Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1858 (7.3.1961)
- Date
- 1961-03-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 - 1? izq Jh. Jewuuta j&uaeliicL Año XXII. BUENOS AIRES, MARTES 7 DE MARZO DE 1961 No. 1858 Eichmanns unmittelbare Verantwortung Gegen rias Verallgemeinern der Beschuldigung, dass Eichmann für die Ermordung von Millionen Juden verantwortlich ist, wird manchmal der Einwurf erhoben, dass er innerhalb eines Systems, einer Mord, maschinerie. nur ein Rad gewesen sei. Aufträge erhalten und ausgeführt habe, und dass sein Anteil an der verbrecherischen Initiative gering gewesen sei. Wir wollen daher hier einen kleinen Ausschnitt aus Eichmanns Aktivität im Jahre 1942 geben, um aus seiner ¡aufenden, täglichen Tätigkeit herauszuheben und deutlich vor Augen zu führen, dass er in diesem Falle — wie in all den tausenden anderen, ähnlichen Fäl. len — im Massenmord von Juden durchaus initiativ gewirkt hat und jede Gele, genheit ausniitzfe zu verschärfen. Wenn wir hier auch nur einen kleinen Ausschnitt aus der Ermordung der Juden Frankreichs aufzeigen. so gib*, es doch entsprechende Parallele in der Aktivität £iehmanns bezüglich der Juden Rumäniens, Ungarns, der Tschechoslovon MELK FAEKUEK, fei Aviv wakei und vieler, vieler an. derer Länder. ] Bei Yad Washem in Jerusalem befinden sich Dokumente, die dem .Büro 06’ zur Vorbereitung der Anklage zur Verfügung gestellt wurden, wie beispielsweise drei Briefe Lichmanns, deren Inhalt wir hier veröffentlichen wollen: i Ein geheimer Schnellbrief Eichmanns an das Auswärtige Amt zu Händen von Legationsrat Rademacher, datiert vom 9. 3. 1942 betreffend .Evakuierung von tausend Juden aus Frankreich’ unter Bezug auf eine Besprechung. die zwischen beiden am 6. 3. 1942 stattgefunden hatte, folgenden Wortlautes: I ,.Es ist beabsichtigt, 1.000!Juden. die anlässlich der am 12. 12. 1941 in Paris durchgeführten Sühnemass. nahmen für die Anschläge auf deutsche Wehrmachtsangehürige festgenommen ■ wurden, in das Konzentrationslager Auschwitz (Oberschlesienl abzuschieben. 1 Es handc’: sich durch.! wegs um Juden französi. , scher Staatsangehörigkeit , bezw, staatenlose Juden. Der Abtransport dieser 1.000 Juden, die z. Zt. in einem Lager in Compiègne 1 zusammengefast sind, soll am 23. 3. 42 mit einem Son. derzug erfolgen.! Ich wäre für eine Mitteilung. dass dort keine Bs- 1 denken gegen die Durchführung der Aktion bestehen, ' dankbar. 1 Dieser Brief beweist u. a. eindeutig, dass die Initiative zum Abtransport dieser tausend Juden nach Auschwitz von Eichmann aus. ging, und er sogar Bedenken gegen dia Aktion seitens des Auswärtigen Amtes befürchte. Diesem Schreiben folgte ein zweiter geheimer Sclinellbrief zwei Tage naeher. am 11. 3.:; ..Im Nachgang zum hiesigen Schnellbrief vom 9. 3. 1942 wird mitgeteilt, dass ausser der am 23. 3. 1942 vorgesehenen Evakuierung von 1.000 Juden aus Com. j piegne in Zeitkürze weitere 5.000 staatspolizeilich in Er- I schoinung getretene Juden 1 aus Frankreich in das Kon- WIE ICH ES SEHE Eine neue ♦ 4 4 4 4 4 4 4 Welt im Werden “^♦444-*^4-44<*-4-^4^^4^* ♦♦♦♦♦♦♦♦♦ * ■on JEHUDA GOTTHEIMER J Aufgabe und Verpflichtung aller verantwortlichen und denkenden Menschen ist es, den Versuch zu machen, dass diejenigen Lebenbedingungen geschaffen werden, die dem steten Wandel der Zeiten angemessen sind. Dass wir uns heute in einer Epoche des Umbruchs, der Wende, der Umgestaltung befinden, darüber bestehen nur noch geringe Zweifel. Alle sprechen hiervon, ohne die notwendigen Folgerun. gen zu ziehen. Die bisher geführten Gespräche und Verhandlungen, die jetzige Politik, die wenigen bekannt gewordenen Planungen der Zukunft sind unzureichend und mangelhaft, da sie nicht den Gegebenheiten des Augenblicks und noch weniger den Möglichkeiten einer künftigen Entwicklung Rechnung tragen. Von Zeitenwende haben beinahe alle früheren