Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1871 (25.4.1961)
- Date
- 1961-04-25
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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U » c U I. « < c t RANQ-JEO P/..ÎADC! Concecioo 908 Coacecion 1829 TARIFA REDUCIDA SEMANA ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la Republik 4, Bueno« Aire* PUEYRRE90N 2130 1« iaq. T. E. 83 . 2013 Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 25 RE ARRIE DE 19«! No. 1871 Gerichtstag in Jerusalem .Dies irac, die-s lila . ..” Der Tag des Gerichtes — J(-m Hadin — bricht an. Wir haben die verschiedenen Absperrungen durchschritten, die Leibesvisitation über uns ergehen lassen. ..Es konnte ja einer aut das wertvolle Stück srhiessen”, meint Heinz Wewer von der Deutsch-Israe’ischen Studiengruppe, einer der z*emlich zahlreichen jungen Deutschen, die hierhe>- gekommen sind, um ihren Generationsgenossen von den .Sünden der Vater’ zu nerichten. Wir betreten den Genchtssaal im VoTkshaus . Leih Ha’am” zum ersten Maie. Jerusalems schöns er Saal, funkelnd neu, stilvoll in Grau und Hellbraun gehalten. Blaue Polstersitze laden eigentlich mehr zu einem Konzert oder einer Theaterautfiihrung. Aber welches Drama künnte gewaltiger sein als die unermessliche Tra. godie. die nier vor uns entrollt wird? Und doch liegt rrcht die Weihe eines grossen Totenmales über diesem Saale der von Ge, schäftigtkeit prickelt, ehe d,e Stimme des Gerichtscl eners ihr lautes ,,Beth Hamischpat” (Das Gericht!) erschallen lässt und das Auditorium — vc-rsnimmend — sich erhebt. Fast unbemerkt war zwei Minuten vorher der Angeklagte. flankiert von zwei Polizisten in seine Glaszelltgeführt worden, wo er tum aufmerksam lauschend, von unserem Soiulerhorrespondenten Entwicklungs-Budget von Jerusalem Jerusalem. — Das Entwicklungsbudget der Stadt ■Jerusalem m der Höhe von 7 Millionen IL wurde vom ^Innenministerium bestätigt. Es bestimmt 2.500.000 IL für den Bau von Schulen und Kindergärten, 200.000 IL für kulturelle Institutionen, 2 Million IL für die Förderung von Handwerk, Industrie und Touristik sowie für den Bau von Gehsteigen, die Errichtung von Parkplätzen und Installierung von Verkehrsampeln; 1.500.000 IL sind für Kanalisierung und Sanitätswesen vorgesehen. (AWZ) d:e Kopfhörer keinen Moment absefzend. der Verhandlung folgt. Das also ist \ Adolf Eichmann, der Mann, in dessen Hand das Leben) ton Millionen gegeben war. Ein dämonischer Finsterling wie Hifler? Ein närrischer Narkomane wie Gering? Ein verbissener Mephisto wie Goebbels? Eine jbruta’e Fratze wie Strei. I eher? Ein Hackender Irri ' wisch wie Rudolf Hess? .. j j Nichts van alledem: ein! biederer Bankbeamter, ein | | LT rehschnittsmensch, ein1 j v/t senloser Kleinbürger ..( Pas ist das Aeussere von Aooif Eichmann, dessen I N«me Tod bedeutete, des-j sen Anwesenheit das Blut n den Adern gerinnen liess, I dessen Wort das Schicksal j von Männern und Frauen,i Kindern und Greisen be-1 siegelte . . Er konnte leicht 15 lahre in der Anonymität j '■erharren, denn er ist ein) Körnchen in der Masse Mensch, sonst nichts. Korrekt gekleidet in ei. rmm neuen Anzug, mit sauberem weisse-r Kragen und dunkler Krawatte, macht er den Eindruck eines kleiner. Angestellten, der sieh zur Vorsprxche beim Chef meldet. Müssen nicht die Gewalten des Abgrunds ( >e;bst dieses Nichts an die! Oberfläche gespült . haben, ( um es mit