Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1864 (28.3.1961)
- Date
- 1961-03-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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Mentioned entities
- Franz Kafka 3× ep/1025205
- Max Brod 3× ep/1024844
- Josephus 2× ep/1005469
- Anton Wildgans 1× ep/1025768
- Arnold Schoenberg 1× ep/1025579
- Arthur Schnitzler 1× ep/1025577
- Bertha von Suttner 1× ep/1025669
- Hugo von Hofmannsthal 1× ep/1025150
- Leopold Lindtberg 1× ep/1026212
- Montevideo 1× ep/1045213
- Peter Altenberg 1× ep/1024724
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ÖR und KUNST Die Nacht der Wachen ,eS eines Dichters ALom Wa(ines l^r Ari. ihren — ffüng :h erfah- Werden 11 ^esem <tai lm. en‘" aus, im eigen, einer Ju. *>• wie kurz seil* „Heiim, Ju. dersehlag mden die 'en Autor ten: „Die man sieh mit einer ebe zwei. ..Annerl“. o zuriicküeses Leeich, der im Seiwie es in Väter so th V. 20); t sehchi m, sopha er Mei. in edier ird, hat oketh le. solch lieinungsurehzieht Buehes, ikt Franz von Brod : Freund, Entwick- Jipiel des - CHORIN Se<üest hatte. Gänzlich unklar ist nur die lebenslang[ Freundschaft mit Fehx te-ltsch, dem heute in ^finalem lebende» Bibliotl'elrj: und Philosophen, der Brodj Entwicklung von den Prager Studienjahren an geteilt hat. Gemeinsam fan. deise heim ins Judentum, gemeinsam ins Judenland. Gemeinsam schrieben sie ihr erkenntnis-theoretisches Werk ,.Anschauung und Begriff, gemeinsam ihre noch heute lesenswerte Aufsatzsammlung ,,Zionismus als Weltanschauung“, und gemeinsam kommentierten sie den Dritten im Bunde, Franz Kafka. Bin lebendiges Lebensbuch gewürzt mit Humor, überschattet von Besinnlichkeit, ergriffen von Unvergessenem, durchtränkt von Dankbarst für das Empfangene - gab Max Brod uns mit diesem Buche, das eine Brod-Renaissance in Europa e-ingeleitet hat. Man liest das ..Streitbare Leben“ und greift nach den Büchern die seine Marksteine bilden. Und so kam zur rechten Zeit in der Stiasny.Bücherei, Graz und Wien, das Taschenbuch ,,Die verbotene Frau“ von Max Brodheraus, eingeleitet und ausgmhlt von Jorg Mager, dem Leiter der Volkshochschule in Düsseldorf, der im Nachkriegsdeutschland zu den Wiederentdeckern Brods gehörte und ihn nun in einer Reihe präsentiert, die sich: „DAS OESTER. REICH ISCHE WORT“ nennt. Ocsterreichische Dichtung aus acht Jahrhunderten soll hier vermittelt werden, und der Prager, der nun freilich in seiner Jugend ein „Untertan“ der k. u. k. - Monarchie war, wird mit einbezogen in dieses grössere Oesterreich des Geistes, das von Walther von der Vogelweide bis tu Peter Altenberg, Bertha von Suttner, Anton Wildgans, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Tranz Werfel, Franz Kafka und Max Brod reicht. Mager gibt in seiner Ein. leitung ein Lebensbild Max Brods und fügt eine bis 1959 reichende Bibliographie und eine (etwas unzulängliche) Auswahl der Literatur über Max Brod an, ebenso eine Lebenstafel. Das Bändchen vereinigt Lyrik, Novellen, Romanproben. Erinnerungen und Briefe Brods an Kafka und ergänzt so die Autobiographie aufs trefflichste im bibliographischen Sinne. Literarische Notizen auch das Änderung nz Kafka, alls entie ein Le- ,t Worum -eit? Um , Werkes.! wollte vernichtet ^ersetzte 3 heraus, . und ver. ,jt Jahfe Besser- Jbilologem ragismus' I Existentem nnd Pro/esso- ¿•M igU- J^nahen“ 4bstmkt'0” ir°päischen ren i ier Freunf %cht dulie zionist‘i die Brod "vor Tor- »d Ult , lange i» als Bed; T Aen Mahler in Moskau In Moskau erfreuen sich die Kompositionen Mahlers von Jahr zu Jahr steigender Beliebtheit. Jedes Mahler. Konzert wird stürmisch akklamiert. Nach einer Unterbrechung von 25 Jahren erklang in Moskau wieder die Dritte Sinfonie, dargebracht von