Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1872 (28.4.1961)
- Date
- 1961-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYKREDON 2190 — 1? izq. fa JfeMXXHJ&JshCdZliiCL T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 28 DE ABRIL DE 1961 No. 1872 Die Zeugen der Anklage ARABISCHER BOYKOTT Jerusalem. — Israelisch? Funktionale bezeichr.?- ten einen Bericht der Arabischen Liga als stark iiber. tr.eoen in welchem Zift?rn ¡'her die Schäden bekamt gegeben werden, die der arabische Boykolt der israe.ischen Wirtschatt zugefiigt habe, tm Jahr I960, so heisst es in diesem Bericht, hätten nicht weniger als 3u0 Gesblschafien und 270 Schifte die geschäftlichen Verbindungen mit Israel aufgegeben. Aus diesem Grunde hätten 150 israelische Fabriken ihre Tor? sch lessen müssen. Ausserdem hätte Israel, so behaupte* die Arabische Liga, nicht weniger als 20 Millionen Dodar ausgeben müssen, um den arabischen Boykott zu bekämpfen. Der Israel zugefiigte Schaden würde j 70 Millionen Dollar betragen. | Der Bericht wird von den israelischen Strien als ein Produkt krankhafter Phantasie bezeiennet. So sei- I en zur Bekämpfung des arabischen Boykotts nicht ■ mehr als 2.000 Dollar ausgegeben worden. In dieser DER PSYCHIATER Jerusalem. — Die psychiatrische Untersuchung Fliehmanns deren Zweck es ist. seine Verantwortlichkeit vom medizinischen Standpunkt aus festzustellen, ist inzwischen abgeschlossen worden. Die Untersuchung wurde angeordnet, um eventuellen Argumenten der Verteidigung vorzubeugen, der Angeklagte sei wegen seiner Taten wegen geistiger Defekte nicht verantwortlich zu machen. EIN BRIEF London — Der Text eines P.riefes, den Eichmann an seine Familie' in Argentinien geschrieben haben soll, wurde von der englischen Zeitung ..People’’ veröffentlicht. Dort heisst es: ..Eichmann weiss. dass er sterben muss. Aber er macht sich keine Sorgen um sein Schicksal”, meint die genannte Zeitung. ..Wie ein echter deutscher Funktionär. gibt er in dem letzten P.rj^f an die Seinen eine Reihe von Befehlen, wie an seinen einstigen Stab von j Mitarbeitern.’ In dem Brief soll Eichmann der Familie eine Rei. j he von Anweisungen erteilt haben, wie sie sich jetzt j verhalten solle, nachdem er j nicht mehr da ist. Er nicht nach Deutschland. Auf keinen Fall nach Deutschland.” — MONTAG-SITZUNG Jerusalem. — Die Verhandlungen wurden am Montag früh um 9 Uhr is- HAKENKREUZE IN DEUTSCHLAND Bonn. — Im Zusammenhang mit dem Eichmann- Prozess hat eine neue antisemitische Welle von Schmiere-eien mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen Westdeutschland überschwemmt. Aus Düs. seLlorf wurde berichtet, dass Nazi-Slogans und Hakenkreuz? an Wänden und Automobilen im Vorort Wermelkirchcn erschienen. In Hamburg wurden gegenüber der neuen Synagoge 27 grosse, aus Karton gesrnnittene Hakenkreuze gefunden. In verschiedenen Städten wurden Restaurants und andere öffentliche Plätze mit Sprüchen wie: Freihe^ für Eichmann” und „Heil Eichmann” be. suc’elt. i.lTAt schreibt: „Ich bitte Euch, I raelischer Zeit <5 Stunden während Generationen in Differenz mit argentinischer Argentinien zu bleiben. | Zeit) eröffent. Inzwischen Falls nach einer langen Zeit' waren dem Gericht eine die Familie nach Europa | grosse Reihe neuer Dokuzurtickzukehren wünscht, . mente vorgelegt worden, dann nach Oesterreich und ¡unter ihnen die „Erinne. W1E ICH ES SEHE ' rungen” Eichmanns, die er' in der Zeit seiner Verhaf-j i tung niedergeschrieben hat-] ¡te. Diese Erinnerungen umj I fassen 127 Schreibmaschinenseiten. | | Die