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Jüdische Wochenschau · 1961-02-28 · 1856 (28.2.1961) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
22 (1961)
Issue
1856 (28.2.1961)
Date
1961-02-28
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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fRANQ JEO PA«ADC o S * K 5 S R 9 c U h C < c: Concesica 908 Concesión 1829 TARIFA REDUCIDA Ano XXII. BUENOS AIRES, MARTES 28 DE FEBRERO DE 1961 No. 1856 EL EJEMPLAF en toda la Republie; Buenos Aires PUEYRREDON 2190 1» T. E. 83 . 2813 4, uq. Propaganda und Wirklichkeit wt Konferenz in Montevideo M (, ) | Montevideo. — Die Konferenz der israelischen Der ägyptische Verteidigungsminister Abdel Hakim Amr. der bekanntlich den Suez-Feldzug verlor, hielt sich zu wichtigen Beratungen in Moskau auf. Ausser Amr begab sien auch der Kommandeur der svrischen Truppen nach der sowjetischen Hauptstadt, und mit den beiden führenden Militärs reisten viele Sachverständige, die sich an den Verhandlungen beteiligen sollten. Die Forderung nach Lieferung von MIG 19 Flugzeugen stand im Vordergrund der Debatten, daneben die Frage der Beschleunigung des Baus des Assuan.Dammes. Die wirtschaftlichen Erfolge der VAR wurden in Moskau *»hr gelobt. ZWEI MEINUNGEN Ueber diese wirtschaftlichen Fortschritte bestehen jedoch in Moskau zwei Mei- ] rungen. Wenn Krutschew, Mikoyan oder einige andere Sowjetpolitiker sprechen, ■ dann wird die Entwicklung der VAR in leuchtenden i arben dargestellt. Die wirtschaftlichen Experten in Russland haben dagegen eine ganz andere Auffas- \ sung von der Situation im Staate Nassers. Die Moskauer Akademie cer Wissenschaften veröffentlichte kürzlich ein gro- ' sses Werk über die wirt- I schaftliche Entwicklung der! Länder Asiens und Afrikas,; und die Experten der Aka- ' dtmie schildern die Situa- | tion in Aegypten recht pes-' simistisch. Infolge der Fusion Aegypten-Syrien sind | sehr ernsthafte Wirtschaft. ' l che Schwierigkeiten auf. : getaucht. Die Landwirt- . schaft befindet sich auf ei- 1 nem äusserst niedrigen Stand. 67 Prozent der Be-! vi>lkerung. vor allem die Bauern und Landarbeiter : leben in dürftigen Zuständen, und sie leiden zum Teil i Hunger. Die Politik der Re. gierung auf dem Gebiet der I Landwirtschaft muss als [ gescheitert bezeichnet wer- | den. 1 Auch die Lage der Indu- . slrie ist nicht rosig. Die; Preise für Lebensmittel und : andere Konsumgüter stel- ' gen. und der Lebensstandard der Arbeiter ist sehr! niedrig. Die Interessen der Polizei werden durch niemand vertreten, da die Gewerkschaften unter scharfer Polizeikontrolle stehen. Alle Bemühungen der Regierung am Preisstabilisierung führten nur zum Verschwinden der Waren von den Märkten und zur Bildung eines schwarzen Marktes. Die Arbeitslosigkeit mag zurückgegangen sein. Aber die offiziellen Statistiken sind nicht zuverlässig, und 32 % der Arbeiter und Angestellj ten haben keine „volle Be- ' schäftigung” — das sind die Schlussfolgerungen der Sachverständigen der sowje. j tischen Akademie. f Diese Ausführungen, die sich ungeheuer von den offi- I ziellen Propaganda-Reden j unterscheiden, werden durch I F.'rklärungen von westli- | eben und arabischen Beob-! achtern unterstützt — wo- I bei es sich um Persönlichkeiten bzwT. Gruppen handelt, die den Arabern durch-; aus wohlwollend gegenüber slehen und in keiner Weise als zionistische Propagandisten verdächtigt werden können. SYRIEN GLIEDERT SICH NICHT EIN 1 Der Orient-Korrespondent der „New York Herald Trii bune” Joe Alex Morris jr., i der alles andere als israelfreundlich ist. äusserte sich sehr kritisch über die Aussichten der Union VAR-Sy- , rien. „Drei Jahre nach der , Ehe beider Staaten und der 1 Bildung der VAR bestehen noch erhebliche Zweifel , über die