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Jüdische Wochenschau · 1961-03-14 · 1860 (14.3.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1860 (14.3.1961)
Date
1961-03-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYKREDOK 2190 - 1? »*q- %’jenúuia JsSuu&Ma T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES, 14 DE MARZO DE 1961 No. 1860 Amerikaner muessen noch viel lernen Führende nordamerikanische und deutsche Erzieher sind bei einem kiirzlichen Treffen in Washington übereingekommen. dass eine von lebendiger Demokratie durchpulste y.imosphäre vonnöten ist. um das Leben in der Deutschen Bundesrepublik von den Schlacken der Nazivergangenheit zu befreien. Es wurde ferner festgestellt, dass die Erziehung immerhin nur einen Teil des Gesamtpanoramas erfasst und nicht nur verbesserte Lehrbücher über die Xaziaera aufklären sollten, sondern politische Integrität. Verantwortungsbewusstsein der Presse und gesunde soziale und häusliche Bedingungen, sowie die Freiheit als Lebensnorm erstrebt werden müssten. Wenn die deutsche Jugend heute einen Blick auf die Verhältnisse in USA werfen würde, welche Heuchelei müsste sie wahrnchyon MILTON FRIEDMAN men! So steht ein früherer Nazigeneral weiter im Dienst der USA-Armee, ob-; wohl sein Name mit dem Massenmord an 6 Millionen Juden befleckt ist. Ein USA- Diplomat verteidigt Marok. , ko vor dem Senatscomitc trotz der naziähnlichen Judenverfolgung in diesem Land. Ein liordamerikanii scher "Raketeningenieur fordert aus Gründen der Rasse zur Beleidigung einer Minderheits-Gruppe in den | Staaten auf. Ein iiberfiihrter Nazi-Kriegsverbrecher, der sich an jüdischer Sklavenarbeit bereichert hat, erj hält von Bonn und Washington wirtschaftliche Konzesj sionen. Arabische Studenten, | die mit nordamerikanischen ' Stipendien finanziert wer- : den. mischen sich als antijüdische Propagandisten in . nordamerikanische politische Fragen ein. i Der ehemalige NS-General Martin Unrein wurde vom USA-Verteidigungsministerium ..reingewaschen”, wie der Verband jüdischer USA-Kriegsveteranen festgestellt hat. Unrein unternahm den Versuch, Zweifel 1 an Dachaus Rolle als Todeslager der Nazis zu erwecken, indem er äusserte, ,,es wäre unmöglich gewesen, sechs Millionen Juden zu verbrennen, wenn man damit nicht schon im Jahre 1906 begonnen haben würde.” Die USA-Armee entschied, dass ,.der Fall abgeschlossen” sein. Marokkos an! ¡jüdische und prosowjetisehe Einstellung wurden von Washington angegriffen. Nicht jedoch von Charles W. Yost, der von seinem Posten als USA-Botschafter in Marokko zurückkehrte. Dieser verteidigte vielmehr Ma. WIE ICH ES SEHE ♦ | Verwirrung der Begriffe von JEHUDA GOTTHEMER Dass die Verwirrung der Begriffe, die voden Nazis systematisch betrieben wurde. immer noch nicht überwunden werden konnte, das ist nicht nur betrüblich, sondern auch bedenklich. Die Deutschen selbst schreiben viel über dieses Thema, das zum Gesamikomplex der sogenannten ..Unüberwundenen Vergangenheit” gehört. Man würde ungerecht sein, wollt, man behaupten. dass zwar viel über diesen Fragenkreis gesprochen, nicht aber viel getan werde, um die Sehlakken und Fehler, die aus dieser Vergangenheit in unsere Gegenwart hinüberragen. auszumerzen oder zu beseitigen. Es gibt Männer und Frauen, die sich ernst, haft darum bemühen, das Fundament für eine bessere Zukunft zu legen. — Wir erkennen uneingeschränkt das an, was getan worden ist; wir beobachten auch die Bemühungen, c!A heute von einigen Amtsstellen eingeleitet worden sind. Das aPes kann uns aber! nicht daran hindern festzui stellen, was alles versäumt j wurde. Nur. allzu berechtigt dürfte die Frage sein, war. i tim erst jetzt, warum erst i heute diese Anstrengungen gemacht werden. Aus wel-; chen Gründen hat man solange gewartet, um wenigstens diesen Versuch zur j Ueberwindung der unnber- . wundenen Vergangenheit