Anklage stützt sich vor allem auf die eigenen Erklärungen Eichmanns, I die er in seinen Verhören j vor israelischen Behörden' abgegeben hat, und die auf Tonbänder aufgenommen worden sind. E1CIIMANN HAT GELOGEN I Eine wichtige Information wurde vom Staatsanwalt Gavriel Bach vor der! offiziellen Eröffnung der Sitzung ausserhalb des Ver. handlungssaales gegeben.1 Der Staatsanwalt teilte mit, j dass die Anklage zwei Zeugen präsentieren werde,' die ' beweisen. dass Eichmann gelogen habe, als er sagte, er habe niemals einen Ju- 1 den getötet. Es ist bekannt, , . dass er mit eigenen Hän. ,; den ein jüdisches Kind in j i Budapest erschlagen hat. ] das Obt in einem BudapeTj ster Garten pflückte. Der ¡Staatsanwalt lehnte es aber ab, die Namen dieser Zeu- I g< n bekannt zu geben, da mit ihrer Vernehmung erst! P portion könne man vergleichsweise den gesamten , Beucht einschätzen. Dennoch sei kein Zweifel daran j zulässig dass der arabische Boykott der israelischen i Wirtschaft tatsächlich einen Schaden zufügt und desi wegen bekämpft werden müsse. (ITA) in einigen Wochen gerechnet werden könne. Diese Angelegenheit ist von grosser Bedeutung. Behauptet doch die Verteidigung. dass Eichmann niemals den Tod eines Juden aobefohlen oder selbst einen Juden ermordet habe. Bekanntlich verteidigt sich Eehmonn damit, dass er unr für den Abtransport der Juden in die Lasur des europäischen Ostens zir sorcrer. hatte, im übrigen jedoch nur Befehle seiner Vorg-.so* ausführte. Mit der polnischen Entscheidung über die , Endlösung der Judenfrage“ was ir.it der physischen Ausrottung der Juden identisch ist. habe er Eichmann, niemals auch nur das Geringste zu tun gehabt behauptet er. In seiner einleitenden Erklärung wies der GeneraL siaatsanwalt Hausner die Behauptung zurück, dass (Leser niemals einen Juden getötet habe. FINE UEBERRASCIIUNG Das Erscheinen eines rieht vorgesehenen und offensichtlich sensationellen Zeug?« bildet die Ueberrasehung des Tages. Aus London kam der aus Wien stammende .'•ikob Fleischmann nach Jerusalem, der in den nächsten Tagen seine Aussagen machen wird. Ueber den Inhalt dessen, was dieser Zeuge bekunden will, wurde nichts bekannt gegeben. FICHMANNS BEFEHLE Eichmann gibt zu, im Jahe 1944 in Budapest die Verhaftung der Frau Gemma I a Guardia Gliick, der Schwester des oertihmt?« 'New Yorker Oberbürgermeisters Fiorelle H. La Guar, j dia veranlasst und befohlen zu haben. Eine Erklärung der heut? achtzigjährigen Flau wird demnächst zur l Verlesung gelangen. Eiehmann rechtfertigt dieses Vorgehen damit, dass di? ¡Juden, die aus irgendeinem Grunde eine höhere Position | bekleidet hatten oder Einfluss besassen, in Sonderla- I (Fortsetzung auf Seite 3) j Das sind ihre guten Freunde Wir leben in einer interessanten Welt, sagte Mister X, während er nachdenklich den Rauchwolken seiner dicken Zigarre nachblickte. Dann gab er sich selbst die Antwort: ..Vielleicht wäre es doch besser, die Zeiten wären weniger interessant“. Zwischen diesen Stimmungen dürfte jeder Zeitbe- Uachter schwanken. Wir wandeln an Abgründen vorbei, in welche die ganze Menschheit zu stürzen droht. Kaum mindert sich die Gefahr an der einen Stelle, so öffnet sich ein neuer Krater. Wer spricht noch vom Kongo, der Monate hindurch d'e Aufmerksamkeit der internationalen Oeffentlichkeit in Anspruch genommen hatte? — Aus dem Herzen Afrikas verlagerte sich die Gefahrenzone nach Fernvon JEHUDA G0TTHEIMER ostasien. nach Laos, wo Ost j und West zusammenzustossen drohten. Wiederum sah man die düstere Wolke einer