den Philharmonikern und den Sängerinnen des staatlichen Moskauer Chors. ln der letzten Saison wur. den mit grösstem Erfolg die Erste und die Fünfte Sinfonie, das „Lied von der Erde”, „Die Kindertotenlieder" und „Die Lieder eines fahrenden Gesellen” geboten, Franz Kafka wirf verfilmt Franz Kafkas Roman. Fragment „Das Schloss” wurd-e von Max Brod dramatisiert und gelangte am Zürcher Schauspielhaus unter der Regie von Leopold Lindtberg im Oktober 1953 zur Uraufführung. Jetzt wird Marco Ferreri einen Film daraus machen, in dem Serge Reggiani die Hauptrolle des „K, ein Ortsfremder” spielen wird und Anuie Girardot und Simone Sigaoret die weiblichen Zen. tralfigureii verkörpern. 4nierikanisches Gastspiel Das in der französischen Bearbeitung bereits in Paris angesetzte Schauspiel „Tke Miracle Worker” von William Gibson wurde wic- M 7iH44Jcae7t>d^^^Laim ¡lahmen des Tfinüreües jiations ein amerikanisches Gastspiel dieses Ilellen-KellerDramas vorgesehen ist. Wiener Musikwoche Eilen Widman, deren Eammersprechchor interna, tionales Ansehen ge.iiesst und eben in Rom mit Mil. hauds ,La mort du tyran” und Wladimir Vogels „Arpjade”, sowie der eigentlichen Uraufführung von Erost Tocfis , .Geographische Fuge” als Zugabe ausserordcntlichen Erfolg er. zielte, wurde von dem Spielleiter des Oratoriums „Die Jakobsleiter” von Arnold Schönberg, dem Darmstädter Intendanten Sellner (der als Operndirektor nach Berlin geht) eingeladen, das Werk Schönbergs, vor der musikalischen Gesamt-Vorstellung sprechen zu lassen, so dass die Besucher bei den Wiener Musikwochen zuerst mit dem Text vertraut gemacht werden können. Es erfolgt eine Band-Auf. nähme, die dann später auch im Radio zu hören sein wird. „Die Jakobsleiter”, 30 Jahre vor dem Tode des Komponisten von diesem entworfen, ist neben „Moses und Aron” das andere grosse Oratorium aus der Biblischen Geschichte, das Schönberg geschaffen hat. In Wien wird Raphael Kubelik die musikalische Leitung haben. Musik-Festspiele Im Rahmen der diesjährigen Festivals der europäischen Vereinigung der Musikfestspiele in den angeschlossenen Städten sind u. a. vorgesehen: „Samson et Dalila” von Saint-Saens in französischer Sprache (Zürich) und „11 Mercante di Venezia” von M. Castelnuovo-Tedcsco (Florenz). Täglich kam das Flugzeug und warf seine Ladung ab. Aber eines Morgens fehlten die Säcke mit Brot. Statt ihrer waren Kisten gekommen; längliche, schmale Kisten. „Munition haben sie uns geschickt statt Brot“ riefen die Leute. „Wir werden Blei und Stahl fressen.“ Sie machten blutige Witze. „Das ist die eiserne Ration“, sagten sie grimmig. Sie hoben die Kisten an, aber sie waren leicht. Misstrauisch betrachteten sie sie von allen Seiten und schüttelten die Köpfe. Was mochten ihnen die dort in Bet-Or wieder geschickt haben? Für die Herren in Bet-Or hegten sie keine grosse Liebe. Als sie die Kisten einge. sammelt hatten, holten sie eilig Hammer und Stemmeisen und machten sich daran, sie zu öffnen. Andächtig standen sie. herum und hielten den Atem an. Quietschend -ging der erste Dekkel hoch. Da war etwas in sauberes, weisses Papier eingepackt. Sie bückten sich und enfernten vorsichtig die Hülle. In langer Reihe standen weisse dünne Mazzot. Sie standen ausgerichtet und gerade wie ein Regiment in Parade. „Mazzotl“ riefen sie überrascht. „Mazzot!“ „Wann ist denn eigentlich- Pessach?“ Sie sahen sich an und begannen zu rechnen. Schliesslich fanden sie es in ihren Kalendern: Pessach war heute Abend. Pe-ssaeh! Das aite Fest der Freiheit! Sie dachten an ihre Pessachabende daheim, und ihre rauhen Soldatenherzen wurden weich. Bald wussten alle in der Stellung, dass heute Abend Pessach war. Der Arzt des Kibbuzes kam Vormittag zu der Funkerin Mira. „Wir wollen heute Abend Pessach feiern“ sagte er. „Feiern...