endgültige Form, die diese Union annehmen kann", schreibt Morris. Der Korrespondent weist darauf I hin, dass Nasser zwar gro. : sse Popularität in Syrien geniesst und dass er bei seinen Reden in Damaskus I und anderen Städten Sy- ' riens begeistert beklatscht wird, aber de facto besitzt Syrien heute ein erhebliches I Mass an Autonomie, und Nasser hat sich damit widerwillig abfinden müssen. | Im Oktober 1959, als die | Situation in Syrien sich sehr zuspitzte, entsandte Nasser den Marschall Abdel Hakim Amr als seinen Stellvertreter nach Syrien, mit dem Auftrag, dort Ordnusg zu schaffen und die Nord-; provinz wirklich in den Ver- | einigten Staat einzugliedern. Amr hat seine Mission nie offiziell beendet, und er ist theoretisch auch heute noch Stellvertreter Nassers für Syrien. Tatsächlich hat er jedoch die Nordprovinz vor einigen Monaten in aller Stille verlassen, und die Macht in Syrien ist völlig auf den früheren Innenmi- ] nister Hamid Serradj übergegangen. Serradj übt das Regime in der Nordprovinz , als „Beauftragter Nassers” aus, nach aussen geniesst er auch das völlige Vertrauen ZUM EICHMANN - PROZESS (Schluss von Seite 1) ten. deren Zahlung ihm Israel zugestanden hat und von denen er schon einen Teil bekommen habe. Dr. Servatius und sein Adjutant, der aus Deutschland stammende Anwalt Wechtenbruch, der hebräisch spricht, waren mit Eichmann täglich 4 bis 5 Stunden zusammen, um die Verteidigung vorzubereiten. Das Dr. Servatius ausgehändigte Material enthält ca. 500 Dokumente, von denen ein jedes 1 bis 100 Seiten zählt. Eichmann selbst j schrieb oder dikitierte rund ' 4.000 Seiten bei „einen Verj hören durch die Polizei. In | diesen Aussagen nennt er j zahlreiche Personen, die am Massenmord an den europäischen Juden beteiligt gewesen sind. Viele dieser , Leute haben heute Staatsämter in den beiden Regierungen Deutschland inne. Dr. Servatius versicherte, i „die Verursachung von , Schwierigkeiten für diejenigen, die noch am Leben sind, wird uns nicht daran ' hindern, ihre Namen dem! Gericht zu nennen oder sie soga> als Zeugen vorzula. j den." 1 POLNISCHE WITWEN UND WAISEN KLAGEN , Jerusalem. — Das Justiz. | ministerium erhielt in diesen Tagen eine Privatklage des bekannten polnischen Juristen Dr. Ostrowski, der von Eichmann die Zahlung von einer Billion Dollar im Namen der Witwm und Waisen der Juden verlangt. die von den Nazis in Polen umgebracht worden sind. UNGEHEUERLICHE VERBRECHEN Jerusalem. — Die Ankla geschrift gegen Eichmann zählt die 15 Hauptpunkte der dem Angeklagten zur Last gelegten Verbrechen im einzelnen auf. Sie spricht von den Zwangsarbeitslagern, von den Gaskammern in Auschwitz, in denen die Juden aus Deutschland und den besetzten Ländern mit Giftgas umgebracht wurden. Sie stellt fest, dass Eichmann nach der Invasion Polens im September 1939 vier Sondergruppen aufstellte, deren koordinierte Aktion der Ausrottung der Juden galt. So ermordete die Gruppen „A” 80.000 Juden in Li. tauen, 30.001 in Lettland, 470 in Estland, über 7.600 i:i Weissrussland, 2.000 in Russland und 5AßO in Tilsit, insgesamt also über 135.000 Juden. Die Gruppe „B" hatte am 14. November 1941 in Weiss. russland und angrenzenden; Gebiete 45.000 Juden umge- 1 bracht. Die Zahl der von der Gruppe „C” am 3. No-! vember 1941 getöteten Ju- ' den belief sich in der Ukraine auf über 75.000. von denen allein in Kiew 33.000 getötet wurden. Die Gruppe „D” tötete am 12. Dezember 1941, wie es heisst, 54.000 Juden. Die Anklage schätzt, dass von j August bis November 1942 i diese Sondergruppen insgej samt 363.000 Juden ermordeten. , EICHMANNS RIC.MTKR j Jerusalew. — Wie jetzt offiziel bekanntgegeben wurde, ist Mosche Landau, der ' Mitglied des Obersten Ge- ' richtshofes von Israel ist, I zum Präsidenten des Ge- . richts