Generationen gesprochen, und wahrscheinlich ist eine solche Auffassung berechtigt gewesen, denn noch niemals waren die Verhältnisse, unter. denen Menschen und Völker lebten, statisch. Ein kluger Beobachter seiner Zeit, Friedrich Fürst Schwarzenberg schrieb im Okfober 1S46. also vor wenig mehr als hundert Jahren in sein Tagebuch: ..Die modernen Staatsmänner und Diplomaten kommen mir vor wie Leu. te, welche emsig bemüht sind, an einem baufälligen Hause, dessen Daehstuhl Strafe für Antisemiten Stockholm. — Der Führer der skandinavischen neonazistischen Partei in Malmö, Assar Aredsson. wurde kürzlich wegen antisemitischer Arusserungen zu r>0 Kronen Geldstrafe verurteilt. UTA; brennt, in welchem alle Fu- I gen krachen und die Keller I voll Wasser stehen, mit rastloser Emsigkeit die Fensterscheiben putzen und die Jalousien schön grün färben.” Man kann nicht behaupten, dass diese herbe Kritik au der Tätigkeit der Staatsmänner von damals nicht auch heute ihre Bereehti. j gung haben ■würde. Noch 'nicht einmal die Bemühung 'ist feststellbar, die Fassa- | den angenehm anzustrei- ^■hen, um wenigstens nach j aussen den Eindruck zu er. ■ wecken, dass das Haus, in dem die Menschheit lebt, 1 in einem würdigen Zustand I ist. Keine ernste Anstren-! gung kann beobachtet werj den, um die heraufziehen- I den Gefahren zu bannen I und die Voraussetzungen zu schaffen, die den physischen Weiterbestand der | Menschheit sichern könnten. Dabei sind sich alle .'darüber einig, dass wir vor ' der Frage stehen, die mit der einfachen Formulierung „Sein oder Nichtsein” I am deutlichsen charakteri. siert wird. Im Augenblick! geht es um nichts anderes, als die nackte Weiterexi- , stenz zu sichern. Wir haben ' diese Vorfrage aller ande- I ren vorhandenen Probleme | noch nicht gelöst, und alle Versuche in dieser Richtung 'sind bisher über schöne! oder grobe Worte nicht | hinausgediehen. , I | Der brutale Kampf um 1 Machtpositionen wird mit j einer schonungslosen Grau- I samkeit fortgesetzt, als wä. j ren die Bedingungen dieselben geblieben, die noch vor .50 oder gar 100 Jahren für I das Völkerleben bestim. ' mend gewesen sind. Im! Zeichen und im Schatten der alles vernichtenden Atomwaffen arbeiten Staats, i männer und Diplomaten nach den gleichen, längst überholten Rezepten der sogenannten ..Staatskunst”( lassen der Gewalt und der Willkür ihren freien Lauf und unternehmen nichts, um ein Unheil zu vermeiden, von dem zwar alle sprechen, mit dem zwar alle spielen und drohen, obwohl i sie die Konsequenzen kennen. ohne jedoch wirklich ernste und entscheidende Schritte zur Vermeidung des Unglücks zu unternehmen. I Man hat die Losung ..Abrüstung” in die Debatte geworfen. Kein Land konnte! sich dieser Forderung entziehen. Das war eine Forderung, die geeignet erschien, die Aufmerksamkeit der Welt zu erwecken und neue Hoffnungen auf einen brauchbaren Ausweg aus vielen und komplizierten Konflikten unserer Zeit zu finden. Niemand konnte sich : dem Plan einer „Weltabrüstungskonferenz“ widerset- ,zen. Tagungen. Besprechungen. Sitzungen. Verhandlungen, Diskussionen und schüzcntrationslager Auschwitz I ■ Oberschlesien > abgescho. beu werden sollen. I Ich darf bitten, auch hier. ' zu die dortige Zustimmung auszusprechen. Als Eichmann vom Auswärtigen Amt mit Schreiben vom 23. 11. 1942 ersucht ■ wurde, den ehemaligen französischen Kriegsgefan- .genen und Juden Roger * 1 . Masse, am 13. 12. 184 in Besacon geboren, zu retten, erwiderte er mit Brief vom 2. Dezember 1942 strikt ablehnend: „Der obengenannte Juden wurde am 5. 6. 