unermesslicher. G< walt auszustatten? I Unfassbar unfassbar . . ) Und ich blicke auf diesen Mann, dem der Tod von' Millionen unserer Brüder ur.d Schwestern, unserer Aierniichsten zur Last ge-! legt wird, und — ich emp.1 finde nichts. Nicht Hass! lu d nicht Grauen, nicht . Schreck und nicht Trauer^ Die kugelsicheren Glaswän- ■ c'c der Zelle scheinen selbst d’P Gefühle zu isolieren,! und das ist gut so, denn j h.er geht es nicht um. fische und Sühne, sondern um Recht und Gerechtigj keit. j Der Verteidiger Dr. Ro-, bert Servatius hat ja selbst; .p. diesem Sinne die ge. j ualtige Pogrom-Dichtung j Chajim Nac-hman Bialiks , . Al Haschechita ’ zitiert: I ..Solch eine Rache, die Rache für das Blut eines Arabischer Antrag abgelehnt UN. — Die Generalversammlung der Vereinten Nationen lehnte einen arabischen Antrag ab, der sich aut das Eigentum der arabischen Flüchtlinge bezog. Dex Antrag erreichte nicht die erforderliche Dreivierte" mehrneit. Die Abstimmung ergab 44 gogen 35 Stimmen bei 15 Stimmenthaltungen. Die Opposition wurde von den USA angeführt. Der arabische Sprecher, der Vertreter Saudi Arabiens, der für seine antisemitischen Ausfälle bekannt ist. sagte: „Isael hat Verbrechen gegen die Flüchtlinge begangen, die mit denen Eichmanns verglichen weiden können.” Hiergegen machte der israelische Vertreter, Gideon Rafael, einen Zwischenruf und sagte- „Die Kollaborateure Eichmanns würden besser schweigen!” Der nordamerikantsche Sprecher versicherte dass sei' Land die Interessen der arabischen Flüchtlinge Verteidiger, wolle. (ITA> Leinen Kindes, hat der Satan selbst nicht erdacht. Servatius kennt Bialik zwar nicht aber die Rede von AiVseiiminister Frau Geida Meir die im Zusammenhang mit dem nun beigelegten Konflikt mit Argentinien um die Entführung des Etchmann in der UN gehalten* wurde.-'hat er gelesen. Und seinen Heine hat der Rheinländer Dr. Servatius ebenfalls studiert u**d zitiert ihn nun hier. Sehr abgewogen, sehr langsam in seinem klangvollen „KöLsch” bringt er seine Zweifel an der Zuständigkeit des Gerichtes zum Ausdruck. Man kann den korpulenten Herrn irn schwarzen Talar kaum sehen, denn er spricht mit dem Rücken zum Publikum, zum Richtertisch hinauf über dem als einziger Saalschmuck das Staatswappen fsraels prangt: der goldene siebenarmige Leuchter auf blauem Grün, de. flankiert von den OeT zweigen der Vision des Piopheten Secbarja. Will man Dr. Servatius ins Antlitz sehen, so muss man in den Presseraum hinabsteigen, wo man im Televisionsapparat die Sprecher weit deutlicher beobachten kann als im Saale selbst. Natürlich muss man se inen Transistor dabei haben. um zugleich die Reden 7u hören, hebräisch, englisch, französisch oder deutsch. Die Uebersetzer axbeiten in Glaszellen (aber keinen kugelsicheren) im ersten Rang. Neben Dr. Servatius sitzt sein Gehilfe Rechtsanwalt Dr. Dieter Wechtenbruch, der in seinem Talar wie ein junger Mönch wirkt. Wenn Generalstaalsanwalt Gideon Hausner englische und amerikanische Urteile im Original zitiert, nimmt V'echtenbruch die Kopfhörer ab, denn das Englische ist ihm fast so geläufig wie seine deutsche Muttersprache. Der Rechtsberater der Regierung, Generalstaatsa’uvalt Gideon Hausner, spricht langsam und gemessen, jede« Woi-t abwägend und so den Ueberset. zern ihre schwere Arbeit er'eichternd. Neben ihm haben seine Mitarbeiter Patz genommen: der jugendliche stellvertretende Gereralstaatsanwalt