Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1858 (7.3.1961)
- Date
- 1961-03-07
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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» HANCl JfcO H/.v*Al>C Canc««ióo 908 < C Csaosión 1629 TARIFA REDUCIDA SEMANA ISRAELITA Ano XXII. BUENOS AIRES. MARTES 7 DE MARZO DE 1961 No. 185S EL ejembla; •n toda la Rapubli/- 4. Butnoi Aíra« PUEYRREDON 2190 1» iaq. T. E. 93 - 2813 Zwischen und Radikalismus Kürzlich konnte Gesundhe:i$rrvnisier Barsilai sich an der Einweihung e'ner neuen Kbnik im arabishen Dorl-: Gat im nördlichen Dreieck und an der Feier der 1000. Geburt im Gesundheits-Zentrum in Baltaa el Gharbie beteiligen. Beide Veranstaltungen, die aut die Hebung des Gesundheitszustandes bei den Arabt-rn und aut ihren Fortschritt im allgemeinen hlnweisen. wuiden mit Reden gefeiert in denen die anwesenden arabischen Vertreter ihrer Loyalität gegenüber dem Staate Ausdruck gaben. Fast gleichzeitig wurde jedoch bekannt, dass eine Gruppe a rabischer Radikaler eine Denkschrift an den politischen Sonderausschuss der UN gesandt hatte, der sich mit cer Frage der arabischen Flüchtlinge befasst. In diesem Memorandum werden schwere Vorwürfe gegen die Regierung Israels erhoben. und die Verfasser der Denks'hrift wollen beweisen dass von einer Gleichberechtigung der Araber in Israel keine Rede sein könne Es wird darauf hingewiesen, dass Israel Boden beschlagnahmt hält, dass das Militär-Regime mit seinen Begrenzungen weiter in Ki.rft ist. dass das Eigentum der r oslemischen Stiftungen nicht lielgegeben wird, dass es an Ausbil-dungsmögticnkeiten und Lehrbüchet n mangelt und dass schliesslich der Staat die Araber „quält";ndkm er sie /.ur Zahlung von EitiK.'mmcr.- tNc’.cr r.Ö! igen will. Bis heute ist nicht sicher, wer Irn eize nen dieses Memorandum an d e UN unterschrieb. Die Namen einiger Unterzeichner wurden jedoch ockanr.l Zu ihnen gehört de- Anwalt Elias Krssa aus Haifa, der 1948 eine liöe’-st zwielichtige Rule;p:e'te und sich in den letzter. Jahre l immer als radisaie~ arabischer Nstiona’.st au (spielte, ferner so'len d e arabieh? Schriftstellerin Frau Al Asmar und der Bärgenveister von Snafr Am Al Jabar die Beschwerdescnr.it gebilligt haben. Der Bl’tgermeister von Shafr Am; erklärte allerdings spä'cr.' er ..könne sich nicht erinnern ob er seinen Namen : unter das Dokument gesc'zt 1 habe. Ferner sollen Mi*g iednr der nationalistischen 1 Gruppe „Al Ard" zu een j Initiatoren der Denkschr ft gehören.! Die Uebersendung die-cs ,! Dokumentes weist auf eine | ■ neun Aktivität radikaler Elemente im arabischen La- ■ ger in Israel hin, nachdem I längere Zeit politische Ruhe 1 geherrsc.it hatte- Die natio- I nalistischen Elemente hatten ‘ , sich zurückgehalten. seit. i die Gerichte die Publikation j der B’ätter von „Al A. d“ i verboten hatten. Die Kommunisten wiederum hatten in der arabischen Bevö'serung an Einfluss verloren, seit sie in ihrer Zeitung „AI Htihad" Kassem unterstützt es weivgstens schon 12,5 c. Die hohen Misserfolgsraten sind auf noch mangel tue Qualität der Schulen und fehlen geeigneter Lenrer und : guten Untcrrlehtsmateria's tution ist es, die die Un/.u- , darauf hinweisen, dass heu-; zurückzuführen. Geduld ge friedenheit im arabischen! te 25 Klin ken (darunur jahrelange Arbeit ist aot- Sektor schürt und den Na- . zwei Gesund’.ieitszentrenl i vendig, um in den arabischen tionalisten Zulauf bringt. und 44 Stationen für Müt- ■ Schulen den gleichen Stan- Regierungskre.se haben zwar; terfürsorge in den arabischen <äal'd wie in den jüdischen und Nasser angegriffen hat. mehrfach weitere Lockerun- 