1942 aus Compiègne nach dem Osten (Auschwitz i abgeschoben. Einem Rücktransport vermag ich aus grundsätzlichen Erwägungen nicht zuzustimmen. Ich bitte um Kenntnisnahme.” Diese Ablehnung beweist, i dass nicht einmal das Auswärtige Amt einen Juden aus Eichmanns Klauen zu 1 retten imstande war. DIE VERTEIDIGUNG EICHMANNS i Tel Aviv. — Dr. Dieter i Wechtenbruch, der als Assistent von Eichmanns Ver- I leidiger. Dr. Robert Servatius, im bevorstehenden Prozess gegen den Juden. i mörder zugelassen ist, erklärte. die Verteidigung be. i absichtige, einige israelische I und nichtisraelische Entla-; stungszeugen für den Ange- | klagten zu rufen. Er weigerte sich jedoch, die Namen dieser Israelis anzugeben, sondern äusserte nur, dass Eichmann in den letzten Jahren des Naziregimes 1 den Kontakt mit mehreren Juden aufgenomir.en hätte, I von denen einige heute in Israel leben. I Wie man annimmt, be. ■ Ausweisung aus Marokko Paris. — Die marokkanischen Behörden haben den Mohel El Krief ausgewiesen. weil er vor einigen Jahren Israel besucht hat, wie aus Casa- , blanca gemeldet wird, j El Krief. der in den rabbinischen Kreisen Ma- I rokkos wohlbekannt ist,; wurde gezwungen, sein gesamtes Hab und Gut | zurückzulassen und au. sser Landes zu gehen. Das Eigentum von Ei Krief ist allem Anschein nach von den Behörden | beschlagnahmt worden. ne Reden folgten in einer kaum abreissenden Kette! von Zusammenkünften, in denen gesprochen und immer wieder gesprochen wur. 1 de. Zu irgendeinem Ergebnis gelangte man nicht, weil die Voraussetzungen für eä- ‘ ne echle Verständigung fehlten, und weil kein Partner bereit wate, von seinen luK-hf ahrenden Welf beher r. schiingsprojekten Abstand zu 1 nehmen. j Ein verständiger Bcub- ' achter erklärte jüngt u. a. folgendes: „Abrüstung wird : von vielen Politikern in aller Welt allzu oft und allzu , zynisch als eine Sache be.! trachtet, von der man in konventioneller Verbeugung , vor den Gepflogenheiten ' wohl dauernd spricht, doch [ immer mit der Absicht, nie I dafür etwas zu tun oder ' auch nur daran zu glauben.” I Gegen diese Grundeinstellung der führenden Staats- | männer müssen die Völker Sturm laufen. Der Nobelpreisträger für den Frieden, Philip Noel Baker, früher britischer Staatsminister und Labour-Politiker, hat ' mit aller Klarheit diese Haltung gebrandmarkt. Keine Aufrüstung kann irgendeine Nation sichern, betont Noel- Baker. „Für keine Nation I gibt es heute eine^andere militärische Verteidigung | als die einschneidender Abr ii s t tin gs m assnahmen, ein- : gebaut in einen allgemeine:'. A:>r“stun‘»«•vertrag, den Jede Regierung uaterzmcii. MAS ARBOLES EN EL NEGUEV Jerusalem. — “El hernioso fruto rendido por los almendrales y olivares experimentales dol Keren Kayemet en el Neguev, que se cultivan sin riego alguno, o con muy poco riego, han estimulado al Fondo a extender en mucho esta rama de su actividad, v en el año en .urso plantará el Keren Kayemet otros 250 dúnaines de almendros. También se extenderán los olivares de Diinoná —que sólo se riegan fon aguas purificadas— . on otros 600 dúnames. En vista de las numerosas innovaciones introducidas en los últimos años por el Keren Kayemet en sus trat ajos de habilitación y fomento de los suelos del Neguev, que se vieron coronadas por el más rotundo de los éxitos, puede ahora el Fondo trazar s«* programa para esa comarca sobre bases más osadas aún. Se plantan árboles en forma de cortinas rompevientos sobre camellones —lo ou» permite a los árboles prosperar sin riego— junto a ia frontera cor* la franja de Gaza, al sudoeste de Beer Sheva y en los montes del Neguev central. Este año extenderá el Keren Kayemet Leisrael su labor hasta Eiat, el punto más meridional de Israel, sobre la costa del Mar Rojo, donde plantará, en colaboración con el municipio, palmas datileras y tamariscos. SCTILOMO S. TANGER Mehr Baeume fuer den Nea^w Jerusalem. — Die grossartigen Früchte, die die versuchsweise angepflanzt.cn Mandel- und Ol vemvilder des Keren Kajemet im Negew tragen, die ohne oder mit sehr wenig Wasser gedeihen, haben den KKL ermutigt, diesen Zweig seiner Tätigkeit beträchtlich auszudehnen. Im laufenden Jahr wird der Keren Kajemet weitere 250 