Gabriel Bach, der weit ältere! Fachmann für Völkerrecht Dr. Jakob Robinson und | der aus 'Frankfurt stammende Bezirksstaatsanwalt Jakob Baror, der getreu der Tradition des breuer. schen Eltenhauses das schwarze Käppchen zum Talar trägt. Die Richter: Senatspräsident Mosche Landau, Dr. Halevy und Dr. Rave sind die einzigen die man vom Publikumsraum aus ständig beobachten kann. Mit äusserster Konzentration, unermüdlich (während wir oft den Paragraphen.Verschlingungen kaum mehr zu: folgen... vermögen) . be- | herrschen sie den Gang der! Verhandlung. Pause! Eichmann schnellt l in seinem Glashaus auf, ' .-teilt stramm. Nur der et-; was vei'kniffene Mund | zuckt nervös. Das Gericht zieht sich zurück, aber die Journalisten eilen an die Arbeit. Man umlagert das Regal mit dem Protokoll in den verseniedenen Sprachen. Und dann rasch noch in die Schekem-Kantine. Hier trifft sich die ganze Welt, keineswegs nür die jüdische, keineswegs nur die europäisch amerikanische. Auch an Indern und Chinesen fehlt es nicht. Hier wird ein Menschheits . Prozess verhandelt. Was in diesem Gerichtssaal gespro. eben wird, das geht die Veit an. Berühmte Autoren wie der bärtige Robert St. Johns, der Bücher über Ben Gurion und Nasser geschrieben bat, tippt neben einem jungen Deutschen, der sich als Dr. Hermann Beventer, Leiter des Presseamtes der Deutsch-Katholischen Jugend in Düs. seldorf vorstellt. Ein hol- 775 Züge mit 29.436 Waggons Für den Abtransport der holländischen Juden allein brauchten die Nazis 775 Züge mit 29.436 Waggons, hatte der Generalstaatsanwalt Hausner im Rahmen seiner Ausführungen erklärt. In der entsprechenden Proporhnn wurde auch in Belgien vorgegangen. Antijiidische Gesetze, Verfolgungen, Einsperrung in Sammellager und schliesslich ... Deportation. Hiertür war Eichmann verantwortlich. Er trägt die direkte Schuld am Tode tausender belgischer Juden. Wir werden die Beweise hierfür vorlegen. ländisch - jüdischer Jurist und Autor meint kopfschüttelnd, dass die Prozedur des englischen Rechtes, die in Israel praktiziert wird, | weit schwerfälliger sei als j ö-e kontinentale. Amerikanische und englische Presseleute umlagern ‘dfn israelischen ,,Staatsjournalisten” Mosche Pearlman, dessen Buch über I E’chmann für viele der Leitfaden zu diesem Pro- - zess wurde. An der bescheidenen Bar und im Presseraum hört man alle Spraj chen der Welt... Jerusa : lern ist eine internationale I Stadt geworden und alle i Völker sind hierher geströmt, denn von Zion geht die Justiz in diesen Tagen neu aus. I Auf dem Dach des Ge. r>chtsgebäudes patrouillieren zwei Polizisten. Scheinwerfer bestrahlen den - Hof vor dem Gerichtsgebäude, ln ihrem - Lieht überfällt n icht eine Vision. Wowar es denn so? Scheinwerfer vom Wachtturm und bewaffnete Patrouillen, die einen weiten Hof übersehen konnten? Und aus dem Schatten des Hofes ste'gen sie plötzlich empor, die geschlagenen Schatten derer, die in Rauch aufgefahren sird gegen einen tränenblinden Himmel. Und die Worte einer jüdischen Dichterin unserer Zeit, Nelly Sachs, klingen mir im Gedächtnis auf: O ihr Schornsteine - O ihr Finger. Und Israels Leib im Rauch durch die Luft! STIMME AUF DEM TONBAND (Fortsetzung von Seite 7) habe, wo die luden ver. n’cht worden sind. Aber er habe an keiner Sitzung teilgenommen. auf der Richtlinien für die Ausrottung der Juden besprochen oder festgelegt worden sind. Er habe sogar gegen die