Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 22 (1961)
- Issue
- 1857 (3.3.1961)
- Date
- 1961-03-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYKREDON 2190 - 1? i*q. Lx Jewtana JsAxk&liiG, Año XXII. BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE MARZO DE 1ÍWI N'». l«57 Weiche Strafe erwartet Eichmann? Montevideo. — Die Strafe für Eichmann ist nicht vor. geschrieben. so äusserie Dr. .limenez de Asüa zu einem hiesigen Korrespondenten, der den berühmten spanischen Strafrechtler interviewte. welcher gegenwärtig im Rahmen der Sommerkurse an der uruguayischen Universität Vorlesungen hält. Dr. Jimenez de Asüa führte im Zusammenhang mit dem Fall Eichmann und seiner Beziehung zu der internationalen Konvention über Völkermord aus. dies sei ..ein Problem, welches die Regierungen und nicht die Individuen” betrifft. Aus diesem Grunde sei es wichtig, zu einer internationalen Uebereinkunft zu gelangen. Al'erdings wäre die Wirksamkeit ihrer Anwendung durch die Vereinten Nationen recht relativ, da diese eine schwankende Haltung einnehmen. ..Meiner Ansicht nach”, fuhr der Rechtogelehrte fort, ..ist die Existenz des Staates Israel wirksamer als diese symbolische Abmachung, und dies durch die blosse Tatsache, dass es sich hier um ein Volk han. ' delt, das jede Drohung abwehren kann. Was die Arj gumente angeht, die für das Strafmass der von Eichmann verübten Verbrechen 1 ins Feld geführt werden, so halte ich seine Anwendung , für ebenso absurd, wie die i Anwendung der gewöhnlichen Bestimmungen des Strafgesetzbuches auf die Nürnberger Prozesse. Das wäre dasselbe, als ob man eine Feuersbrunst mit einer Dusche löschen wollte.” Die Tatsache, dass einige Mörder vom Schlage Eichmanns geschickt genug waren zu entkommen, so setzte er hinzu, könne keine Rolle bei der Strafbemessung spielen, denn die ermordeten Millionen Juden seien endgültig tot. Dr. Jimenez de Asüa erwähnte an einer anderen Stelle seiner Erklärungen, dass er als freier Mensch ausser anderen Ländern auch Israel besucht habe und von den in den Kibbuzim angewandten erziehen. WIE ICH ES SEHE ¡Eine wichtige Entscheidung -><* *♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ * ton JEHUDA GOTTHEMER Es ist eine interessante Erscheinung, dass trotz des gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwunges der westdeutschen Bundesrepublik die Erregung und die Debatte über die keineswegs bewältigte Vergangenheit immer stärker werden. Einmal mehr erweist sich die Richtigkeit der These, dass es in den Fragen der Völkerpsychologie, der Soziologie und der Gese'lschaftslehre keine allgemein gültigen und beständigen Gesetze geben kann, sondei dass die Praxis des Alttags, die Notwendigkeit, neu gewordene oder neu geschaffene Situationen zu meistern. auch zu neuen gesellschaftlichen Ausdrucksformen - führt. Alles und Neues ringen miteinander. Der Generationen-Unterschied tritt mit aller Schärfe hervor.' Wie vielleicht selten bei der Ablösung von führenden Schichten bildet dieser sich anbah. nende Wechsel die grosse Hoffnung auf eine neue Entwicklung. die nicht mehr von Hass und Blutschuld belastet ist. die vielmehr ihre bewegenden Impulse aus der Sehnsucht nach Freiheit und Recht schöpft. Dass es sich weitgehend um einen Kampf zwischen Fortschritt und Reaktion handelt, beweist die Debatte. die über das Problem Euthanasie geführt wird. Im Grunde genommen handelt es sich weder um eine Euthanasie, die hier diskutiert wird, noch um ein Problem, sondern um den Versuch, die durch die Nazis angerichtete Begriffsverwirrung wieder zu beseitigen. Der systematische Versuch, die alten und übernommenen. man darf sagen. die traditionellen Vorstellungen eines Volkes von Grundbegriffen wie Ethik und Moral. Recht und Menschenwürde, wurden von den Nazis langsam, aber gründlich*'’zertrümmert, so. dass die Hemmungen, die ein normaler Mensch durch Erziehung