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Jüdische Wochenschau · 1961-04-28 · 1872 (28.4.1961) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1872 (28.4.1961)
Date
1961-04-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Vier*», 2S de Abril de 19«! LA SEMANA ISRAELITA Año XXII. — No. 1872 — 5 Eichmann-Ausstellung in Muenchen Man schaemt sich 55 „Massenmord im Zeichen des Hakenkreuzes J (Aus einer deutschen Zeitung) j Es war im Biirgerbräukeller in München: Man , sprang auf die Tische und jubelte Adolf Hitler zu, der; die „nationa.e Erhebung” des Jahres 1923 mit grölender' Stimme ausrief — man sprang auf die Tische und huldigte begeistert dem „Retter des Vaterlandes”, der am 27. Februar 1925 kurz nach seiner Entlassung aus der Landsberger Festungshaft die Neugründung der Nazipartei proklamierte „Heroischer Trotz, eisenharter Wille und blinde Gefolgschaftstreue sind die seelischen Kraft, quellen, aus denen der Nationalsozialismus schöpft!” schrie er über die vernebelten Köpfe der Tausende. Es war der Anfang des Unheils, der Anfang vom Ende: Aus . heroischem Trotz” wurde Deutschland in den verbrecherischsten aller Kriege geführt. Millionen fanatisierter Deutscher erstickten mit „eisenhartem Willen” ihr Ge. wisseu und taumelten in „blinder Gefolgsschaftstreue” ihrem Führer in den Abgrund nach... Irrt Münchner Bürgerbräukeller, im Lieblingsversammlungslokal Hitlers, sind am geschichtlichen Ort über fünfhundert Dokumente, Fotos, Plakate und historische Hinweise auf die Judenverfolgungen und Unmenschiichkeiien o?s Jahrzwölfts unter Hitler in einer umfassenden „Eichmann-Ausstellung” unter dem Titel „Massenmord im Zeichen des Hakenkreuzes” ausgebreitet. Das Material, aas zu neunzig Prozent aus Archiven der einschlägigen Literatur der Bundesrepublik und des westlichen Auslands stammt, ist in monatelanger Vorarbeit von einem überparteilich unabhängigen Initiativ-Ausschuss gesichtet worden, dem politisch, rassisch und re. iigics Verfolgte des nationalsozialistischen Regimes und Menschen unserer Zeit angehören, die erkannt haben, dass erst unsere uneingeschränkte Stellung zur Vergangenheit die Gegenwart und Zukunft Deutschlands bestimmen kann. So wurden die Schautafeln mit ihren schrecklichen Bild- und Wort-Dokumenten aufgerichtet, damit wir — jeder von uns — konfrontiert werden mit dem i Der Grosse Brockhaus i Oü. 6. 1944) .eingeäschert” übertraf ausländische Wer-'wurde und dass der grösste! ke gleicher Art bisher an, Teil der Bevölkerung „cta- Vielseitigkeit und Brauch-; bei” umkam. Es wird wegjbarkeit. Dass seine Verlass. | gelassen, dass die SS die lichkeit auf politisch-gc-¡Zivilbevölkerung, auefc F-auschichtlichem Gebiet mit en und Kinder, ir. die Kirdem Band 13 0932) seiner cre „mit augesprochme’- 15. Auflage aufhörte, war , Güte” hine-.«brachte. dass rieht seine Schuld. Aber ‘ sie die Kmder ..sorgsam mit der jetzt erscheinenden auf die Arme nahm ’ und 16. Auflage har er die Ten- : dann in der Kirche alle wie donzen ° gefördert, dem Ratten zusammenknallte i Durchschnittsdeutschen den,im Artikel „Nationalsozia. , Gewissensdruck seiner Mit- \[ -mus” wird die Brandie. : Verantwortung i.us dem seit güug des Reichstagsgebau- : 1933 Zugelasstr.en abzunc-h. £es offenbar nicht nur ihnen: alles Be'astenoe wird r£s heldischen Wertes we- ' weggelassen wo dies nicht gt!1 fortge aS-en, sondern i zu erreichen ist, beschönigt, auch wohl. w’eil ausschiiess. 