Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1863 (24.3.1961)
- Date
- 1961-03-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1? izq. £xjfen*XiH4i&\Cij&lUcL T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Ano XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 21 DE MARZO DE 1901 No. 1803 ZIELE DER AUSSENPOLITIK Jerusalem. — ..Wir wünschen den neuen Leitern der Vereinigten Staaten von Nordamerika Erfolg bei ih. ren Bemühungen, der Welt Frieden, Sicherheit und Freiheit zu bringen. Wir begriissen das Bestreben des neuen Präsidenten ein wachsendes Verständnis zwischen Westen und Osten herbeizuführen und verfolgen mit besonderem Interesse die! Schaffung des Friedens- Korps", erklärte Israels \ Aussenminister Golda Meir ' i« der Knesset .als sie die Debatte über das Budget von 19 Millionen IL für ihr ' Ministerium eröffnete. ..Das Problem der arabischen Flüchtlinge hätte schon vor geraumer Zeit ge- : löst werden können”, führte Frau Meir aus, wenn die arabischen Staaten nicht at- . les getan haben würden, um I eine konstruktive Lösung zu | verhindern. Die wahre Zahl der Araber, die aus Israel , geflüchtet sind, übersteigt kaum 100.000 Familien, d. h. eine halbe Million Menschen, so dass zwischen diesen und der halben Million Juden, die aus arabischen Ländern gekommen sind, ein Bevölkerungsaustausch stattgefunden hat, der eine natürliche Methode zur Lösung darstelt.” Frau Meir verwies darauf, dass Israel gegenwärtig diplomatische oder konsularische Beziehungen mit über 70 Ländern unterhält. In diesem Zusammenhang! unterstrich sie die Erweiterung der israelischen Ver- I tretungen in Afrika, wo Is- | rael in 16 unabhängigen Staaten durch 11 Missionen repräsentiert wird. Sie teil, te ferner mit, dass im Jahre I960 in Israel 750 Studenten aus unterentwickelten Ländern studiert haben und Ingenieur . Wesen eröffnet werden. Frau Meir bedauerte in gemässigtem Ton, dass verschiedene befreundete afrikanische Staaten Israel 150 Instruktoren und | sich auf der Tagung von Caj Sachverständige ins Ausland sablanca „gezwungen gese- sandte, wobei sie ankündig- | hen hätten, für eine Resolu. te, dass der Rhythmus dietion zu stimmen, die uns ses Austauschs im Jahre 1961 noch gesteigert worden ist. Mit Beginn des neuen akademischen Jahres, so berichtete Golda Meir, werde Israel für afro-asiatische Studenten 30 Stipendien für Studierende und 20 Stipen. die für Akademiker an der Hebräischen Universität und am Technion gewähren. Ferner solle in der Universität ein medizinischer Kursus von fünf Jahren und im Technion ein vierjähriger Kursus für Landwirtschafts- WIE ICH ES SEHE I Ein Land gegen den Kontinent: .on JEHUDA COTTHEIMER Schicksalsschwere Wolken hängen über Afrika. Ein Kontinent ist erwacht, die afrikanischen Völker suchen ihre Menschenrechte, ihre Freiheit und nationale Unabhängigkeit. Im Norden und Süden, im Herzen des schwarzen Erdteils ringen die alten und die Kräfte um eine Entscheidung, die den bisher ver. sklavten und entrechteten Menschen eine neue Zukunft sichern sollen. Alle Mächte, die in diesen Tagen wirksam sind, haben den Versuch gemacht, sich in diesen Prozess der Neuwerdung eines Kontinents ein. zuschalten. Ost und West kämpfen miteinander um tungen beuge und Richtung, um; UN-Charter jedem Mitglied- Tito und Nasser grosse Reisen, da sie auch dabei sein wollen, wenn ei. ne neue, eine befreite Welt aufs neue verteilt wird... Inmitten dieser Auseinandersetzungen geht die Südafrikanische Union eigene Wege, die eben haben die United Nations in einer einstimmig angenommenen Resolution 174 gegen 0 Stimmen) einen Beschluss gefasst, das b«. tische Commonwealth aufzufordern, es möge seinen Einfluss geltend machen, damit Südafrika seine Halmachen Mehrheit durch eine zahle-nmässig geringfügige Minori tat. Neun Länder haben sich