1 ten. . gen des Militär-Regimes In der letzten Zeit wu~de versprochen, doch in den Nasser in der Zeitung der letzten Monaten wurden Orten sieben bestehen, gegenüber! zu erreichen. Die Tatsache Kliniken und sechs der Abschneidung der arabiarabisci.en Kommun sien weiterhin mehrfach scharf attackiert, und die Kommunisten wollten das verlorene Terrain wieder gewinnen. indem sie ihr B.t.tt zweimal in der Woche siatt wchentlic-h erscheinen Hessen. Aber bei den zu Nasser tendierenden Schichten fan- , den s’e keine Gegenliebe, i Diese Elemente haben jetzt einen neuen Versuch unternommen. sich zu organ’s eren. und dem Innenministerium liegt ein regelrechter Antrag auf Zulassung einer; bürgeiTeh - nationalistischen arabischen Partei vor. Wird ihre Gründung genehmigt so wäre es die erste nur von Arabern lohne Anlehnung an eine jüdische Gruppe! gebi’dete Partei. Die nationalistischen Elemente im arabischen Bevclkerungstei! haben sich die Reden der arabischen Delegierten im politischen Senderausschuss der UN zunutze gemacht. um ihre Agitation zu verstärken. Sie können immer wieder auf die Begrenzungen frnweisen, die das Militär-Regime mit sich bringt. Diese Ins.ikeine Aenderuogcn vorgenommen. Auch innerha'b der Mapai Mütterstationen im Jahre 1955. Die Sterblichkeitsrate ging in dem gleichen Ze trsum von 6,8 pro Tausend auf 5,6 zurück und im Dreiselbst gibt es heute Kre'se. | eck sogar auf 3.5. Auch i’.e die das Militär-Regime für Süuglingssterbliankeit fiel nutzlos und unzweckinäsng 1 scharf ab. 90 % der Frauen halten und glauben, dass die in Bakaa el Gharbie g?bä- Sicherheit des Staates anch.ren heute in der Klinik (und ohne Ausstellung eder V :r-1 erha'ten die Mutterschaftsweigerung von Reise-Tebeihilfe des Bituach Leutra', willlgungen gewährleistet Im ganzen arabischen Jiwerden kann. Auch jetzt schuw gehen heute 40 c:c können arabische Jugendli- | der Mütter in dl« Gebürtenirn che, wenn sie wollen, in a. abische L änder flüchten, und sie warten nicht auf Passierscheine. Auch h?ute kann der Bürgermeister von Kafr Jassif Jani Jani antiisraeiikliniken gegenüber 4 Jahre 1950. Der wirtschaftliche Fortschritt und der Rückgang der Arbeitslosigkeit im arabischen Sektor sind unvr-ische Propaganda betreiben, kennbar. Die Araber be- und das Miiitär-R«gime erschweren sich zwar oft über weist sich nicht als das gei Mangel an Bildungsmögliehjpete Instrument, um inm i keiten. aber andererseits hat zP1?en> welche ei Halt zu gebieten. Das Verschwinden des Peschwerdepunktes Militär- Regime würd« nämlich eist die Araber dazu veranlassen, die Vorteile gerechter zu beurteilen, die sie im Staate geniessen und den erzielten wirtschaft'ichen Fortschnft wirklich zu würdigen. Ge-! — -—— ~~ sundheitsminist9r Barsnai; Registro de konnte z- B. bei den eingangs ierwähnten Veranstaltungen impreso en la Imprenta POLIGLOTA I die Mittelschulerziehung oei; I ihnen mit grossen Schwierig- ■ keiten zu rechnen. Die Schü- . i 1er der Mittelschulen und \ Gymnas'en fal'en in grosser, , Zahl bei der Reifeprüfung 1 durch. Im vorigen Jahr hati ten nur 7,5 % der Schüller i Erfolg, in diesem Jahre sind sehen Schulen Israels von denen in der arabischen Welt, macht sich natürlich bemerkbar, aber diese Isolierung kann man nicht der Regierung Israels zur Last legen, denn sie geht nicht von ihr aus. Immerhin sind auch in der Heranziehung der in-ellektuellen Elemente Erfolge zu erzielen, iri kürzlich kernte wieder ein arabischer Student sein ArztdipLm an der Hebräischen Universität erhalten. Der Student, der aus Kafr Jassif ptammt und der perfekt Hebräisch beherrscht, sollte sich im Krankenhaus