und Bildung in sich trägt, niedergerissen wurden und den Weg zum Massenmord freigaben. Man sollte sich daran gewöhnen, --iele Erscheinungen ' des NS.Unreehtsstaates unter diesen Aspekten zu betrachten. Damit wird vieles verst "ndlieher, was sonst unbegreiflich bleiben muss. Tn diesen Zusammenhang gehört auch die von den Nazis verbreitete These von ..minderwertigen‘‘ Völkern, : Rassen und Leben. Das Grundprinzip, dass alle Menschen im Ebenbild Juden Irauern um Mohammed V. Pari«. — Die marokkanischen Juden trauerten um den verstorbenen König Mohammed V. In allen Synagogen des Landes fanden Trauergottesdienste statt, bei denen der liberalen Gesinnung des Königs gedacht wurde, der im Jahre 1942 sich weigerte, ein Dekret cier vic;hy"Regierung gegenzuzeichnen. das in Marokko den Nürnberger Gesetzen ähnliche Bestimmungen einfiihren wollte. In den Kriegsjahrcn widersetzte sich der König wiedsrholt den Absichten des Marschalls Petain, in Marokko für die Juden den Davidstern einzufühten. Die Juden erinnern sich auch daran, dass Mohammed V. zur Zeit der Gründung Israels sich nicht zur Teilnahme an der arabischen Kampagne gegen Israel bewegen liess. Wenige Tage vor seinem Ableben hatte der König das Auswanderungsverbot für die Juden aufgehoben. Man befürchtet., dass sein Tod den Widerruf des ki niglichen Beschlusses bedeuten könne, da der neue König Hassan nur mit der Unterstützung der national stischen Istiklal-Partei und der Armee rechnen kann, während er sich der Opposition der anderen Bewegungen. einschliesslich der Union Nationale des Forces Populates gegenübersieht. i.ITA) Gottes geschaffen worden sind, und der an sich v/oiil natürliche Respekt vor dem Leben des Mitmenschen, der eines der Fundamente bei der Formung jeder zivilisierten menschlichen Gesellschaft bildet, wurden durch eine langanhaltei-.de, ursprüngliche Propaganda und durch eine perverse Abrichtung der Jugend durch Drill und Erziehung von den Nazis vernichtet. Sie erklärten, dass es Herren- und minderwertige Menschen gäbe, wobei sie selbst natürlich in einer völlig einseitigen. heute geradezu kindisch anmutenden Form darüber entschieden. vier Herr und wer Knecht, und wessen Leben Sehenswert oder minderwertig sei. Die. se zu Gesetzen erhobenen Barbarismen genügten, um das Volk für den Massenmord reif zu machen. Bei ihrem Ausrottungswahnsinn machten die Nazis auch vor den ..eigenen Volksgenossen“ nicht Halt. Politische Gegnerschaft reichte bereits aus. um Andersdenkende zu ..Untermenschen“ zu deklarieren und ihre ..Liquidation“ zu einem Postulat der Gesellschaft eder des ,,Or- 1 detis“ der Herrenmenschen zu machen. Verkrüppelt", und geistig : erkrarkte Menschen fielen als ..iebensunwert“ eben- , falls unter das Mordpro. gramm des Dritten Reiches , Für die Ermordung dieser | Gruppen, dieser ungliickli-! chen Menschen, deren Schicksal zu erleichtern, | Pflicht und Aufgabe von i Kulturmenschen ist, erfan- \ den die Nazis eine ebenso I irreführende wie provozierende Bezeichnung oder Pa.! role: Euthanasie. Was sich! hinter diesem Fremdwort verbarg, ahnte niemand. Im I Gegenteil: jeder Unbeleilig- I te durfte den Eindruck ge- , winnen. dass die Nazis hier als Wohltäter der Mensch, heit auftreten. Denn Euthanasie heisst doch eigentlich ..angenehmer Tod" oder ..Todeslinderung“, bedeutet Hilfeleistung beim Sterben, niemals aber Herbeiführung des Todes wegen Aussichtslosigkeit des Lebens! Der berühmte deutsche Strafrechtler Franz von sehen Methoden tief beeindruckt worden sei. EIN GEBROCHENER MENSCH 1 London. — ,,Adolf Eichmanns Arroganz hat sich verflüchtigt. Die verbindliche Maske des SS-Oftiziers ist gefallen. Hinter den Ge. fät’gnismauern haben seine Ankläger erlebt, wie Eiehmann moralisch zusammen, gebrochen ist.” So beginnt ein langer Artikel von Pej ter Robins. der kürzlich im ..Daily Mail” erschien. Robins schreibt, Eichmann hai be geglaubt, er