Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1873 (5.5.1961)
- Date
- 1961-05-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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18? ans,. ' er. bäte 1 ’ ">€ vie '.vor: ”ar;n habe -at>t\vorlet. eh"1"'5 ch will es di« Ziffer :r interes Ausserdem “b «h von Jn Rumä.!n werde,”! er’ Eich.;n Bericht efasst. der a“e Ziffer Juden lte' Eich. 2U dieser Runen Ju, '«schiede- und Konliquidiert Ronen Ju. anderen ■ anderen ittet. Die zwei Mil. 'schossen, die Kom. 'heitspoii. ussischen :1 berichdass die egebenen if Himir,. ch gering diesem 'inen Be. ckt, der erprüfen aber an. Hoettl Angaben d. Denn hrjenige, eberblick fern der jetöteten „Eichesfimmf rsichert JGE intgabe n Verscheint 'or Geihischer -b Krat. ert. wie aiis aus len ver- , nach- VermÖn war. , er ha. egenheit als dann i fragte, eklagten »rerken- ..Nein", len Anhatte. ier Anmg zu. maligen zugunussagen deit für j. Das ass die- Kompehtshofes ]ie Enter Regierung 'länge- ¡ass sie er versen sie te sieh ls dazu en volli, die 5S oder “fl WCf* Exnazis iegsvefig sindist ofjernüW m VieTn«s, 5 de Mayo de 1961 LA SEMANA ISRA E L 1 T A und malig.e die mit Aufregende Szenen im E; ». < Fort Setzung von Seite 6) stigen laubnissen Auswanderungs.Er- \ dass er nicht in der Lage des Verteidig - ■ halten konn-1 sei. Zeugen freies Geleit zu Cif eit “bgc cm.l •if freies beitet haben und heute in.ten: „Gebt mir irgendvvel. , gewähren.^ da ^ies^eine An-; Westdeutschland Das Gericht "ab zu er dass es die direkte leben! che laufend» Akten, damit geiegenheit der Regierung kennen, dass es die c.uekte 1 6 ich sie Eichmann vorlegen Israels und nicht des Ge. \ernebmun< der k,,nn _ 1 richtes sei. Jedoch ist der ncr scbr.tlhohen Ei.-. iun„ I “tw Vr>rcit7ende (raste Gerichtshof bereit, schriflli-■'verziehe:. wihde. Daraufhin 1 ROZESS GEHT LANGSAM | per Vorsitzende fragte . Der Generaistaatsanwalt, jec!€n Zeigen, ob er Eich- , eklärte. dass die Vorlage! ü£ von Dokumenten und die j"uge fax “ „!f ‘ Ln Vernehmung der Zeugen I^¿en Aussage tercits bc. der Anklage am 15. Juni be-j rlcfht,et w%den ,.st* endet sein werde. Bis jetzt I Su.. rf5ei. n..;ni ein halber Tag \<sor1 e X on J 1 ' 1 'C'j lastete FX;V---•'•.! slv.vk, if-’eni er auv; .r,r''•, dass d--.r At-ickl-ig-.a das Ausv.’i.i ll -"e A ri": f tibe,-- Jas Seite?-.al dir Ju-I '1 in egefc.hrt u,n-i iule lü.s.-.eii.io. sei schon pingespart worden gegenüber der im Voraus berechneten Zeit. — Der Vorsitzende meinte hierzu, dass dies nicht genüge. Der Prozess muss schneller abgewiekelt werden. Die Beobachter meinen, dass die Richter den Prozess auf das eigentliche Thema, die Verbrechen und die Schuld Eichmanns beschränken wollen, während der Genefriiher hat er keine Brille getragen.” — DIE GREUEL IN POLEN Die Staatsanwaltschaft . präsentierte eine Zeugin, Frau Eda E. Lichtmann, die zitiert worden war, um dem Gerichtshof ein Bild; von den in Polen durch die 1 Deutschen begangenen Verbrechen zu übermitteln. Der Generalstaatsanwalt Hausner unterstrich aush,-;i : l UEBER FACHMANNS ROIXE ralstaatsanwalt daran indrücklieh, dass die Zeugin teressiert ist. die gesamten nichts aussagen werde, was Naziverbrechen vor dem Eiehmann unmittelbar be- Gericht aufzurollen. lastet. Frau Lichtmann sprach von den Henkersbataillonen und Ausrottungskomman- Dass Eichmann für die dos, die unmittelbar nach A erbrechen die ihm zur dem deutschen Ueberfall Last gelegt werden, voll auf Polen ihre Verhängnis, verantwortlich ist, wird aus volle Tätigkeit aufnahmen. dem weiteren Verlauf des , Der Vater der Zeugin wur- Prozeises immer deutlicher.! de von den Nazis vor