von Tel Haschomer vervcllkommen um dann in sein Dorf zurückkehren. Diese wenigen Beispiele positiven Momente im arabischen Sektor vorhanden sind — eine elastischere Politik in der Frage des Militär-Regimes könnte sie weiter unterstreichen und den Loyalen ihre Position gegenüber den radikalen Nafonalisten wesentlich ei leichtern. la Propiedad Intelectual No 656.635 Rivadavia 831 Am Lagertor von Auschwitz Das Tagebuch des SS-Arztes Dr. Kremer — von Herbert Küsel ZUM EICHMANN - PROZESS Schluss) | .. ABENDS GEBACKENE SCHLEIE Wie läuft das alles nebeneinander her in den Aufzeichnungen dieses Tagesbuchs, das Grässliche und die schäbigste Nüch-; ternheit: ..Als Arzt bei der Ausführung , der Prflgelstraie an acht Häftlingen und j bei einer Erschiessung durch Kleinkali- ber zugegen. Seifenflocken und zwei Stück Seife erhalten ” Haben wir nicht den Weg j des Schreibers ein wenig verfolgt, draus«en in dem anderen Leben? Juli 1929: > Habilitation für Anatomie. Ein Katheder.; das Institut, der Famulus. Wohin hat das Schicksal dich verschlagen?, denkt er das! nicht manchmal? 1 9 September 1942: Abends bei einer ( Soi.deraktion zugegen. - l 10. September 1942: Morgens bei einer; Sonderaktion zugegen. j Denkt er das nicht manchmal? Wohin j da« Schicksal ihn verschlagen habe? Juj li 1929. dunkler Anzug. Händedruck, der Dekar. Spektabilität. I 20. September 1942: Sonntagnachinit- I tag. 3—6: Konzert der Häftlingskapelle. j Kapellmeister: D'rcent der Warschauer! Staat«oper: achtzig Musiker. j Mittags ga„’s Schweinebraten, abends ( gebackene Schleie. 23. September 1942: Heute nacht bei der sechsten und siebenten Sonderaktior. Morgens Obergruppenführer Pohl mit Gefolge eingetroffen. Wohin hat das Schicksal mich verschlagen? 17. .September 1942: Bei der Kleider. ka«“-e in Berlin bestellt: Ailwettermantel rach Schneidermassen, bis Ellenbogen 51. ganze Aermeläng-e 81. Gesäss 124. Heute das I’rauenlager Birkenau besucht. \u« einer Niederschrift von Hi>ss. dem Kommandanten Frühjahr 1946: .. während in Auschwitz wir uns bemühten, die Opfer zum Narren zu halten, indem sie glaubten, dass sie ein Entlastungsverfahren durchzumachen hatten. Natürlich erkannten sie auch häufig unsere wahren j Absichten, und wir hatten deswegen ■ manchmal Aufruhr und Schwierigkeiten.” Im Tagebuch von Goebbels, 27. März i 1942: .. . ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren, und von den Juden selbst bleibt nicht j mehr viel übrig.” Der Höhere SS-und Po. lizeifiihrer Glabocnik. wohlerfahren in j Aussiedlungen, hinter denen sich nichts anderes als die kälteste Vernichtung ver- , borgen hielt: .. . dass man Bronzefafeln versenken sollte, auf denen festgehalten ist. dass wir den Mut gehabt haben, die- , ses grosse und so notwendige Werk durch- I zuführen.'' | STACHELDRAHTKAEMPFER j Dahin bist du verschlagen worden vom ( Schicksal, blind und verblendet. Kremer. ' Johannes. Professor zu Münster, einge- , schrieben bei der Partei am 30. Juli 1932. j Beisitzer beim Gaudisziplinargericbt des Aerztebundes. Dr. phil. und Dr. med.. em. | sig zugetan der Gewebeforschung, den I Vererbungsgesetzen, den Beobachtungen bei stummelsehwänzigen Katzen aus eii ner Zucht in Hin orpommern und bei den Froschpärchen. 30. September 1942: Heute nacht bei der achten Sonderaktion zugegen.! Ein Hauptsturmführer erzählt mir auf Befragen: Länge zwölf Kilometer. Breite i acht Kilometer, zweiundzwanzigtausend Morgen gross, davon zwölftausend Morgen unter dem Pflug, und zweitausend > Morgen Fischteiche. 