Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1859 (10.3.1961)
- Date
- 1961-03-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PÜEYEREDON 2190 - 1? iiq. ¿a Jemcuta Jshaeüla T. E. 8 3 - 2 6 1 3 Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 10 DE MARZO DE 1961 No. 1859 ABTEILUNG 06 WURDE AUFGELOEST AUFLOESUNG DER ABTEILUNG 06 Tel Aviv. — Nachdem der Fall Eichmann für die Ge. richtsverhandlung abgeschlossen ist, wurde die Abteilung 06, die in den letzten neun Mon ten Beweise gegen den Verbrecher in drei Kontinenten sammelte, mit einer kurzen Veranstal. tung im Ijar-Camp, dem Gefängnis Eichmanns „irgendwo in Israel” im Landesnorden aufgelöst. Generalinspektor Josef Nachmias versammelte zum letzten Mal die Beamten im Gefängnishof, und dankte ihnen für ihre Arbeit, die über eine Tonne Dokumente, Erklärungen, Zeugenaussagen, etc. darstellt. Die Abteilung wurde am 29. Mai 1960 ins Leben gerufen, eine Woche nachdem bekannt wurde, dass Eich, mann sich in Israel befindet. Die Beamten begannen ihre Tätigkeit mit dem Lesen aller über Eichmann erschienenen Veröffentlichungen, einschliesslich der Prozessakten von Nürnberg und der Urteile gegen Nazis in Europa. Später wurden . 20 Unterabteilungen gebildet, von denen eine jede ein Land unter der Nazibesetzung zugeteilt erhielt, und eines dieser Büros beschäftigte sich mit den Ländern, in denen die Nazis oder ihre Opfer Zuflucht gefunden hatten, d. h. Südamerika, USA, Kanada. Verschiedene Beamte reisten nach Europa, um Nazidokumente aufzufinden. Allerdings wurden die Originalarchive der Nazis nicht lokalisiert, denn die Gestapo hatte methodisch alle Beweise vernichtet. Doch man verfügte über Kopien aller Gestapo- Dokumente aus dem deutschen Aussenamt, die sich auf die Länder ausserhalb Deutschlands bezogen. Diese waren nach England geschafft worden, und im Jahre 1954 von einer Delegation, bestehend aus Angehörigen des Ja« Washem und der Hebräischen Universität, geprüft worden, die von jedem dieser Schriftstücke eine Abschrift anfertigte. Die 400 Tonnen schweren Archive wurden später an Deutschland zurückgegeben. WIE SIE BEWEISE SAMMELTEN Die Abteilung 03 erschien aber auch in anderen Ländern, besonders in Osteuropa, wo man ihnen bereitwillig weitere Dokumente zur Verfügung stellte, manchmal sogar aus den Museen. Die Länder, die aus irgendeinem Grunde nicht direkt mit der israelischen Regierung in diesem Fall Zusammenarbeiten wollten, wie die Tschechoslowakei und die Deutsche Volksrepublik, lieferten ihr Material durch Vermittlung von antinazistischen Organisationen. Ein Teil dieses Materials bezieht sich direkt auf Eichmann, doch der grösste Teil WIE ICH ES SEHE Geistige Front des Westens] non JEHUDA GOTTHEIMER l. Die Nassersche These, er sei nicht gegen die Juden, sondern „nur” gegen Israel, hält keiner ernsten Kritik stand. Nasser ist zwar ein äusserst geschickter Jongleur, aber er bleibt als Usurpator ein Glücksritter des richtigen Augenblicks, der ohne eir. festes Programm seine Forderungen erhebt und seine Massnahmen ergreift. Hierin unterscheidet er sich nicht in der Auffassung der politischen Kräfte und Notwendigkeiten von anderen Diktatoren, die heute oder gestern versuchten, Weltpolitik zu machen oder in die internationalen Geschehnisse entscheidend einzugreifen. Jeder Diktator hat das Bestreben, seine treuen Anhänger in Sicherheit zu wiegen und ihnen das Gefühl zu verleihen, dass er, der „gottbegnadete oder gottgesandte Führer” über geheimnisvolle, übermenschliche, überirdische Kräfte verfüge, einen viel weiteren Blick als die gewöhnlichen Sterblichen in die Zukunft besässe und einer Eingebung, einer „Intuition” folge, an der andere Menschen nicht