“ erwiderte sie. Sie erinnerte sich der Pessachabende ihrer Kindheit. „Wie sollten wir feiern? Und wo?“ fragte sie. „Wir sitzen bei Ihnen zusammen und erzählen uns. Das ist alles“, anwortete er „Wer kommen wird, ist willkojnmen. So ist es zu Pessach.“ Am Aber.d war Miras Stube voll. Die Leute sassen auf dem Bett und am Boden und lehnten an der Wand. Die Kerzen brannten auf dem Tisch, das sah feierlich aus. Der Doktor füll, te den Becher mit Wein und sprach den Segensspruch. Als er geendet hatte, tat er einen kleinen Schluck und reichte den Becher weiter. Der Becher ging die Runde und kehrte leer zurück. „Kommt näher!“ sagte der Doktor. Die Leute drängten sich an den Tisch und warteten. Da hob er die Schüssel mit den Mazzot empor, blickte sich im Kreise um und las mit lauter Stimme: „Ha lachma anja... Das ist das Brot der Armen, welches unsere Väter in Aegypten gegessen haben. Eine Pessach-Novelle aus dem Befreiungskrieg von THEODOR GLASSCHEIB Jüdische Wochenschau in Montevideo/Urusuay Einzelnummer 50 Centesimos Jahresabóqo 45.— $ urug. ABONOS — AVISOS — COBRANZA Sra. L Löblowitz Distribuidor: KIOSK TUREK Paraguay 1164, piso 2, apt 9 Constituyentes 1757 Tel 42-640 Wer hungrig ist, trete ein und esse. Und wer hören will über den Auszug aus Aegypten, der komme und lerne mit uns.“ Die jungen Soldaten sties. sen sich an und schmunzelten. Wollte er ihnen Religionsunterricht geben? Sie schwiegen und machten todernste Gesichter. Der Doktor war ein guter Kerl, und sie wollten ihm den Spass nicht verderben. Geräuschvoll nahmen sie wieder ihre alten Plätze ein. Auch der Doktor hatte sich gesetzt. Er wartete, bis wieder Stille eingetreten war. Plötzlich fischte er sich einen zwischen den Soldaten heraus. „Du scheinst mir hier der Jüngste zu sein”, sagte er, „Komm einmal her!“ Der Soldat wurde rot und zögerte. Alle lachten. „Komm her!“ — wiederholte der Doktor. Ein paar Rippenstösse seiner Karne, raden stiessen ihn vorwärts und er landete vor dem Tisch. Der Doktor gab ihm das Buch, aus welchem er vorgelesen hatte in die Hand. „Das hier sollst Du aufsage-n! “ Der Soldat räusperte sich ein paar Mal und begann mit leiernder Stimme die vorgeschriebenen Fragen herunterzusagen. Als er geendet hatte, verdrückte er sich schleunigst in serine Ecke. Der Doktor aber begann sogleich mit der Be. antwortung der Fragen. Im Singsang-Ton las er die Auslegung der Weisen vor. Die Soldaten verhielten sich ruhig-, aber es wollte ihnen nicht wichtig erscheinen, was er ihnen da über Pessachopfer, Mazzot und bittere Kräuter erzählte. Sie hatten andere Sorgen und waren gekommen, um sie auf kurze Zeit zu vergessen., „Wird es eigentlich was zu essen geben?“ fragten sie leise. Neugierig Hessen sie ihre Blicke irn Zimmer wandern. Als sie nichts erblicken. konnten, begannen sie zu schnupern, aber ihre Nasen konnten nichts erschnuppcrn. „Es scheint, dass man uns nur zur Frömmigkeit eingeladen hat“, flüsterten sie sich zu und ergaben sich in ihr Schicksal. Da gerade klappte der Doktor das Buch zu und sagte: „So! Der erste Teil ist beendet. Jetzt können wir essen!“ Alle höben die Köpfe. Zu essen gab es? Woher sollte das vorgezaubert werden? Da befahl der Doktor: „Elchanan, du bist der Kommandant; sorg für deine Soldaten!“ Elchanan sprang eifrig auf und lief hinaus. Er kam mit einer grossen Schüssel Fleisch zurück. Es duftete nach Zwiebeln und Lorbeer. Der Doktor nahm ein grosses Tranchiermesser und begann das Fleisch zu zerschneiden. Er hantierte damit, als seziere er eine Leiche. Sorgfältig schälte er das Fleisch vom Knochen, schnitt die Adern heraus und machte gerade, gleichmässige Scheiben. Elchanan teilte jedem seine Portion zu, und Mira schenkte Wein aus. Sie assen und tranken. Der Wein hob ihre Stimmung, und sie begannen, redselig zu werden. Sie tranken, denn es machte sie leicht. Sie tranken ein wenig über das Mass und wur. den lustig. Der Doktor lächelte nachsichtig und blickte wie ein gütiger Vater auf seine Kinderschar. Er Hess sie singen und Unsinn treibe*.