werde nur einige Einzelheiten aufzuklären haben und zu einer leichten Strafe verurteilt I werden. Seit er jedoch mit . seinem Verteidiger, Dr. Ro. I bert Servatius, allein gesprochen habe, sei sich i Eichmann zum ersten Mal bewusst geworden, dass die Welt die Dinge mit anderen ' Augen ansieht und sein Leben auf dem Spiel steht. Eichmann, so heisst es in dem Artikel, leidet in letzter Zeit unter hysterischen Anfällen und verlangt dauernd. dass der Prozess vertagt werden soll. Als er hörte. dass die Gerichtsverhandlung um einen Monat aufgesehoben wurde und zumindest zwei Monate dauern würde, ..warf er sieh auf sein Bett und schluchzte”. Ein weiterer Schlag, der den Angeklagten erwar. ■ (Schluss auf Seite 3t UN PLAN DE VEINTE AÑOS Washington. — Un plan de 29 años como última fase de lo que designó “la guerra de Israel contra el desierto“ involucrando el desarrollo d d Neguev y de otras áreas, filé revelado por Yaakov Tsur, presidente del Fondo Nacional Judío y ex embajador en Paris y Buenos Aires. Tsur reclamó “duplicar el territorio Je Israel dentro de sus fronteras actuales”. El plan de Tsur involucra la rehabilitación de Uí).900.000 hectáreas en el Nesuev, Galilea y Juste*, la plantación de 250 millones de árboles, la colonización de 190.000 familias. El costo del plan se estima en 250 millones de dólares. I.os judíos estadounidenses fueron instados a contribuir su parte. Destacó Ts.ur une el 60 por ciento del Urritorio israelí está yermo y debe ser desarrollado. “Otiizás un día mereceremos los cumplidos de los holandeses, Quienes arrebataron su país al mar. Entonces se dirá une Dios creó el mundo y los judíos hirieron a Israel.” La asamblea aceptó el »dan Tsur y se comprometí» a contribuir anualmente los millones dólares requeridos para la cifra mencionada. FRANK LEHMAN Ein Pian für zwanzig Jahra Washington. — Ein Zwanzigjahre-splan als letzte Phase für das. was er ..Israels Krieg gegen die Wüste” nannte, einschliesslich der Entwicklung des Negew und anderer Gebiete, wurde von Jaakow Tsur, dem Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds und Exbotschafter in Paris und Buenos Aires. enthölP. Tfur forderte die ..Verdoppelung von Israels Territorium innerhalb seiner heutigen Grenzen”. Tsus Plan beinhaltet die Rehahditieriing »on 1:50 Millionen Hektar im Negew. in Galiläa und Judäa, die Pflanzung von 250 Millionen Bäumen, die Ansicdlimg vor 100.000 Familien. Die Kosten des Plans werden auf 250 Mil'ionen Dollar geschätzt. Die Juden Nordamerikas wurden aufgefordert, ihren Teil beizutragen. Tsur hob hervor, dass 00 Prozent des israelischen Territoriums Einöde ist und entwickelt werden muss. ,,Vielleicht”, führte er aus. ..verdienen wir eines Tages die Glückwünsche der JTollün'der. die ihr Land dem Meer abgeruneen haben. Dann würd man sagen, dass Gott die Welt und die Juden Israel schufe-r..” Die Versammlung bi’ligfe den Plan Tsurs und verpflichtete sich, jährlich die für die erwähnte Summe notwendigen Millionen Dollar beizutragen. FRANK LEHMAN Liszt tgost. 1919) schrieb: ..Die Gewährung der Euthanasie (Sterbehille> kann nur in den engsten Grenzen , als rechtsmässig angesehen ".erden.“ Liszt - S hmidt wenden sieh vehement gegen die extreme Auffassung i von Binding. dass ..eine Töfungshandlung nicht vor. liegt, wenn bei sicherem ( Bevorstehen eines baldigen qualvollen Todes die vorhandene Todesursache durch eine andere von der gleichen Wirkung ersetzt wird, welche die Schmerzlosigketi 1 vor ihr voraus hat“. Aber selbst diese Interpretation von Binding hat nicht das Geringste mit der nazistischen Mordpraxis zu tun. . die sich hinter dem Begriff ..Euthanasie“ heimtückisch j versteckte. Denn Euthana-! sie bedeutet Todeslinderung nicht LebensVerkürzung, die , von den Nazis einfach da- 1 mit gerechtfertigt wurde, dass es sich um lebensunweite Leben gehandelt ha. . be. | i Mit dieser beabsichtigten