1 Gelinde mag rran es noch lieh sie den Vorwand iiir j nennen, wenn in dem Saar- . d e Verordnung vom 28. 2. .Artikel des 10 Bandes (1956) 1932 .zum Schutz vor Volk ’de Geschichte des Saarge- und Staat’'.• schs.ien mussl.iets nach 1945 nicht als ie. che y«e iiber.uen Staatsi Kriegsfolge erscheinen seij Bürgerrechte r.ufheö. -Nur! lei : darum wird die Aufso konnte narnher ades so raerksamkeit auf angeblilaufen, wie e« lief. Selbst che landesverräterische Seeine einstimmige Ablehnung paratiston abgeienkt, so ' des Ermächtigungsgesetzles dass kürzlich der frühere hälfe kaum etwas dagegen Saarministerpräsident Job. vermocht. IJoffmann gerichtlich gegen ' Kultursprachlich lässt die Behauptung des Antisich hierzu nühts äussern. kels vorgegangen ist, er ha- Aber zu dem gekennzeirhbe dem „Mouvement pour tuten Versuch, dies zu ver. ¡e rattac-hement de ia Sar-; heimlichen passen nur die re a la France” angehört. Worte General Stieffs. eines Schümm ist schon, wenn der Männer vom 20. Juli man nach dem Artikel über J 1944, angesichts nationaler Thomas Mann annehmen Schande: „Man schämt Die „Eichinann-Ausstellung” in München „Massenmord muss, er habe Anfang 1933 sich. Deutscher zu sein” — Phänomen des Nationalsozialismus und seinem unge. ¡m Zeichen des Hakenkreuzes” dürfte nicht zuletzt des-, friedlich sein Domizil ge. : oder auch nicht. heuerlichen Schuldkonto, das elf Millionen Ermordete, 35 wegen Angriffen ausgesetzt sein, weil sie rieh nicht dawechselt, während er, der Millionen Kriegstote und eine in Zahlen nicht auszudrük. |nlit hegnüjt, die Handlanger und ihre ausführenden Or. ahnungslos eine Auslandskende Summe von menschlichem Leid umfasst. f ane anzuklagen, sondern auch die Auftraggeber und Hinreise angetreten hatte, nach In der Ausstellung wandert unser Blick über das do- ,ielmäim«?r. — Besonders bei jüngeren Besuchern soll die dem Start des Amoklaufs kumei tarische Panorama nazistischen Unheils, das um Ausstdlimg ebenso wie das obige Bild mit der Unterinfolge dringender Warnung! f .... , i rin Zürich blieb Von seiner; JudlSCh starken Eindiuck hinterlassen haben. den Namen Eichmann gruppiert ist, Dokumente, Runen-1 schrift „Die Verdiener und ihre Hintermänner” einen •/eichen des Hakenkreuz« s und der SS. Dokumente von JuderVerfolgungen der Nazis in Frankreich, Griechenland oder Dänemark. Plakate mit unmenschlichen Anordnungen für die jüdische Bevölkerung der Ostgebiete, . Fotos von Konzentrationslagern. Statistiken über Leichen. wu*de: „Die Männer, die in den Ministerien geruh- - t-:-*-- ••- ” ’ ■ - —j —rcj Ausbürgerung 1936 verlau-1 lei nichts. Schlimmer noch: j im Band 65. der die Arti-' ke. „Juden”. ..Konzentrationslager”, „Kriegsverbre. cien” enthält, fehlt die Gesamtzahl der 14 Millionen j vom braunen Gesindel Um- ,'erweitung Akten von medizinischen Todesexperimen-, Eam hinter ihren Schreibtischen sassen und die Yeror len, die als Teil des „Euthanasie-Programms zur Aus-! »ungen. Er’asse und Anweisungen zur Durchführung der rottnng jüdischen und unerwünschten Volkstums” von Naztpieuel ausarbeiteten, sind ebenso schuldig wie die deu'^chen Aerzten ausgeführt und von deutschen Indu-.Kommandanten der lodeslager, die ihre Befehle aus§®- gebrachten. Da man die 4 striefirmen (siehe LG. Farben) unterstützt wurden.... [“hri haben