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Jüdische Wochenschau · 1961-04-11 · 1867 (11.4.1961) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1867 (11.4.1961)
Date
1961-04-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German, Spanish
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-N r Eichmann- 'on >0«h ¡n í0r|azlsti! ' Ue, VS f\D _ NEH.mev VerbrçifPn * Ie Tör hi„t; und keinen Mi 11 gefunden Ala ™en ist alies at. sympathisch, £[ , fa in Jerusab 'neni Münchener ®rt hin nrf gt mit der Fans iseh. fordert imd sässe er mit sei. mpane.n am Tisch oganz ist Einfach Wir lassen uns s Boxhorn jagen, n zu ihm, ent. uns vor ihm, ge. ich. Ich begreif' :ht, was - zum ei uns los istV •ge Material ge. fand nirgends, in Land, ausser einem Naziveribt hätte, sich Gebiet von ei. en Rechfsan. gen zu lassen, ölen, noch die och die Russen s; warum tun bezahlen noch Verteidigung! Unbegreiflich! Eichmanns Fabezahlen, die gewählt hat? die neonazisti- ¡sation nicht he. hinter Eichmann glauben, dass er men Verbind®, hat? Weit ge- Lieber! Nehme« nntnis; er hat :l baschan plant? Wann und wie wurden die Beschlüsse über die Vernichtung gefasst? Was wurde für den Fall des Sieges vorgesehen? Kennen Sie das Buch „Hitlers Tischgespräche“? Dort steht zu lesen, was der Führer in einer gewissen Periode im engsten Kreise bei solchen Gelegenheiten verzapfte. Er erging sich in allerlei Wahnideen, angefangen von historischen bis zu arehi'ek'onisehen Themen und vc zreitete sich einmal darüber, was er nach dem .Sieg“ mit deT Welt anfangen werde. Sein Plan stand genau fest: alle europäischen Völker systematisch moralisch und geistig auszulau. gen und sie zur Sklavenarbeit in Deutschland einzusetzen. Die Polen fanden seinerzeit ein Dokument mit dem Plan zur totalen Ausrottung von 50 Millionen Slawen. Was weiss Eichmann, der Oberhenker von alledem? Der Prozess muss den historischen Gesichtskreis über die schwarze Zeit erweitern. Noch ein Detail, damit Sie genauer verstehen, was ich meine: Im Warschauer Ghetto z. B starben mehr als 90.000 Menschen infolge von Hunger Typhus und anderen Seuchen eines natürlichen Todes. Eichmann kann uns ..aufklären“, wie die Deutschen dafür gesorgt haben, den Typhus, den- Hungerdnrchfall, etc. in den Ghetti zu fördern zu dem einfachen Zweck, menschliche Sammelsurien zu schaf fen, die sich selbst vernichten. Nur hatten sie keine Geduld zu warten, bis es so weit kam, und begannen andere „radikalere“ Mittel zu suchen. Eichmann kann uns Aufschluss über alle Entwicklungsstadien der deutschen VernichtungFmaschine geben, des Vernichtungswerks, das mit der Massenerselressung einiger zehntausend Juden in der Gegend von Wilna, mit den fahrenden Gaswagen begann und mit der Verbrennung von 24.000 Juden an einem Tug einen seiner Höhepunkte erreichte.“ HEIT EN? „EICHMANN IST TOT“ . (Verächtlich!: „Teil weiss nicht, vielleicht wird man das heute Geringschätzung des Gerichts nennen: aber für mich ist der Mensch Eichmann schon jetzt lot. Sein Los ist besiegelt. Hätte ich eine krankhäftc Phantasie ich würde sagen: er wurde sechsmillionenmal erhängt. Aber ich habe keine Phantasie dieser Art und sage: Wir brauchen den Eichmannprozess. um die ganze Beiehweite der Tragödie, die ganze Ungeheuerlichkeit der schwarzen Zeit zu erfassen. Es muss ein Gericht zwischen-uns und den Deutschen sein, oder wie es di? Verfechter feineren Geschmack', ausgedrüekt haben wollen: zwischen uns und den Nazis. Was mich Marken — \eui^ile'1 — “Temáticos” -,.cl«ARKEN MIT PLATTEN- ¡Bt-O“ -.pi^UE BOGEN (planchas) — ) " ccTV£>LL£ AUSGABEN — ERSTE - gjNSWÜEBD*GE BERATUNG TR 2351, <lep. 2 0 esq. CABILDO anbetrifft, bin ich nicht geneigt, das deutsche Volk von der Verantwortung loszusprechen. Sie haben Hitler in demokratischer Wahl und mit ein bisschen Angst im Buckel in den Sattel gehoben. Man darf es nie vergessen: die überwiegende Mehrheit der Deutschen hat sich für Hitler ausgesprochen. Ich frage mich manchmal: wo sind die 11 Millionen Sozialisten und Kommunisten hingekommen, die es in Deutschland gab? WTo sind sie. verschwunden? Gute Deutsche? (winkt resigniert mit der Hand ab) Man kann sie auf den Fingern abzählen, mir persönlich, und ich hab’ die Deutschen so ziemlich aus nächster Nähe in rauhen Mengen zu sehen bekommen, sind nur zwei Fälle bekannt. Lassen wir das Thema ... Es gibt da nicht viel zu sagen.