i Fehlbezeichnung wollten die Nazis über ihre wahren Absichten hinwegtäuschen. Dieselbe Methode wandten sie mit ihren Konzentrations- 1 lagern an. Das Haupttor in Auschwitz war von der Rie- : seninsehrift ..geziert“: Ar. , beit macht frei! — Nichts,' j aber auch garnietds. was in 1 den KZ geschah, hatte auch nur im entferntesten mit. 1 dieser Inschrift zu tun. Die Oei'fc.ntlicbk'i1 die Getan- : genen, die Umweit soll'en i getäuscht werden. Die Häftlinge selbst erfuhren .sofort die volle Wahrheit, dass die KZ der Nazis die ’ sc? endlichste:: Einrichtungen gewesen sind. die * b'mals von Menschen für j .Menschen erfunden wurden. Die Frage der F.'jth.uiasie beschäftigt heute aus meineren Gründen die Gerichte. die Verwaltungen, und Regierungen und das breitere Pub’ikum. vor allem der Bundesrepublik. Die angeriohtete Begriffsverwirrung ist noch nicht überwunden. An dieser Stelle haben wir vor einer Woche bereits auf diese Aus. einandersetzungen hingewie.sen. die zu der Forderung einer völlig reuen und eigenartigen ..Wiedergutmachung“ geführt haben. Ein reaktionärer deutscher Schreiber versuchte die Hamburger Euthanasie. Aerzte zu rechtfertigen, indem er sich ohne grosse Anstrequngen der alten nazi: stisrhen Phraseologie bediente. Vor wenigen Wochen hat der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofes ein grundsätzliches Urteil zur Eu. thanasie-Frage gefällt, das erfreulicherweise in seinen Darstellungen und Begründungen klar ist und keine Auslegungen zulässt. Mit Rücksicht ruf die Bedeutung. die dieser Frage zur Ueberwindung de-s nazistischen Denkens und der nazistischen Propaganda zukommt. wollen wir diese Entscheidung des obersten deutschen Gerichts hier im einzelnen wiedergeben, die auf die Revision eines Arz. tes ergangen ist. der von 1933 bis 1945 Ministerialdirektor war und als Leiter der Gesundheitsabteilung des bayerischen Innenministeriums bei den von Hitler befohlenen Massentötungen erwachsener Geisteskranker mitwirkte. Zu der Behauptung des Angeklagten, er habe damals das Verbotene seines Tuns nicht erkennen können heisst es in der Entscheidung. allein schon durch die Geheimhaltung von Massentötungen der ..lebensun. werten” kranken Erwachsenen und Kinder hätte er Verdacht schöpfen müssen, zumal ein solches Verschweigen des wahren Zwecks der Krankentransporte zur ,,Reichsansta!t“ gegenüber den Kranken selbst, wenn in ihnen der natürliche Wille zam Leben er. loschen gewesen wäre, überflüssig und sinnlos hätte erscheinen müssen. Der Widerspruch zwischen dem Hippokratischen Eid, mit dem jeder Arzt feierlich gelobt, niemandem zu schaden, und der planmäs. sigen Tötung von Menschen — ..und seien es auch Geisteskranke“ — sei offen- (Schluss auf Seite 2) . Nazistische Gipfelkonferenz i Glasgow'. — Eine internationale faschistische Kon fci'enz wird in London vorbereitet, die zur gleichen Zeit mit der Eröffnung des Eichmann-Prozesses in Jerusalem stattfinden soll, wde der Labour-Abgeord. nele Sir Leslie Plummer enthüllte.! Sir Leslie, der auf der Tagung des Jüdischen j Weltkongresses in Glasgow als Redner aultrat, wies , darauf hin, da.-s das Innenministerium Sorge trauen > i müsse, damit die Polizei antisemitischen Ausbrüchen! vorbeuge. die sich als Reaktion der Neonazis auf den | | Eichmann-Prozess ereignen könnten. Wenn eine ^;;1- ' | die internationale Konferenz wde geplant in London. : ■ tagen sollte, so erklärte Sir Leslie. werde die Arbei-I j terschaft ihren Gefühlen in einer Weise freien Laut 1 i lassen, dass die kiirzlichen Szenen vor der l>eki! sehen Botschaft in London im Vergleich dazu ..ein i : Kinderspiel” sein würden. j : Der Labour-Deputierte führte aus. er hoffe, dass j 1 der Prozess gegen Eichmann den Ländern, die heiuo j; noch frühere Naziverbrecher in hohen Staatsposten I j beschäftigen, zeigen werde, dass die Welt dieser Si : tuation mit Abscheu, überdrüssig ist. UTA) i