zu machen? — Auch wenn man die bestehenden Schwicrig- , keiten berücksichtigen wollte, wird man auf diese Fra. I ge keine befriedigende Ant- ■ wort finden. Wertvolle Jahre ' sind verstrichen, ohne dass diejenigen Elemente aus dem öffentlichen Leben cli. j initiiert wurden, die an den; zahllosen Exzessen des Drit. j te-n Reiches erheblichen Anteil genommen haben. ] Alte und neue Nazis sind! darum bemüht, die heute eingeleiteten Aktionen als ' einen Akt der Rache hinzustellen, was völlig verfehlt Die lionistische Bewegung Jerusalem — Die zionistische Bewegung könnte der Weltjue’enheit einen grossen Dienst leisten, wenn sie die moralische Stärke aufbrächte, den Kern einer jüdischen Weltorganisation zu formen, so versichert Ministerpräsident Ben Ginion in einem Artikel, der in ..Dawar” zur Veröffentlichung gelangte. Ben Gurion führt aus, dass die neue Organisation ihre Ziele nicht nach den Ereignissen der letzten 60 Jahre ausrichten müsse, sondern nach der viertausendjährigen Geschichte des jüdischen Volkes. Das jüdische Problem ausserhalb Israels sei nicht dadurch zu lösen. ..die Juden zionistischer zu machen, wie es Mosche Sharett formuliert habe, der als Präsident des letzten Zionistenkongresses fungierte, sondern den Juden eine jüdischere Weltanschauung, eine festere Einheit untereinander und eine jüdischere Erziehung zu geben.” Nachdem Ben Gurion die Gefahren der Assimilation behandelt, verweist er im besonderen auf die nordamerikanische Judenheit. unter der eine Stärkung des jüdischen Gewissens und der Werte der jüdischen Geschichte vonnöten sei. die vor der Geburt des Zionismus schon bestanden haben. (ITA) ist und nur auf das Konto Propaganda gestellt werden muss. Mit Rachegelüsten hat diese ganzj Angelegenheit schon deswegen nichts zu tun, weil es keine Strafe geben kann, die den Massenmorden entsprechen würde oder eine Sühne für dieses Unrecht darstcllcn könnte. Mit diesem Argument sich auscinanderzusetzen, ist untediesen L’mständen überflüssig. Dagegen muss man an dem rcchtsstaatlichen Prinzip fcstlialten, dass jedes Verbrechen verfolgt werden muss, um das Recht wie. derhcrzustclien und die menschliche Gesellschaft vor Rückfällen in die Barbarei zu schützen. Dass über diese jüngste Vergangenheit nicht einfach mit einer Handbewegung oder mit Stillschweigen hinweggegangen werden darf, verlangen nicht etwa allein die politischen Gegner des zerschlagenen Regimes oder die Verfolgten, die das ihnen widerfahrene Unrecht nicht vergessen können, sondern die deutsche Ju. gend von heute, die immer lauter und dringlicher Auskunft über das furchtbare Geschehen verlangt. für das ihre Väter die Verantwortung träger. Vor einiger Zeit veröffentlichte die Zeitung „Die We t” einen Beitrag zu dieser Diskussion, der im wesentlichen aus einer Fülle von Fragen eines heute Zwanzigjährigen bestand, die in ihrem Inhalt und in ihrer Form ausser, ordentlich scharf vorgetra. gipi wurden. Er sagte u. a.: „Unsere Erzieher und Leiter meinen, die Vergangenheit durch Ignorieren und Vergessen ungeschehen machen zu können. Ungeschehen nicht für die Allgemeinheit, sondern für die persönlichen Belange ihres eigenen Wirkungskreises. Damit die Kr* 1' cke.i, auf denen ihre Autorität neben ih-! rokko und äusserte, Nord- ' amerikas Be .ehungen zu Marokko seien gut. Das Comité stimmte für die Ernennung Yosts zum USA- : Repräsentanten im Sicherheitsrat der UN. USA-Bürger chinesischen Ursprungs fühlen sich von Dr. Wernher von Braun, dem Raketenbauer, der für Deutschland arbeitete, beleidigt. Dr. .on Braun erhielt die nordamerikanische Staatsbürgerschaft und bc- : kleidet einen hohen Posten in der strategischen Forschung. Nach Ansicht von 200.000 chinesischen USA- ■ Bürgern, so erklärte Wan Chung Pah. „in Anbetracht i der Tätigkeit von Brauns , während des Krieges in Deutschland könne seine Be- : merkung