bei dieser Abstimmung ihres Votums enthalten, und es ist interessant, men dieser Sta» Grossbritannien lien, wollten sich nicht gegen ein Mitglied der .britischen Völkerfämilie” stellen, auch dann nicht, wenn sie dessen Politik ver. urteilen. Andere wiederum, Belgien, Frankreich und Portugal, befinden sich selbst in Konflikt mit eini- Schaden zufügt.” Aussenminister Golda Meir unterstrich neuerlich Israels Position im Kongo und wiederholte, dass „der! Kongo den Kongolesen ge- I hört und sie allein das! Recht haben zu entscheiden, j welches Regime sie wählen 1 wollen. Die Aufteilung der neuen Staaten wirkt sich j nicht zugunsten der afrikanischen Völker aus”. Hier! stellte sie fest, dass ..die 1 Kongofrage die Methoden Kairos aufzeigt, das nicht; nur mit politischen Mitteln j sondern auch mit Wühlereij | en operiert.” j Was Algerien angeht, so äusserte Frau Meir die j Hoffnung auf einen dauerj I haften Frieden, der sich auf j ' die von de Gaulle verkiinj i digfen Prinzipien stützen! i könne. Sie teilte der Knesset •.; mit, dass sie eine Reise in I :! die skandinavischen Länder : unternehmen werde und! würdigte das Hilfswerk dieser Volker, die in der Nazi- | Aera viele Juden;haben. KENNEDY WEIST.NEUE WEGE New York. — Die Möglichkeit, das die USA-Juden ihre Kinder für zwei Jahre nach Israel schicken, wurde jetzt von Präsident Kinnedy durch die Gründung seines „Friedens-Korps” geschaffen. Jugendliche über 18 Jahre können ihren Eintritt in diesen Dienst beantragen und darum ersuchen, im Rahmen desselben nach Israel geschickt zu werden. Es ist nur natürlich, dass jüdische junge Leute Israel als das Land wählen, in dem sie dienen wollen, denn sie werden dort sicher mit offenen Armen empfangen werden. Es liegt aber auch im Interesse der Vereinigten Staaten, dass die im Friedenskorps dienenden jungen Juden in Israel stationiert werden, denn ihre Anwesenheit dürfte dazu angetan sein, die Freundschaft zwischen beiden Ländern enger zu gestalten. Die jüdischen Eltern in USA werden in Zukunft keine Entschuldigung dafür vorzubringen ha. I ben, warum sie ihre Kinder nicht für ein oder zwei Jahre nach Israel schicken, denn sie im Dienst des Friedens-Korps ins Ausland zu schicken, wird heute I als ein Akt von amerikanischem Patriotismus angesehen. Und wenn die Entsendung junger Menschen . heute ein integrierender Bestandteil der Politik, junj gen Ländern Hilfe zu gewähren, darstellt, so kann man es als sehr wahrscheinlich annehmen, dass diese vom Präsidenten befürwortete Politik auch von ■ den zionistischen Gruppen ais die ihre proklamiert werden dürfte. Aus diesem Grunde wird die neue, von Präsident; Kennedy verkündete Politik als Prüfstein für die zionistische Bewegung in USA betrachtet werden müssen. Es wird sich erweisen, ob die zionistischen Füh- | rer in Nordamerika fähig sein werden, eine grosse Zahl von Jugendlchen für den Gedanken zu begeistern, in den Reihen des Friedens-Korps für ein oder | zwei Jahre nach Israel zu gehen, oder ob sie bei die. ser Probe versagen werden. Die Regierung trägt , nicht nur die Reisekosten für die jungen Leute, son- | dm sie sorgt auch für ihren Unterhalt in Israel. Ferner haben sie während der ganzen Zeit ihres Aufentj haltes auf die Dienste der nordamerikanischen Hilfs-! Organisationen Anspruch, und einem jeden Angehörigen dieses Korps wird ein monatlicher Entgelt gutgeschrieben, der zwischen 50 und 75 Dollar schwankt. Der Gesamtbetrag wird ihnen bei ihrer Rückkehr in die Vereinigten Staaten ausgezahlt. Das von Präsident Kennedy ausgearbeitete Friedensprogramm kann Israel eine Quelle erschliessen, aus der für eine gewisse Zeit kultivierte junge Juden aus den Vereinigten Staaten in das Land strömen. BORIS SMOLAR Dia Knesset nahm Budget an, das sich meidbaren Schritt. Hugh Gaitskell, der Führer der englischen