teilhaben können... Auch Nasser hat kein Programm. Wie andere Diktatoren vor ihm peitscht Nasser die Leidenschaften seiner Gefolgsleute durch Erzeugung von Hassgefühlen auf. Ohne den unbegrenzten, abgrundtiefen und letzten Endes nicht erklärbaren Hass, den Hitler gegen die Juden schürte, hätte er die Massen niemals gewinnen und i.i Bewegung setzen können. Diese Hasswelle erzeugt Nasser mit einer Auf. wiihlung m.onalistiseher, chauvinistischer Gefühle gegen Israel, das für die meisten Aegypter eine sagenumwobene Unbekannte ist, zu der sie keine oder nur wenige Beziehungen haben. Dennoch erreichte Nasser, dass bei der Erwähnung des Namens „Israel” eine wilde Hassvorstellung aufflammt, die gerade deswegen gefährlich ist, weil sie jeder realen Grundlage entbehrt. Nasser ist kein Antisemit, kein Judenfeind im üblichen Wortsinne. Er hätte auch persönlich jede Veran- Eine Ankündigung aus Wien Wien. — Die letzten Einzelheiten für ein Abkommen, durch das Westdeutschland zu einem österreichischen Fonds für Entschädigungen an die Opfer der Naziperiode in Oesterreich beitragen wird, sollen in einer Zusammenkunft von Funktionären beider Länder in Wien ausgearbeitet werden. Der Konferenz, die für den 7. April anberaumt wurde, werden der deutsche Aussenminister Heinrich von Brentano, der deutsche Fir .nzminister Franz Etzel, der österreichische Aussenminister Bruno Kreisky und der österreichische Finanzminister Heilingsetzer beiwohnen. Das Abkommen sieht vor, dass die deutsche Bundesrepublik einen Beitrag zu einem von Oesterreich zu erstellenden Fonds leisten wird, aus dem die Opfer politischer und rassischer Verfolgungen unter dem Naziregime entschädigt werden sollen. (ITA) lassung, ein Freund Israels zu sein, da er von Israe. lis während des Befreiungskrieges mit allen militärischen Ehren empfangen worden ist, als er über die Kapitulation seiner Truppe verhandelte. Für Nasser ist aber Israel das Medium seiner Macht. Sein (sinnloser) Kampf gegen Israel gibt ihm erst die Berechtigung seiner eigenen Existenz. Das mag scharf formuliert klingen, ist dennoch die Wahrheit. Ein Nasser, der nicht mehr gegen Israel agitiert, hat seine besondere Note verloren. Er hat aufgehört, interessant zu sein. In seinem eigenen Lande würde man ihn nicht mehr ernst nehmen, auch wenn er endlich die vielfachen Versprechungen erfüllen würde, die er für die Verbesserung des Lebensstandards der ägyptischen Bevölkerung gemacht hat. Im Grunde genommen gibt es zwischen Aegypten und Israel keine ernsten Konfliktstoffe oder erhebliche Interessengegensätze, die eine unversöhnliche Feindschaft rechtfertigen würden. Ist doch Aegypten noch nicht einmal ein arabisches Land, wenn man die üblichen völkischen oder rassenpolitischen Gesichtspunkte anlegen wollte. Die Aegypter sind keine Araber, obgleich Aegypten seit vielen Jahren de i Führungsanspruch in der arabischen Welt geltend macht. Um dieses vermeintliche Recht auf die Führung zu begründen und zu verteidigen, muss Nasser auch der erste im Kampf gegen Israel sein und bleiben... Nur nebenbei sei bemerkt, dass diese politische Konstellation eine unglückselige britische Schöpfung ist. Im Jahre 1945 sorgten die Eng. Länder für die Gründung der Berichte handelt von den Nazigreueln im allgemeinen. Die Abteilung 06 und die israelischen Botschaften im Ausland vernahmen 120 Zeugen, von denen 49 Personen registriert wurden, um möglicherweise bei dem Prozess auszusagen. Der Abteilungschef Abraham Selinger erklärte, die Liste sei nicht vollständig, und es könnten noch mehr Zeugen gerufen werden. Auf dieser i Liste stehen Leute, die mit Eichmann in Deutschland, Oesterreich und Ungarn direkte Fühlung hatten, sowie auch andere