schwerlich als ein i Fauxpas angesehen werden.” Der Chinese bezeichn net „diesen Zwischenfall als i besondérs bedauerlich, da die betreffende Bemerkung aus dem Munde eines I Staatsbeamten kam, dessen j Verlautbarungen ein Bei-! spiel für die gewöhnlichen : Bürger sein soL.en.” J, Alfred Knipp, ein iiberführter NS-Verbrecher, der systematisch jüdische KZ-! Häftlinge als Sklavenarbei-! tcr beschäftigte, erhielt! grosszügig eine zwölfmonatige Verlängerung der 1954! von den Alliierten ergange. neue Erlaubnis zum Betrieb seiner-Kohlen- und Stahlwer- . ke. Er bekam schon früher : verschiedene Konzessionen ' und sass nur einen Teil der j Strafe ab. zu der er verurteilt worden war. Heute 'stellt Krupp, eine führende INDUSTRIA PETROQUIMICA Jerusalem. — Un acuerdo para la construcción de plantas petroquímicas por valor de 16.000.900 dólares fué firmado entre el ministro de finanzas Levi Eshkol. y cuatro grupos de inversores. Entre estos se hallan dos compañías petroleras israelíes, las Refinerías de Petróleo de Haifa y Paz, que es sucesora de Shell. El grupo norteamericano consiste de la Corporación de Inversores Israelíes Max Fischer de Detroit, Ralph Wechsler de Nueva York y Rudolph Sonneborn, dueño de Sonol, la sucesora de Socony Vacuum aquí. El grupo latino-americano incluye a loel Ostrovlch, un industrial en plásticos, y Max Pfefler, industrial de papel, y un grupo de bancos israelíes integrado por el Banco de Desarrollo e Hipotecas y el Banco Israelí de Descuentos. SCHLOMO S. TANGER Petrochemische Industrie Jerusalem. — Ein Abkommen für den Bau von pofrochemischen Fabriken in Höhe von 16 Millionen Dollar wurde zwischen Finanzminister Levi Eshkol und vier Gruppen von Kapitalisten abgeschlossen und unterfertigt. Unter diesen befinden sich zwei israelische Petroleum-Gesellschaften, die Erdöl-Raffinerien von Haifa und Paz. welche die Nachfolgerin der Shell ist. Die nordamerikanische Gruppe besteht aus der Korporation für israelische Investitionen Max Fischer aus Detroit. Ralph Wechsler aus New York und Rudolph Sonneborn, dem Eigentümer von Sonol, der hiesigen Nachfolgerin von Socony Vacuum. Der lateinamerikanischen Gruppe gehört Joel Ostrovich. ein Fabrikant plastischer Artikel, Max Pfeffer, ein Papierfabrikan. und eine Gruppe israelischer Banken an. die von der Entwicklur.gs- und Hypothekenbank und der Israelischen Diskontobank gebildet wird. SCHLOMO S. TANGER i Wirtschaftsmacht in Westdeutschland dar. j Die Protestantische Kir- 1 che Westdeutschlands hat! gerade die Deutschen auf. gefordert, ihm Augen und . Ohren nicht vor den Ent- , hiiilungen des bevorstehenden Prozesses in Israel gei gen den Judenmörder ~üchjmann zu verschliessen.; Aber nicht nur Eichmann, 1 sondern das Regime, das ihn hervorbrachte, war i schuldig. Eichmann allein hätte den Massenmord von! sechs Millionen Juden nicht 'bewerkstelligen können. Der | Prozess, so betont die Synode, wird der. Deutschen erneut die Verbreche., der ' Nazis demonstrieren.; Der Prozess kann aber; auch dazu dienen, den Nord- ' amerikanern die gleichen ' Geschehnisse ins Gedächtnis zurückzurufen.! nen herhinkt, nicht noch uti. , sicherer und offensichtlicher werden. Denn auf alles : können sie verzichten, auf! Geschichte, auf Vcrgangcnj hei,t, nicht aber auf ihre dürftige Autorität, mit der sie glauben, uns Jungen ge. | genüber das Gesicht wah- : rer. zu müssen...” I Der Aufsatz des jungen "Menschen, der hier um Erkenntnis und Wahrheit ringt, ist in vieler Hinsicht i„teressr.nt; er bestätigt u. a.; auch die ungeheure Verwir. [ ning der Begriffe, die nicht überwunden werden konnte, , weil die Erwachsenen, die | damals mit dabei gewesen sind, diese ihre eigene Vergangenheit in Vergessen tauchen, wollen. Eine Jugend aber, für die das Leben ihrer Väter ein Vakuum ist. muss unsicher werden. Die Lage der Väter al>er wird immer unhaltbarer, je