Opposition, bemerkte zum Austritt Südgerettet fafrikas aus der britischen Völkerfamilie, dass hierin das eine Stärkung zu erblicken auf wäre. Auch er gab, wie Mc- Einfluss Politik und Macht, um Ab. satzmürkte und ideologische Gefolgschaft, um die Reich- , tümer dieser Länder und die Seelen ihrer Bewohner. Die , Abgesandten der Grossen tauchen in allen afrikanischen Hauptstädten auf, Rot- China schaltet sich ein, und tung in der Rassenfrage ängen ihrer afrikanischen Beehre und sich den Verpflich-; Atzungen und hielten es des- J ' wegen offensichtlich für angebracht, im südafrikani. die von dem tionen zu respektieren und der Stimme der Vernunft Gehör zu schenken, erklärte Südafrikas Ministerpräsident Hendrik Verwoerd den Austritt seines Landes aus einem Staatenbund, dem Südafrika seit 50 Jahren an. gebürte. Verwoerd will offensichtlich allein die „weisse” Politik der Unterdrüki afrikanischen Schritt eine! Stärkung des Commonwealth zu sehen vermag, | möge dahingestellt bleiben. In jedem Fall aber ist es eine Entlastung. Die Opposition im südafrikanischen Parlament verlangte inzwischen eine Debatte über den Schritt des kung und der Rassentren- Ministerpräsidenten, staat auferlegt worden sind. Selbstverständlich bedeutet dieser Beschluss nichts anderes als eine Verurteilung der Südafrikanischen Union wegen ihrer unveränderten rassistischen Politik der Ungleichheit und der Unterdrückung einer grossen Neue Plaene Dr. N. Goldmanns Jerusalem. — Dr. Nachuni Goldmann erklärte, er werde sich Ende April entscheiden, ob er sich in Israel niederlassen, die israelische Staatsbürgerschaft erwerben und sich aktiv in der neuen Liberalen Partei, die aufgrund der Fusion von Progressiven und Allgemeinen Zionisten organisiert wird, betätigen werde. Goldmann äusserte, er begriisse die Pläne für eine solche neue Partei wärmstens und hoffe, dass der Zusammenschluss auch wirklich zustande kommen werde. Er unterstrich, dass Zusammenschlüsse auch unter anderen Parteien dazu angetan wären, die übermässigen Divergenzen innerhalb der israelischen Politik zu verringern. j Ueber die Entschädigung für die österreichischen Naziopfer wies Dr, Goldmann auf die für den 9. April zwischen deutschen und österreichischen Delegierten ge. . plante Konferenz hin, die seiner Ansicht nach entscheidend sein könne. Sollten die Oesterreicher kein vernünftiges Angebot machen, so setzte er auseinander, so konnten die Deutschen die Verhandlungen abbrechen und ihren Beitrag direkt an die Vertreter der Anspruch stellenden 30.000 österreichischen Juden leiten. Hier unterstrich er. dass Deutschland sich eine lange Zeit hindurch weigerte, die Opfer der Naziverfolgungen in Oesterreich zu entschädigen, obwohl Naziopfer aus anderen Ländern berücksichtigt wurden, weil Oesterreich Hitler nach Deutschland „exportiert” habe. Ueber den Thronwechsel in Marokko äusserte Gold-, lig unhaltbar ist und gegen mann, er hege die Hoffnung, dass Hassan die von sei-; die einfachsten Menschennem Vater Mohammed den Juden gegenüber verfolgte rechte verstösst. Politik fortsetzen werde. (ITA) l Anstatt die Mahnungen alschen Streit eine Position zu bekleiden, wäh-; rend es vielleicht auf den ersten Blick nicht klar erkennbar ist, warum Länder i wie die Dominikanische Re- , ' publik. Spanien, Luxemburg 1 und Finnland nicht mit- , stimmten.! Auch ohne diese Aufforde. | rung stand die Frage Süd- ' atiika auf der Tagesordi muig der Beratungen, die! von den Ministerpräsidenten; aller Commonwealth - Mit- 1 glieder in London abgehal. ten wurde. Man wusste, dass insbesondere der britische Premier Harold Mc- Mi'lan seit langem darum bemüht ist, die Südafrikaner zu einer versöhnlicheren Haltung zu bewegen, die sich mit ihrer einseitigen Rassenpolitik gegen die. Weltmeimmg gestellt hatten und den Unruheherd Afrika durch provokatorische