- Als er annahm, dass sie sich genügend ergötzt hatten gebot er Ruhe. „Wir wollen jetzt das Tischgebet sprechen“, sagte er und begann sogleich das Stufenüe-d zu singen. Sie stimmten aus vollen Kehlen ein und sangen mit. Sie taten es mehr eifrig als schön und wollten mit ihrem Eifer ihre Dankbarkeit beweisen. Endlich waren sie in Stimmung gekommen. Der Wein begann zu wirken. Er stieg ihnen in den Kopf. Allmählich wurden sie müde. Ihr Gesang wurde schwächer und verstummte schliesslich. Der Doktor stiess Elchanan an und wies auf seine müden Gäste. „Grosse Trinker vor dem Herrn sind sie nicht, deine Soldaten“ sagte er. Das Halleluja musste er allein beten. Da er niemanden fand, der mitsingen konnte, sagte er es schnell herunter. Er tat es wie ein eiliger Vorbeter, der sein Pensum erledigen wili. Das Halleluja w'ar beendet. Er machte eine Pause und sah vom Buch empor. Da sah erdie müden Gesichter der Soldaten. Sie sind noch Kinder, sagte er sich. Auch er war oft als Kind am Pessachtiseh einge. schlafen. Um sie zu wecken, sprach er laut: ..Das nächste Jahr im befreiten Jerusalem!“ Das zündete. Sie hoben ihre Köpfe und sagten laut den Satz nach: „Das nächste Jahr im befreiten Jerusalem!“ Jerusalem war belagert. Auch sie hier waren belagert. Sie verstasden, was das heisst, belagert zu sein. Einige Liedei, welche noch im Chor zu singen waren, leierte er rasch herunter und klappte das Buch geräuschvoll zu. „So! Ich bin fertig!“ sagte er mit Nachdruck. Das verstanden sie denn auch. Sie erhoben sich von ihren Plätzen und waren auf einmal nicht schläfrig. Artig kamen sie auf Mira und den Doktor zu und bedankten sich f:ir den schönen Abend. Mit lautem Getrampel gingen sie hinaus. Als sie draussen im Graben waren, tauten sie wieder auf und begannen zu singen. Sie sangen laut und vernehmlich. Es hörte sic-h an, als wollten sie auf Vorrat singen. Mira stand in der Tür und hörte den Gesang, wie er sich langsam entfernte und schliesslich verscholl. Dann wurde es still. Die Nacht war mild. Der Mond hatte sein zweites Viertel vollendet. Er stand hocham Himmel und erleuchtete mit seinem w?issen Licht die- Landschaft. Alles war unwirklich, wie im Traum. (Wird fortgesetzt) A R N O L I) ZWEIG Bilanz der deutschen Judenhei! Erste in Deutschland erschienene Ausgabe mit einem Nachwort von Achim von Barries, 32S Seiter. — DM 36.50 (gebunden) MARGARETE SIJSMAN Frauen der Romantik 3. veränderte und erweiterte Ausgabe, 178 S. mit 16 Bildnissen auf Kunstdruckpapier, in Leinen gebunden 12,80 DM. FLAVIUS JOSEPHUS Die jüdischen Altertümer (Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. H. CLEMENTZ! Bde. Kl. 8?, I, 646 Seiten. 2 Tafeln. 11. 724 Seiten und 2 Tafeln auf holzfr. Papier, in Ganzleinen geb. DM 52,— JAKOB LEVY Chaldäisches Wörterbuch über die TARGUMIM und einen grossei. Teil des rabbinischen Schrifttums 2 Teile in 1 Band. L« . 8’ VI. 429 -f- VIII, 595 Seiten vca. 2.048 Spanien) — Mit Nachträgen von Leberechi Fleischer — Unveränderter Neudruck der dritten Auflage — In Leinen gab. und auf holzfr. Papier gedruckt. Subskriptionspreis DM 130.— Nach Erscheinen (15. Sept. 1959> DM 145— FLAVIUS JOSEPHUS Geschichte des jüdischen Krieges Uebersetzt und mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. H. CLEMENTZ Kl. 8<\ 695 Seiten, 2 Karten auf holzfr. Papier in LeineB geb. DM 25.— Joseph Melzer Verlag, Koeln MOZARTSTRASSE 13