Zu diesem Ergebnis kam damals der , Millionen ermordeter Ju-1 Und mitten im Ausstellungsraum steht eine Vitrine mit « hcmistrasseii Prozess. Soll das heute unw’ahr sein. dpn nun njeht unter- Leihgaben bes Auschwdtz-Museums: Ein Qriginalbehölter , Kennen Staatsanwaltschaft und Amtsgericht München s( hlagen kann drückt man „Zyk itn B . Giftgas, mit dem Millionen Juden in den "ich 12 Janre später wirklich auf den Standpunkt stellen, d abschwächend aus <S Gaskommein ..billig” (das Kilo kostete nur fünf Reichs. die intellektuelle Mitwirkung des Herrn Globke an der g9,; man könne auf . e' mark) ernv-rdet wurden, daneben Haarbüschel vergaster , Ausrottung der jüdischen Bevölkerung sei unwahr und über 4 Millionen Op- Frauec, aus denen damals Textilfirmen a~uf Anordnung j Jeder Hinweg darauf kranke den Herrn Staatssekretär in [er sch]jessen » der SS „Haargarnfüsslinge” für U-Boot-Besatzungen her- Keiner Ehre?” I _ Schlimmste aber ist gestellt haben. Uehrigens erklärte bereits im Jahre 1950 der Bundes- - N ti nra/tour” in ru V' v der Vitrine mit den Schaustücken, die dag Grauj tags-tügeordneto Dr. Arndt in der 73. Sitzung des 1. Bung (19551 ■ ’577- H' ,• y cn unserer jüngsten Vergangenheit beschwören, standen oestags: CMbke war bei Seyss-Inquart im Haag, bei ' <rt h als eiste Besucher der Eiehmann-Ausstellung fünfzig Burckel in Metz, bei Wagner in Strassburg, bei Förster 1 ‘u ” sa“ ass ra our .lugen der 8. und 9. Klasse einer Münchner Volksschule, in Danzig, bei Neurath und Karl Hermann Frank in' „Das ist tief erschütternd”, schrieb der Lehrer ins Be. Präs*. in Paris bei Antonescu in Bukarest und bei Tiso, j sucneibuch. j Mach und Karmasin in Pressburg. Das sind nur einige! Die allerersten Besucher ab — noch vor Aussteldieser Rerien. Ueberali, wo dieser Koreferent für Ju-! lungseröffunng — waren Kriminalbeamte und ein Staatsdermigen mit dem SS-Obergruppenführer Stuckart er. | anwali. die aus einer Reihe von Schautafeln mit Doku, schien, soll natürlich von Juden — ausser in Strassburg, ' ment« n üb?r die frühere Tätigkeit des heutlg?n Staats-. wofür ein Dokument vorliegt das ist Pech! — nie ge-I sekretärs Dr. Globke zwei Tafeln beschlagnahmten, auf sprochen woiden sein und soll das Reichsministerium nur! denen unt?'- anderem folgende Schriftstücke ausgehängt als Port und Hüter der Juden in Erscheinung getreten! waren: Ein Brief des Reichs- und Preussischen Ministers ‘ sein. Aber alle Welt weiss, dass von diesen Plätzen aus des Innern Frick an den „Stellvertreter des Führers” und nach diesen Besprechungen sich die Blutspur der ge- Rudolt Hess mit Lobeshymnen auf den pflichteifrigen marterten und gemordeten Juden in die Vernichtungsla- Beamlen Globke und ein Kriegsgeschäftsverteiiungsplan ger nach Auschwitz und nach Maidanek zog .. des Reichsministeriiims des Innern mit Hinwe sen auf Ui d Herr Dr. Globke wusste um diese Greuel! Er hat! das Arbeitsgebiet Dr. Giobkes in der letzten Phase der es selbst als Zeuge zugestanden, und sein Kollege, der! nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (Abteilung Ju. Mini^eriali at Lösener aus dem Reichsminisurium, der, denlragen, jüdische Mischlinge, Blutschutzgesetz, Reichsder erste Referent für Judenfragen und ursprünglich ein! sippoiiamt usw.) Wörtlich heisst es in der Begründung erklärter Nationalsozialist war. konnte dieses Unsagbare! des