3. Oktober 1942: In Auschwitz liegen ganze Strassenzüge an Typhus darnieder. Obersturmführer Schwarz an Fleckfie.; ber erkrankt. | 6. Oktober 1942: Kommandant Höss vom Fferae gestürzt. j 7. Oktober 1942: Bei der neunten Soni deraktion (Auswärtige und Muselweiber);zugegen. 9. Oktober 1942: Erstes Paket mit neun Pfund Schmierseife nach Münster abgeschickt. Regenwetter. 10. Oktober 1942: Lagersperre geht weiter. 11. Oktober 1942: Heute. Sonntag: Ha. senbraten. eine dicke Keule, mit Mehlklössen und Rotkohl für 1,25 RM. 13. Oktober 1942: Bei einem Strafvollzug zugegen und danach bei der Exekution von sieben polnischen Zivilisten. 14. Oktober 1942: Wetterschutzmantel von Berlin erhalten. 15. Oktober 1942: Heute nacht ist draui ssen der erste Reif gefallen. 17. Oktober 1942: Bei einem Strafvoll- | zug und elf Exekutionen zugegen. Lebendfrisches Material entnommen. | Ein paar kurze Urlaubstage zwischen, j drein in Prag Auf dem Markt: Druckknöpfe, eine Kartoffelreibe. Dann einige Aufnahmen von der Burg. ..Besonnung; sehr launisch”. Ein Hauptsturmführer er. j zählt die neuesten Berliner Witze. Dann geht es noch einmal. 8.10 Uhr: Schnell-; zug Mährisch-Ostrau. ins Lager zurück: ..sofort ins Führerheim, wo ich mich mal wieder so richtig rundherum satt ass.” j 10. November 1942: Heute erster leich-1 ter Schneefall. - j 13. November 1942: Lebendfrisches; Material (Leber. Milz und Pankreas' von; einem vorher fotografierten, stark atro-1 phisehen jüdischen Häftling von achtzehn Jahren entnommen. (Häftling Nummer 68030'. | 14. November 1942: Im Gemeinschaftshaus Varie'evorstellung; ganz gross. Tanzende Hunde, krähende Zwerghähne. | 15. November 1942: Vormittags bei ei- . nem Strafvollzug zugegen. | 16. November 1942: Ein Paket Schmierseife (rund zwölf Pfund) mit 300.— RM Wert an Mia und Gleichen abgeschickt. Am nächster. Tag werden die Sachen zusarnmongepacl t; im Koffer: Nagelzangen, Jodflaschcn, Röntgenbilder, Lebertran, Umschläge. Stopfwolle, Zahnpulver. Abends Schneegestöber. Abschied bei den Kameraden im Revier und im Krankenbau: „alles alte ,Stacheldrahtkämpfer’ und ,KZ Hasen'.” 18. November 1942: Abfahrt nach Prag, 13.28 Uhr. Ueber Dresden. Leipzig. Hannover, Osnabrück geht es heim nach Münster. Unsere Geschichte ist zu Ende. Da kommt uns in den Sinn just um die gleiche Zeit etwa, im Herbst 1942. trug es sich zu. dass alle Verlassenheit auf Erden in den schönsten Schutz genommen würde. Auf einem alten Flugfeld irgendwo in der Ukraine waren ein paar Gruben ausgehoben worden. Fünftausend Menschen, alle mit dem gelben Tuchfetzen auf den Kleidern, solange sie ihnen noch gelassen waren, kamen dort bitter, lieh elend um. Wir wissen davon, weil zufällig ein Zeuge das verborgene Geschehen beobachtete: Es war ein Deutscher. wie die Peiniger auch. Den Ge schundenen, die man in Trupps auf Lastwagen in die Einsamkeit hinausgefahren hatte, wurden stumpf die Stellen bezeichnet. wo sie ablegen sollten, was sie am Leibe hatten. Schweigsam folgten sie dei Weisung Männer. Frauen und Kinder Dann standen sie in Gruppen beeinander. nahmen Abschied und warteten. Eine alte Frau mit schneeweissem Haar, so erzählt uns der Bericht, hob ein kleines Kind auf den Arm und sang ihm etwas vor. Nicht weit davon stand ein Vater, hielt seinen Sohn an der Hand, ... und jetzt folgen wir der Erinnerung in ihrer Einfalt Wort um Wort, hielt ihn an der Hand, einen Jungen von etwa zehn Jahren. sprach leise auf ihn ein. Der Junge kämpfte mit den Tränen. Der Vater zeigte mit dem Finger zum Himmel, streichelte ihm über den Kopf und schien ihm etwas zu erklären. So geschehen, damals zur Zeit von Auschwitz, im Herbst 1942; auf einem alten Flugfeld irgendwo in der Ukraine. Bei den Gruben,