stärker dieser ^ugend das Vakuum der jüngsten Vergangenheit zum Bewusstsein kommt. Sie klagt an: „Ihr habt euch jedes Recht verwirkt, auch nur Kritik an uns zu üben, da ihr nicht einmal fühlt, dass ihr damit die traurigen Werke eurer eigenen Unzulänglichkeit kritisieren würdet. Die Stärksten unter uns werden Mitleid aufbringen können für die, die das Säubern ihrer Weste so beanspruchte, dass sie uns darüber vergassen.” Es ist die zwölfte Stunde herangerückt, um das ungelöste Prob’em der unüberwundenen Vergangenheit einer Klärung oder Entscheidung entgegenzuführen. Schon wieder besteht ■ die Gefahr, dass die Jugend i von radikalen Ideen ange-; zogen wird, weil man es | versäumt hat sic mit der Wirklichkeit, mit dem Le. : ben und mit der belasteten | Vergangenheit zu konfron-! ticrcn. Sic gesteht ihre Hilflosigkeit im \ngcsicht dic-! scr neuen, vor. den Aeltercn ■ aus menschlicher Unzulänglichkeit geschaffenen Silua.! tion: „Unsere Hilflosigkeit geht! oft so weit, dass es uns; leichter zu sein scheint, im | unfreien Teil unseres Vatcr- , landes zu leben, wo man! den Wunsch und die Sehnsucht nach der Freiheit in I Verantwortung wenigstens als Hoffnung im Kerzen hegen kann, als hier, wo mit i dem Begriff der Freiheit Schindluder getrieben wird. . und wo man mit ihr an- | scheinend nichts anzufan-; gen weiss.” — j Die Verwirrung der Be,! griffe mag-ein, andere als damals sein; sie ist aber j evident, wenn sich eine in! Freiheit lebende Jugend nach der Knechtschaft „im I unfreien Teil des Vaterlan. I I des” — gemeint Ostdeutsch- ' ' land — sehnt, um wenig-;; stens dann die Hoffnung auf : Freiheit hegen zu können.! | Das Wirtschaftswunder des j | Westens ist kein Ideal, das j , man einer Jugend geben kann. Die Rückkehr zu ei- I nem echten Humanismus aber wird sich niemals vollj ziehen, ohne dass die Verj gaiigenheit überwunden wird. Vergessen, Ignorieren I und Schweigen sind nicht! die Mittel, die zur Läutei rung oder zu einem neuen J idealistischen Denken füll. ren können. Es gibt nur einen Weg: Bekenntnis und Umkehr. In diesem Zusammenhang erhalten die Prozesse gegen die Uebeltäter des Dritten Reiches ihre besondere Bedeutung; hier finden sie — von allgemeinen rcchtsstaatlichen Prinzipien abgesehen — ihre innere Rechtfertigung. Diese Verfahren dienen nicht allein der Gerechtigkeit, sie erfüllen eine historische Mission zum Verständnis der Zusammenhänge, zur Erziehung kommender Geschlechter und zur Warnung für die ganze Menschheit. — Auch die Wahrheit festzustellen und festzuhalten ist eine der Aufgaben, die durch diese Prozesse gegen die ehemaligen Nazis erfüllt werden muss. „Von Hitlers Unschuld überzeugt” zu sein, erklärte vor kurzem 1 der heute 61 Jahre alte, ehemalige SS-Obergruppcufiihrer und General der Waffen-SS Erich von dem Bach.Zelewski.. der sieh gerade vor dem Schw'urgc- , licht Nürnberg wegen Tot. Schlags verantworten musste. Die Staatsanwaltschaft macht ihn für die Erschiessung des ostproussischeu Rittergutsbesitzers von Hoh. berg und Buchwald verant. wörtlich. Der früherer Fah. rer des SS-Oenerals Paul Zummach hat gestanden, am 2. Juli 1934 im Zusam- ' menhang mit dem Rühtn-! Putsch den von dem seinerzeitigen SS Oberabschnittsführer in Königsberg Bach. | (Schluss auf Seite 2) Mehr Juden verliessen Marokko Paris. — Ungefähr 12( jüdische Familien habei seit dem Tode König Mo hammeds V. das Lanc verlassen und sind nael Marseille gereist. wie jetzt bekannt wurde. Diese Nachricht. di< mit grösstem Interesse aufgenommen wurde, ha iie Aufmerksamkeit dei marokkanischen Presse besonders der antijüdi sehen, erregt und Anlas: zu einer neuen Kampagne gegen die marokkaui sehen Juden geliefert deren Entfesselung mil dem Besuch des General Sekretärs der Arabischen Liga, Abdel Halek Has suna. in Marokko zusam menfiel. (ITA)

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