Behandlung der Juden bei seinen Vorgesetzten protestiert. Sogar mit Himmler habe er lverüber gesprochen. Aber Himmler habe ihn, Eichmann. gezwungen, an seinen Posten zurückzukehren; sein blinder Gehorsam habe ihn zur Weiterarbeit getrieben. Immer, wenn er, Eichmann, eines der Schrek. kenslager besucht hat, habe er Entsetzen und Uebelkeit empfunden, besonders wenn er die entkleideten Menschen auf ihrem letzten Marsch in die Gaskammern beobachtet habe. Er sei so sensibel, dass er weder Blut noch einen an. Neue Luftlinie London. — Die israelischen Behörden teilten der internationalen Flugorganisation mit, dass die Olympic Airlines um die Erlaubnis ersucht hätten, eine neue Linie zwischen Athen und Lud, dem internationalen Flughafen Israel, eröffnen zu dürfen. Dieser Antrag wurde auf Veranlassung der Alitalia gestellt. Die Eröffnung sollte am Schabbat erfolgen. jedoch auf Ersuchen Israels auf einen anderen Tag verlegt. — (ITA) deren leiden sehen könnedeshalb hätte er auch niemals Arzt sein können. Eichmann kommt immer wieder auf seine Darstellung zurück, er sei ,nur’ mit dem Abtransport der Juden in die KZ beauftragt gewesen. Der ihn befragende Polizei-Offizier hielt ihm entgegen: „Wenn Sie nur ein untergeordneter Beamter wären, aus ' welchen Gründen haben Sie an der Wannsee-Konferenz teilge. nommen, zu der die höchsten Beamten und Staatsse-, kietäre erschienen waren?” — Eichmann: „Ich habe nur meinem Vorgesetzten Heydrich die notwendigen Daten für seine Rede zur Verfügung stellen müssen. Deswegen musste ich dabei sein. Ich sagte kein Wort. Ich habe niemals mit einem Staatssekretär des Reiches gesprochen.” — EINZELHEITEN DES VERHOERS ..Und die 4.000 jüdischen Kinder, die Sie aus Frankfurt deportiert haben?” — , Das tat ich auf einen persönlichen Befehl Himmlers.” — „Und die Endlösung?” — „Das war ein Befehl, der die Befugnisse Himmlers überstieg, meinte Eichmann. Dieser Befehl ist von Hitler gekommen, dessen Befehle Gesetzeskraft gehabt haben.” — Ueber die Transporte aus Ungarn meinte Eichmann, dass hierfür ein ungarischer Staatssekretär verantwortlich gewesen wäre. Eichmann erklärte, er hätte die Aktion nicht bis zum Aeussersten getrieben, zumal die Gaskammern von Auschwitz ohnedies den Anforderungen nicht gewachsen waren. „Also, Sie hatten nichts rnit den Mörden an den Juden zu tun?”, fragte der Polizei-Offizier. Eichmann antwortete: „Nichts”. „Aber Sie waren doch mit den Transporten beauftragt?” „Ja, aber die Deportationen bedeuteten doch nicht den Tod, denn am Schluss des Krieges' befanden sich noch zwei Millionen Juden in den Konzentrationslagern.” Der Polizeioffizier: „Wenn Juden überlebten. dann nicht dank Ihrer Haltung, sondern dank der alliierten Armeen, die jene unglücklichen Juden befreiten. Hätte der Krieg noch länger gedauert, hätte auch nicht einer von diesen Juden überlebt. ..Jetzt sprechen wir einmal von dem Befehl Hevdrichs, dass diejenigen Juden. die die Deportation überstehen, einer Sonderbehandlung unterzogen werden sollten. Bedeutet das nicht, dass diese Juden...” getötet werden sollten. Natürlich, natürlich”, untei-brach Eichmann. — Die Fortsetzung des Berichtes über den Eichmann*Prozess j folgt in der nächsten! Ausgabe der J. W. I Die Kabel über die I Montag-Sitzung lagen bei i Redaktionsschluss noch [nicht vor. Registro de la Propiedad Intelectual No 656.635 T zw m<û c a nn la T m nronl a POT TOT OT A