Ariern vorgenommen werden. Insbesondere müssten alle verfügbaren Mittel eingesetzt werden, um die Eliminie. rung der Juden zu erwirken. ohne auf irgendwelche wirtschaftliche Folgen zu achten. WEITERE VIER ' NAZI-ZEUGEN | Weitere vier Zeugen wuri den von der Verteidigung genannt, die allerdings eben.! falls vom Generalstaatsan- I walt als Kriegsverbrecher bezeichnet wurden, die also j bei ihrem Erscheinen in Israel mit ihrer Verhaftung rechnen müssten. Das Ge- | rieht erklärte sich bereit, j auch die Aussagen dieser Zeugen, die vor einem deut. I sehen Richter gemacht wer- , den, anzuerkennen. Es handelt sich um: | Dr. Edmund Veesenmeyer. früherer deutscher Bot. I schafter in Ungarn; um i Erich von dem Bach Zalewski, Chef eines der 12 i Einsatz - Kommandos im lOsten, denen die Ausrottung der Juden oblag; Otto Winkelmann, früherer nazi. istiseher Polizeikommandant I und Richard Baer. letzter Kommandant des KZ Ausch- , witz. URKUNDEN UND ZEUGEN j Eine Reihe weiterer Urkunden werden vorgelegt, : aus denen sich die Schuld ' Eichmanns ergibt. Diese i Urkunden beziehen sich vor allem auf die Ausrottung! der Juden in den baltischen I Ländern. Der Zeuge Elieser Kash. tat berichtete dann, er habe mit eigenen Augen einen Letten gesehen, der Juden erschoss. Dies war am j 3. Dezember 1941. Der Mör. der lebt heute in Argentinien oder Brasilien. Der Zeuge sagte: Die Opfer mussten sich selbst ihre Gräber schaufeln, während schwer bewaffnete SS mit Maschinenpistolen in der Hand sie bewachte. Es handelt sich um eine Vergeitungsmassnahme, weil die Deutschen Pläne und Waffen einer Widerstandsbewegung entdeckt hatten. Von den 100.000 Juden in Lettland haben 000 die Katastrophe überlebt. Abraham Aviel berichtet über seine Erlebnisse in Radom. Die Nazis drangen in die Wohnung der Fami. Ile ein, in der sich nur noch die Mutter, ein jüngerer Bruder und der Zeuge befanden, nachdem man den Vater und einen älteren Bruder bereits abgeholt I hatte. Wir wurden dann, so j sagte der Zeuge, mit vie. I len ande-en auf den jiidi- scheu Friedhof gebracht, i wo man uns zwang, unsere | Kieider abzulegen, und, den Rücken zu einem Graben j gerichtet, Aufstellung zu nehmen. Dann wurde plötzlich Feuer auf die Gruppe gerichtet. Ich sprang, da ich nicht getroffen wurde, über die Köpfe der Fallenden hinweg. Unbemerkt von den Nazis versteckte ich mich in einer Grube. Dann wurde ich doch gefangen j und ins Ghetto zurückge. schickt. Aus dem Ghetto; gelang es mir zu entfliehen ¡und in einen Wald zu kommen. Dort wurde ich gewahr, dass es auch meinem Vater gelungen war zu fliehen. iERMORDUNG : DEUTSCHER JUDEN Einer der Zeugen, die über die Schrecken in Riga berichteten, schilderte den Tod des jüdischen Historikers Simon Dubnow, der von den Nazis ermordet wurde. Das Ghetto von Riga sei dreigeteilt gewesen. Ein Teil war für deutsche Juden reserviert, die aus Hamburg, Hannover, Bochum, Kassel, Dresden, Wien, Prag und anderen deutschen Städten herbeige- | schafft worden sind. Anj fangs seien auf den Trans- 1 Porten kaum Juden umgekommen. Dann aber hätten von 1.000 kaum mehr als 2 i oder 3 Deportierte über, ¡lebt (!). Die Lage der deut- | sehen Juden im Ghetto war | noch schlechter als die im lettischen Teil, denn die Lebeumittelrationen waren noch geringer. Später wurde ein Lager in der Nähe des Ghetto errichtet, wohin die d<utsch:n Juden gebracht wurden. Dort wütete ein SS-Mann Lange, der die Mehrzahl der Juden selbst tötete. Der Zeuge berichtete über weitere, schreckliche Greueltaten und Bestialitäten. — Und so etwas erhaelf Pension! von KURT KAISER-BLUETH Ein deutsches politisches Wochenblatt publizierte soeben eine bisher unbekannt gewesene ..Führerinformation”,. Nr. 155 des Reichsministers der Justiz vom 27. April 1943. Der damalige reichsdeutsche Justizminister, Schlegelberger, teilte seinem Führer in dieser Botschaft wörtlich mit: „Eine Volljüdin hat nach der Geburt