Namen. Selbiger betonte, dass kein Naziverbrecher als Zeuge von der Staatsanwaltschaft gerufen werden würde, wenn auch seine Aussagen in anderen Prozessen als Beweis vorgelegt werden könnten. Selinger fügte hinzu, der Katalog des Beweismaterials für diesen Prozess umfasse 200 Seiten. WIE EICHMANN VERHOERT WURDE Der einzige Mann, der Eichmann verhörte, der Vizekommandant Awner Lew, tat dies täglich fast sechs Stunden lang. Die Fragen und Antworten wurden auf Spruchband aufgenommen und später schriftlich festgehalten und Eichmann vorgelegt, damit er sie verbessern und unterschreiben könne. Die mit Maschine geschriebenen Antworten (Schluss auf Seite 3) der Arabischen Liga, wofür sich der damalige Aussenminister Anthony Eden besonders einsetzte. Welch’ eine Ironie der Geschichte, dass der Kampf gegen diese Liga und deren hemmungslose Polemik gegen ihren wahren ,Erzeuger’ das bisher letzte Kapitel in der politischen Laufbahn Edens wurde... 1945 jedenfalls sorgten die Engländer dafür, dass Aegypten, das nach dem Abkommen mit dem Scherif Hussein nicht zu den arabischen Ländern gehörte, in die Arabische Liga aufgenommen werde und eine Vorrangstellung erhielt, die zeitweise ausserordentlich umstritten war und heute nur noch von drittrangiger Bedeutung ist, da die Arabische Liga ihren Einfluss fast völlig eingebüsst hat. Der Plan der Arabischen Liga fusst auf der Idee des Pan-Arabismus, die bereits vom deutschen Kaiser in seinen Bemühungen um Macht im Vorderen Orient geschürt und gefördert worden ist. Heute ist diese panarabische Idee beinahe ohne jede Bedeutung, nachdem sie schon in den letzten Jahrzehnten immer mehr und mehr an Glanz und Gewicht verloren hatte. Vom Pan - Arabisrnus ist nichts anderes übrig geblieben als die leere Hoffnung, alle Araber unter der grünen Fahne des Propheten zu sammeln und ein einheitliches Reich zu gründen. Kein arabisches Land jedoch denkt heute daran, seine Eigenstaatlichkeit einer solchen unklaren und ver- EXHORTACION AL MUNDO UBRE Jerusalem. — Declaró aquí el Sr. S. Z. Shragai, jefe del Departamento de Ailá de la Agencia Judía, que los judíos marroquíes ya han perdido toda esperanza de hallar la más remota posibilidad de ser integrados en la vida de Marruecos. Dijo el Sr. Shragai que las informaciones que llegan a la Agencia Judía dan a conocer cada vez mayores persecuciones que se desatan en contra de los judíos marroquíes. Cientos de judíos habían ido aprehendidos no respetándose siquiera a los ancianos, las mujeres y los niños. El portavoz de la Agencia Judía exhortó al mundo libre para que salga a la defensa de los derechos humanos de los judíos de Marruecos. Pidió especialmente que se logre persuadir a las autoridades de ese país para que permitan a los 220.000 judíos residentes mantener siquiera una comunicación postal con los 120.000 parientes suyos que, con anterioridad, emigraron a Israel. SCHLOMO S. TANGER Ein Appell an die freie Welt Jerusalem. — Hier erklärte Herr S. Z. Shragai, Chef der Abteilung für Alija der Jewish Agency, dass die marokkanischen Juden schon jede Hoffnung verloren haben, die entfernteste Möglichkeit zu finden, in das Leben Marokkos eingegliedert zu werden. Shragai teilte mit, dass die Informationen, die der Jewish Agency zugehen, von immer grösseren Verfolgungen berichten, die gegen die marokkanischen Juden entfesselt werden. Hunderte von Juden wurden festgenommen, wobei man nicht einmal alte Leute, Frauen und Kinder schonte. Der Sprecher der Jewish Agency rief die freie Welt auf, zur Verteidigung der Menschenrechte der Juden von Marokko aufzutreten. Er bat vor allem, man solle die Behörden dieses Landes davon zu überzeugen versuchen, dass sie den 220.000 