ernannt worden, das j über Adolf Eichmann das Urteil sprechen soll. Latidau wurde 1912 in Danzig gebo.! ren. Die beiden anderen I Richter in diesem Prozess i sind Benjamin Halevy und | Jitzchak Raveh, die auch in j Deutschland geboren wurden und ebenso w'ie Landau im Jahre 1933 in das damalige britische Mandatslands 1 Palästina einwandertgn. I des Diktators von Kairo — j aber ohne Zweifel kann Nasser gegenüber Serradj nicht i alles durchsetzen, was er erreichen möchte, und er muss Serradj eine erhebli- 1 che Fülle von Macht überlassen. ’ Der syrische Machthaber ist sogar dazu übergegangen, die Verbindungen zwischen Damaskus und Kairo za lockern. Das Amt des syrischen Ministers für Verbindung mit dem Präsidenten (also mit Nasser) wurde aufgelöst, und damit wurde das offizielle direkte Bindeglied Damaskus-Kairo beseitigt. Serradj hatte übrigens schon während der Anwesenheit Amis seine Machtfülle unter Beweis gestellt. Syrische Medizinstudenten. die sich unmittelbar an den Marschall Amr gewandt und ihm ihre Nöte dargelegt hatten, wurden kurze Zeit später von Serradj verhaftet, der ihnen auf diese Weise zeigen wollte, dass in Syrien nur er die zuständige Behörde sei. I NTEDRUECKUNG DER GEW ERBSCHAFTEN Die Wirkungen der Diktatur in Syrien werden auch im Organ des marokkanischen Gewerkschaftsbundes „L’Avantguarde" beleuchtet, und dieses an sich panarabisch eingestellte Blatt zögert sicht, die Unterdrük. kung der Arbeiter in Syrien schärfstens zu kritisieren.- Das Blatt schreibt einleitend: ..Die Revolution hat wirklich im Gebiet der Ver. einigten Arabischen Republik Kräfte des Guten und des Fortschritts freigesetzt, die sich unter dem Joch des | Kolonialismus und der Reaktion nicht regen konnten.” Nacn dieser positiven Feststellung muss die Zeitung jedoch erklären, dass die Gewerkschaftsbewegung : in Syrien einer ..Kette von j niederträchtigen Angriffen” 1 ausgesetzt ist. i Für diese Attacken wird der syrische Arbeitsminister Akrim Diri verantwortlich gemacht, der alle Fori derungen der Gewerkschaf- , ten ablehnte. Er erklärte, er werde keine soziale Fordejmng berücksichtigen, solan. , ge der syrische Gewerkschaftsbund fortbesteht, und | e r forderte Auflösung die-! scs Verbandes. Da Akrim I Diri die Auflösung des Ge- ' werkschaftsbundes nicht er. ’! reichen konnte, versuchte j er, den Bund von innen her j zu spalten, und er hetzt Gei I werksehaftsführer gegenein-! ander auf. Der syrische Arbeitsminister wird als „volksfeindlich” bezeichnet, und die marokkanischen Gewerkschaften, also eine pan - arabisch - nationalisti. sehe Organisation, erheben schärfsten Protest gegen das Vorgehen dieses Arbeitsministers und gegen die Unterdrückung der Freiheit in Syrien — die allerdings mit der sogenannten Revolution eng zusammenhängt, die „L’Avanguarde” zuerst so gelobt hatte. Beobachter aus Moskau und aus dem Westen sind sich also darüber einig, dass die Situation im Staate Nassers alles andere als glänzend ist. Die einen .1 cs h«ktifM\ ciph nirht wirt- Montevideo. — Die Konferenz der israelischen Botschafter in Lateinamerika, die in Montevideo tagte. beschloss, die Erweiterung der direkten Flug- und Schiffsverbindungen zwischen Südamerika und Israel zu empfehlen, um Handel und Personenaustausch zu fördern. Diese Initiative sowie weitere Vorschläge, über die auf dieser Konferenz beraten wurden, sollen dem israelischen Aussenministerium unterbreitet werden. Sie bezwecken, neue Wege zur Intensivierung des Handels- und Kulturaustausches zu eröffnen, wie Dr. Chaim Yaehil. der Generaldirektor des Aussenministeriums Israels mitteilte, der das Präsidium der Tagung führte. Dr. Yaehil betonte im weiteren, seine Regierung sei in jedem Augenblick bereit, mit den arabischen Staatsmännern zusammenzutreffen, um über