Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1868 (14.4.1961)
- Date
- 1961-04-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Y Hi Arnold fiíem v*r«f. ‘{«i«», «W* sici md •" Br n sein, St k,. dürfe 2i«n¡s. Vitraw, 14 4« AbrM ér 1SM LA SEMANA ISRAELITA Año XXII. — No. 1««« — 5 leu w|«b >«r Ver. den fc, "■ <ijan ui (j,r Opfer 8«tan aischn üschtn ■siebtet oynbe, Harry Präsi, dioafe. r Ju. jai ín wird, «r Ge. «íunft we$t. spre. Der Verteidiger Eichmanns macht Einwendungen (Fortsetzung von Seite 1) geben, die an der Realisierung der sogenannten „Endlösung der Judenfrage” mitarbeiteten und mitwirkten. MANCHESTER GUARDIAN London. — Vor Prozessbe. ginn veröffentlichte der Manchester Guardian einen viel beachteten Artikel, in dem es u. a. heisst: ..Die Tatsache allein, dass Eichmann mit illegalen Mittein und gewaltsam nach Israel gebracht worden ist, stellt keinen Hinderungsgrund dar, dass er: in Israel abgeurteilt werden kann.” Dieser Standpunkt wird von einem Experten des internationalen Rechts im Manchester Guardian vertreten. Der Artikel analysiert und kommentiert diesen Fall in allen Einzelheiten. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Israel durchaus be_ rechtigt sei, diesen Prozess durchzuftihren. In dem Artikel wird auf einen Parallelfall hingewiesen, der sich im britische« Mandatsland Palästina abspielte. Damals stellte das Oberste Gericht fest, dass der Angeklagte mit Recht abgeurteilt werden kann, unabhängig auf welchen Wegen seine Verhaftung erfolgt©. STIMMEN AUS DEUTSCHLAND Bonn. — 24 Stunden vor dem Beginn ces Eichmann- Prozesses beschäftigten sich zahlreiche deutsche Zeitungen mit diesem Ereignis. Einige der Blätter schrieben, dass man berechtigte Befürchtunger. über die Rückwirkungen des Prozesses hegen müsse. .,die zu einem Attentat gegen das deutsche Prestige” 'werden könnten. In einer Schrift, die von der Stadt Frankfurt herausgegeben wurde, wird gegen die Behauptung Stellung genommen, die Mehrheit des deutschen Volkes habe von den Verbrechen nichts gewusst, die von den Nazis begangen worden sind. Die Schrift erklärt, die Deutschen hätten auch vor dem Ende des zweite« Weltkriej ges genau gewusst, welche Untaten gegen die Juden j begangen wirden sind. DER PROZESS BEGINNT! Jerusalem. — Am Diensj tag Vormittag begann der 1 | von der ganzen Welt mit! Spannung erwartete Eich. | mann Prozess. Der Ange-! klagte erschien blass, aber j in korrekter Haltung im Gerichtssaal und verblieb in der kugelsicheren Zelle, die I während der ganzen Dauer I des Prozesses zu seinem : Aufenthalt während der [ Verhandlungen bestimmt I ist. Der Präsident des Gerichtshofes, Richter Mosche Landau, fragte den Angeklagten, ob er Adolf, der Sohn des Adolf Karl Eichmann sei, worauf der Angeklagte in deutscher Sprache mit Ja antwortete. Der Gerichtspräsident verlas daraufhin die Anklageschrift, die mit den Worten j begann: ,,Der Staat Israel i klagt Sie. Adolf, Sohn des j Karl Adolf Eichmann, an.” Dann folgte der Wortlaut! der Anklage, die in he-bräi. i scher Sprache verlesen worden ist. Danach fragte der | Richter den Angeklagten: | , Haben Sie das verstanden?”. — Eichmann erwiderte: „Ja”. Während der Verlesung, die mehr als eine Stunde in Anspruch nahm, blieb der Angeklagte stehen, ohne sich kaum zu bewegen. Erstmalig nach seiner Flucht nach Südamerika nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges konnte die Oeffentliehkeit den Mann sehen, der in der Anklageschrift als der schlimmste Henker des jüdischen Volkes bezeichnet wurde. Eichmann, ein Mann von mittlerer Grösse, war derjenige. der einst die Macht gehabt hat, die Juden im nazistischen Machtbereich von einem Punkt Europas zum anderer zu verfrachten. Er tat dies wie ein Schachspieler und liess die; Juden von allen Enden des; alten Kontinents nach dem; Osten verschleppen,- wo sie ..liquidiert” wurden; der j Weg der meisten endete in; den Gaskammern. ANGRIFF DER VERTEIDIGUNG . Wie erwartet hestritt der Verteidiger des Kriegsverbrechers, Rechtsanwalt Dr. Servatius, die Zuständigkeit des Gerichtshofes. Er verlangte, Eichmann »solle vor ein ..neutrales” Gericht oder ein internationales Gericht gestellt