dort ansässigen Juden wenigstens die postalische Verbindung mit ihren 120.000 Verwandten gestatten sollten, die schon früher nach Israel ausgewandert sind. SCHLOMO S. TANGER schwommenen Idee zu op. fern. Nassers Aspiration, als Führer der gesamten arabischen Welt anerkannt zu werden ,ist deswegen in zwiefacher Hinsicht sonderbar: erstens weil Nasser gar kein Araber ist, und zweitens weil die arabische Welt, das sind die einzelnen arabischen Länder, überhaupt nicht am Bestehen eines einheitlichen arabischen Grossreiches interessiert ist. Die Wirklichkeit lehrt, dass es in unserer Gegenwart einen Fan-Ar ubismus nicht gibt. II. Diktatoren fühlen Unsicherheit stärker als andere Menschen. Nasser empfindet eine — schwer zu definierende — Unsicherheit im Angesicht des Präsidentenwechsels in den Vereinigten Staaten von Amerika. In solchen Phasen der Entwicklung tritt die Nervosität des Diktators durch besonders laute Erklärungen und hohl tönende Drohungen in Erscheinung. Welche Rolle wird Kennedy im Bereich Nassers zu spielen versuchen?, das ist die Frage, die nicht nur Aegypten im jetzigen Zeitpunkt beschäftigt. Nasser reagiert in dieser Situation primitiv; schon in der Unsicherheit erblickt er eire Erschütterung seiner Position und versucht sich zu verteidigen und' zu schützen, ohne angegriffen zu sein. Das sind die wesentlichen Ursachen für die Prognosen, die von vielen Beobachtern in- Kairo angestellt worden sind: Verschärfung des Kurses gegen Israel, verstärkter Argwohn gegen den Westen und weitere Anlehnung an den Osten. Die Haltung der arabischen Länder und die Politik Nassers entspringt ausschliesslich opportunistischen Motiven. Mit Ueber. zeugungen haben die östlichen Bindungen nichts zu tun. Nasser verfolgt ganz offen die Kommunisten in seinem Lande. Wir stehen vor einem merkwürdigen Bilde: Nasser, der beteuert, kein Gegner der Juden z,u sein, hasst Israel. Der gleiche Nasser, der mit dem Kreml, der Zentrale der kommunistischen Welteroberungs - Pläne, paktiert, sperrt die Kommunisten in seinem Machtbereich ein und verfolgt sie. Eine so widersprüchliche Politik zu machen, ist nur ein Diktator imstande, der niemandem Rechenschaft abzulegen hat. Noch komplizierter wird die „geistige Position” Nassers bei Berücksichtigung der islamischen Interessen. und Ideenwelt, die mit dem religionsfeindlichen Kommunismus unvereinbar ist. Trotzdem versucht Nasser immer wieder, sieh auch zum Führer des Pan-Isia. mismus aufzuspielen, der über den Rahmen des Pan- Arabismus naturgemäss weit hinausgeht, da er auch alle nichtarabischen muselmanischen Länder umschliesst. Die meisten der islamischen Länder stehen in scharfem Gegensatz zu Russland und China, in denen sie ihre Feinde erblikken, die Feind ihrer Religion und ihrer Lebens uf. (Schluss auf Seite 2) USA-Botschafter in Israel Washington. — Präsident John F. Kennedy kündigte an, er'beabsichtige, Walworth Barbour zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Israel zu ernen nen. Barbour ist Berufsdiplomat, und hat in Kairo und Bagdad Erfahrungen gesammelt. Barbour, der gegenwärtig einen hohen Posten in der diplomatischen Vertretung in London bekleidet, ist der Nachfolger von Ogden Reid. Er tat mehrere Jahre Dienst in Italien, Griechenland und Bulgarien Im dahre 1941 wurde er zum Chefadjutanler für südeuropaische Fragen befördert und 1949 zum Botschaftsrat mit Ministerrang nach Moskau entsandt. Von 1951 bis 1953 war er Direktor für osteuropäische Fragen im State Department und 1951 Beigeordneter Staatssekretär. An seinem heutigen Wirkungsort, London, ist er seit 1955. Lr ist 52 Jahre alt, Junggeselle, and seine Ernennung wird dem Senat zur Bestätigung zugelcit'''t i ITA)