Mass, nahmen an den Rand schwerster und blutigster Auseinandersetzungen geführt haben. Aber McMillans Rolle als Vermittler wurde von den unerbittlichen und beschränkten südafrikanischen Politikern abgelehnt, die offensichtlich nicht begreifen wollen, dass ihr Standpunkt immer — und nicht erst jetzt — völneutrale , nung gegen alle Welt durch, I Hendrik Verwoerd der ei ' gen. die gemacht worden sind, dürfte feststehen, dass dieser Schritt der siidafri- I kanischen Union schwere Konsequenzen tragen wird. Als ein Sieg der Regierung Verwoerd ist er sicherlich nicht aufzufassen .obwohl worden sei. Ist dies wirl der Fall, so kann man daran die Blindheit ermessen, mit der diese Menschen geschlagen sind. Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass ein Volk in sein Unglück rennt, obwohl es gewarnt wurde. Dass durch diesen Schritt auch die Lage der in Südafrika lebenden Juden belastet wird, dürfte sicher führen, bis eines Tages die genmächtig gehandelt habe, , sein; sie sind als Bürger dieses Landes in ihrer Entscheidung über die innenpolitische Haltung frei, sodass jüdische Politiker auch in allen Parteiungen anzutref- (Schluss auf Seite 2) entrechteten Massen aufste- | zumal es bekannt sei. dass hen und sich mit Gewalt ihdie Mehrheit der Südafrika.; re Menschenrechte nehmen, ner ein Verbleiben des Landie ihnen zu Unrecht bis | des im Commonwealth beheute vorenthalten sind, fürworten würde. Nach den Verwoerd und seine Parteij ersten Eindrücken und wigenossen werden diejenigen derspruchsvollen Erklärun. sein, wenn sic diese Katastrophe überleben, die so- | — — fort die Schuld an solchem Geschehen bei anderen suchen weiden, bei den Kom- | munisten oder schwarzen „Hetzern”, die doch nichts i anderes verlangen als das ( Recht ihres Volkes. In Wahrheit aber sind es die j Verwoerds, die als Schrittj machet* des Kommunismus i an den Pranger zu stellen sind, die allein die Verant-; wortung dafür tragen, wenn eine unterdrückte Majorität! den kommunistischen Paro. j len glaubt und sich als Gej triebene dem kommunistischen System in die Arme wirft. An dem historischen Prozess der Befreiung aller Nationen und Menschen werden auch die Afrikaans nichts ändern; ihre Zeit ist i vorbei, auch wenn sie heute noch die Macht in ihren : Händen halten. McMillau ' sprach jedenfalls im Un. ' terhaus, das er kurz über ' das Ausscheiden Südafrikas aus dem Commonwealth unterrichtete, von einem bedauerlichen, jedoch unver- „ DER FALL NURIT ELDAD Jerusalem. — Das israelische Aussenministerium bestätigte die aus Argentinien stammenden Nachrichten dass eine israelische Frau vor einem Jahr im Süden Argentiniens ums Leben kam. Dagegen wurde die Version abgelehnt, dass die Tote von den Naris C5»iordet wurde, während sie bemüht war. den KZ- Arzt Josef Mengele, der in Auschwitz sein Handwerk getrieben hat, aufzuspüren. Die bonaerenser Zeitung „La Razön , die zuerst über die angebliche Verfolgung der Spuren Mengelos belichtete, hatte behauptet, die Tote sei mutmasslicherweise als Nora Eldoc. eine 48jährige Israelin identiifziert worden, deren Leiche auf einem Pfad des Cerro Lopez bei San Carlos de Baritoche gefunden wurde. Das Aussenministerium erklärte, die Israel-Botschaft in Buenos Aires sei im März 1960 durch die Schwester der Toten benachrichtigt worden, dass die 48jährige Nurit Eldad bei der Besteigung des genann- I teil Berges tödlich verunglückt sei. j -! Nach einer bei Schluss dieser Ausgabe roch u.ibe. i stätigten Nachricht, soll Dr. Mengele in Coronet Suä-! rez verhaftet worden sein. Die israelischen Behörden sind äusserst skeptisch, was die angebliche Suche nach Mengele betrifft und versichern, sie hätten keine irgendwie geartete Kennt, nis davon, dass Frau Eldad sich mit der Auffindung Mengeles beschäftigt habe. (ITA) ' * i \ ‘ >V * i t . » < » i \ \