werden. Ser. vatius sagte u. a.: „Wir kennen hier nicht über den nationalsozialistischen Staat ij Restaurant »Paso ” ntrs Paso 452 (al fondo) — T. E. 87-925! Unter Aufeicht aes Vaad Harabonim der Kehilla MITTAGS» und ABFNDTISCH von jetzt an auch Sonntagabends geöffnet Anrichten von kleinen Festlichkeiten und Banketten **••••••••#•• t t HR ÄäTä rTÄ * S Voranzeige I richten, zu dem Eichmann! gehört hat. Hier handelt es i sich um eine Angelegen- ■ heit der Rache. Man be- J schuldigt Eichmann solcher i Taten, die vom Staat ver- 1 langt wurden. Er wurde an- ' geklagt für Taten, die der j Staat (gemeint das nazisti. ' sehe Deutschland) began- | gen hat.” j Der Verteidiger bat dann! das Gericht, es solle zwei Fragen prüfen: 1.) Das Gericht sei nicht zuständig. — 2.) Das Gesetz zur Aburteilung der Nazis und ihrer Helfershelfer habe Gültigkeit. Die Richter könnten auch nicht objektiv sein. Denn unter ihnen könne sich ei. ner befinden, dessen Familienmitglieder ebenfalls durch nazistische Verbrechen umgekommen sind. Ausserdem habe er nicht die Möglichkeit, Zeugen der Verteidigung nach Israel zu bringen, weil* diese Zeugen in ihrer Mehrheit frühere SS-Offiziere seien. Es bestehe die Gefahr, dass Israel nicht das Recht anerkenne, das zwischen anderen Staaten bestünde, so. dass die Zeugen nicht sicher seien, dass sie -wieder zurückkehren. Das von Israel erlassene Gesetz zur Bestrafung der Kriegsverbrecher widerspriche dem internationalen Recht. Aus diesen Gründen, so führte der Verteidiger s aus. beantrage er, dass sich das Gericht für nicht zuständig erkläre. DAS EINVERSTAENDNIS EICHMANNS In seinen weiteren Ausführungen kam der Verteidiger auf die Ergreifung Eichmanns zu sprechen. Er sagte, dass die Form der Festnahme des Angeklagten die Unzuständigkeit des Gerichtes zur Folge habe. Dass Eichmann sich damit einverstanden erklärt habe, von diesem Gericht abge-urteilt zu werden, sei auf Druck erfolgt. Für die illegale Festnahme des Angeklagten berief sich der Verteidiger auf die Zeugen Zwi Tohar und Shimoni. Tohar habe den Angeklagten nach Israel gebracht und Shimoni habe den Plan für seine Festnahme entworfen und geleitet. Beide hätten auf Befehl der israelischen Regierung gehandelt. DER ANKLAEGER ERWIDERT Nachdem Servarius seine Ausführungen beendet batte, j erhob sich der Oberstaats- | anwalt Hausner und sagte ' u. a.: Mit der Festnahme | des Eichmanr hat sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beschäftigt. In . seiner Resolution vom 23. : Juni 1960 hat der Sicherj heitsrat entschieden, dass I Eichmann in Israel abgeurteilt werden soll. Kein an. I I deres Land habe die Aburteilung Eichmanns gefor! dert, nur Israel. Auch die ' Bundesrepublik habe niej mals die Auslieferung Eich-! manns gefordert. Ausser. I dem könne sich niemand I für neutral erklären, wenn es darum geht, über Völkermord zu entscheiden. Das Gericht werde sich, wie jedes andere Gericht in einem solchen Fall, sicherlich darum bemühen, gerecht zu sein. — Unmittelbar nach diesen Ausführungen jegte das Ge. rieht eine Vei handlungspause ein. Bei Wiederaufnahme der Verhandlungen setzte der Staatsanwalt seine Ausführungen fort. DIE AUSLAENDISCHEN BEOBACHTER Nur die USA und Grossbritannien haben, von den etwa 40 Ländern, die diplomatische Vertretungen in Israel unterhalten, keine Beobachter zum Prozess geschickt. Die meisten dieser Beobachter sind Mitglieder der ausländischen Vertretungen selbst Drei Länder. Jugoslawien. Westdeutschland und Oesterreich, die keine diplomé tischen Beziehungen zu Israel haben, entsandten ebenfalls offizielle Beobachter zu diesem Prozess. Alls diese diplomatischen Vertretungen erklärten ausdrücklich ihr Interesse am Prozess. Die USA und England teilten mit. dass die offiziellen Berichte, die über den Prozess herausaegeben werden, ausreichen um sie hinreichend zu informieren. WICHTIGE ARGUMENTE In seinen weiteren Ausführungen sagte der Generalstatsanwalt Israels, der auf das Argument der Verteidigung über die Neutralität der Richter eingehend sprach, dass niemand auf der Welt von dem Gericht über Eichmann eine solche Neutralität erwartet. — „■Wenn irgendein Richter in diesem Fall