ihren Einer der zuletzt gehörten Augen erschossen. Sie bezeugen sagte u. a. aus: richtet, wie die Nazis kleine „Dort war ein Günther, Ad-i Kinder ihren Müttern ent. jutant Eichmanns, der mit \ rissen und auf Kinder geder Leitung der Auswande. j schossen haben, die Hilfe- I rungsstelle in Prag beaufj und schutzsuchend zu ihtiagt war. Seit Juli 1938 r?n Müttern zurückliefen, i cbe Zeugenaussagen verle- | erklärte Hausner, dass die kam Eichmann regelmässig Die Zeugin berichtete, wie!sen Zu jassen und entgegen- Regierung Israels wahr. dorthin. Sobald sein Erdeutsche Soldaten die Bär. -Zunehmen, die von diesen; scheinlich innerhalb i ZEUGENVERNEHMUNG VOR GERICHT emer scheinen angekiindigt war,! te frommer, alter Juden zeugen vor einem deut. I Woche zu diesem Fragenersehraken alle und waren j angezündet haben, um dieschen oder österreichischen komplex Stellung nahmen elektrisiert von der Angst,;5" Juden zu quälen und Rjchter abgegeben werden.; kennte. Im übrigen crklärdie man vor Eichmann sich zu vergnügen, empfand. Eichmann achtete UM DIE ZEUGEN DER VERTEIDIGUNG stiengstens darauf, dass der Rhythmus der Auswande-1 rung, den er bestimmte, ge.! _ _ _ nau eingehalten werde, manns beabsichtigt, gewis Selbst dieser Günther hati s0 Zeugen vorzuladen, die te Angst vor Eichmann. Er.jedoch damit rechnen rnüss. sagte zu uns. wenn wir ten, in Israel verhaftet und nicht die von Eichmann geebenfalls vor Gericht geförderte Anzahl von Palä-1 stellt zu werden. Der Ge- Wie der Verteidiger Dr. j te sich die Staatsanwalt- Servatius bekannt gab. will schaft damit einverstanden, er als Zeugen Wilhelm dass die Zeugen vor deut. Hoettl und Walter Huppensehen oder österreiehi- Die Verteidigung Eich- * kotten, zwei frühere SS-Of-; sehen Richtern aussagen. fiziere, sowie Eberhard von 1 Aus den bereits vorgeleg- Tbadden, den früheren Lei. ten eidesstattlichen Versitei des Judenreferats im . eherungen des Hoettl und Auswärtigen Amt, vernehcles von Thadden ergibt sich men.; die Verantwortlichkeit Eich. Der Generalstaatsanwalt manns für die ihm zur Last stina.Zertifikaten oder sonrichtshof hob erneut hervor, Hausner hat das Ersuchen ' gelegten Verbrechen. Insnen von Hl.i,-;niaten überganc Ti b.J c. — (¡ARAVJIL.n ABiHI.LHNT Die i-:iaeliscl'e L-.gierung iej'.nte es ab. den Zeugen ein freies Geleit z.uzusichern. die \on der Vei'cL digung Eichmanns nacli Jei-.i'alem zitiert weiden -eilten. wenn sie Nazis sind und im Verdacht stehen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit bc-gangm zu haben. Der Generr.lstaatsauvvalt Gideon Hausner er. Año XXII. — No. 1873 — 7 rozess kli .ic, dass diese Zeugen :' :c-:r von haftet und als K'-icg-, e: brecher vor Gerh-iit ges e!.t werden würden.! Da gegen erklärte sich der iAi k'; r „och einmal damit c-irA-'rstaiiden. dass solche 7j:\ ven \or einem deutliche.; Rich*cr in Gegenwart! der \ erieid.-gt r und eines ■ P.eprJsema.iten der Anklag-;lx: e vernommen wer-; o't-n u'ii-fcn an« dass diese Aussagen dann vor Gericht ais Beweismittel angesehen werden :ci;en. DLR A G 1 .! \ it.sUH DER ZEUGEN Leber Tu*, csatärsche und andere Grausamkeiten wurden von verschiedenen Zeugen genaue Schilderungen gegeben. Dabei kam es ZU einer dramatischen Szene, als ein Zuhörer aufsprang und in den Saal rief: ,,Er hat meine ganze Familie ermordet; Lassen Sie mich ihr. löten!” Die im 3ar.:<- anwesenden Polizisten umringten sofort diesen Mann der mit dem Finger auf Eichmann hindeufete und erregt fiel;, blutiger Hund!” * Der -Mann wurde spater identifiziert. Er ist 4(5 Jahre alt und ein Flüchtling aus Ungarn. Man wollte ihm zur Beruhigung eine Tasse Kaffee gehen, aber 