den Frieden im Mittelostraum zu verhandeln. „Unsere Wünsche nach Frieden mit den Arabern”, führte er aus. .beinhalten nur das Verlangen, dass sie die Existenz Israels und unser Lebensrecht anerkennen.” Was die gegenwärtige politische Lage in seinem Land betrifft, so versicherte Dr. Yaehil. sei er davon überzeugt, dass der tiefe demokratische Geist, der das Leben des Volkes beherrscht, zu ihrer baldigen Lösung beitragen werde. Im weiteren verwies er darauf, dass der gegen den Kriegsverbrecher Adolf Eiehmann anhängige Pozess sich im Rahmen der absoluten Legalität bewegen werde. Abschliessend sprach Dr. Yaehil über Israels Beziehungen zu den afrikanischen Ländern und unterstrich. dass die technische Zusammenarbeit, die Israel heute in weitem Masse gewährt, was sich in erster Linie auf Ghana bezöge, fortgesetzt werden würde. An diesem Programm könne die Engergestaltung der Beziehungen dieser Länder mit der VAR nichts ändern, denn der Beitrag Israels sei nicht von politischen Aktionen bedingt. HAUPTVERFAHREN GEGEN KOLB Nürnberg. — Das Schwurgericht Nürnberg hat kürzlich gegen den 67 Jahre alten ehemaligen Schutzhaftlagerführer im Konzentrationslager Sachsenhausen, August Kolb, das Hauptverfahren eröffnet. Kolb wird des Mordes und der Körperverletzung mit Todesfolge beschuldigt Die mündliche Verhandlung wird voraussichtlich in den nächsten schaftlichen Nöte aufzuzeigen, und die anderen sprechen offen über politische Unterdrückung und über Versklavung der Arbeiterschaft. Für die unnormale Konstellation in der Weltpo. litik von heute zeugt es jedoch, dass trotzdem Nasser als „grosser Mann” in den UN auftreten kann und dass seine Mitarbeiter in Moskau mit Ehren überhäuft werden. Wochen stattfinden. Kolb soll 1943 oder 1944 angeordnet haben. einen Häftling zu verprügeln. Der Häftling ist am Tag darauf an den Folgen von 70; Schlägen gestorben. Ausserdem wird dem Angeklagten! zur Last gelegt, im Sommer 1944 die Züchtigung von 15 . Häftlingen befohlen zu haben. von denen einer am folgenden Tag den dabei er. , littenen Verletzungen erlegen sein soll. Kolb war schon 1954 wegen KZ.Verbrechen vom Schwurgericht N irnherg r.\j vier Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt worden. Das Obsrlandesge. richt Nürnberg hatte sich im August 1959 damit einverstanden erklärt, Kolb gegen Stellung einer Kaution in Höhe von 15.000 Mark aus der Untersuchungshaft zu entlassen. iAWZ) Die Auswanderung aus Marokko Paris. — Dr. Nachum Goldmann erklärte, seiner Annahme nach sei König Mohammed V. aufrichtig gewesen, als er der marokkanischen Judenheit versprach, sie dürfe frei auswandern. Er fügte hinzu, allerdings müsse die Zeit zeigen, ob die lokalen Behörden diese Anweisung getreu durchführen. Der marokkanische Informationsminister Moulay Achmed Alaoui, warnte, falls seine Regierung feststellen sollte, dass eine organisierte Auswanderung nach Israel stattfindet, „die Aushändigung von Pässen an die Juden eingestellt werden würde.” Wie ein Bericht aus Rabat besagt, bestätigte der Minister, dass den Juden frei Pässe ausgestellt werden sollen, doch er fügte hinzu: „Die Juden sind ein integrierender Bestandteil unserer Volksgemeinschaft, und wir wünschen nicht, dass diese Gemeinschaft auseinanderfält.” Der Informationsminister hat verschiedene Auskünfte über diese Frage erteilt und schon vier Pressekonferenzen veranstaltet, auf denen er das Problem behandelte. (ITA) Wie bereits in der Tagespresse bekannt gegeben wurde .ist Mohammed V., König von Marokko ,in der vergangenen Woche plötzlich verstorben. Die Rückwirkung des Todes auf die Lage ist abzuwarten. — Registro de la Propiedad Intelectual No 656.635 Imni’AGA an la ImnT^ntâ POLIGLOTA D4ir4r)oi;ío ’• 2)1

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