ihres Kindes ihre Muttermilch an eine Kinderärztin verkauft und verschwiegen, dass sie Jüdin ist. „Mit der Milch wurden deutschbliitige Säuglinge einer Kinderklinik genährt. Die Beschuldigte wird wegen Betrugs angeklagt. Die Abnehmer der Milch sind geschädigt, weil die Muttermilch einer Jüdin nicht als Nahrung für deutsche Kinder gelten kann. „Das unverschämte Verhalten der Beschuldigten ist auch eine Beleidigung. „Von der Einholung entsprechender Strafanträge ist jedoch abgesehen worden, um unter den Eltern, die den wahren Sachverhalt nicht kennen, nicht nachträglich noch Beunruhigung hervorzurufen. „Die rassenhygienische Seite des Falles werde ich mit dem Reichsgesundheitsführer erörtern.” Kein Kommentar. Jede Polemik gegen Derartiges kann nur die Wirkung des Grauens abschrecken, das von dieser „Führerinformation” ausgeht. Diesem Schlegelberger, der „die Muttermilch,einer Jüdin nicht als Nahrung für deutsche Kinder” ansehen kann haben vor nicht allzulanger Zeit die schleswig-holsteinischen Richter seinen legitimen Anspruch auf seine redlich verdiente Pension von ca. 3.000.— DM im Monat bestätigt. Das Individuum, Besitzer einer koketten Villa und vermögend von Hause aus, bekommt almonatlich die finanzielle Reverenz der Bundesrepublik ins Haus geschickt . . . Nachbarin, Euer Fläschchen —! Aus aller Welt Ben Gurion und Goldmann Tel Aviv. — In einer Pressekonferenz sprach Dr. Nachum Goldmann sein Bedauern über die jüngsten Angriffe auf die Zionistische Organisation aus. die Ben Gurion kürzlich in recht persönlicher Form auch gegen j Goldmann gerichtet hatte. Inzwischen hat Ben Gurion sich berichtigt. (ITA) Grosse Auszeichnung: Stockholm. — Der jüdische Wissenschaftler Dr. George De Hevesy, Nobelpreisträger und Professor für organische Chemie an der Universität Stockholm, wurde durch die Dänisch-Wissenschaftliche Gesellschaft mit der goldenen Medaille „Niels Bohr” ausgezeichnet, die ihm für seinen wissenschaftlichen Beitrag zur friedlichen Ausnutzung der Atomenergie zugesprochen wurde. (ITA) Luftkaempfe Jerusalem. — Ueber israelischem Territorium fand ein Luftkampf zwischen israelischen Jagdflugzeugen und ägyptischen Düsenflugzeugen vom Typ Mig 15 statt, bei dem ein ägyptischer Apparat abgeschossen werden konnte. Der zweite Apparat entkam. Bereits am Vortage hatten ägyptische Flugzeuge die israelische Lufthoheit verletzt. Der ägyptische Apparat fiel auf ägyptisches Gebiet nahe der Grenze, der Flieger, der im Fallschirm abgesprungen war, landete auf israelischem Boden. (ITA) Italien kauft aegyptisches Oel Rom. — Italien wird im Austausch gegen Kunstdünger bis 1963 eüwa 15 Millionen Tonnen Rohöl aus Aegypten beziehen. Das Abkommen wurde zwischen dem italienischen Staatskonzern ENI und dem ägyptischen Landwirtschaftsministerium, der Ge. neral Petroleum Company und der Compagnie Orientale des Pétroles d’Egypte in Kairo abgeschlossen. Der Wert des Warenaustauschs beläuft sich in beiden Richtungen auf 24 Millionen Dollar. (AWZ) „Hakenkreuzmaskerade” Bonn. — Eine von Schul- I kindern veranstaltete „Hakenkreuzmaskerade“, bei der sich die Kinder mit Ilaktnkreuzabzeichen, Schul-" terstücken und anderen NS- Emblemen dekoriert hatten und Hakenkreuzfahnen schwangen, erregte dieser Tage Aufsehen in Wolfenbüttel. Die Polizei machte der „Maskerade“ ein schnelle;, Ende. Ermittlungen ergaben, dass die Kinder sich ihr neues Spielzeug von einer Müllgrube geholt hatten. Ein Geschäftsmann hatte beim Entrümpeln seines Dachbodens die NS-Ueber-, bleibsel entdeckt und weggeworfen. Granados gestorben Guatemala. — Dr. Jorge García Granados, einer der grössten Freun- | de des Kämpfenden Isra.; el und einer der entschlossensten VerteidL ¡ ger Israels vor den UN i im Jahre 1947 ist im AI- I ter von nur 59 Jahren in Santiago de Chile gestorben, wo er sich in offizieller Funktion für sein Land befand. (ITA) Registre de la Propiedad Intelectual No <66.695