neutral bleiben konnte, dann würde dies seine mangelnde Eignung beweisen, über den Angeklagte« ein Urteil zu fällen. Gewiss erwartet man allgémein, dass die Richter ein gerechtes Urteil abgeben werden, entsprechend den vorgebrschten Beweisen und nach dem eigenen, unabhängigen Gewissen der Richter.” Dann wandte sich der Ankläger mit harten Worten an den Verteidiger Dr. Servatius, vor allem gegen dessen Ausführungen über die von Eichmann nach seiner Verbringung nach Israel abgegebene Erklärung. . Warum so fragte er den Dr. Servatius bezeichnen Sie diese Erklärung jetzt für nicht annehmbar, nachdem Sie Ihren eigenen Antrag an das israelische Justizministerium. Israel möge die Kosten der Verteidigung übernehmen, gerade auf diese Aeusserung gestützt haben?” Dr. Servatius, so unterstrich der Staatsanwalt, habe die Schaffung eines souveränen Saates Israel für begrüssenswert gehalten und sich sogar dafür ausgesprochen dass ein jüdischer Richter oder ein jüdisches Gericht den Urteilsspruch über den Erzfeind des jüdischen Volkes fällen solle. | Schliesslich wandte sich der Ankläger auch gegen das Argument, die Verteidigung könne keine Entlastungszeugen bringen. Wenn er wirklich solche Zeugen habe, so werde er, der Ankläger dafür ©intreten, dass ein Uebereinkommen mit der bonner Regierung getroffen werde, auf Grund dessen diese Zeugen vor einem deutschen Richter in Deutschland aussagen und von einem \ ertreter der israelischen Anklagebehörde befragt werden können. Bisher habe Dr. Servatius auch nicht den Namen eines einzigen Zeugen genannt, der bereit wäre, für Eichmann eine Aussage zu machen. RINGSUM DAS GERICHTSGEBAEUDE Jerusalem — Die enorme Spannung, die im Gerichtssaal am 1. Verhandlungstag herrschte, war in ganz Israel nicht geringer. Hunderte Menschen hatten sieh in der unmittelbaren Umgebung des Gerichtsgebäudes eingefunden und verharrten hinter der Absperrungskette, die von berittener Polizei und vielen anderen Polizisten gebildet wurde. Man sah Zuschauer, die das gelbe Judenzeichen, den Judenstern und die an vielen Orten« Polens vorgeschriebenen Armbinden mit dem Wort „Jude” trugen. Alle Zugänge zum Bet Haam, in welchem der Prozess durchgeführt wird, waren streng bewacht. Alle, die eine Zulassungskarte hatten, die sie zum Betreten des Gebäudes berechtigten, wurden durch eine lange Kette schwer bewaffneter Polizisten geführt und schliesslich einer äusserst genauen Kontrolle unterzo. | gen. Alle wurden nach Waf-; fen untersucht. Niemand durfte einen fotografischen 1 Apparat in den Gerichtssaa] I mitnehmen. — EICHMANNS LEBENSLAUF! Soweit bisher festgestellt i werden konnte, ist Eiehl mann am 10. März 1906 in Solingen geboren. In seinem Aufnahmeantrag in die NSDAP ist zwar als Geburtsort „Palästina” angegeben. Alle Forscher neh- 1 men jedoch an dass Eichmann selbst seinen Geburtsort falsch angegeben hat, um den Nazibehörden seine tbesondere Eignung für eine Tätigkeit auf dem Gebiet , des Kampfes gegen die Juden zu beweisen. Als Eich. ] mann fünf Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Linz (Oesterreich), nachdem Eichmanns Mutter bei der Geburt ihres vierten Sohnes gestorben war. Der Vater heiratete wieder und hatte von der zweiten Fiau weitere zwei "Kinder. Mitglieder der Familie Eichmann wohnen auch heute noch in Linz. Zunächst war Eichmann in einem Geschäf. für elektrische Artikel tätig, wurde \ aber später von einer Oeli gesellschaft beschäftigt. | Diesen Posten verlor er; 1933, offenbar weil er innerhalb der Nazibewegung ak. tiv war. Er ging nach | (Fortsetzung auf Seite 8) fJüdisches Reisebüro! BITTERMANN Persönliche Beratung durch Reise experten Herrn i lernardo Bittermanii vnd Mariano Feld .CORRIENTES 2063 of. 9, 10, 14 y 16 T. 45-7607/49-0433 49-1229/49-3491 Voranzeige Verbringen Sie Ihre Freizeit IM MODERNSTEN “13>3 HOTEL M. FLAMM unter Aufsicht S. Ehrw. des Herrn Oberrabbiner Dr. J. FINK CHASCOMUS — Cordoba 38 1 QUADER VOM STRAND ZIMMER MIT PRIVATBAD _ Alle 'Bequemlichkeiten Telefonische Auskünfte in Bs. Aires: 76-6623 u. 70-5865 i Gemeinsame Feier des JüM HAAZMAttT ACIBA THG WIZO am Mittwoch, den 26. 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