Dunani Mandeib"ume pflanzen. Ebenso wird er die Olivenwälder von Dimona, die nur mit gereinigtem Wasser besprengt werden, um 600 Dunam zrweüer ■. Angesichfs der zahlreichen Neuerungen, die d-_r KKL in den letzten Jahren in seinen Arbeiten der Habilitierung und Förderung der Böden de? Negew, nie von bestem Erfolg begleitet waren. eingeführt lat, kann der Keren Kajemet heute sein Programm für diesen Landstrich auf eine breitere On’i’örme stützen. In der Gegend der Grenze des Gazastrei. fens südöstlich von Beer Sehewa und auf den Bergen des Negewz.entrunis werden Bäume auf Beelen in einer Form gepflanzt, dass sie den Wind brechen, was ihnen gestaltet, ohne Bewässerung zu wachsen. In diesem Jahr wiid der Keren Kajemet l.eisrr.el seine Arbeit bis nach Elat. dem südlichsten Punkt Israels an der Küste des Roten Meeres ausdehnen. wo er in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Dattelpalmen und Tamarisken pflanzen v.ird. SCHLOMO S. TANGER zieht sich diese Anspielung auf die jüdischen Führer in Ungarn, einsch'iesslich des 1957 in Tel Aviv ermordeten Dr. Rudolf Kästner, mit denen Eichmann den schändlichen Tausch von Menschenleben gegen Lastwagen abzuschliessen versuchte. Die Erklärung Weehtenbnichs wird als Anzeichen dafür, ausgelegt, dass die Verteidigung eine Aufrol net. Man kann noch nicht einmal sagen, dass diese Forderung Noel-Bakers auf einer tiefgründigen Erkenntnis der weltpolitischen Zusammenhänge beruhe oder den Charakter ungewöhnlicher Gedanken trage. Vielmehr handelt es sich um eine sehr einfache Feststellung, die heule zu einem Allgemeingut weitester Krei. se geworden ist. Aber gera- | de diese naheliegende Forderung des an sich Selbstverständlichen übt eine bestechende Anziehungskraft aus. Dennoch gehen die Politiker auf ihren ausgetretenen Pfaden einer Interessenpolitik. die alle Merkmale des „heiligen Egoismus” tragen. — der in Wahrheit so unheilig ist —. wie ihn einstmals ein Mussolini predigte, um damit seine Raubzüge zu rechtfertigen. I Die Menschheit hat sich bis heute noch nicht daran gewöhnt, in den Kategorien zu denken und zu planen, die dem neuen Atom-Zeitalter angepasst wären. Noch immer ist man von dem taat als einer absoluten Institution überzeugt. Man hat vergessen, dass der Staat als eine adäquate Gesellschaftsform geschaffen worden ist. deren ausschliesslicher Zw'eck es ist, seinen Bürgern zu dienen. Eine unglückliche Entwicklung bei wirkte, dass der Staat allmählich begann, eine unab - I tSclnuss auf Seite 2) lung des Falle.1 TCaslrer anstrebt. um zu beweisen, dass Eichmann getrachtet habe, einige ungarische Juden vor der Ausrottung zu bewahren, was ansrhmnend durch die Haltung der Al'iierten verhindert wurde, die es ablehnten, mit Eichmanns Abgesandten Joel Brand zu verhandeln. Die Verteidigung plant ferner, wie Dr. Wechtenbruch betonte, nichtisraelische Zeugen zu rufen, falls Sicherheiten gegeben werden, dass diese bei ihrer Ankunft m Israel nicht verhaftet werden. Sollten iese Garantien nicht gestellt werden, so könnten schriftliche Aussagen vorgelcgt werden. Wechtenbruch wollte sich nicht zu der von Dr. Servatius ir Köln abgegebenen Erklärung äussern, dass er sich der Ernennung von Richter Bejamin Halevy widersetzen wuirde. obw'ohl dies eine neue Vertagung des Prozesses bedeuten müsste. (ITA) | Oie Kroenung 1 Hassans II. Paris. — Jüdische Führer w'ohnten der kiirzlichen Krönung des neuen : Königs Hassan II. in Ra.; bat bei. nachdem sic vor. ■ her an der religiösen Zeremonie in der grossen Moschee tei'genommen hatten, wo der neue Kö- . nig zum ersten Mal in ■seiner Rolle als „Herr der Gläubigen” die Ge-; bete der Muselmanen lei. i tete. : Obwohl die jüdische i Gemeinschaft als eine der 1 Religionen in Marokko! vertreten war. so sehen | die jüdischen Führer es als günstiges Zeichen an, dass s"c zu beiden Zeremonien eingeladen , worden sind. (ITA)