0P zitterte so stark, daäs SJ ’ die Tasse nicht halten kontr. te Später sagte dieser Zft* li'u-er, er sei durch den Prozess und durch das, was . dort zur Sprache kam, an ah das Schreckliche erinnert worden. Von den 62 : Mitgliedern seiner Familie sind überhaupt nur 4 übrig gelilieben.! Mit den Journalisten wollte er nicht sprechen. Er sagte, er sei nicht gekommen, um mit den Journalisten zu reden; man solle ihn in Ruhe lassen, er wolle dann Weggehen, wenn er sich beruhigt hat. Die Polizei war auf Zwi- (Fortsetzung auf Seite 9) e0iX' ite» Hart und schonungslos, das war der Auftakt in der Bundesrepublik und Berlin durch das Deutsche Fernsehen zum Tag. an dem die Gerechtigkeit ihren Weg in Jerusalem nehmen sollte. Erst am Abend wurde das Fernsehprogramm „Auf den Spuren des Henkers Eichmann“ bekanntgegeben, und man harrte auch noch zu später Stunde vor dem Fernsehapparaten. um den Dokumentarbericht des teils zum ersten Mal veröffentlichten Fiimmaterials zu verfolgen. Nerven aus Stahl waren an manchen Stellen zu schwach, wo das unbestechliche Objektiv aufblendete, und drohten plötzlich zu versagen. Aber Millionen, die sonst Abende hindurch nicht vom „Filmkasten” weichen und die minderwertigsten Programme verschlingen — schalten zu dieser Stunde ihren Apparat rechtzeitig ab. um sieh die Nachtruhe nicht durch ein angesprochenes Gewissen stören zu lassen. Es ist leichter, es ist bequemer so. Seitenlang sind die Berichte und Artikel der gesamten Presse, die in den letzjten Tagen erschienen, um einen Teil der Bevölkerung warm zu halten und auf das Kommende vorzubereiten. Man hatte den Eindruck, dass diese Zeitungen von dem ehrlichen Willen durchdrungen sind, die Vergangenheit zu bewältigen und sich der Verantwortung nicht zu entziehen. Ihre Schlagzeilen er Prozess-von Berlin gesehen schreien jedem auf der Stiasse die grauevolle Wahrheit ins Gesicht. Sie rütteln an dem Gewissen des Volkes und versuchen manche , Kreise dieses Landes aus dem wohlhabenden Schlummer des Wirtschaftswunders j zu erwecken.! Das heutige Deutschland ist nicht jenes von Gestern — aber jene von Gestern leben noch und versuchen ihre nazistischen Giftzähne an der jungen Demokratie dieses Staates vergeblich zu schleifen. Andere sind froh und dankbar, dass die Israelis die vielleicht unangenehme Arbeit der Nachkriegszeit ihnen abgenommen haben, um sieh ungestört weiter an dem Wohl einer begüterten Gegenwart mästen zu können. Noch kann niemand hier den Prozentsatz von diesen und jenen genau angeben, noch kann es keine Statistik hierüber geben, denn das Examen der Demokratie Deutschlands wird erst die kommende Generation ablegen müssen und beweisen, dass sie aus der jüngsten Vergangenheit gelernt hat, um in der Zukunft den Frieden und die Menschenwürde zu wahren. Im Osten Deutschlands weist man täglich, trotz eigener blutbefleckter Hände, auf die Bundesrepublik. von ARIE ABRAHAM Do,ch soll man sich durch propagandistisches Geschwätz nicht täuschen lassen. wodurch man die jüngste Vergangenheit in jenem Teil Deutschlands zu übergehen versucht, als sei dort ne etwas geschehen, als hätte das braune Gesindel nicht auch dort seine furchtbarsten Früchte hervorgebraeht. Für sie mag es ein geteiltes Deutschland geben, doch für uns sind die Träger der Verantwortung hier wie dort. Ein willkommener Anlass schien der Eiehmanns-Prozess, um die Propagandamaschinerie dort im Osten auch entsprechend in Bewegung zu setzen, doch als der Erfolg billiger Thesen auszubleiben schien und die Augen der Welt; 5'ch auf Israel richteten, statt auf die „unschuldhefangene DDR“, war kein Mittel zu teuer, um schnell die Flinte