Katastrophe am Himmel ar.fziehen. Das Unwetter \ steht noch am Horizont, und Kuba hält bereits seit Wochen alle Welt in Spannung. Nunmehr droht der entsetzliche und alles vernichtende ¡Weltkrieg Nr. 3 dieses unglücklichen Jahrhunderts in , Mittelamerika zum ' Aus- 1 bruch zu kommen... j Ein verlorenes und verworfenes Jahrhundert!? — j Wer hat die Kraft, die letzte, ¡gültige Antwort zu geben. Erkenntnis und Fortschritt, .Wissenschaft und Technik ¡haben wohl noch niemals ei- | r.e so schnelle, atemberau. , bende Entwicklung genommen. Der Mensch ist in den Weltraum vorgestossen, Deutsche bekennen ihre Schuld Berlin. — In allen protestantischen Kirchen (West)-Berlins wurde vor der versammelten Gemeinde ein Text verlesen, in dem alle Deutschen der Mitschuld an den Nazi-Verbrechen beschuldigt werden, di? gegen die Juden begangen worden sind. In dem Text heisst es u. a.: ..Alle Deutsche, die alt genug waren, um die nazistischen Verbrechen zu erkennen, -die mit der physischen Ausrottung der Juden endeten, — einschliesslich diejenigen, die den Juden geholten haben —, müssen zugeDen. dass sie sich durch ihr Schweigen und ihren Egoismus zu Komplizen der nazistischen Barbarei gemacht haben.” Zum Schluss dieser Deklaration heisst es: „Wir mö«sen vor Gott gestehen dass wir lange Zeit hindurch in grosser Verirrung gelebt haben. Von jetzt ab müssen wir uns unseren jüdischen Mitbürgern mit so.ehen Gefühlen und Handlungen zuwenden, damit sie von neuem Vertrauen zu uns fassen können.” (ITA) .schon träumt man von anderen Gestirnen, die man erobern oder besuchen wolle. Es gibt kein Gebiet. das j rächt von diesem Taumel , dc-r Technisierung unseres Lebensader Erfolge1 und Erfindungen. der gewaltigen Pioniertaten erfasst worden ist. Und die Gelehrten sind der Meinung, dass dies alles nur ein Anfang sei. I Während die Menschen ■ mit ihren Gedanken bereits j den Weltraum erforschen; und in den Lüften schweben sieht es hier unten auf Erden immer schlechter, immer trauriger, immer betrüblicher aus. Das Chaos wächst. Wer weiss, wann Sie Konflikte zum Krieg führen werden? Der Kampf Kuba erschüttert die Grundlagen der internationalen Ordnung ur.d berührt die Prinzipien jedes gesellschaftlichen Lebens. Hier geht es nicht schlicht um die Frage, ob die Kommunisten in Amerika Fuss fassen werden oder dürfen. Es geht um mehr. Dass die heutige Diktatur auf Kuba nicht die Lösung der Probleme bringen kann, wie dies kein Gewaltregiment vermag, dürfte ohne Zweifel sein. Dass aber die Frage ungelöst blieb, aus welchen Gründen es zu dieser Entwicklung und zu'diesem Phänomen „Kuba“ gekommen ist. steht ausser Diskussion. Der kubanische Diktator ist keine Zufallserseheinung Er wurde doch zunächst von der überwiegenden Mehrheit aller in- und ausländischen Beobachter als Befreier gefeiert. Gewiss ist es verabscheuungswürdig, welches Blutbad in Kuba von der Regierung und; nun im Bürgerkrieg angenehtet wird. Aber hat dieses Regime nicht erhebliche Reformen eingeführt, die von ernsten und demokratischen Politikern und Jour- I nnlisten gelobt worden sind? I Mit der Formel: hie West j und da Ost, ist wirklich I nichts getan. Um den Kom- \ munismus und die Sowjets j! von Amerika fernzuhalten.!! sir.d andere Methoden und \ i Massnahmen erforderlich.' 