“ NICHT ALLE SIND HEILIG „Antek“. griff ich den Gesprächsfaden wieder auf. „was meinen Sie zu den Andeutungen und Gerüchten, Eichmann wolle Juden in den Prozess verstricken?“ Er (aulbrausend): „Hören Sie — jahrelang galten wir als die Verfolgten, als das Volk der Märtyrer und Opfer. Aber das ist nur ein Teil der Tragödie, man soll sie ganz vor die Oeffent. lichkeit bringen. Die ganze Wahrheit aufdecken, nichts verheimlichen; weder das Gute noch das Schlechte, weder Licht noch Schatten. Die Wahrheit ist, dass es unter sechs Millionen Juden — hunderttausende Namenlose gab. die sich dem Feind mit der Waffe in der Hand entgegenstellten. Es gab aber auch die Judenräte, die jüdische Polizei und jüdischen Gestapohelfershelfer. Warum sollen-wir uns fürchten, das offen zuzugeben? Sind wir denn ein Volk von Heiligen, ohne Fehl und Tadel? Und unter den Belgiern, den Norwegern, den Holländern, den Italienern, gab es keine Spitzel und Kollaborateure? Unter den Franzosen keine Verräter? (besinnt .s“ch und kommt auf das Thema zurück): „Eichmann ist der geisMge Vater und Schöpfer der Judenräte. Er hat sie als Instrument geschaffen, um Illusionen zu wecken, um den Arm der Kämpfer zu lähmen, all. mählich den Geist der Ghettobewohner zu brechen. Wer glaubt, die Judenräte waren ein? Art Mittler-Institution, irrt sich gewaltig. Sie waren von den Deutschen geplant und ins Leben gerufen, um Werkzeuge in ihren Händen zu sein. Aber was hat das mit dem jüdischen Volk zu tun, dessen Söhne kämpfen und sterben gingen?! Man muss darauf gefasst sein, dass Eichmann sieh bemühen wird. Juden in den Prozess zu verstricken. Wir wollen der Kampf mit offenem Visier aufnehmen; wir brauchen uns nicht zu schämen! “ Elt HAT DTE HOFFNUNG NICHT VERLOREN (Nachdenklich-'; „Wissen Sie. ich habe den deutlichen Eindruck, dass Eichmann nicht an seinen nahen Tod glaubt. Aus meiner Erfah. rung als Partisan, der mit dem Tod sehr enge Duzfreundschaft geschlossen hat weiss ich, der Mensch g’aubt bis zur letzten Sekunde, irgendein Wunder wird geschehen und ihn retten. Wäre Eichmann .¡Aberzeugt, .. Prozess geführt werden sein Los ist besiegelt, viel, leicht würde er sich dazu aufraffen und gestehen; ich bin schuldig! Ich habe Millionen gemordet! Aber Eichmann glaubt nicht, dass der Tod ihm schon im Rücken sitzt und versucht, sich zu verteidigen. Soll er nur! Ja, nocht etwas; ich weiss nicht, wieviel Zeugen in dem Prozess auftreten. Ich weiss nicht, ob das jüdische moralische Verteidigungspotential in voller Stärke auftre. ten wird. Eines ist gewiss; gedenken die Prozessbereiter nicht nur vom engen Standpunkt des Gesetzbuchslabens, sondern vom breiten historischen Aspekt auszugehen, so ist es unmöglich. auf das Zeugnis der jüdischen Partisanen zu verzichten.“ „Sie zweifeln, ob es dazu kommt?“ Er (verächtlich): „Ich habe ernste Zweifel. Sie wissen doch Partisanen sind » vom rein juristischen Standpunkt keine reguläre Streitkraft, die man in Betracht ziehen muss!“ WIE MAEUSE IN DER FALLE . „Da Sie darauf zu sprechen kamen, muss ich die schmerzlichste, vielleicht komplizierteste und heikelste Frage anschneiden: Wa.um war der jüdische Widerstand so schwach und begrenzt? Ist das nicht der Grund, weshalb die israelische Jugend so wenig Interesse für die Geschichte der schwarzen Zeit zeigt?