Beschlagnahmebeschlusses: „Durch die Ausstellung nicht auf «ein Gewissen nehmen, hat ausdrücklich mit und die Arj der Zusammenstellung der Bilder und Dodiesem Gr inde seinen Abschied verlangt (in der Eichj kume ,t? wü’d die Behauptung aufgesteilt Staatssekretär mann Ausspülung hängt dieser Brief unter der Schlag- Dr. Globke habe massgeblich an der Abfassung der zeiM ES GING AUCH ANDERS. HERR GLOBKE!) und Nürnberger Gesetze mitgewirkt. Da diese Behauptung ist zum Reichsverwaltungsgericht übergegangen. Aber , unwahr ist wird Staatssekretär Dr. Globke dadurch in Dr. Giobke .licht, und Dr. Globke blieb sogar bis heute!” ] s :inor Ehre gekänkt ” | R!e:bt zu sagen, dass trotz bundesdeutscher Situation, Es ste,J a-.erdings fest, dass die Eichmann-Apsstelin dur proportional zum Aufschwung Wirtschaftswunder- : lung ..Massenmord im Zeichen des Hakenkreuzes” über hchcr Interessen das Interesse für unsere politische Veri den Versuch, vergangenes Unheil ins Gedächtnis zu ru_ ganPcuheit schwindet, die Eiehmann-Ausstellung in Münfen. weit hinausgeht: So werden eine Reihe von Schriftsehen ein erstaunliches Echo geweckt nat. Nach der giostiieken gezeigt, wirklichkeitsspiegelnde und von keinerlei sser. Eichmann.Kundgebung, auf der Siegfried Einstein Ressentiment getrübte Dokumente, die das Gestern und eindruksvod von der „bitteren Wahrheit” damals und das Heute anklagen. Seien es die Hinweise auf Professor heu'r sprarii — und nach de" Beschlagnahme der Glob- IJr. h. c. Schiegelberger, der die Geschäfte des Reichske-Dokumeut? durch das Münchner Amtsgericht war der ministers der Justiz von 1941 bis 1942 fiihr'e. also in ei- Andrang der Aussteliunpsbesucher so stark, dass man nem Zeitraum, in dem sich die Zahl der n-litischen Hinmehrmals erwägen musste, den Aussteilungsraum wegen richtungen verdreifacht hat. wofür der Pc 'vor honoris Ucberiüllung zu sehliessen. causa heute 100 Mark Pension pro Tag kassiert — seien j Reporter, Rundfunk- und Fernsehstat'onen fast aller es Dokumenie. die enthülPn, was damals von Leuten curom'iischer Länder haben über die Dokumentarschau. getan wuido, die sich beute in hohen Aemtern und Wiir. rtie als Wa iderausstellung durch möglichst viele Städte es Reisebüi Persönliche Beratung durch Reise experten Herrn Bernardo Bittermann 1tnd Moriano Feld CORRIENTES 2063 ©f. 9, 10, 14 1fr T. 45-7607/49-0433 49-1229/49-3491 <en ..in ihrer Ehre gekränkt fühlen und offiziell geder Bundesrepublik gehen soll, berichtet. Ein Besucher, krankt fühlen dürfen! 1 oen die aufgebiätterte Wahrheit nachdenklich machte, Der M: nehner Rechtsanwalt D. E. Rail? schrieb in zog im Besucherbuch der Ausstellung den Schluss: „So. einer Beschwerde gegen die B3sehlagnahme der Globke. tange unsere Vergangenheit missbraucht und von politiilmCn j ^e®eT1 c*as ^arn't verbundene Ermittiungsscher, Demagogen vertuscht wird, solange sich hinter \r a. ren. das gegen Rolf Breiiger, den Vorsitzenden des Etch tirnn die «ielen andeien Eichmänrer verstecken Jmtiativ-Ajsschusses der Eiehmann.Airsstellung, eingelrikönnen, bleiLt der deutsche Name -geschändet!” MÄIMÖNIDES %<: 1111 1t0« iin^CcöenkbucIi i 650.— VERLAG OMEGA, BUENOS AIRES GURRUCHAGA 2289 — T. E. 71.8708 Zu beziehen durch alle einschlägigen Buch. Handlungen und durch die JUEDISCHE WOCHENSCHAU PUEYRREDON 219« 1» _ t. E. 83-2C1S

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