1 ais den armen Brüdern mit ' Geld auszuhelfen und an die ..moralischen Kräfte“ zu appellieren. Wer appelliert nicht an „moralisch? Kräfte“? j! Beinahe zwei Jahrtausende haben sich die christlichen ' : Völker gegenseitig überfallen und Kriege gegenein- ' ander geführt, indem sie , sich auf denselben Gott und die gleichen moralischen Kräfte berufen haben. Der Westen muss endlich verstehen. dass Völker weder mit Redensarten noch mit Ililfsgeldern heute noch befriedet werden können. | Wo haben die Machtstaa- . ten des Westens den ersten | Versuch gemacht, die Le- | bensbedingungen der unterentwickelten Völker zu ändern und diejenigen Voraussetzungen zu schaffen, die eine Ausbreitung des Kommunismus verhindert hätt?n? — War es wirklich notwendig. Kuba in die Arme ¡des kommunistischen Blocks , zu treiben? Die Frage ist 1 einfach: stehen die-moralij sehen Interessen des We. i stens höher als die finanrist. Aber dies ist durchaus nicht der F"’1 Mit derartig primitiver P :nik haben vir nichts zu tun. Aber lins dürfte es immer klarer werden. dass unsere, die jüdische Vorsteilungswelt sehr wenig mit diesem machtpoliitschen Ost—West-Probl°m zu tun hat. das man sich bemüht. ideologisch zu verbrämen . .. Die hier aufgeworfene Problematik geht uns Juden unmittelbar an. nicht nur deswegen. weil sie jeden Menschen und jedes Volk berührt urd aufs schwerste trifft. Die Koaseciuenzen können und werden für alle ausnahmslos bedenklich und spürbar sein. Wir haben mit dieser Art (Interessen-iPolitik bereits unsere eigenen, jüdischen Erfahrungen gemacht. Wenn es den politischen Zielen des berühmten britischen Kairoer Büros n:cht entsprach oc’er den v Irtschaftlichcn Spekulationen der OelgesUlschalte.i zweckmässig schien, dann wurden die Bestimmunsen des Mandatsvertrages gebrochen. der doch eine internationale Konvention gewesi n ist. Und als die am< rikanisehe Petroleum-Inöuslrie eine freundlich? Ge«*? gegenüber den Arabern für notwendig und grösseren Profit versprechend ansah, da wandte sich ihr getreuer Exponent Foster Dulles sogen das kleine Israel. Waren vir nicht damals auch Per Meinung, dass es ein Unrecht ist. die gerechten Forderungen Israels den Oe'm> tcressen der amerikaniscne.i Gesellschaft zu opfern? Israel entwickelte sich damals nicht zu einem Kuba. L's brach die Beziehungen (Schluss auf Seite 2) z’ellen Interessen der amerikanischen Zuckerindustriellen? Es wäre einfach, die Frage damit zu beantworten, dass man einwendet, derjenige, der solche Fragen stellt, ist auch ein Kommu- DIE SPIONAGE - AFFAERE Jerusalem. — Der Chef des israelischen Sicherheitsdienstes wurde während einer Sitzung des Kabinetts von allen Mitgliedern der Regierung ins Kreuzverhör westa des Spionagefalles des israelischen Militärexperte-n Dr. Isiael Beer genommen. Das Kabinett wollte alle Einzelheiten aer Affäre erfahren, die in Israel grosse Erregung erzeugt har Beer soll Spionage zugunsten eines nicht näher beze'chneten kommunistischen Landes getrieben haben. Der Chef des Sicherheitsdienstes gab dem Kabinett eine Darstellung, in welcher Form und nach welchen Methoden alle Personen beaufsichtigt und kontrolliert w-rdm. die irgend wie etwas mit militärischen Geheim. ■Ibsen zu tun haben. Er informierte auch darüber, w'.e die entsprechenden Materialien aufbewahrt werden. Dm Minister befragten den Chef des Sicherheitsdienstes über viele Einzelheiten seines Berichtes. Einige Minister wollten wissen, wie es möglich sei. dass Beer gewisse Geheimnisse erfahren habe, die selbst den Ministern unbekannt gewesen sind. Das Kaoinett beschloss, diese Beratungen in der räch-ten Woche fortzusetzen. Voraussichtlich wird ein? Spez’.ölkomrnission eingesetzt werden, die über die Weiteren Untersuchungen beschlossen und diese voraussichtlich auch selbst durchführen wird. (ITA)