auf ein anderes Ziel zu richten — Israel, j Wenige Stunden vor Beginn des Eichmann Prozes- : ses wurde fieberhaft an der j Uebersetzung einer russischen Hetzbroschiire von , Iwanow und Scheinies ,,Der | Staat Israel — Situation und ] Politik” gearbeitet, in der Israel als „Brutstätte der nationalen Untedriiekung und der Rassendiskriminierung” bezeichnet wird. Millionen-Werte jüdischer; Opfer des nationalsozialistischen Regimes befinden sich , ir den Händen jenes deut- : : sehen Teils, der für sieh beansprucht: der bessere zu, sein; und die ehemals reich, j sie jüdische Gemeinde von , Deutschland ist gezwungen , vom Gnadenbrot des Staa | tes, der DDR, . zu zehren. | Don Kirchen der verschiede-! ner Konfessionen hat man j die Existenzberechtigung | | quasi bereits genommen. 'Auch den in Ostdeutschland) lebenden 1200, zu 98 Prozent 1 alten und kranken Juden iwiirde man diese radikal zu nehmen versuchen, um sie : ihren politischen Ideen zu- : Zufuhren und den Assimila.; tionsprozess zu be.sehleuni 'gen'. Doch eine einst bliihen- 1 de Gemeinde stirbt aus — die Tage sind gezählt! — es lohnt der Mühe nicht und doch hat dieses Regime naeh seiner Auffassung nichts : wieder gutzumachen .. o Die ersten Tage des Eiohmann Prozesses sind vergangen. Der Mann von der Strasse schweigt sich aus. In vielen Häusern zieht man es vor, dem Thema bewusst auszuweichen. um die Geschehnisse in Jerusalem, deren LTrsache auf diesem Boden hier liegt, nur als stumme Zeugen zu verfolj gen. Andere unterdrücken | ihre wahre Gesinnung aus Furcht einer sich evtl, ergebenden Strafverfolgung oder begegnen dem jüdischen Mitbürger mit sich überschlagenden Mitgefühlen. ohne sich der Peinlichkeit dieser Situation bewusst zu sein. Für die jüdische Bevölkerung Deutschlands scheinen di? kommenden Tage ein harter Prüfstein ihrer Gegenwart hier zu sein. Man : wird sich eines Lebens in Deutschland bewusst, dessen Zukunff für di? Juden hier völlig in Frage s‘eht. Auf-; tauchenden Zweifeln versucht man mit politischem : Optimismus zu begegnen urd seine Existenz zu rechtfertigen. Di»se Juden wünschen auch nicht, an die Vergangenheit erinnert zu werden. 1 Filmveranstaltungen oder Theateraufführungen, die; versuchen sich mit der | jüngsten Vergangenheit aus- . einanderzusetzen, spielen | ofr vor fast leeren Häusern. Es gehört Mut und Zivilcourage dazu, in Deutschland solche Themen auf Leinwand und Bretter zu bringen, wo sich das Defizit im voraus berechnen lässt. An Mut fehlt es scheinbar auch einer der grossen jüdischen Gemeinden jn Deutschland, um der Öffentlichkeit zu ermöglichen, den Eichmann-Prozess am Fernsehschirm in ihrem Hause verfolgen zu lassen und einen Vortrag in diesem Rahmen durchzuführen. Wir wollen nicht die Gründe für diese Einstellung suchen, denn sie könnten nicht überzeugend wirken, sei es auch, um politische Gewissenskonflikte der hier lebenden Juden zu vermeiden. Vielleicht ist es auch nicht Sache der in Deutschland lebenden Juden, an das Gewissen ihrer Mitmenschen zu appellieren — aber es ist Sache eines für uns heiligen Vermächtnisses des umgekommenen Drittels unseres Volkes, der Welt die Wahrheit stets vor Augen zu halten. Zeugen nicht die letzten niederschmetternden Zeilen vieler Angehörigen von dem Willen, der Welt die Wahrheit über ihren letzten grausamen Todesweg zu berichten, waren nicht die letzten Worte auf ihren verstummten Lippen, bevor sich die Türen der Gaskammern von Auschwitz, Majdanek und Treblinka für immer hinter ihnen schlossen, dieselben? Ein Prozess des Henkers unseres Volkes wird hier aus unverständlichen Motiven ignoriert. **i* ¡n i \ '• ■ i' 'i .i nj