“ Antek (tiaurig): „Sie wollen die Wahrheit wissen? Die Wahrheit beginnt damit dass wir dort in Europa wie Mäuse in der Falle gefan. gen, jeder Teil für sich eingekreist. durch Mauern voneinander hermetisch abge. schlossen waren. Die nichtjüdtschen Untergrundbewegungen standen in Verbindung mit dem Ausland, wussten, was draussen vor sich geht. Und wir? Steckten wir nicht in Ghetti. von einer feindlichen Atmosphäre und rings von Deutschen umgeben? Vergessen Sie nicht: erst 1942 entschied sieh die Schlacht bei Stalingrad. wir wurden ausge. rottet, bevor w!r noch einen einzigen Lichtstrahl, einen einzigen ■ Funken Hoffnung sahen. Uns konnte Stalingrad nicht mehr viel Trost und Auftrieb bringen. Immer wieder gelangen 7u uns neue Dokumente über Heldentaten der Ju. den in Europa. Wir haben wunderbare Zeugenaussagen aus Griechenland und eine unvergleichlich? Geschichte über die Teilnahme christlicher Holländer am jüdischen Unt< rgrundkampf. In Ita'ien operierten starke jüdisch? Partisanentruppen. Wir wissen noch längst nicht alles, noch sammeln wir immer neue Materialien, leihen Tatsachen aneinander aber das Bild, das Mosaik ist längst nicht voll. Noch ist es zu früh, eindeutig fostzusteben: so sind sie in den Abgrund gegangen!“ JUGEND MIT OFFENEM HERZEN „Und was die Jugend an. betrifft, kann ich Ihnen aus meiner Erfahrung, hier im Haus der Ghe'tokämpfer, sagen: es ist nicht wahr, dass die Jugend nicht wissen will, was war. Das ist vielleicht eine Legende, die die Eltern, Lehrer und Jugend. fiihrer verbreiten. Vielleicht seilten sie Psychologen einmal untersuchen. Die Jungen, die zu uns kommen, zeigen ein ungeheures Interesse. Sie kommen mit offe. nem Herzen, begierig zu lernen, die Wahrheit zu erfahren. Natürlich ist die Zahl der jungen Besucher seit der Festnahme Eichmanns um ein Vielfaches gestiegen. Sie sehen sich bei uns um, fragen, bitten um Aufklärungen. Wir haben draussen auch ein Gästebuch und je. der schreibt da ein, was ihm gefällt. Manche bringen es nicht über eine allgemeine übliche Floskel, die sogar vielleicht sehr ehrlich gemeint ist: aber Sie können da auch nicht wenig wundervolle Worte lesen wie sie z. B. ein Junge einen Tag nach Eichmanns Ver. haftung einschrieb: „Schade, dass man unsere Herzen beim Besuch hier nicht fotografieren kann...“ (Hält seinen Blick fest auf mich gerichtet): „Wir dürfen nicht glauben; mit dem Eichmann. Prozess sei unsere Rechnung mit den Deutschen beglichen. Das anzunehmen wäre ein gefährlicher Irrtum. Es gibt noch zehntausende unbestrafte Kriegsverbrecher. Wir schlagen erst ein Kapitel in dem dicken Band auf! (Nachdrücklich): Wer denkt, mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Entstehung des Staates ist die schwarze Zeit versunken und begraben und wir von ihr für alle Zukunft befreit — ist auf der falschen Fährte. Zu tief stecken die Wurzeln der Tragödie in unserem Leben und werden uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Einmal ist es der Kastner-Prozess, einmal die Hakenkreuzpest, diesmal der Eichmannprozesss. Etwas wird es immer geben. Immer. Solange unsere Generation und die Generation der deut. sehen Mörder lebt. w;rd das immer weiter gehen. Es gibt kein Verstecken davor. Also versuchen wir lieber nicht zu vergessen — im Namen unserer seelischen Hygiene, um ihres Gedenkens würdig zu sein!“ EN MEMORIA DE LOS 6 MILLONES DE VICTIMAS JUDIAS DEL NAZISMO 18o. Aniversario del Levanta- « . p ± i miento del Ghetto de Varsovia ucHUdl Jueves 13 de Abril — 21 horas en la F.A.B. — Castro Barros 75 ABRIRA EL ACTO EL VICEPRESIDENTE DE LA DAIA, Dr. MARCOS DÍNER Hablarán: EL REPRESENTANTE DEL C. J. M.. Sr. MARC TURKOW, EL ESCRITOR Dr. SCHLOMO BICKEL. S. E. EL Sr. EMBAJADOR DE ISRAEL, Gral. JOSEF AVIDAR. La parte litúrgica, a cargo del ober-cantor del Gran Templo de la calle Paso, AARON GUTMAN. Organizado por la DAIA, el Vaad Hakehillot, conjuntamente con la Unión Central Israelita Polaca, Residentes de Varsovia y Praga, y Unión Central IsraeMta de Ga'itzia. i ¿*»m*n*2 EINHEITSKAMPAGNE FUER ISRAEL 1961 MIZWAH - JAHR es Staates Israel Jeder Jude muss sich seiner Verbundenheit mit ISRAEL WGERDIG ZEIGEN Annahmcst lien: CAMPAÑA UNIDA PRO ISRAEL, COMITE CENTROEUROPEO Sarmiento 23 76, 39 — T. E. 47-3820 und sämtliche Senretariate der angeschlossenen Organisationen und Gemeinden 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 4* ¥ 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 A

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